Berichte, Biologen-Blog

Tierrechte und Menschenrechte


Themen: , ,
Kegelrobben (Foto: Rüdiger Hengl)

Kegelrobben (Foto: Rüdiger Hengl)

Kampf ums Überleben

Fakt ist auf jeden Fall, dass Tierrechte niemals legitimiert werden können, weil Tiere ihre Forderungen uns gegenüber nicht artikulieren können, und deshalb immer eine Bestätigung fehlt.

Die Tatsache, dass zudem Tiere untereinander solche Rechte überhaupt nicht achten, zeigt ihre Unbrauchbarkeit im alltäglichen Leben und im Kampf ums Überleben, der in der Natur herrscht.

Denn wir Menschen haben uns im Gegensatz zu den Tieren von der Natur weitestgehend gelöst. In unserer Gesellschaft gibt es keinen urzeitlichen Überlebenskampf mehr. Nur deshalb konnte unsere Ethik überhaupt so weit fortschreiten, dass wir nicht allein für uns selbst oder auch noch für unsere Familie Rechte erstreiten und durchsetzen, sondern diese großzügig jedem Menschen gewähren können.

Das ist in der Natur nicht der Fall. Tiere kämpfen ums Überleben. Dafür töten sie nicht nur Tiere anderer Arten, um sie als Nahrung zu gebrauchen, sondern auch oft Tiere derselben Art, wenn diese um den Zugang zu Ressourcen konkurrieren. In der Natur ist das ein notwendiger Kampf.

Wenn Menschen mit der Situation eines Überlebenskampfes konfrontiert werden, fallen auch bei uns die Menschenrechte sehr schnell wieder unter den Tisch.

Seelöwe (Foto: Rüdiger Hengl)

Seelöwe
(Foto: Rüdiger Hengl)

Ethik ist Ursprung sämtlicher Rechte

Tierrechte würden in einer utopischen Welt funktionieren, doch die Realität unserer Natur bietet niemandem irgendwelche Rechte. Unsere Ethik allein ist der Ursprung sämtlicher Rechte unserer Gesellschaft, und diese basieren auf dem Grundsatz der Gleichheit.

Tierrechte dagegen können niemals auf dem Grundsatz der Gleichheit basieren. Denn dieser fordert eine Einhaltung der Rechte durch jeden, dem auch die Rechte gewährt werden. Bei Tieren völlig utopisch. Zudem gibt es Millionen von Arten von Tieren. Diese sind nicht gleich.

Schon biologisch gesehen gibt es keine Gleichheit verschiedener Arten untereinander. Gleichheit ist ein idealistisches Konzept, das auf die menschliche Gesellschaft angewendet werden kann, weil wir alle grundsätzlich auch die gleichen Ziele haben (wir wollen leben, gesund sein, frei sein, ein Dach über dem Kopf haben und eine Familie versorgen). Das funktioniert innerhalb der menschlichen Gesellschaft (aber auch nicht immer reibungslos), weil wir einer Art angehören.

Natur zeichnet sich durch Vielfalt aus

Die Natur allerdings zeichnet sich nicht durch Gleichheit aus, sondern durch Vielfalt. Weil jede Art ihre eigene ökologische Rolle spielt und spielen muss, damit das Leben an sich auf diesem Planeten weitergeht.

Gleichheitsgrundsätze sind hier gar nicht anwendbar. Diese aber sind zwingend nötig für die Schaffung von Tierrechten.

Orca und Fischerboote (Foto: Rüdiger Hengl)

Orcas und Fischer sind Konkurrenten bei der Jagd.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Und die Vielfalt in der Natur bedeutet zuallererst einmal Konkurrenz. Weil diese Konkurrenzsituation zwischen den Arten nicht abgeschafft werden kann, kann es auch keine Tierrechte geben. Und diese Konkurrenz herrscht nun einmal auch zwischen uns Menschen und den Tieren.

Tierrechtler echauffieren sich oft darüber, man würde Tiere weniger wertschätzen, wenn man ihre Rechte nicht achtet. Und die Betrachtung vieler religiöser Denkansätze zeigt, dass tatsächlich Tiere von vielen als etwas Geringwertigeres angesehen werden.

