Berichte

Große Tümmler leiden in winzigen Betonbecken


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Ein Bericht von Eva Schandl/Österreich
Dezember 2002

Während meines Urlaubs in der Dominikanischen Republik in Jänner 2001 besuchte ich einen Tierpark mit dem Namen Manati Park Bavaro, wo Schwimmen mit Delphinen angeboten wurde. Bunte Bilder auf den Werbeplakaten und Prospekten vermittelten den Eindruck, dass Manati Park eine Lagune im offenen Meer ist. Weil ich ein großer Delphinnarr bin, haben mich diese Bilder natürlich angezogen.

Böses Erwachen

Das Erwachen kam allerdings sehr rasch, als der Bus ins Landesinnere fuhr und uns in einem kleinen Zoo absetzte, wo ich verzweifelt nach einer Lagune oder zumindest einem Riesensee oder Ähnlichem suchte. Als ich dann in der Ecke des Parks anlangte, wo das Schwimmen mit den Delphinen angeboten wurde, blieb mir das Herz stehen. Mich traf fast der Schlag, als ich feststellen musste, dass in zwei kleinen Betonbecken fünf Delphine „aufbewahrt“ werden, wo sie den ganzen Tag hauptsächlich zum Fotografieren die gleichen Bewegungen machen. Ich saß dort ein paar Stunden und hoffte, dass diese Tortur aufhört, sich irgendein Tor hinter der Absperrung auftut und dahinter eine Lagune auftaucht, aber dem war leider nicht so. Das kleine Chlorbecken, in dem drei Delphine an der Oberfläche lagen, zwei noch winzigere in dem noch zwei bewegungslos zu sehen waren, ist alles, was es gibt.

Show unter sengender Sonne

Die Prozedur pro zahlende Besuchergruppe ist immer und immer wieder die gleiche. Trotz sengender Mittagshitze lässt man zwei Delphine aus dem Becken auf die Matte legen und dort für Photos minutenlang in der Sonne schmoren. Danach darf ein Tourist zu den Delphinen ins Wasser – Photo am Beckenrand, der Delphin zieht den Touristen drei Meter durchs Wasser – Photo, und anschließend darf die ganze Gruppe ins Wasser und die drei Delphine, die sich ohnehin fast nicht mehr viel bewegen, werden, wenn die Touristen eine Flosse oder den Körper erwischen, angefasst und gestreichelt. Das Ganze dauert ca. 15 Minuten – bis die nächste Gruppe drankommt.

Wachsweiche Gesetze

Wieder zu Hause beschloss ich Hilfe zu suchen, denn es war mir absolut unverständlich, wie so eine Tierquälerei legal geduldet wird. Beim Stöbern im Internet fand ich heraus, dass der Park bereits seit 1999 unter massiver Kritik von Touristen und Tierschutzorganisationen steht. Ich kam in Kontakt mit der Whale and Dolphin Conservation Society und mit Ric O’Barry von der Welttierschutzorganisation, die schließlich auch im Mai 2002 noch eine Inspektion des Parks durchführten.

In der Zwischenzeit versuchte ich zu mobilisieren, was zu mobilisieren war, und fand zahlreiche Touristen, die ebenso denken wie ich. Mittlerweile haben wir an eine dominikanische Tierschutzorganisation, die sehr für die Delphine im Manati Park kämpft, Unterschriftenlisten mit mehr als 6.000 Protesten übergeben. Man sollte denken, das müsste ausreichen, um den Tank zu schließen und die Delphine in der Obhut von erfahrenen Experten wieder im Meer auszuwildern. Leider ist dem aber nicht so, denn trotz Gesetzen in der Dominikanischen Republik, die sogar die Spezies Flaschenhalsdelphin (Große Tümmler) besonders schützen, hat Manati Park heuer im Juli 2002 weitere acht Delphine im National Park Este (einem Naturschutzgebiet) wild gefangen – und das mit einer Bewilligung, die das Umweltministerium selbst illegal unter Verletzung nationaler Gesetze erteilt hat, wie mir die lokale Tierschutzorganisation mitteilte und wie es auch in zahllosen Presseartikeln in Zeitungen der Dominikanischen Republik veröffentlicht wurde.

Bis jetzt ist unklar, wo Manati Park diese neu gefangenen Delphine hingebracht hat und ob diese überhaupt noch leben. In jedem Fall wissen wir, dass bereits drei der seit 1999 dort gehaltenen Tiere gestorben sind. Verständlicherweise ist auch der Kampf der lokalen Tierschutzorganisation kein leichter, da doch die Dominikanische Republik auch genug humanitäre Probleme hat.

Schluss mit der Tierquälerei!

Es sollte also meiner Meinung nach in der Verantwortung von uns Touristen liegen, diese Tierquälerei nicht auch noch zu unterstützen. Ich habe im letzten Jahr Korrespondenz mit unzähligen Reiseveranstaltern und Hotelketten geführt, von denen auch zahlreiche mittlerweile den Park nicht mehr anbieten und bewerben. Allerdings werden doch weiterhin viele Touristen, denen diese Missstände nicht bekannt sind, von den bunten Prospektbildern des Manati Parks geblendet, die auf großen Werbetafeln dort überall zu sehen sind.

So könnt ihr helfen:

Ich denke, wer Delphine wirklich liebt, kann unmöglich befürworten, dass man diese Tiere in chlorierten Minibecken zu Tode strapaziert, nur um seinen persönlichen Wunsch zu erfüllen, mal einen Delphin aus der Nähe gesehen zu haben…
Wenn ihr euch dieser Meinung anschließt, helft mit eurer Unterschrift auf der laufendenPetition zur Befreiung der Delphine des Manati Parks Bavaro.

Nachdem ich als Privatperson besonders in Europa beim Kampf mit den Reiseveranstaltern und bei der Informationsweitergabe an möglichst viele Touristen auf die Hilfe von Organisationen angewiesen bin, möchte ich dabei besonders Ecoterra erwähnen. Diese Tierschutz-Organisation scheut auch nicht die offene Konfrontation mit den Großen der Reisebüro- und Hotelbranche, um das Ziel zu erreichen, dass die Tierquälerei im Manati Park nicht durch die rosa Brille eines bunten Ausflugsprospektes an uninformierte Kunden als Vergnügen verkauft wird. Ich bin dankbar, falls ihr diese Arbeit auch finanziell unterstützen möchtet – ihr findet dafür einen Link unter „Partner“ auf der Ecoterra Site.
Ansonsten macht bei einer Reise in die Dominikanische Republik das einzig Richtige und besucht diesen Park bitte auf keinen Fall. Vielen Dank für jede Unterstützung!

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