Aufbau und Funktion einzelner Körperorgane des Delfins - Teil 1
Teil 1: Die Haut der DelfineTeil 2: Das Skelett der Delfine
Teil 3: Die Atmungsorgane der Delfine
Teil 4: Die Sinnesorgane der Delfine
Teil 5: Die inneren Organe der Delfine - mit Exkurs "Pottwal"
Teil 6: Die Fortpflanzungsorgane der Delfine
Teil 7: Auf den Zahn gefühlt - zu Besuch bei Günther Behrmann
Teil 8: Kann Delfinen das Wasser im Maul zusammenlaufen?
Teil 9: Delfin-Gehirn und tierische Intelligenz
Teil 10: Evolution der Wale - Wie sah der Urwal aus?
Hunde und Delfine sind bei Groß und Klein gleichermaßen beliebt, doch auf den ersten Blick scheinen sie rein gar nichts Gemeinsames zu haben. Aber nur auf den ersten Blick! Denn wenn die Tiere durchsichtig wären, würde man sehen, dass sich das Skelett des Land- und des Wassertieres sehr ähneln. Aber dazu später mehr.
Im Folgenden sollen die anatomischen Eigenheiten der Meeresakrobaten beleuchtet werden. Dabei wird der Delfin-Körper von außen nach innen betrachtet. Es geht also zunächst um die "Hülle" der Meeressäuger, die zum einen ganz im Dienste der schnellen Fortbewegung steht, zum anderen eine wichtige Schutzfunktion übernimmt. Danach werden das Skelett des Delfins und schließlich die inneren Organe näher betrachtet.
Bevor es aber richtig "losgeht", möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Günther Behrmann (Walexperte aus Bremerhaven) bedanken, der mir beim Erstellen dieser Anatomie-Seiten sehr geholfen hat. Viele der hier übernommenen Zitate stammen aus seinen Lehrbroschüren, die er zwischen 1995 und 2004 verfasst hat, bzw. aus einem regen Mail-Kontakt im Oktober/November 2004.
Sensible HülleDen "Sensibelchen" unter uns wird oft geraten, sie sollten sich eine dicke Haut zulegen, damit sie den unangenehmen Dingen im Leben besser entgegentreten könnten und nicht auf Kränkungen usw. allzu empfindlich reagieren müssten.
Kein Lebewesen hat eine dickere Haut als die Großwale. Bei manchen Exemplaren misst die äußere Hülle mehr als 40 cm! Aber auch die Delfine sind mit einer dicken gummiartigen äußeren Schicht gut gegen die rauen Umwelteinflüsse geschützt. Doch sensibel im eigentlichen Sinn des Wortes sind die "Dickhäuter" trotzdem. Ihre Haut ist nämlich durchzogen von vielen Nervenendigungen, die auf kleinste Druck- bzw. Temperaturunterschiede reagieren. Besonders viele Nervenendkörperchen liegen in der Stirn- und der Zungenhaut.
Bunte Delfinwelt
In der Haut der Delfine gibt es aber nicht nur über 20 verschiedene Hautrezeptoren, sondern Günther Behrmann
konnte außerdem 22 unterschiedliche Farbkörperchen (Chromatozyten) in der Haut der Waltiere nachweisen:
"Durch Melaninkörnchen entsteht die dunkle Hautfarbe der Wale. Davon haben aber die Schweinswale oft sehr wenig,
deshalb sind sie in Verbindung mit roten Chromatophoren (das sind die Farberzeuger) braun. Der Weißwal hat
nur als Jungtier noch einige Melanozyten." Andere junge Wale (wie zum Beispiel der
Grindwal) erhalten ihre dunkle Farbe erst später.Dass die Wale und Delfine nicht nur eine eintönig graue Farbe haben, drückt sich auch in der Namensgebung der Meeressäuger aus: Blauwal, Weißwal, Braunfisch (= Schweinswal). Der Weißseitendelfin und der Gemeine Delfin haben gelbe Streifen an den Flanken.
Mit Haut und HaarenWas man kaum für möglich hält, ist, dass Wale auch Haare haben. "Schnurrhaare sind häufig zu finden, brechen aber, weil sie viel Silizium enthalten und sehr hart sind, nach der Geburt bald ab. So richtig sind sie nur bei Embryonen oder jungen Walen zu sehen. Länger bleiben nur einzelne borstenartige Haare oberhalb der Nasenspitze erhalten, und so finden wir sie auch noch bei älteren Walen.
