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Whale-Zone


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Mit Rick O’Barry beim Dolfriends-Day in der Schweiz

Bericht von Susanne (Meeresakrobaten), 14. Juli 2002

Einen Ausflug in die Schweiz zu unternehmen, um etwas über Delfine zu erfahren – das klingt im ersten Moment schon etwas verrückt. Aber delfin-begeisterte Menschen gibt’s eben überall – auch im Binnenland.

Eindrücke vom Dolfriends-Day (6. Juli 2002)

Eingeladen zur so genannten whale-zone 2002 („Internationales Symposium über Wale, Delfine und das Meer“ vom 6. bis 7. Juli 2002 in Rüschlikon/Schweiz) hatte die Schweizer Tierschutzorganisation ASMS (Heute heißt sie: OCEANCARE, Nachtrag Januar 2006), die über alle Grenzen hinweg bekannt ist vor allem durch ihren unermüdlichen Einsatz für gefangen gehaltene Delfine in Zoos, Delfinarien, Vergnügungsparks usw.
Neben interessanten und zur Diskussion anregenden Beiträgen von Delfin- und Fischereiexperten wie z.B.

– Brigitta M. Gadient (Nationalrätin)
„Die Schweiz braucht keine Delfinarien“
– Giuseppe Notarbartolo di Sciara
„Unsere Weltmeere und die schwindenden Fischressourcen – Wie sieht die Zukunft aus?“
– Toni Frohoff
„Aus Meeren ins Becken: Delfine in Schwimm-Programmen und Delfin-Tourismus“
– Paolo Bray
„Dolphin Safe – Unsere Antwort auf sinnlose Fischereipraktiken“

gab es auch humorvolle Einlagen, die zum Schmunzeln verleiteten. So erzählte die als „Mrs. Doolittle“ bekannte Schwedin Mia Mattsson in herzerfrischender Art, wie anfangs ihr Kommunikationsbemühen (scheinbar) an der Diagnose einer depressiven Schildkröte „scheiterte“ und sie sich daraufhin überlegte, ob sie nicht eher Bleistifte verkaufen sollte, als sich mit Hunden, Katzen und anderem Getier abzugeben.

Eine wohl dosierte Mischung aus humorvoller Selbstbeschau und nachdenklich stimmenden Appellen präsentierte Rick O’Barry seinen ungefähr 200 Zuhörern. Da mich dieser Mann und seine Rede sehr beeindruckt haben, möchte ich Rick O’Barry und dessen „Delfin-Geschichte“ im Anschluss stellvertretend für alle anderen an diesem Tag gehaltenen Referate etwas genauer vorstellen.

Weltberühmter Delfin-Trainer
Rick O’Barry war in den 60er Jahren der berühmteste Delfintrainer weit und breit. Er war es, der Flipper zu dem machte, was dieser in der gleichnamigen Familienserie verkörperte – nämlich einen immer freundlichen und hilfsbereiten Meeressäuger mit menschlichen Zügen. Nur wenige wissen, dass der Flipper in Wirklichkeit von 5 weiblichen Delfinen gespielt wurde.

O’Barry machte seine Aufgabe zunächst Spaß und er verdiente viel Geld mit seinem Job. Als aber das Tümmlerweibchen Kathy in seinen Armen einfach mit dem Atmen aufhörte, um zu sterben, trat bei ihm ein Sinneswandel ein. Er begriff, wie unrecht es war, die herrlichen Meeresgeschöpfe gefangen zu nehmen und dem Willen des spektakelsüchtigen Menschen zu unterwerfen.

Vom Delfin-Trainer zum Delfin-Heiler

1970 gründete O’Barry das „Dolphin Project“, das damals wie auch heute noch zum Ziel hat(te), gefangen gehaltene Delfine wieder auf die Freiheit vorzubereiten, sofern es ihr physischer sowie psychischer Zustand zulässt.
O’Barry reist unermüdlich in der Weltgeschichte herum, um über seine „Delfin-Geschichte“ zu berichten und Mitstreiter für sein Projekt zu gewinnen. In den letzten 30 Jahren gelang es Rick O’Barry 14 Tiere aus der Gefangenschaft ins Meer zu entlassen.
1991 erhielt Rick O’Barry den Environmental Achievement Awarddes UNEP (United Nations Environmental Program). Seit 2001 arbeitet O’Barry bei der Welttierschutzorganisation (WSPA) als Meeressäuger-Spezialist mit.

