Berichte

Aug in Aug mit den Riesen der Meere


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Susanne / Meeresakrobaten – 17. April 2009

Von oben, von unten, von vorn und von hinten – das OZEANEUM in Stralsund bietet dem Besucher die Möglichkeit, die Meeresgiganten aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten.

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Am 6. April 2009 habe ich besonderes Glück: Um 9:30 Uhr zur Eröffnung der größten Meeresausstellung in Europa stehen außer mir nur noch wenige Menschen an der Kasse. 14 Euro kostet das Ticket, das einem die Türen zur faszinierenden Unterwasserwelt öffnet. Ich zahle 18 Euro und erhalte dafür ein Kombi-Ticket für das OZEANEUM am Hafen sowie für das MEERESMUSEUM in der Nähe des neuen Markts in Stralsund. Außerdem fällt noch 1 Euro für die Fotografier-Erlaubnis an. Dass man im Bereich der Aquarien ohne Blitz fotografiert, ist Ehrensache.

Schwarmfischbecken

Von den zahlreichen Schaubecken hat es mir vor allem das große Schwarmfischbecken angetan. Es fasst 2,6 Millionen Liter Wasser. Hinter einer 50 Quadratmeter großen Panoramascheibe kann man einen Heringsschwarm beobachten, der wie eine Wolke durch das Wasser schwebt. Einzelwesen sind kaum auszumachen, da sich die Heringsleiber dicht an dicht drängen.

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Diese Formation ist (überlebens)wichtig für die Fische, da es Räuber schwer haben, sich ein einzelnes Beutetier heraus zu schnappen. Außerdem schützt die helle Bauchfarbe die Fische vor ihren natürlichen Feinden. Blickt man von unten in die Höhe, verschmelzen Himmel und Fischkörper zu einer Fläche.

Der „Verschmelzungseffekt“ ist auch eines unter vielen Themen in der Ausstellung „Kindermeer“. An verschiedenen Versuchsstationen werden die Kinder (und ihre Begleiter) aufgefordert, sich in die Lage von Fischen oder Meeressäugern zu versetzen. In einer Vorrichtung sieht man beispielsweise einen Heringsschwarm einmal von oben und einmal von unten. Man kann deutlich erkennen, in welcher Position sich ein „Räuber“ leichter tut …

Hering ist offenbar auch das „Stadtgericht“ von Stralsund. Es gibt ihn in allen Variationen. Vor allem gebratener Hering wird oft angeboten. Der hat auch mir sehr gut geschmeckt ;o))

1:1 – Riesen der Meere

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Doch nun zu den Tieren, derentwegen ich hauptsächlich in die Hafenstadt an der Ostsee gekommen bin – den Walen und Delfinen. 26 Meter lang ist das größte Modell in der von der Umweltorganisation GREENPEACE und dem Deutschen Meeresmuseum realisierten Ausstellung. Es ist ein Blauwal. Mit 9 Tonnen Gewicht ist er allerdings nur einen Bruchteil so schwer wie seine lebendigen Artgenossen im Meer. Doch noch weitere Meeressäuger hängen von der Decke herab: ein Pottwal, der sich im Kampf mit einem Riesenkraken befindet, ein Schwertwal sowie eine Buckelwalmutter mit Baby.

In der Halle der Giganten befinden sich Liegen, von denen aus man ausgestreckt die Riesen der Meere von unten betrachten kann. Der ganze Raum ist relativ dunkel, sodass man leicht die Illusion bekommt, man würde unter den Walen im Meer treiben – und das ohne Sauerstoffflasche und Tauchanzug. In einer Akustik- und Dia-Show werden Informationen über das Leben der Wale vermittelt und Emotionen ausgelöst. Ein tolles Erlebnis! übrigens auch von oben. über vier Etagen erstreckt sich die 18 Meter hohe Wal-Halle. Von jeder Etage aus hat man einen etwas anderen Blick auf die Tiere.

Museumspädagogin

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Wer alle Schautafeln und Informationsstände abgeklappert sowie sich die Filme im OZEANEUM-Kino angesehen hat und immer noch mehr über die Meeresgiganten erfahren möchte, der kann sich einer etwa halbstündigen Führung durch eine Museumspädagogin anschließen, die einen mit weiteren interessanten Fakten versorgt. Neu war für mich zum Beispiel, dass der Pottwal, der ja einer der spektakulärsten Walvertreter ist, das schwerste Brustbein aller Lebewesen besitzt. Er könnte ohne stabiles Brustbein gar nicht in große Tiefen tauchen, da sein Brustkorb unter dem enormen Unterwasserdruck sonst zusammengepresst würde.

