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Sind Spendensammler „Wegelagerer“?


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Eine kritische Betrachtung von Susanne/Meeresakrobaten, 29. Juni 2014

Als „Wegelagerer“ werden Spendensammler in einem 2007 von Jürgen Ortmüller (Steuerberater und seit 2008 Geschäftsführer der Wal- und Delfinschutz-Organisation WDSF) verfassten Artikel im Presseportal.de bezeichnet.

Foto: Rüdiger Hengl

Foto: Rüdiger Hengl

Mögliche Unregelmäßigkeiten

Ortmüller nimmt in seinem Beitrag Stellung zu den „möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Spenden innerhalb der UNICEF und anderer Spendenorganisationen“. Zitat aus dem Artikel: „Es gibt kaum eine wirksame Kontrolle hinsichtlich des effektiven Einsatzes von Spenden. Wenn bei manchen gemeinnützigen Organisationen von höchstens 10 Prozent Verwaltungsaufwand die Rede ist, kann es sich trotzdem um Millionen Euro handeln, die als Geschäftsführergehalter, Reisekostenerstattung oder Verwaltungsaufwendungen getarnt sind. Es ist übliche Praxis, dass Spendenorganisationen bezahlte Vermittler beschäftigen, die gerade in der Vorweihnachtszeit dafür sorgen, dass mir als Passanten die Spendensammler wie Wegelagerer vorkommen.“

Auch GREENPEACE wurde 2007 von Ortmüller massiv kritisiert. So schreibt Ortmüller, dass dieser Organisation offenbar schon mehrfach der Verlust der Gemeinnützigkeit drohte.

Leguan (Foto: Rüdiger Hengl)

Perfekte Farbanpassung
(Foto: Rüdiger Hengl)

Beim WDSF gibt es ebenfalls Spendenaufrufe

Wie allgemein bekannt, steht GREENPEACE auch 2014 wieder im Fokus, wenn es ums Hinterfragen der Verwendung von Spendeneinnahmen geht.

Seit 2008 (also nur ein Jahr, nachdem Ortmüller gemeinnützige Organisationen kritisiert hat) gehört das WDSF (mit Jürgen Ortmüller als Geschäftsführer) ebenfalls zu den Organisationen, die um Spenden „buhlen“. Dazu wurde 2014 sogar bei Facebook eine eigene Seite eingerichtet. Ein kritischer Kommentar, der dort auf Ortmüllers „Wegelagerer-Artikel“ von 2007 verweist, war allerdings plötzlich verschwunden. Das macht stutzig …

Auf der Homepage vom WDSF (Stand 29. Juni 2014) kann man Folgendes lesen: „2008 wurde das WDSF als gemeinnützige und steuerbefreite Körperschaft des privaten Rechts mit Sitz in Hagen/Westf. mit notarieller Beurkundung amtlich registriert (Handelsregister Amtsgericht Hagen HR B 8068). Das WDSF ist die erste eingetragene gemeinnützige Unternehmergesellschaft in Deutschland. Alleiniger Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer ist Jürgen Ortmüller. Das WDSF wurde nicht als Mitglieder-Organisation gegründet, um die Verwaltungskosten niedrig zu halten. Gleichwohl besteht die Möglichkeit zur Fördermitgliedschaft.

Das WDSF ist durch das Finanzamt Hagen (St.Nr.321/5807/1765) ermächtigt, für Spenden zur Verwendung des Tierschutzes Spendenbescheinigungen auszustellen. Die Bilanzen des WDSF werden jährlich im elektronischen Bundesanzeiger (für jeden Internet-Benutzer zugänglich) veröffentlicht.“

Schaut man auf den elektronischen Bundesanzeiger, so stellt man fest, dass dort die letzte hinterlegte Bilanz von 2011 stammt (Stand: 29. Juni 2014) … Außerdem wird aus der dortigen Aufstellung nicht ersichtlich, für welche konkreten Projekte und Unternehmungen die Spendengelder ausgegeben wurden.

Wal in der Wiese (Foto: Rüdiger Hengl)

Transparenz (Foto: Rüdiger Hengl)

Mangelnde Transparenz

Ortmüller wirft Walschutz- und anderen Umweltschutzorganisationen mangelnde Transparenz vor, wenn er in seinem Artikel von 2007 schreibt: „Steuerfachmann Ortmüller empfiehlt vor einer Spende sich beim Finanzamt zu erkundigen, ob die betreffende Organisation überhaupt steuerlich als gemeinnützig anerkannt ist. Der Steuerberater kritisiert ebenso wie die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrates, Daniela Felser, die mangelnde Transparenz und Kontrolle im Spendenwesen.“

Mangelnde Transparenz werfe ich aber auch dem WDSF vor. Auf der WDSF-Website kann man zwar lesen: „Jede Unterstützung von Ihnen ist ein Beitrag zum Wal- und Delfinschutz und wird von uns verwendet, um Walen und Delfinen zu helfen und sie in ihrem freien Lebensraum zu erhalten. Ebenso können wir mit Ihrer Spende weitere Aktionen zum Schutz der Meeressäuger vorbereiten. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.“ Doch wie das Spendengeld konkret eingesetzt wird, habe ich auf der Website nicht gefunden.

