Berichte

Ferdinand & Co. im Duisburger Zoo


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(Daniela/Susanne, 10. Oktober 2001/ Nachtrag 19. Juni 2005)

Ein Erfahrungsbericht von Daniela, die im Sommer 2001 zweieinhalb Wochen lang mit 6 Delfinen und dem bekannten Weißwal Ferdinand engen Kontakt schließen konnte. Ihre Eindrücke werden im Folgenden, in ein Interview verpackt, wiedergegeben.

Seit Juli 1965 tummeln sich Delfine in den Bassins des Tierparks. Der Zoo Duisburg war damals ein Vorreiter in Europa und weltweit nach dem Zoo in Chicago erst der zweite, der es wagte, Große Tümmler im Binnenland in Becken mit künstlichem Meerwasser zu halten.

Susanne (S): Welche Wale und Delfine sind im Duisburger Zoo zu Hause?

Daniela (D): 4 weibliche und 1 männlicher Großer Tümmler, 1 männlicher Weißwal und 1 männlicher Commerson-Delfin (auch als Jacobita bekannt). (Nachtrag Juni 2005: Inzwischen ist ein weiblicher Tümmler – Iris – gestorben und der Weißwal sowie der Jacobita sind im Sommer 2004 nach San Diego (USA) ins Sea World ausgeflogen worden.)

Das jüngste Tier – Daisy – ist ein 5 Jahre altes „Tümmler-Mädchen“, das hier im Zoo geboren wurde. Mit 32 Jahren gehört Iris – ebenfalls ein Großer Tümmler – schon zu den betagteren Bewohnern.

Der 32-jährige Weißwal (= Beluga) Ferdinand ist eine große Attraktion im Zoo. Mit seiner Mimik und „Geschwätzigkeit“ (Belugas werden nicht umsonst „Kanarienvögel des Meeres“ genannt…) begeistert er große und kleine Zuschauer. Belugas haben übrigens im Vergleich zu anderen Walen einen beweglichen Hals. Ferdinand macht von dieser Ausnahmeerscheinung regen Gebrauch, wenn er mit Nachdruck den Kopf schüttelt oder sein Einverständnis durch Kopfnicken bekundet.

S: Wer kümmert sich um die Tiere?

D: 6 Pfleger/Trainer sowie 1 Auszubildende und mehrere Praktikanten sind um das Wohl der 7 Waltiere besorgt.

S: Woher stammen die Tiere?

D: Der Beluga und der Jacobita sind Wildfänge, die schon über Jahrzehnte im Duisburger Zoo leben. 2 Große Tümmler wurden im Duisburger Delfinarium geboren, 3 Tiere stammen aus anderen Delfinarien, sind aber Wildfänge.

S: Welche Fischarten und welche Mengen werden gefüttert?

D: Die Meeressäuger bekommen Sprotten, Tintenfische sowie Fettfische wie Heringe und Makrelen. Der Fisch stammt größtenteils aus Grönland, da dieser am wenigsten durch Umweltgifte belastet ist. Er wird sofort nach dem Fang eingefroren.

Jeweils am Mittag des Vortages wird das Futter zum Auftauen aus der Gefriertruhe genommen. Der Fisch für die Meeressäuger wird in der Regel ganz gefüttert mit allen Innereien. Die Tiere erhalten immer eine genau abgemessene Tagesration – unabhängig davon, ob sie bei den Vorführungen aktiv sind oder an bestimmten Tagen mal keine Lust haben, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Großen Tümmler bekommen je nach Alter zwischen 6 und 12 kg Fisch täglich, Ferdinand verschlingt sogar 16 kg und Jogy – der Jacobita- begnügt sich mit 4 kg Futter.

S: Was weißt du über die Wasserqualität und -temperatur?

D: Das Wasser des Delfinariums wird nicht gechlort, das des Walariums enthält etwas Chlor. Der Salzgehalt entspricht dem im offenen Meer. Dass auf chlorhaltige Chemikalien im Delfinarium verzichtet wird, erkennt man leicht daran, dass sich an den Beckenrändern und Wänden immer Algen ablagern. Diese werden ein paar Mal in der Woche mit Schrubbern und Saugern beseitigt. Das Delfinarium ist mit einer biologischen Filteranlage ausgerüstet.

