Berichte

Der Buckelwal “Seal”


Doris Thomas/17. März 2009

Megaptera novaeangliae ist sein lateinischer Name und er gehört zu den Bartenwalen. Im Gegensatz zu den Zahnwalen hat diese Unterordnung keine Zähne, sondern Hornplatten, die fransig vom Oberkiefer herunterhängen. Damit filtern die Bartenwale ihre Nahrung aus dem Wasser. Wer aber nun meint, dass Bartenwale Vegetarier sind, liegt völlig falsch. Obwohl sich viele dieser Walarten von winzigem Krill ernähren, handelt es sich bei ihrer Beute doch nicht um pflanzliches, sondern um tierisches Plankton und damit um kleine Krebse, oft nur wenige Millimeter lang.

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Ein Buckelwal kann viel schlucken

Der Buckelwal macht aber auch Jagd auf Sardinen, Heringe, Sandaale, Makrelen und Lodden, wobei die Jagd hier etwas anders aussieht, als man sich eine Jagd im Allgemeinen vorstellt. Mit weit geöffnetem Maul schwimmt der Buckelwal in einen Schwarm Fische hinein. Seine Furchen an der Unterseite des Maules ermöglichen ihm, tonnenweise Wasser und Beute in sein Maul aufzunehmen.

Dieses Vorhandensein der Kehlfurchen führt dazu, dass der Buckelwal in die Familie der Furchenwale eingeordnet wird. Zu den Furchenwalen zählt auch das größte auf der Erde lebende Wesen, der Blauwal. Gleiches gilt für den Zwergwal, der leider auch heute noch von einigen Ländern wie Norwegen, Island und Japan gejagt wird.

Wie die Tragflächen eines Flugzeugs

Der Buckelwal wird bis zu 16 Meter lang, wobei bei allen Bartenwalen die Weibchen größer werden als die Männchen. Bei den Zahnwalen ist das interessanterweise genau anders herum. Die Brustflossen, auch Flipper genannt, schimmern oft unter Wasser wie die Tragflächen eines Flugzeuges. Sie können unglaubliche 5 Meter Länge erreichen.

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Aber woher hat der Buckelwal seinen Namen? Wenn der Buckelwal für einen Tauchgang Schwung holt, hebt er seines Körpers mit einem mächtigen Buckel aus dem Wasser. Am Ende zeigt er dann majestätisch seine bis zu 4,50 Meter breite Schwanzflosse, die auch Fluke genannt wird. Dieses Verhalten macht den Buckelwal zu einem sehr begehrten Forschungsobjekt. Die Unterseite der Fluke, die optimal fotografiert werden kann, ist ein sicheres Erkennungszeichen des einzelnen Individuums. Die Forscher können anhand der Färbung und Form der Fluke jeden Wal eindeutig identifizieren. Für die Erforschung von Verhalten und Vorkommen eine unerlässliche Voraussetzung.

Einmalige Gesänge

Aber noch etwas macht den Buckelwal so einmalig. Es sind seine Gesänge. Bis zu 36 Minuten lang sind die Melodien, die die Männchen in den Paarungsgebieten von sich geben. Dabei schweben sie kopfüber bewegungslos im Wasser. Lange Zeit war man sicher, dass die Männchen damit die Weibchen anlocken wollen. Doch neuere Studien konnten belegen, dass die weiblichen Buckelwale gar nicht auf die Gesänge reagieren. Vielmehr scheint es ein Hinweis für andere Männchen zu sein. Das Rätsel wurde bis heute noch nicht gelüftet. Unter den Buckelwalen sind einige Tiere besonders gut bekannt, weil sie seit vielen Jahren gesichtet wurden. 

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Von so manchem Wal kennen die Forscher sogar das Geburtsjahr und ebenso die mütterliche Abstammung, denn Wale gehören zu den Säugetieren und ein Kalb wird oft mehrere Jahre von seiner Mutter mit extrem fetthaltiger Milch (bis 52 % Fettgehalt) gesäugt.

Der Buckelwal SEAL

Einer von diesen gut bekannten Buckelwalen ist SEAL. 1984 wurde er, wie alle Wale, mit dem Schwanz voran geboren. Seine Mutter heißt MARS. Den Namen verdankt SEAL seiner Pigmentierung auf der rechten Hälfte der Fluke. Sie sieht aus wie ein Robbenbaby. 1991 trug SEAL für eine Weile einen Satellitensender, um Forschern Aufschlüsse über die Wanderrouten der Wale zu liefern.

Seit 1992 habe ich SEAL symbolisch adoptiert und mit ihm verbindet mich ein ganz besonderes Ereignis. Ein Jahr war SEAL bereits mein Adoptivwal, als ich mit meinem Mann nach Massachusetts/USA reiste. Bei einer unserer Whale-Watch-Touren von dem kleinen Urlaubsörtchen Provincetown auf der Halbinsel Cape Cod hatte ich das unglaubliche Glück, meinen Adoptivwal zu sehen. Bedenkt man die Größe des Atlantiks und die geringe Anzahl der Wale, betrachtet man die sehr kurze Zeit, die man bei solchen Touren auf dem Wasser ist, berücksichtigt man, dass die Wale eher von den Booten wegschwimmen als sich ihnen zu nähern, dann kommt folgende Begebenheit praktisch einem Wunder gleich. Nicht nur, dass wir SEAL in einiger Entfernung sichteten und der wissenschaftliche Begleiter ihn eindeutig identifizierte, nein, er tauchte direkt neben unserem Boot auf, tauchte unten durch und kam an der anderen Seite wieder an die Oberfläche. Es war atemberaubend und unvergesslich.

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Kein Wunder, dass ich mich seither umso mehr für diese Tiere engagiere und die Wale fast immer die Hauptakteure in meinen Büchern sind.

SEAL kann man inzwischen nicht mehr neu adoptieren. Dafür gibt es viele andere, ebenso fantastische Buckelwale, die in dem Programm der WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society) angeboten werden. Eine Urkunde, Informationsmaterial, Sticker und natürlich ein Foto des erwählten Buckelwales sind Teil dieser Adoption, mit der man auf sehr interessante Art einen Beitrag für eine Naturschutzorganisation und somit auch seinen Teil zum Schutz der Wale beitragen kann.

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