Berichte

Wenn Träume wahr werden


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17. September 2010. Die MEERESAKROBATEN danken der Kinderbuch-Autorin Doris Thomas ganz herzlich für diesen Bericht und die Fotos von den Azoren!


Doris – ganz in ihrem Element
(Foto: Doris Thomas)

Einladung auf die Insel der Wale und Delfine
Aufgrund meiner Bücher über Wale wurde ich von dem Inhaber eines großen Whale-Watch-Unternehmens (Futurismo) im August 2010 auf die Azoren eingeladen. Die Insel Pico mit dem gleichnamigen Vulkan, mit 2.351 m Portugals höchster Berg übrigens, ist einfach wundervoll. überall das schroffe schwarze Lavagestein, wilde Blumenschönheiten, ein unglaubliches Grün an Vegetation und die vielen Kraterseen. Auch für Wanderer und Naturliebhaber bietet die Insel genug für einen Urlaub. Alleine der erkaltete unterirdische Lavastrom, den man bei einer Führung zu einem kleinen Teil durchlaufen kann, ist schon sehr aufregend.


Große Tümmler (Foto: Doris Thomas)

Für mich standen natürlich die Wale im Vordergrund. Besonders der Pottwal, über den ich gerade einen Roman schreibe. Und der lebt hier sozusagen “vor der Haustür”, da die Azoren praktisch mitten im Atlantik liegen und der Meeresboden nahe der Inseln steil abfällt. Schnell erreicht das Meer eine Tiefe von 1.000 und mehr Metern. Diese Tiefen brauchen Pottwale, um ihre Hauptnahrung, die Tiefseekraken, zu finden.

Whale-Watch-Rekord
Was ich dort, allerdings meistens auf den Booten des befreundeten Unternehmens Aqua Acores, sehen durfte, stellte meine Erwartungen weit in den Schatten. Ich nahm an 13 Whale-Watch-Touren teil. Meine riesige Sammlung an Fotos und auch Videos ist atemberaubend. Neben Pottwalen, den größten Zahnwalen übrigens, habe ich auch noch einige andere Arten sehen dürfen: Rundkopfdelfine (Risso), Gewöhnliche Delfine, Pilotwale (Grindwale), Große Tümmler, Streifendelfine und mit Zügeldelfinen (Fleckendelfinen) bin ich sogar geschwommen. Einmal habe ich aus der Entfernung den dort noch nie gesichteten Blainville-Zweizahnwal gesehen, der eindeutig identifiziert werden konnte. Eine Unechte Karettschildkröte habe ich zweimal gesehen, einmal schaffte ich sogar, sie unter Wasser zu fotografieren.


Zügeldelfine und Gemeine Delfine
(Foto: Doris Thomas)

Alle hielten den Atem an
Highlights gab es mehrere. Aber es ist nicht schwer, das größte aller Ereignisse zu bestimmen. Einmal kam ein Pottwal-Weibchen neugierig zu den drei anwesenden Booten. Alle Motoren liefen längst im Leerlauf, zum einen, um den Wal vor Verletzungen zu schützen, zum anderen, damit sie jederzeit wusste, wo wir waren. Sie hob den Kopf aus dem Wasser und inspizierte nacheinander die Boote. Auf unseres war sie wohl besonders neugierig, denn plötzlich steuerte sie schnurstracks auf uns zu. Alle hielten den Atem an, denn diese mächtigen Tiere mit ca. 12-14 m Länge (Männchen bis 22 m) können ohne Weiteres ein Boot zum Kentern bringen.


Der Pottwal nähert sich. (Foto: Doris Thomas)

