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Deutsche Zoo-Delfine leben länger


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Beitrag von Rüdiger Hengl/17. März 2013

Weil die Berechnung des Durchschnittsalters von Delfinen recht schwierig ist, habe ich mir mal das Medianalter vorgenommen. Angewandt auf Menschen, kann man mit ihm die Alterung in einem Land verdeutlichen.

Springende Große Tümmler  (Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Springende Große Tümmler
(Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Medianalter

Das Medianalter teilt eine Population in zwei gleich große Hälften: die eine Hälfte ist jünger als das Medianalter und die andere Hälfte ist älter.

In Deutschland beispielsweise liegt das Medianalter der Menschen bei 44,3 Jahren, in Jamaika dagegen nur bei 23,9 Jahren. (Quelle: Länderdaten.de)

Ich führe das darauf zurück, dass in Industrieländern wie Deutschland die medizinische Versorgung einfach besser ist als in einem Schwellenland wie Jamaika. So gibt es in Deutschland pro 10.000 Einwohner 35 Ärzte, 8 Zahnärzte und 80 Geburtshelfer. In Jamaika gibt es pro 10.000 Einwohner 9 Ärzte, 1 Zahnarzt und 16 Geburtshelfer. (Quelle: Länderdaten.de)

Zur Erinnerung hier noch einmal das Medianalter von Menschen: in Deutschland 44,3 Jahre, in Jamaika 23,9 Jahre.

Und wie sieht es bei Großen Tümmlern aus?

Dazu habe ich die im Jahr 2007 beobachtete Altersverteilung von 126 Großen Tümmlern aus der Sarasota-Bay/Florida verglichen mit der Altersverteilung der acht Tiere, die im Jahr 2007 im Nürnberger Zoo lebten. Das Ergebnis überrascht nicht.
Falls es jemand nachrechnen möchte: Die Berechnungsformel findet man hier.

In Nürnberg lebten im Jahr 2007 acht Delfine (Moby 47 Jahre, Eva 38 Jahre, Anke 24 Jahre, Nynke 24 Jahre, Jenny 20 Jahre, Noah 13 Jahre, Naomi 9 Jahre und Sunny 8 Jahre).

Die Berechnung des Medianalters ergibt für die in der Sarasota Bay ansässigen freilebenden Delfine 10,7 Jahre und für die in Nürnberg in menschlicher Obhut gehaltenen Delfine 20,0 Jahre.

Großer Tümmler in Nürnberg (Foto: Rüdiger Hengl)

Großer Tümmler in Nürnberg (Foto: Rüdiger Hengl)

Ich habe Nürnberg und Sarasota Bay (Medianalter der Delfine: 20,0 zu 10,7) bzw. Deutschland und Jamaika (Medianalter der Menschen: 44,3 zu 23,9) sehr bewusst ausgewählt. Die Verhältnisse sind nämlich genau gleich!

Fazit: Medizinische Versorgung sichert einfach ein höheres Medianalter. Ich denke, in Nürnberg sind die Tiere bestens versorgt.

Medizinisch versorgen oder sterben lassen?

Jetzt frage ich mich ernsthaft, was wohl ein seit Jahren in Deutschland lebender nierenkranker Jamaikaner bevorzugen würde (Moby, Eva, Anke, Nynke und Jenny kann man ja leider nicht fragen): Lieber wieder zurück nach Jamaika und gegebenenfalls sterben oder sich in Deutschland, wo man sich eingelebt hat und zu Hause ist, medizinisch behandeln lassen? Für Noah, Naomi und Sunny, die in menschlicher Obhut geboren wurden, stellt sich die Frage eh nicht.

6 Kommentare

  1. @Jeanette: Es geht bei diesem Beitrag nicht um den Wert des Lebens (das ist eher eine philosophische und vor allem sehr subjektive Betrachtung), sondern um das MEDIANALTER.

    geschrieben von Susanne
  2. Den Wert des Lebens an dessen Länge zu messen, ist wohl etwas kurzsichtig. Wenn ich micn entscheiden müsste – kurzes Leben, d<für in Freiheit und mit meiner Familie, oder lange in Gefangenschaft, eingesperrt und fern von meiner Familie, die Antwort ist wohl klar…. Mal abgesehen davon, dass Delfine Wildtiere sind und nicht zu Clowns degradiert werden sollte, in dem sie "Kunsstückchen" vorführen ( ebenso wenig, wie Affen, Elefanten, Tiger oder andere Zirkustiere).

    geschrieben von Jeanette
    1. Hallo Jeanette,
      es hält Sie niemand davon ab, in ein natürliches Habitat des Homo Sapiens umzusiedeln (Steppe oder Urwald) und dort "in Freiheit" zu leben.