Die Wassertemperatur im Delfinarium beträgt 25 Grad Celsius, die im Walarium 8 Grad Celsius.

S: Haben die Tiere die Möglichkeit, sich in kritischen Momenten zurückzuziehen?

D: Ja. Das große Vorführbecken der Großen Tümmler kann an verschiedenen Stellen abgetrennt werden. Es mündet in 2 halbrunde Klein- sowie 1 geräumiges Quarantäne- bzw. Aufzuchtbecken. Normalerweise sind alle 3 „Pforten“ durchgängig, so dass sich müde oder nicht so „gut gelaunte“ Tiere dorthin zurückziehen können. Auch das Außenbecken von Ferdinand und Jogy hat 2 „Becken-Fortsätze“, die bei Bedarf abgetrennt werden können.

S: Ist ein Tierarzt vor Ort? Werden „Unpässlichkeiten“ der Tiere protokolliert?

D: Ja. Es gibt einen Zoo-Tierarzt. Der Weißwal und die Delfine sind so trainiert, dass sie Untersuchungen (Betasten, Blutabnahme, Fieber messen etc.) geduldig über sich ergehen lassen. über eventuell auftretende Unpässlichkeiten werden von den Trainern genaue Protokolle geführt, so dass der Tierarzt frühzeitig benachrichtigt werden kann.

S: Werden Protokolle täglich geschrieben oder nur bei Unpässlichkeiten?

D: Protokolle werden täglich geschrieben.

* Da steht u.a. die Futtermenge drin, die die Tiere zu sich nehmen. (Frisst ein Tier z.B. mehrere Tage hintereinander zu wenig, wird es auf eine sich anbahnende Krankheit untersucht.)

* Außerdem ist in dem Tagesprotokoll zu lesen, ob es z.B. irgendwelche Zufütterungen gab (Vitamine, Medikamente im Krankheitsfall etc.).

* Die Qualität des Wassers ist dort ebenso dokumentiert wie das Verhalten der Tiere während der Vorführungen. 

S: Wie sieht denn so ein Tagesablauf einer Praktikantin aus?

D: Ich kann gerne mal einen typischen Ablauf aufzeigen.
* Morgens zwischen 8 und 8.30 Uhr wird in der Küche neben dem Delfinarium der angetaute Fisch für die einzelnen Tiere in Eimer abgefüllt. Für jedes Tier wird ein großer Tagesrations-Eimer vorbereitet. Ein Teil daraus wird vor den einzelnen Vorführungen jeweils in einen kleineren Eimer umgefüllt.

* Danach werden die Fischküche, die Trainer-Dusche sowie die Trainer-Bühne gesäubert. Außerdem werden die Scheiben des Delfinariums und Walariums von außen geputzt. Die Fußmatten vor den diversen Eingängen werden sauber gemacht und mit Desinfektionsmittel versehen, damit die Tiere nicht über die Zuschauer mit einer Krankheit infiziert werden können.

* Anschließend wird mit Hilfe einer Schubkarre der Abfall aus der Fischküche und den anderen Räumen zu einem speziellen Entsorgungsplatz im Zoo gefahren.

* Gegen 9.30 Uhr ist Frühstückspause.

* Um 10.30 Uhr findet die erste Wal-Vorführung am Außenbecken statt. Die Praktikantin assistiert dem Trainer. Dazu gehört u.a.: Absperren der kleinen Becken, Bereithalten des Hochballs, Bereitstellen der Fischeimer, Bestücken des Bootes mit Sitzen, Besprühen der Rampe mit Wasser, damit Ferdinand gut darauf gleiten kann usw. Nach der Vorführung werden die Futtereimer gesäubert.

