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Meeresakrobaten, 7. Mai 2017

Keine Angst, ich schreibe jetzt nicht auf Englisch weiter und es folgt auch kein obszöner Bericht, sondern es geht in diesem Artikel vor allem um aktuelle Forschungsergebnisse zur Delfin-Genital-Anatomie.

Große Tümmler/Schottland (Foto: Birgit Hussel)

Sex spielt für Delfine eine große Rolle

Delfine begatten nicht nur ihre Artgenossen, sondern wählen auch schon mal Verwandte anderer Arten als Lustobjekt aus.

Auch vor gleichgeschlechtlichen Mitgliedern einer Gruppe sowie anderen Tieren (wie zum Beispiel Meeresschildkröten) oder sogar Menschen machen sie nicht halt. Selbst mit Abflussrohren haben sie es schon „getrieben“. Man könnte meinen, niemand und nichts ist vor ihnen sichern.

Computersimulation bringt Aufschlüsse

Eine Forschergruppe aus Kanada hat sich genauer mit der Kopulation von Großen Tümmlern auseinandergesetzt und mithilfe von Computersimulationen den Weg des Penis in die Vagina nachgestellt.

Die Kopulation im „haltlosen“ Meer ist für Delfine durch deren glatten Hautbeschaffenheit gar nicht so einfach. Außerdem soll bei dem Geschlechtakt nicht zu viel Salzwasser in die Fortpflanzungsorgane dringen, damit der Uterus nicht mit evtl. im Wasser befindlichen Schmutzteilchen oder Erregern kontaminiert wird.

Männliche und weibliche Geschlechtsorgane müssen also perfekt ineinanderpassen, damit eine erfolgreiche Kopulation erfolgen kann.

Um herauszufinden, wie genau der Geschlechtsakt bei Delfinen vonstatten geht, haben Wissenschaftler der Dalhousie University im kanadischen Halifax die Organe von frisch verstorbenen Großen Tümmlern genauer unter die Lupe genommen.

Geschlechtsorgane 1

Geschlechtsorgane 2

Erklärung zu den oben stehenden Bildern nach Günther Behrmann (zum Vergrößern bitte anklicken)
Links: Das weibliche Fortpflanzungsorgan eines Delfins (BV = Harnblase, D = Mastdarm, GC = Klitoris, GU = Gebärmutter, HU = Harnleiter, K = Niere, MI = Milchdrüse, O = Eierstock, OP = Becken)
Rechts: Das männliche Fortpflanzungsorgan eine Delfins (BV = Harnblase, G = Glans, MI = Penismuskel, MR = Rückziehmuskel, OP = Becken, PP = Vorhaut, R = Niere, T = Hoden)

Experimentelle Biologie

Dann entwickelten die Forscher eine Methode, bei der sich die Penisse von Delfinen bis zur vollen Erektion aufblasen lassen. Den Penis führten sie dann in das Vaginalgewebe ein.

Durch computertomografische Aufnahmen wurde bei einer simulierten Kopulation sichtbar, wie sich der erigierte, aber flexible Penis durch die Windungen und muskulösen Falten der Vagina bewegt.

Mehr über die aktuelle Forschung an den Fortpflanzungsorganen toter Delfine findet ihr in scienceblogs.de. Die Biologin Bettina Wurche hat dort die englischsprachige Forschungsergebnisse in einem sehr interessanten Artikel veranschaulicht.

Unterschiedliche Stellungen

Zu den Forschungsergebnissen gehörte auch, dass die Stellungen, die Delfine bei der Kopulation einnehmen, sich von Art zu Art unterscheiden.

  • Große Tümmler bilden eine T-Form, indem das Männchen das Weibchen genau an ihrer Mittellinie kreuzt.
  • Schweinswale warten, bis das Weibchen an die Wasseroberfläche kommt, um zu atmen. In diesem Moment springen sie aus dem Wasser und versuchen, ihre Penis in die Vagina zu haken.

Sinneshaare auf Penisspitze
(Foto: Günther Behrmann)

Sinneshaare

Der Tierpräparator und Wal-Experte Günther Behrmann, der die MEERESAKROBATEN bei anatomischen Beiträgen berät und dessen Untersuchungen in vielen Anatomie-Artikeln eingeflossen sind, hat zur Kopulation von Schweinswalen geschrieben:

„Der Schwellkörperanteil des verhältnismäßig sehr langen und sehr beweglichen Penis ist im Vergleich zu dem der Landsäuger sehr gering. Dafür besitzt der Walpenis aber viel mehr Muskeln, die ihn beweglich machen. Einzigartig ist der Modus, wie der Walpenis die oft sehr weit entfernte Vagina findet. Die Penisspitze (Glans) ist pelzartig mit Sinneshaaren überzogen. Diese enthalten viele Chemorezeptoren, mit deren Hilfe der Penis in die Scheide gelenkt werden kann.“ (Aus Günther Behrmann: „Die Bewegungskoordination des Penis während der Kopulation beim Schweinswal Phocoena phocoena“. Säugetierkundliche Inf., 3/18, S. 611-616. Jena, 1994)

Wer sich noch weiter über die Fortpflanzungsorgane der Delfine informieren möchte, dem empfehle ich unten stehende Lesetipps.
(Quellen: sciencemag.org, scienceblogs.de, 20min.ch und Günther Behrmann)

Lesetipps

* Die Fortpflanzungsorgane der Delfine
* Mutter- und Vaterrolle bei Delfinen

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