      Natürlich sind Delfine (Große Tümmler) Wildtiere – allerdings gewöhnen sie sich sehr schnell an die Bequemlichkeiten einer Delfinhaltung und bauen auch entsprechende Beziehungen zu ihren menschlichen Betreuern auf. Sie gehören ganz offenbar zu den am leichtesten zu domestizierenden Tieren, die es überhaupt gibt.

      Während man z.B. eine Gruppe Pferde auch nach langer Haltung und auch in Nachzucht recht einfach auswildern kann, klappt das bei Delfinen nur in den seltensten Fällen (und auch nur bei Wildfängen). Es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass freigelassene Delfine umgehend wieder den Kontakt zu Menschen suchen – auch wenn sie gut auf die Auswilderung vorbereitet wurden.
      Zumeist endet das damit, dass die Delfine wieder in menschliche Obhut genommen werden müssen, da sie partout nicht zu ihrem "normalen" Verhalten zurückkehren, sondern an Booten betteln, Menschen aktiv aufsuchen und sich so in Gefahr bringen (Angelhaken, Bootspropeller etc.)

      Im Übrigen werden sie nicht "zu Clowns" degradiert, sondern durch sinnvolle Präsentationen (oder auch "Shows") geistig und körperlich fit gehalten. Wer sich mal die Mühe macht, die Tiere einen ganzen Tag lang zu beobachten, merkt sehr schnell, dass sie den Vorführungen regelrecht engegen fibern (um nicht zu sagen "sich darauf freuen").

      Im Übrigen ist eine hohe Lebenserwartung sehr wohl auch ein Indiz für ein "gutes" Leben, da ein gewisser "Wohlfühlfaktor" die Voraussetzung auch für körperliche Gesundheit ist. Ist auch beim Menschen unter dem Schlagwort "Psychosomatik" ein ganz heißes Thema.

      geschrieben von Norbert
  3. @ Frank

    Sie haben anscheinend nicht richtig gelesen. Wieso sollte ich die "noch in Nürnberg überlebenden Delfine" schreiben, wenn ich mich sowohl bei Sarasota-Bay also auch Nürnberg auf das Jahr 2007 beziehe. Für Aktuell habe ich aus beiden Habitats keine Zahlen, also wäre es unlauter, dazu etwas zu veröffentlichen.

    Vergleiche ich aber die Median-Alter der Nürnberger Delfine von 2007 und heute, dann ist das Median-Alter in Nürnberg jetzt noch höher! :o)
    Ich bin also nach wie vor der Auffassung: In Nürnberg lebt sich's als Delfin offensichtlich gut.

    geschrieben von Rüdiger
  4. @Meeresakrobaten: @Frank:
    Niemand bestreitet, dass in der Anfangszeit jede Menge Fehler in der Delfinhaltung gemacht wurden. Aber vor Allem hat man schnell und nachhaltig dazugelernt. Angefangen von der Wasseraufbereitung über die Gestaltung der Anlagen, bis hin zur Auswahl der Medikamente. Von daher ist es wenig hilfreich, mehr als die letzten 10 – 15 Jahre zu berücksichtigen.
    Dennoch kann man die Liste durchaus zeigen. Ja, das ist in der Vergangenheit geschehen und bedauerlich. Aber man hat daraus gelernt!

    Der wichtigste Hinweis auf die erfolgreichen Verbesserungen ist daher das Sterbealter der Delfine:
    In den letzten 10 Jahren ist in deutschen Delfinarien kein Delfin mehr gestorben, der nicht schon wenigstens 35 Jahre alt war (Totgeburten und nicht lebensfähige Kälber ausgenommen).

    Angesichts der nicht zu bestreitenden Tatsache, dass in freier Wildbahn weniger als die Hälfte aller Delfine älter als 25 Jahre wird und zusätzlich rund 50 % aller Kälber vor dem 3. Lebensjahr sterben, ist das ein beachtlicher Wert, der für eine artgerechte und erfolgreiche Haltung spricht.
    Auch bei der Kälberaufzucht kommen inzwischen in ordentlich geführten Anlagen >80% aller Geburten durch. Ich drücke Nürnberg beide Daumen, dass mit der neuen Anlage auch sie diesen Wert erreichen werden. Die Voraussetzungen stehen sehr gut!

    geschrieben von Norbert
  5. Hallo Herr Hengl,
    Ihre Rechnung bzw. Überschrift zum Bericht „Deutsche Zoo Delfine leben länger“ ist äusserst manipulativ, korrekt hätten Sie schreiben sollen „Die noch im Nürnberger Zoo überlebenden Delfine leben länger“.

    Anmerkung Meeresakrobaten: Die vom Kommentator angehängte Liste der in der Anfangszeit der Delfinhaltung gestorbenen Tiere habe ich gelöscht, da sie nicht zum Thema gehört. Es geht hier lediglich um einen Berechnungsversuch, der sich ausschließlich auf Große Tümmler aus dem Jahr 2007 bezieht.

    geschrieben von Frank

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