Diese Denkweise wird meines Erachtens zu recht kritisiert, allerdings im falschen Kontext. Ich persönlich betrachte jede Art von Leben als gleichwertig. Gleichwertig in Bezug auf ihre Rolle im gesamten Ökosystem dieses Planeten und der Vernetzung alles Lebendigem zu einem großen Ganzen, ohne das kein einzelner überleben könnte, auch nicht der Mensch.

Mensch zerstört sich und die Natur

Doch genau das sehen die meisten Menschen leider nicht ein und zerstören so die gesamte Natur, ohne zu merken, dass sie sich dabei selbst vernichten werden.

Wer also hier einen Vergleich in Bezug auf Intelligenz ziehen will, sollte lieber mal in den Spiegel schauen und erkennen, dass der Mensch die einzige Art ist auf dieser Welt, die sich selbst und alle Ressourcen vernichtet.

Eine gleichwertige Betrachtung von jeder Art von Leben würde uns Menschen hier gut tun, um doch noch die Kurve zu kriegen und diesen Planeten zu erhalten.

Denn auch wenn die Natur selbst keinerlei Rechte in sich birgt: Alles was heutzutage mit uns auf diesem Planeten lebt, hat es sich auch verdient. Denn der Kampf ums Überleben war nie einfach und wird durch uns für andere immer schwerer.

Ein totes Schwanenküken mitten im Plastikmüll (Foto: Rüdiger Hengl)

Ein totes Schwanenküken mitten im Plastikmüll
(Foto: Rüdiger Hengl)

Artenschutz als Werkzeug

Dieses sollten wir respektieren und es als Recht jeder Art ansehen, hier zu existieren. Der Artenschutz ist hierbei das Werkzeug, diese Rechte zu schützen. Dies ist sinnvoll und wünschenswert.

Tierrechte ohne Sinn und Verstand als Kopie der Menschenrechte auf andere Arten zu übertragen ist dagegen völlig überflüssig.

Im nächsten Teil, der voraussichtlich im November 2016 veröffentlicht wird, geht es nun darum, was Sinn macht und was nicht. Sind Tierrechte irgendwo bereits umgesetzt? Wie hat das die Situation der Tiere geändert? Sind Tierrechte und Tierschutz dasselbe? Was sollten wir tun, um den Tieren wirklich zu helfen?

Bis zum nächsten Mal!
Euer Benjamin
Zu den Teilen 1 bis 14 meines BIOLOGEN-BLOGS geht es hier.

3 Kommentare

  1. Darüber kann man natürlich rechtsphilosophische Abhandlungen schreiben. Die Grundrechte sind „Abwehrrechte des Bürgers gegenüber staatlicher Gewalt“. Das gilt aber nicht im Verhältnis zwischen zwei Privatpersonen. So kann z.B. jemand als Vermieter das Rauchen in Wohnung A gestatten, in Wohnung B hingegen nicht. Der Gleichheitssatz im Grundgesetz (Art. 3 Abs.1) im Speziellen bedeutet lediglich, dass – von staatlicher Seite – Gleiches nicht ungleich behandelt werden darf. So haben trotz des Gleichheitssatzes Kinder andere Rechte als Erwachsene, da sie sich z.B. in ihrem Alter unterscheiden (minderjährig – volljährig).

    Erst recht nicht kann man dies auf Tiere anwenden. Dafür gibt es die Tierschutzgesetze.
    „Tierrechte“ sind aber – ebenso wie fast jedes andere Recht – nicht in Stein gemeißelt, sondern das Recht ist immer ein Spiegel der aktuell vorherrschenden Moralvorstellungen einer Gesellschaft. Was in Land A gilt, kann in Land B ganz anders gesehen werden.
    Das ganze hat also eine räumliche und eine zeitliche Komponente.

    So haben wir hierzulande kein Problem damit, dass in der Lasagne Schweinefleich oder Rindfleisch ist – aber wehe, es ist Pferdefleisch drin.
    In islamischen Ländern ist es undenkbar, Schweinefleisch zu essen.