Wenn der Delfin-Befreier gefragt wird, ob er die Delfine nach einem bestimmten Schema auf die Freiheit vorbereiten würde, so winkt der 62-jährige Tierfreund aus den USA ab. Für die Auswilderung eines Delfins gibt es kein Rezept. Jedes Tier reagiert anders, jedes Tier hat eine andere Geschichte, die bei seiner „Heilung“ berücksichtigt werden muss. Rick O’Barry trainiert die Tiere nicht für ein Leben im offenen Meer, sondern er bringt ihnen bei, alles zu vergessen, was ihnen bei den Menschen jemals andressiert wurde. Die Delfine sollen lernen, nicht auf ihn zu hören, auf niemanden zu hören. „Ich beobachte sie Tag für Tag und registriere, wie sie langsam ihr angelerntes Verhalten ablegen. Wenn ich bei den Delfinen bin, lebe ich mit allen Sinnen bei ihnen. Ich beobachte sie, wenn sie ihren ersten lebenden Fisch fangen. Ich sehe ihnen beim Tauchen zu und bekomme mit, wenn sie durch ihr Blasloch Luft ausstoßen. Aber sie wissen das nicht. Ich bin für sie vielleicht ein Mangrovenbaum, der dort wächst, ein Busch am Ufer, ein Reiher, der auf einem Bein stehend aufs Wasser starrt.“
3 Regeln befolgt O’Barry bei seiner Arbeit mit den Meeressäugern:
– Gehe davon aus, dass du nichts (über das Wesen des Delfins) weißt.
– Beobachte (das Tier) ununterbrochen.
– Habe ein Auge dafür, was (anscheinend) offensichtlich ist.

Die letzte Phase der Auswilderung

Wenn das frühere Lernprogramm „ausgelöscht“ ist, werden die Tiere ein letztes Mal auf Krankheiten hin untersucht. Sie sollen schließlich keine Keime auf die wilden Delfine draußen im Meer übertragen. Rick O’Barry sagt über die letzte Phase der Delfin-Auswilderung: „Je näher es aufs Ende des Rehabilitationsprozesses zugeht, desto länger bleibe ich außer Sichtweite der Tiere. Ich rede nicht zu ihnen. Ich trage eine Sonnenbrille, damit sie keinen Blickkontakt zu mir aufnehmen können. Bald ist der Moment gekommen, dass die Delfine nicht mehr an mich oder irgendeinen anderen Menschen denken, sondern nur noch daran, das eigentliche Leben der Delfine zu führen…“

ASMS hat übrigens zum internationalen Symposium das Buch „whale zone 02“ herausgegeben. Es bietet „auf 470 Seiten (Deutsch/Englisch) die beste Zusammenfassung aller relevanten und brisanten Themen, die auf zugängliche Weise (Interviews, Vorträge, Bilder und Diagramme) jedem Interessenten das nötige Hintergrundwissen vermittelt.“ Du kannst das Buch bei der ASMS (bzw. OCEANCARE) bestellen. Mit deiner Bestellung unterstützt du die ASMS und erhältst „ein einzigartiges Kompendium, erarbeitet von Fachleuten und engagierten Menschen, die sich aktiv für den Schutz der Meeressäuger einsetzen.“ (Nachtrag: 20. September 2003)

Links zu den Referenten der whale-zone 2002 bzw. zu deren Organisationen
Paolo Bray, Mitglied von Earth Island Institute aus Italien
Toni Frohoff, Delfinforscherin und Mitglied von TerraMar Research aus den USA
Giuseppe Notarbartolo di Sciara, ICRAM-Präsident (Instituto Centrale per la Ricerca Scientifica e Tecnologica Applicata al Mare) aus Italien
Rick O’Barry, Gründer von Dolphin Project aus den USA

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