Sehr selten werden aber behaarte Wale gefunden. Die meisten embryonal noch angelegten Körperhaare werden resorbiert, bevor sie die Oberfläche durchbrochen haben. Wenn die weichen Körperhaare aber herauswachsen, brechen sie bald ab. Durch den Haarkanal dringen dann mit dem Wasser Bakterien ein, was zu einer akneartigen Hautentzündung führt. Weil schon mehrere Schweinswale mit Aknenarben gefunden wurden, weiß man, dass sie diese Krankheit also überstanden haben." (G. Behrmann)
Freudensprung oder Pflegemaßnahme?
Wenn ein Stück Holz lange im Wasser liegt, wird es früher oder später verfaulen. Ebenso verändert sich Eisen, wenn es lange Zeit dem Wasser ausgesetzt ist, da es zu rosten beginnt. Es gibt kaum ein Material, das dem Wasser standhält. Auch wir Menschen merken, dass es uns nicht allzu gut tut, wenn wir uns zum Beispiel eine Stunde lang im Wasser tummeln. Die Haut quillt auf und wird ganz weich. Die Bewohner des nassen Elementes kennen derartige Reaktionen aber offenbar nicht. Das Wasser kann weder Fisch noch Delfin etwas anhaben.
In einem Bericht von
www.3sat.de (Januar 2001) war zu lesen, dass Berliner Forscher sich die Haut der Delfine näher
angesehen und dabei einige Entdeckungen gemacht haben.
"Die Wissenschaftler untersuchten die Hautproben der
Meeressäuger, um den Schutzmechanismus der Delfine zu verstehen. Mit flüssigem Stickstoff konservierten
sie die Proben bei Minus 196 Grad Celsius. Die nähere Betrachtung zeigt keine Schuppen wie beim Fisch,
sondern Unter- und Ober- und Hornhaut, wie bei Säugetieren üblich. Unter dem Rasterelektronenmikroskop
entdeckten die Forscher eine gelartige Substanz. Dieses Gel ist für die Wissenschaftler von besonderem
Interesse, da es möglicherweise wesentlich zu dem Schutzmechanismus unter Wasser beiträgt. Mit einer
speziellen Technik können die Biologen einige Millimeter von der Delfinhaut gewinnen und mit
verschiedenen Apparaturen untersuchen. Dabei zeigt sich, dass das Gel eine ganz besondere Konsistenz
besitzt. Dies ermöglichst es dem Delfin, durch seine Schwimmbewegungen die Substanz zu entfernen.
Bisher nahmen die Biologen an, dass Delfine vor allem aus reiner Lebensfreude Luftsprünge machen.
Die Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass die Tiere springen, um sich zu reinigen. Mit jedem
Sprung wird etwas von dem Gel, das sich direkt auf ihrer Haut befindet, abgewaschen. Kleinste
Mikroorganismen werden dabei sofort entfernt. Könnte ein solches sich selbstregenerierendes Gel
künstlich hergestellt werden, wäre es der perfekte Schutz gegen Zerfalls- und Korrosionsprozesse
unter Wasser. Doch bis es so weit ist, muss der Mensch noch einiges von den Tieren lernen."Bei der Gleithülle der Delfine handelt es sich übrigens um eine etwa 20 µm dicke Schleimschicht, die das Wasser abperlen lässt und auch mit dazu beiträgt, dass der Delfin sehr schnell durchs Wasser gleiten kann (er erreicht eine Geschwindigkeit zwischen 37 und 48 km/h).
Mit Tempo durchs nasse Element
Nicht nur durch die gummiartige Hautbeschaffenheit ist es den Meeressäugern möglich, wie ein Torpedo durchs
Wasser zu schnellen. Die horizontale Schwanzflosse (bzw. Fluke) verändert die Strömungsrichtung des Wassers
beim Rudern nur um 30 Grad und vermindert so die Turbulenz und den Wasserwiderstand. (Eine Schiffsschraube
verursacht eine Richtungsänderung der Strömung um 90 Grad!) Außerdem sorgt die Speicherung einer großen Menge an
Muskelfarbstoff (Myoglobin) für eine stets genügende Sauerstoffanreicherung des Blutes in den Muskeln,
selbst wenn der Delfin Höchstleistungen vollbringt.Dazu, wie sich der Delfin schnell durchs Wasser bewegt, gibt es neue Forschungsergebnisse. Siehe Meeresakrobaten-News vom 25. November 2008 sowie vom 12. Dezember 2008.
Teil 2: Das Skelett der Delfine
Teil 3: Die Atmungsorgane der Delfine
Teil 4: Die Sinnesorgane der Delfine
Teil 5: Die inneren Organe der Delfine
Teil 6: Die Fortpflanzungsorgane der Delfine
Teil 7: Auf den Zahn gefühlt - zu Besuch bei Günther Behrmann
Teil 8: Speicheldrüsen der Delfine
Teil 9: Delfin-Gehirn und tierische Intelligenz
Teil 10: Evolution der Wale - Wie sah der Urwal aus?












