Berichte

Whale-Watching bei den Azoren/Insel Sao Miguel


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Doris Thomas/7. Juni 2008

In den Pfingstferien (2008) erfüllte sich für mich ein lang gehegter Traum. Whale-Watching bei den Azoren. Ich genoss zwei Wochen Sao Miguel und insgesamt fünf Walbeobachtungsfahrten.

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Sao Miguel ist vulkanischen Ursprungs. Es gibt einige wunderschöne Kraterseen, wie zum Beispiel den Doppelsee Lagoa Azur und Lagoa Verde. Beim dritten Anlauf und 20 Fotos später machen sie dann auch ihrem Namen alle Ehre: blau und grün.

Auch der Lagoa Fogo wird seinem Namen gerecht. Meistens steckt er im Nebel. Aber wir waren positiv überrascht, als sich auf halber Strecke des Trampelpfades vom Kraterrand hinunter zum See eine wunderbare Sicht auftat.

Schroffer schwarzer Lavastein, an dem die weiße Gischt emporsteigt, zeichnet die meisten Küstenstreifen aus. Es gibt auch einige wenige dunkle Strände. Baden ist jedoch mit großer Vorsicht zu genießen. Besonders im Frühjahr schauen nämlich die Feuerquallen vorbei. Für wen das noch nicht genügend Nervenkitzel ist, kann sich auf die hochgiftige Azorenqualle freuen. Zwei Berührungen mit den bis zu 12 m langen Tentakeln und man segnet das Zeitliche. Und dabei dachten wir am Anfang, es sei eine entsorgte Plastikverpackung. So kann man sich irren.

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Schon am Flughafen “lacht” mich der erste Delfin verheißungsvoll an. Kaum in Ponta Delgada angekommen, strebe ich sofort den Whale-Watching-Anbietern am Hafen zu. Bevor ich noch zu FUTURISMO komme, die am professionellsten organisiert sind und mit denen ich schon per E-Mail Kontakt hatte, bleibe ich an einem kleinen Pavillon hängen. DOMINGUESSUB. Ich nutze die erstbeste Möglichkeit, um mich zu informieren. Der Chef Tiago ist mir auf Anhieb sympathisch, und nachdem bei FUTURISMO niemand etwas von meinen E-Mails weiß, fällt meine Entscheidung für DOMINGUESSUB. Die erste Tour ist gebucht. Meine erste Nervosität verfliegt.

Tour 1

Strahlender Sonnenschein, ruhige See. Zwölf Passagiere passen auf das Zodiak. Es gibt zwei Skipper: Luis und Joao. Vor der Abfahrt gibt es eine kurze Einweisung, welche Walarten wir eventuell zu Gesicht bekommen werden. An diversen Aussichtspunkten an Land gibt es Mitarbeiter, die nach Walen Ausschau halten und mit ihrer Whale-Watching-Organisation in Verbindung stehen. Mit einer kleinen Verzögerung erfahren das dann auch die Konkurrenzunternehmen. Es wird englisch und portugiesisch gesprochen. Freiwillig ziehe ich mir mehrere Schichten Kleidung an. Auf dem Zodiak wird gleich die Post abgehen. Wir erhalten alle Regenjacken und Schwimmwesten. Dann klemmen wir uns in die Sitze. In zwei Reihen sitzen wir hintereinander. Die hohen Rückenlehnen und die Haltemöglichkeit vor einem erweisen sich als sehr sinnvoll.

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Pottwale werden uns in Aussicht gestellt. Ich kann es kaum glauben. Das Wasser ist nicht weit von der Küste entfernt bereits 2.000 m Tief. Die Azoren liegen halt mitten im Atlantik. Ideal für Pottwale, die in großen Tiefen nach Kraken jagen. Würde ich so viel Glück haben? Tatsächlich. Insgesamt sehen wir 5 Pottwale. Zunächst liegen sie an der Oberfläche und ruhen sich aus. Ihr Blas geht nach schräg vorne links, denn dort haben sie das Blasloch. “Ah” und “Oh” ist zu hören, wenn sie vor dem Tauchgang ihre Fluke zeigen. Das Herz schlägt schneller. Dann das Highlight der Saison. Unvermittelt springt ein Pottwal aus dem Wasser. Mein Mann hat Glück, seine Augen schauen gerade in die richtige Richtung. Ich sehe nur noch den Monsterplatsch, als das gewaltige Tier auf der Wasseroberfläche aufschlägt. Atemberaubend.

Auf der Suche nach Großen Tümmlern fahren wir an einer riesigen Karettschildkröte vorbei. Unser Skipper holt sie aus dem Wasser. Offiziell, um die Parasiten zu entfernen, was er auch tut. Für uns an Bord natürlich ein Bonbon. Die Schildkröte zeigt hingegen weniger Begeisterung, und alle müssen aufpassen, dass sie dem kräftigen Schnabel nicht zu nahe kommen. Vorsichtig wird das Tier nach der Säuberung wieder ins Meer entlassen.

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Der Ausguck in Relva meldet Tümmler. Also fahren wir näher an die Küste heran und etwas nach Norden. Andere Whale-Watching-Boote verraten uns schon von weitem, dass wir richtig sind. Große Tümmler, eine mittelgroße Gruppe. Bis zu vier Meter lang werden diese wundervollen Tiere. Hier im Meer wirkt ihr “Lächeln” irgendwie echt. Sie lassen sich nicht von den Whale-Watching-Booten stören. Sogar ein Junges ist dabei, was ich zugegebenermaßen erst zu Hause auf einem Foto entdeckte.

Diese erste Tour ist bereits eine echte Sahneschnitte! Mehr! Mehr! Ein Besuch des ehemaligen Walfängerortes Capelas ist sehr enttäuschend. Bis auf einen Schlot wurde die ganze Fabrik abgerissen. überall begegnen mir Wale. In einem großen Einkaufzentrum ist ein ehemaliges Walfangboot aufgestellt. Die Harpunen liegen festgezurrt in dem kleinen Segelboot. Dieses Bötchen gegen einen Pottwal? Zu dieser Zeit war der Walfang tatsächlich noch eine gefährliche Angelegenheit.

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Ein paar Meter weiter steht eine alte Harpunenwinde. Zwei gigantische Wal-Plastiken erwarten mich im Rolltreppenbereich. überall entdecke ich zweifelhafte Souvenirs und frage vorsichtshalber immer nach. “Ja”, echter Walzahn. “Ja”, Walknochen. In einem Kunst-Geschäft, dessen Eingang wirklich beeindruckend wirkte, entdeckte ich gar einen ganzen Pottwalunterkiefer. Obwohl EU-Land darf Portugal noch diese Ware verkaufen ““ eine Einfuhr in ein EU-Land ist allerdings verboten! Wo steckt da die Logik? Joaoerzählt mir später, dass die Zähne und Knochen aus Walfängerwracks vor der Küste geborgen werden. Gott sei Dank gibt es auch Andenken, die man mit gutem Gewissen kaufen kann.

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