* Um 11.30 Uhr beginnt dann die erste Delfin-Vorführung. Die Halle wird bereits um 11.00 Uhr für die Zuschauer geöffnet. Unter der Aufsicht der Praktikanten können die Zuschauer die Tiere an der Wasseroberfläche und unter Wasser durch spezielle Fenster beobachten. Während der Vorführung assistieren die Praktikanten wieder dem Trainer. Nach der Vorstellung wird der Gang vor dem Becken abgezogen, da sich hier durch die Sprünge der Delfine sehr viel Wasser angesammelt hat.

* Nach einer etwa halbstündigen Mittagspause geht es um 13.30 Uhr weiter mit der zweiten Walvorführung bzw. um 14.30 Uhr mit der nächsten Delfin-Vorführung. Im Sommer gibt es dann noch einmal um 15.30 eine Wal- und um 16.30 Uhr eine Delfin-Vorführung.

* Abends wird der restliche Fisch verfüttert. (Manche Tiere haben vielleicht bei einer Show nicht mitgemacht und somit noch nicht die ganze Tagesration Fisch erhalten.)

S: Wie wird mit den Delfinen trainiert?

D: Nach den Vorführungen üben die Trainer mit den Tieren für kurze Zeit z.B. ein paar Sprünge, die während der Vorstellung nicht so gut geklappt haben.

* Wenn neue „Kunststücke“ gelernt werden sollen, so spielen die Positivdressur und das Zufallslernen eine große Rolle. Den Delfinen werden dazu verschiedene Spielsachen ins Becken geworfen. Sobald ein Tier ein „originelles Kunststück“ mit einem Reifen oder Ball von sich aus ausführt, gibt es vom Trainer einen Pfiff und danach einen Fisch. Diese Koppelung – bestimmtes Verhalten wird durch einen Pfiff bestätigt und durch einen Fisch belohnt – versteht der Delfin recht schnell und wiederholt dann bald das von ihm gewünschte Verhalten. Wichtig ist, dass das neue „Kunststück“ nicht nur durch Pfiff und Fisch bestätigt, sondern auch mit einem neuen Handzeichen gekoppelt wird, damit das Tier später die übung auf ein bestimmtes Signal hin ausführt.

* Ein Sprung aus dem Wasser bis zum Hochball wird durch allmähliche Abstandsvergrößerung zwischen Delfinschnauze und Ball erreicht. Damit das Tier versteht, dass es sich aus dem Wasser wuchten muss, um den Ball zu erreichen, wird der Ball kurz vor der Berührung durch den Delfin weggezogen. Der Delfin merkt schnell, dass er das nächste Mal zur Kontaktaufnahme mit dem Ball unter Wasser „Anlauf“ nehmen muss, um sich dann in die Luft zu erheben und den Ball berühren zu können.

* Junge Delfine (wie z.B. Daisy) schauen sich „Kunststücke“ von den älteren Tieren ab und imitieren diese.

* Wichtig ist, dass die Tiere keinesfalls „bestraft“ werden, wenn sie bei einer Vorführung nicht mitmachen oder kein neues Akrobatenstück lernen wollen. Jeder Delfin bzw. Wal bekommt immer die ihm täglich zugedachte Fischration und viel Zuwendung durch den Menschen.

* Wie lange eine Ubung geht, hängt von den Tieren und von der Geduld des Pflegers (Einfühlungsvermögen usw.) ab. 

Die Übungen sollen in erster Linie den Tieren Spaß machen. Wenn ein Tier keine Lust hat, wird auch nicht geübt. Auch hat jedes Tier eine andere Begabung.

Damit es den Tieren über Nacht nicht zu langweilig wird, werfen die Trainer ihnen diverse Spielsachen ins Becken, mit denen sich die Meeressäuger die Zeit vertreiben können. Meist liegen diese Dinge am nächsten Morgen dann auf den Sitzbänken des Delfinariums…

S: Vielen Dank für das ausführliche Interview, Daniela!

D: Gern geschehen!

Wenn du dich für ein Praktikum im Duisburger Delfinarium anmelden möchtest, dann wende dich doch einfach an den Zoo Duisburg.

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