Berichte, Biologen-Blog

Mutter- und Vaterrolle bei den Delfinen


Serie von Benjamin Schulz, Teil 8
1. Juni 2015

Hallo liebe Meeresakrobaten-Fans!

Benjamin mit Großem Tümmler (Foto: Benjamin Schulz)

Benjamin mit Großem Tümmler
(Foto: Benjamin Schulz)

Heute möchte ich euch etwas zur Fortpflanzung der Delfine erzählen. Dieses Mal geht es aber nicht um Delfinarien oder Zucht, sondern um die biologischen Hintergründe der Fortpflanzung bei Delfinen. Denn die ist für die Tiere ganz schön anstrengend.

Delfine betreiben eine sehr eigene Art der Fortpflanzung und aufwendige Aufzucht der Jungtiere. Und da wir ja vor kurzem sowohl Muttertag als auch Vatertag gefeiert haben, möchte ich euch kurz schildern, wie weibliche beziehungsweise männliche Delfine die Fortpflanzung praktizieren und was es für sie bedeutet.

Die wichtigste Rolle spielen natürlich wie bei allen Säugetieren die Mütter. Mutter werden und Mutter sein ist sowieso für alle Säugetiere die wichtigste Eigenschaft, die sie so auszeichnet.

Mutter zu sein ist verbunden mit schwerer Arbeit, Schmerzen und auch manchmal sehr viel Leid. Aber es ist für alle Tiere auch die größte Freude. Denn wenn es überhaupt einen Sinn des Lebens gibt, der sich auch aus der Beobachtung der Natur erschließt, ist es die Erhaltung und Weitergabe desselbigen. Alles ist darauf ausgelegt.

Trächtiges Delfin-Weibchen (Foto: Benjamin Schulz)

Trächtiges Delfin-Weibchen
(Foto: Benjamin Schulz)

Belastungen während der Schwangerschaft

Schon in den letzten Schwangerschaftsmonaten ist allein das zusätzliche Gewicht und die enorme Rundung eine hohe Belastung für die werdenden Mütter.

Der Energieaufwand zum Schwimmen erhöht sich drastisch, und auch die Bedrohung durch Fressfeinde steigt an. Das bringt schon vor der Geburt eine Menge Stress.

Die Geburt, die wie bei allen Säugetieren auch mit Schmerzen verbunden ist, ist ebenso immer ein Risiko. Komplikationen bei der Geburt, die wir bei uns Menschen heute mit all unserer modernen Medizin schon gut unter Kontrolle haben können, sind für Tiere unverändert ein Sterbefaktor.

Delfine sind fürsorgliche Mütter

Delfinweibchen sind wohl mit die fürsorglichsten Mütter überhaupt, doch wie viel Energie sie dafür investieren müssen, ist den meisten gar nicht so sehr bewusst.

Wenn dann alles gut klappt, beginnt die anstrengendste Zeit. Neugeborene Delfine sind noch schwach, ihre Flossen noch weich, und so müssen die Mütter sie in ihrem Sog mitziehen. Um diesen Effekt zu erzielen, kann man auch nicht sehr langsam schwimmen.

Delfin-Geburt (Foto: Benjamin Schulz)

Delfin-Geburt
(Foto: Benjamin Schulz)

Mindestens sechs Wochen, bis die Kälber genügend Gewicht zugelegt und gelernt haben, sich im Wasser aufrecht zu halten, müssen die Mütter das Tag und Nacht durchhalten. Und das Gewicht der Kälber steigt wodurch an? Nur durch die Milch, die ebenso von der Mutter unter hohen Energiekosten zur Verfügung gestellt wird.

Weibchen helfen sich bei der Aufzucht

Eine Delfinmutter lebt für zwei. Wobei es schon allein schwierig genug ist, in der heutigen Welt zu überleben. Deshalb sammeln sich Delfine in Gruppen, in denen sich auch die Weibchen gegenseitig bei der Aufzucht helfen.

Aber man sollte nicht denken, dass eine Delfintante ein Kalb zu sich nimmt, damit die Mutter sich ausruhen kann. Die muss dann jagen, und zwar für zwei! Für Mütter gibt es keine Pause, es ist ein Vollzeitjob.

So geht das Säugen vonstatten

Delfinweibchen können ihren Milchfluss regulieren. Unter Wasser ist das Säugen ein komplizierter Akt. Um dabei kein Salzwasser zu schlucken oder zu viel Milch zu verlieren, rollen die Delfinkälber ihre Zunge und docken damit nahezu wasserdicht an den Zitzen der Mutter an. Dann spritzt die Mutter ihrem Kalb die Milch direkt in den Mund.

Nynkes Baby an der Milchbar
(Foto: Rüdiger Hengl)

Die Zitzen liegen übrigens versteckt in zwei Milchdrüsenschlitzen zu beiden Seiten der großen Genitalöffnung (siehe Foto rechts). Auch das ist eine von der Natur gewollte logische Ortswahl. Denn überall sonst am glatten Bauch würde das Kalb beim Säugen einfach wegrutschen. Die Genitalöffnung bietet eine Orientierungshilfe und das Kalb kann hier beim Säugen seinen Unterkiefer fest andocken, während die Zunge nach den Zitzen sucht.

Enge Bindung zwischen Mutter und Kind

Bei all der Energie, die Mütter in ihre Jungtiere investieren, ist es logisch, dass die Natur dafür eine enge Bindung vorsieht. Und egal, ob man dafür die Hormone verantwortlich sieht: Mutterliebe existiert. Ohne sie gäbe es kein Leben für uns Säugetiere.

Welche Rolle nehmen Delfin-Väter ein? Dazu mehr auf der nächsten Seite.

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