Delfine und Wale in ihrem freien Lebensraum zu erhalten, ist zwar ein löbliches Vorhaben. Doch wenn man in den Medien recherchiert, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es bei den Aktionen vom WDSF vor allem darum geht, die beiden letzten Delfinarien in Deutschland zu schließen. Mit der Schließung würde allerdings kein Wal oder Delfin im freien Lebensraum erhalten. Die 17 derzeit in Nürnberg und Duisburg gehaltenen Großen Tümmler würden bei einer Schließung der Delfinarien allenfalls in eine andere Einrichtung (ins Ausland?) gebracht werden, in der eventuell ein weniger entwickelter Tierschutzgedanke herrscht als in Deutschland.

„Unsere Kriegskasse muss gefüllt werden …“

… kann man in einem Beitrag von Ortmüller lesen. Was hat das mit Delfinschutz zu tun? An „Krieg“ fühle ich mich eher erinnert, wenn ich Ortmüllers Aktionen gegen die beiden deutschen Delfinarien betrachte. Dabei scheut er auch vor Anzeigen und Klagen nicht zurück. Wer finanziert diese juristischen Auseinandersetzungen?

Werden mit Spendengeldern gar Rechtsanwälte bezahlt?

Hierzu gibt es von Ortmüller zwei konträre Aussagen.

Während Ortmüller bei „Südwinds Tiergarten“ folgendermaßen zitiert wird: „Wir müssen zum Schutz der Wale und Delfine dringend unserer „Kriegskasse“ füllen, um Rechtsanwälte und Wissenschaftler zu bezahlen …“ (Quelle: Südwinds Tiergarten, Beitrag vom 18.12.2009; die Fettung wurde von den Meeresakrobaten vorgenommen), …

… kann man an anderer Stelle lesen: „Auch dafür fehlen uns noch finanzielle Mittel für die Gerichtskosten (unser Rechtsanwalt arbeitet kostenlos).“ (Quelle: Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Rhein-Berg; die Fettung wurde von den Meeresakrobaten vorgenommen).

Tauchender Buckelwal/Bora Bora (Foto:  Stephanie und Detlef Müller)

Tauchender Buckelwal/Bora Bora
(Foto: Stephanie und Detlef Müller)

Im erstgenannten Beitrag erfährt man, dass Rechtsanwälte bezahlt werden müssen, im zweiten Beitrag heißt es, dass Ortmüllers Rechtsanwalt kostenlos für das WDSF arbeitet. Auch spricht Ortmüller in beiden Fällen in der ersten Person Plural, obwohl es sich beim WDSF doch um eine Ein-Mann-Organisation handelt.

Aufgrund von Ortmüllers o.g. Artikel Steuerberater bezeichnet Spendensammler als Wegelagerer sowie Ortmüllers widersprüchlichen Aussagen, was die Bezahlung von Rechtsanwälten angeht, kann ich hier nur ein weiteres Mal davor warnen, allzu leichtgläubig zu spenden (das bezieht sich generell auf Tierschutzorganisationen).

Sobald Ungereimtheiten bzw. mangelnde Transparenz bei der Verwendung von Spendengeldern auftreten oder Spendengelder nicht projektbezogen eingesetzt werden, sollte man doppelt vorsichtig sein.

Ich schlage vor, statt sich mit der Überweisung eines Geldbetrags ein vermeintlich ruhiges Gewissen zu verschaffen, sollte man im Tierschutz lieber selbst aktiv werden. Dazu gibt es mannigfaltige Möglichkeiten. Siehe dazu auch Aktiv werden. Weitere Vorschläge sind hier willkommen.

Lesetipp zum Thema

Gemeinnützigkeit, die keinem nützt

1 Kommentare

  1. Im angesprochenen Artikel von 2007 ist zu lesen:„Steuerfachmann Ortmüller empfiehlt vor einer Spende sich beim Finanzamt zu erkundigen, ob die betreffende Organisation überhaupt steuerlich als gemeinnützig anerkannt ist.“

    Im gleichen Artikel schreibt Ortmüller weiter:

    „Wenn Spendenorganisationen sich Millionen Euro selbst in die Tasche stecken, hat das moralisch nichts mehr mit Gemeinnützigkeit zu tun, selbst wenn sie als solche von den Finanzbehörden anerkannt sind.“

    Wenn also auch nur im Ansatz die Möglichkeit besteht, dass sich Spendenorganisationen „Geld in die Tasche stecken“, was nützt es dann, wenn sie von den Finanzbehörden als „gemeinnützig“ anerkannt sind? Dann kann man auch den von Finanzbehörden als „gemeinnützig“ anerkannten Organisationen nicht mehr trauen.

    geschrieben von Rüdiger Hengl

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