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Mit Gurren und Klopfen zum Erfolg


Menschen und Delfine (fr)essen gerne Fisch. In manchen Ländern konkurrieren sie sogar um die begehrte Beute.

Irawadi-Delfin (Illustration: Jörg Mazur)

Doch in Myanmar ist es anders. Dort helfen sich Mensch und Tier gegenseitig, um an den Fisch zu kommen.

Delfine treiben Fische in die Netze

Im Irawadi-Fluss lebt eine Delfinart, die schon seit undenklich langer Zeit Fische in die Netze der Küstenbewohner treibt. Dazu werden sie von den Fischern mit gurrenden Lauten angelockt. Wenn das nichts nützt, klopfen sie mit einem Metallstift auf den Schiffsrumpf – und schon zeigen sie sich: die Irawadi-Delfine.

Ragt die Schwanzflosse senkrecht aus dem Wasser, ist das ein Zeichen für die Fischer. Sie werfen ihre Netze aus. Die Falle schnappt zu. Die Fische werden das Opfer einer Kooperation zwischen Mensch und Delfin.

Der Fischer Maung Lay erklärt das Prozedere. Hungrige Delfine reagieren auf das Gurren und Klopfen, das von den Menschen erzeugt wird. Sie jagen dann durchs Wasser direkt auf das Boot zu. Mit der Fluke zeigen sie an, wo sich die potenzielle Beute befindet. Wenn dann das Netz ins Wasser klatscht, stieben die Fische auseinander. Einen Teil davon schnappen sich die Delfine, den anderen die Menschen.

Kooperation auch bei Spechtvögeln

Eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier ist selten. Man kennt außer der Kooperation mit dem Irawadi-Delfin noch diejenige mit den Spechtvögeln in Tansania. Mensch und Tier stöbern dort gemeinsam Wildbienen-Honig auf.

Doch nicht jedem Fischer ist es vergönnt, mit den Delfinen zusammenzuarbeiten. Dazu muss erst einmal das Vertrauen zu den Tieren aufgebaut werden.

Wenig Jagderfolg, da es keine Fische mehr gibt

Doch der Jagderfolg bleibt sowohl für die Fischer als auch für die Delfine in vielen Fällen aus. Es gibt mittlerweile nur noch wenig Fisch im Irawadi-Fluss.

Laut der amerikanischen Tierschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS) gibt es im Fluss nur noch 68 ausgewachsene Delfine und ein Jungtier.

Delfine sind vielen Gefahren ausgesetzt

Bedroht werden die Tiere nicht nur durch den Nahrungsmangel, sondern auch durch Pestizide, Industrieabfälle und einen hohen Quecksilbergehalt, der durch den Goldabbau verursacht wird. Hinzu kommt der wachsende Schiffsverkehr.

Doch da gibt es noch eine weitere – vielleicht sogar die schlimmste – Gefahr für die Delfine. Naing Lin von der WCS sagt dazu: „Die meisten Tiere sterben durch die Dynamit- und Elektrofischerei oder verenden in den verbotenen meterlangen Stellnetzen.“

Es gibt seit 2005 zwar eine Schutzzone, doch mit zwei Patrouillen im Monat ist den Tieren nicht wirklich geholfen.

Die WCS setzt nun auf den Öko-Tourismus. Beim Whale-Watching sollen Feriengäste die ungewöhnliche Kooparation von Tier und Mensch kennenlernen und den Fischern ein Zusatzeinkommen sichern. Nachteil: Großanbieter könnten die Delfine vertreiben. Die Besucherzahlen müssten also unbedingt limitiert werden.
(Quelle: Fischen in Myanmar: Einzigartige Zusammenarbeit von Mensch und Delfin bedroht)

Lesetipps

* Der WWF setzt sich für Irawadi-Delfine ein
* Wale und Delfine auf der Roten Liste
* Delfin-Art kurz vor dem Aussterben

2 Kommentare

  1. Hier sieht man, wie Delfine und Fischer in Brasilien zusammenarbeiten:

    geschrieben von Oliver
    1. Vielen Dank, Oliver!

      geschrieben von Susanne

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