Doch die Wal-Dame war überaus vorsichtig. Trotzdem rutschte einigen Leuten das Herz in die Hosentasche (sie “fütterten nachher die Fische”). Näher und näher kam der Wal heran, drehte sich wenige Meter neben dem Boot auf die Seite, um mit seinem Auge, die wie bei allen Walen jeweils auf der Kopfseite liegen, hochzuschauen. Langsam bewegte sie ihre mächtige Fluke (Schwanzflosse), die halb aus dem Wasser ragte. Ich sah, wie ihr Kopf mit dem mächtigen Kiefer das Boot erreichte und darunter hinwegglitt. Ihre Fluke bewegte sich kraftvoll durchs Wasser. Die Flanke war zu sehen. Vorsichtig zog sie ihre Fluke tiefer, bevor diese das Boot berührte. Gerade noch konnte ich auf die andere Bootseite hechten, denn dort kam bereits der Kopf hervor. Praktisch mit Haaresbreite tauchte er neben mir auf und sie schaute hoch zu mir. Vor lauter Eifer kam ich ins Trudeln und musste kurz die Kamera loslassen, schnappte sie aber gleich wieder.
Hier gibt es das Video dazu: POTTWAL

Im Nachhinein ist es mir absolut rätselhaft, wie ich es geschafft habe, mit der linken Hand ein Video zu drehen und mit der rechten Hand die große Spiegelreflexkamera bediente. Ich schaute nicht einmal in einen der Sucher, sondern über die Geräte hinweg. Sowas darf man sich nicht nehmen lassen. Weil das noch nicht genug war, kehrte der Pottwal erneut zurück und ich konnte auch noch ein Unterwasservideo drehen. Der Wahnsinn nahm gar kein Ende. Selbst erfahrene Skipper der Whale-Watch-Unternehmen werten das als absolut außergewöhnliches Ereignis. Was hatte ich für ein Riesenglück!


Im linken unteren Bildteil sieht man das Auge der Pottwal-Dame.
(Foto: Doris Thomas)

Ein Highlight nach dem anderen
Daneben verblassen die anderen Eindrücke fast ein wenig. Dabei durfte ich so viele andere tolle Dinge mit den Walen erleben. Einige muss ich noch nennen: Drei Pottwale tummelten sich direkt vor uns im Wasser. Es ging hin und her, drunter und drüber. Es war nicht klar, ob hier eine Paarung vonstatten ging oder eine Geburt bevorstand. Irgendwann guckten jedenfalls alle drei einträchtig aus dem Wasser, um mal zu uns herüberzuschauen.

Die Rundkopfdelfine, die sich meist nicht den Booten nähern, kamen nach einer Weile immer näher, bis sie schließlich unter dem Boot hindurchtauchten. Ich hielt wieder meine Kamera ins Wasser. Einmal berührte mich fast die Fluke eines Wales. Ich spürte noch die Druckwelle seiner kräftigen Bewegung. Wenig später positionierten sich zwei Wale geradewegs vor meiner Unterwasserkamera und blieben lange in dieser Position: “Portugals next top Risso!”, dachten sie wohl. Manche Dinge, die dort geschehen sind, wirken allmählich seltsam. Natürlich wachsen die Chancen von außergewöhnlichen Situationen mit der Anzahl der Touren, doch mir passierten Sachen, die selbst für die Leute hier spektakulär sind.


Rundkopfdelfine (Foto: Doris Thomas)

Springender Pottwal
So sehr hatte ich mir zum Beispiel gewünscht, einen Pottwal springen zu sehen. Seit zwei Jahren haben mich meine Tochter und mein Mann damit aufgezogen, dass sie damals (Insel Sao Miguel/Azoren) den Sprung sahen und ich woanders hingesehen hatte. Und was passierte? Ein junger Pottwal springt und springt und springt. Beim dritten Mal habe ich ihn dann tatsächlich auch mit der Kamera erwischt. Gott sei Dank: Beweisfoto!

Delfine tummelten und sprangen mehrfach um unser Boot herum. Die Streifedelfine sprangen wahnsinnig hoch, doch die Zügeldelfine übertrafen sie noch und erreichten Sprunghöhen von locker 7 Meter. Die Großen Tümmler waren neugierig auf meine Unterwasserkamera, und als ich mich vorne über die Bootkante lehnte, schauten sie zu mir hoch. Eindrücke, die einfach wahnsinnig ergreifend sind.

Ich bin überglücklich und dankbar, was ich erleben durfte, dort in dem warmen blauen Atlantik vor Lajes auf Pico, der wilden Inselschönheit.


Springender Pottwal (Foto: Doris Thomas)

Wer noch einmal meinen täglichen Bericht im Blog des DONAUKURIER nachlesen möchte, der kann das gerne hier – “Unter Walen” – tun.