Die nette Museumspädagogin gibt uns Knochen, Barten und Zähne von Walen in die Hand, damit wir die Tiere auch hautnah erleben können.

Im Deutschen Meeresmuseum

Am 8. April 2009 nutze ich meine Kombi-Karte und besuche das Deutsche Meeresmuseum. Da es draußen etwas nieselt, fühle ich mich im Trockenen natürlich doppelt wohl.

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Während der DDR-Zeit war das Meeresmuseum im historischen Katharinenkloster das beliebteste Ausflugsziel der Ostdeutschen. Heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall, sind das Stammhaus und seine neue moderne „Filiale“ – das OZEANEUM – ein Magnet für Interessierte aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarländern. Im Meeresmuseum werden anschaulich und zugleich wissenschaftlich fundiert Exponate präsentiert, darunter Hunderte zum Teil seltene Meerestiere, Vögel und Pflanzen aus hauseigener Präparation. Filme, Klänge, Computeranimationen und Info-Tafeln mit Touchscreens vermitteln Inhalte auf lebendige, unterhaltsame Art. Das gilt übrigens für beide Museen.

Im Meeresmuseum gibt es neben vielen lebendigen Meeresbewohnern (wie Meeresschildkröten, Clownsfische, Seepferdchen, Haie, Rotfeuerfische usw.) auch eine interessante Ausstellung über Wale und Delfine. Bei einem längs aufgeschnittenen Schweinswal-Präparat kann man genau sehen, wo sich die einzelnen Organe des Meeressäugers befinden.

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Kleiner Wal mit großen Problemen

Der einzige Wal, der in der Ostsee (und in der Nordsee) vorkommt, ist der Schweinswal. Er ist mit seinen 1,80 Metern Länge und 60 Kilogramm Gewicht bestimmt kein Meeresgigant, doch die Gefahren, denen er ausgesetzt ist, sind dafür riesengroß.

Das Deutsche Meeresmuseum erforscht den Schweinswal seit fast 30 Jahren und setzt sich für sein überleben ein. Zu den traurigen Aufgaben der Stralsunder Wissenschaftler gehört die Untersuchung aller Totfunde an der ostdeutschen Küste. Die Wanderungen und Bestände der Wale werden mit Hilfe von Unterwassermikrofonen ermittelt, welche die Klicklaute der Tiere aufzeichnen. Nach aktuellen Schätzungen leben noch etwa 20.000 Schweinswale in Kattegat, Beltsee, Kieler und Mecklenburger Bucht – und 200 bis 600 leben in der Ostsee östlich der Darßer Schwelle.

20 Jahre alt kann dieser Meeressäuger werden. Allerdings erreichen nur wenige Tiere dieses Alter. Schweinswale haben oft nicht mehr genügend zu fressen, denn die Nahrung wird durch die überfischung immer knapper. Außerdem werden viele Artgenossen selbst Opfer der Fischerei. Zwar werden sie seit etwa 60 Jahren nicht mehr gejagt, dafür ersticken sie heute als ungewollter Beifang in kilometerlangen Treib- und Stellnetzen. Zum Luftholen müssen Schweinswale nach spätestens sechs Minuten an die Wasseroberfläche.

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Ein weiteres Problem ist Unterwasserlärm, vor allem durch den regen Schiffsverkehr. Die Motorengeräusche stören die Orientierung der Wale, die sich durch Echo-Ortung zurechtfinden. Dazu senden sie – wie alle Zahnwale – Ultraschallwellen aus, sogenannte Klicks, die von Hindernissen als Echo reflektiert werden. So können sich die Tiere ein „Hör-Bild“ der Umgebung machen und Nahrung finden.

Auch unter der Verschmutzung der Meere durch Industrieabwässer und Pestizide aus der Landwirtschaft haben die Waltiere zu leiden. Bestimmte Gifte stören das Immunsystem der Wale.

Herzensanliegen

Das überleben der Schweinswale ist ein Herzensanliegen der Forscher. Im Rahmen des Kleinwal-Schutzabkommens ASCOBANS arbeitet ein internationales Team unter Beteiligung des Deutschen Meeresmuseums an einem Rettungsplan für die Meeressäuger. Derzeit werden die möglichen Auswirkungen von Offshore-Windparks erforscht. Vor allem die lauten Rammgeräusche während der Bauarbeiten könnten den Tieren schaden.
(Infos aus: „Meerblick“, März 2009)

Weitere Informationen auf der Website des OZEANEUMS und des DEUTSCHEN MEERESMUSEUMS.

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