    Wir sehen Delfine als „wertvoll“ an und sind empört, wenn diese Tiere zu tausenden in Japan abgeschlachtet werden mit der Begründung, diese wären Schädlinge und würden den Fischern die Fische wegfressen.
    Gleichzeitig kümmert es hierzulande fast niemanden, wenn in Deutschland pro Jahr eine Million Rehe bejagt und getötet werden – ebenfalls mit der Begründung, sie würden im Wald Schaden anrichten. Was würden unsere Jäger wohl sagen, wenn Japaner fordern würden, die brutale Jagd auf Rehe in Deutschland zu beenden?

    Wenn man liest, dass Indien Delfine als „nicht menschliche Personen“ anerkennt, klingt das zunächst sehr fortschrittlich. Doch welche Rechte haben dort Menschen – insbesondere, wenn sie aus niederen Kasten stammen? Selbst brutalste Gruppenvergewaltigungen bleiben dort oft ungesühnt oder werden nur schleppend verfolgt.

    Diese Beispiele zeigen, dass es in diesem Punkt keine „Objektivität“ im SInne eines „naturgegebenen Rechts“ gibt, sondern diese Tierrechte, die jede Gesellschaft für sich festlegt, einem stetigen Wandel unterworfen ist.

    Ein anderer Aspekt – vielleicht auch mal ein Thema für einen Beitrag:
    Gibt es unter Tieren denn so eine Art „ungeschriebenes Recht“ im SInne eines Verhaltenskodex?
    Ich denke da an solche Regeln wie unter Hunden: „Wenn der Unterlegene eine Demutshaltung einnimmt und sich unterwirft, dann ist der Kampf zu Ende und es darf nicht mehr zugebissen werden“

    Auf jeden Fall ein spannendes Thema, freue mich auf die nächsten Folgen

    geschrieben von Oliver
    1. Vielen Dank für die sehr interessanten Ergänzungen, Oliver!

      geschrieben von Susanne
  2. Sehr interessanter Artikel.
    Besonders aufmerksam wurde ich bei Benjamins Satz

    „Dabei möchte ich später auch diskutieren über Sinn und Unsinn von Tierrechten und die Ausnutzung des Themas durch undurchsichtige Geschäftsleute bzw. auch Glaubensgemeinschaften (Sekten)“.

    Eine derartige Verknüpfung „Sekte“ / „angeblicher“ Einsatz für Tiere ist bei manchen mehr als deutlich.

    So gibt es in Deutschland eine „Ein-Personen-Organisation“, deren Geschäftsführer zumindest im Jahre 1999 Presseländerbeauftragter der Universalen Kirche Deutschland war.
    (Um wen es sich hierbei speziell handelt, kann natürlich belegt werden, ist aus Datenschutzgründen hier aber nicht erforderlich).

    Die Sekteninfo NRW sieht in der „Universalen Kirche“ eine Sekte (http://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content…)

    2008 hat eben dieser ehemalige Presseländerbeauftragter der Universalen Kirche Deutschland eine uG gegründet, die sich angeblich dem Tierschutz verschrieben hat.

    Wie Sekten mit Andersdenkenden (aber auch mit Mitstreiten) umgehen, ist hier (http://www.freiescientologen.de/sekten.htm) beschrieben:

    Beispielsweise
    1. Finanzielle Ausplünderung
    2. Gedankenmanipulation, Hypnose, Brainwashing
    3. Millieukontrolle, Isolierung aus vertrauter Umwelt
    4. Informationskontrolle
    5. Sprachmanipulation, Kommunikationsverluste
    6. Entzug von Schlaf
    7. Ausbeutung von Arbeitskräften, Entzug von Privatleben
    8. Degradierung des Individuums
    9. Gefühlsmanipulation: Angst und Schuld
    10. Bekämpfen der Kritiker

    Manche der dort niedergeschriebenen Punkte, z. B. Bekämpfen der Kritiker (u.a. mit an den Haaren herbeigezogenen Lügen), kann ich bei oben angesprochener uG durchaus erkennen. Auch die Aussage „dass sich jedem Menschen die unendliche Vollkommenheit eröffne, wenn er sich entschließt, mit dem universellen Licht zusammenzuarbeiten“, einen Satz, den der Geschäftsführer der uG im Vorwort eines esoterischen Büchleins zum Besten gibt, klingt mir eher nach „Sekte“ als nach „Tierschutz“.

    Achtung DATENSCHUTZ! Es ist nicht erforderlich, bei euren Antworten Namen zu nennen.

    geschrieben von Rüdiger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.