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Eine Fahrt in die Welt der Wale


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Bericht von Frank Blache / Meeresakrobaten – 27. Juli 2007

Endlich Ende Mai! Ich freue mich auf meine Reise nach Neuengland – genauer gesagt, nach Massachusetts, einem der sechs Neuenglandstaaten. Mein Ziel ist die Halbinsel Cape Cod, die sich südöstlich von Boston befindet und wie ein angewinkelter Arm mit geballter Faust aussieht.

Frank fährt ins Reich der Buckelwale (Foto: Frank Blache)

Über meine 10-tägige Tour könnte ich viel berichten – wie zum Beispiel über mein Wiedersehen mit Antonie, die ich auf meiner Baffin-Island-Tour im August 2006 kennengelernt hatte (siehe auch Baffin Island), über die Pilgerväter (die mit der berühmten Mayflower 1620 in Plymouth landeten), über Boston, über Martha’s Vineyard (hier drehte Steven Spielberg 1975 den bis dahin größten Kinoerfolg „Der weiße Hai“) und über wunderschöne Sandstrände – hier will ich mich aber auf ein ganz besonderes Highlight beschränken: Whale Watching!

Ein ideales Gebiet für Delfine und Wale

Zusammen mit Antonie fahre ich – oder besser sie mit mir – nach Plymouth, wo wir unsere Fahrt in die Welt der Wale beginnen. Zwischen Cape Cod und Cape Ann liegt der über 2.000 Quadratkilometer große marine Naturpark Stellwagen Bank (Stellwagen Bank National Marine Sanctuary).

Jagender Buckelwal (Foto: Frank Blache)

Das Unterwasserplateau liegt nur maximal 40 Meter unter der Wasseroberfläche (die umliegenden Gewässer weisen dagegen eine Wassertiefe von 100 bis 200 Meter auf) und bietet ein vielfältiges Ökosystem. Das damit verbundene reichhaltige Nahrungsangebot zieht zwischen April und November große Meeressäuger wie Finn-, Zwerg- und insbesondere Buckelwale an.

Mit viel Glück kann man sogar dem seltenen und stark bedrohten Nördlichen Glattwal begegnen (siehe Exkurs unten). Aber auch Zahnwale wie die Atlantischen Weißseiten-Delfine, Schweinswale, Orcas und Pilotwale kommen regelmäßig in das Naturschutzgebiet. Nicht umsonst wurde vom WWF das Meeresgebiet um die Stellwagen Bank als einer der zehn besten Whale Watching-Plätze weltweit bewertet. Dementsprechend zuversichtlich stechen wir in See.

Der erste Meeresriese zeigt sich …

Die vier- bis sechsstündigen Touren werden von Biologen begleitet, die viel Wissenswertes über die Wale vermitteln. Wir sind ca. eine Stunde unterwegs, da zeigt sich der erste Meeresriese: Ein Finnwal schwimmt gemütlich seines Weges. Das fängt ja super an! Die Fahrt geht weiter in das südliche Gebiet der Stellwagen Bank. Es dauert nicht lange und wir erkennen den Blas von zwei Buckelwalen – die meisten Walbeobachter haben ihren Fotoapparat im Anschlag und warten gebannt, ob die beiden näher kommen.

Fast zum Streicheln nah (Foto: Frank Blache)

Doch die zwei tauchen ab und der Kapitän nimmt wieder Fahrt auf. Plötzlich stoppt unser Boot – wir warten… – dann steigen an der Backbordseite große Luftblasen auf, die einen Kreis bilden. Bilder, die ich bis dahin – obwohl ich schon viele Walbeobachtungstouren unternommen habe – nur aus Büchern oder dem Fernseher kannte: die spektakuläre Nahrungsaufnahmemethode der Buckelwale! Wow!!

Luftblasennetz als Fangmethode

Bei dieser besonderen Fangtechnik schwimmen die Meeressäuger unter einen Fischschwarm und stoßen kreisförmig Luft aus den Blaslöchern aus. Dadurch bildet sich ein großes Luftblasennetz, das die Beutefische regelrecht einschließt. Jetzt brauchen die Wale nur noch mit offenem Maul in der Kreismitte nach oben zu schwimmen, um die Falle zuschnappen zu lassen. Ein einmaliges Schauspiel! Nun sind wir auf allen Seiten von Buckelwalen umgeben – ich höre auf, sie zu zählen … Durch die nach oben getriebenen Fische haben sich auch unzählige Seevögel eingefunden, die hier ebenfalls reiche Beute machen.

Ich komme wieder!

Abtauchender Buckelwal (Foto: Frank Blache)

Immer wieder tauchen Buckelwale direkt neben dem Boot und mal etwas weiter entfernt auf, sie schlagen mit der Fluke auf das Wasser und zeigen sie wunderschön beim Abtauchen. Leider geht auch mal die schönste Walbeobachtungstour zu Ende und so müssen wir uns auf die Rückfahrt nach Plymouth begeben. Da wir gerade zur Abendbrotzeit – oder besser zur Dinnerzeit – in Plymouth ankommen, lassen Antonie und ich uns einen Lobster schmecken, bevor wir unsere Heimreise nach Cape Cod antreten. Ein wundervoller Tag geht zu Ende und ich weiß: ich komme wieder!

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