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Delfinhaltung in Seaworld


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Gastbeitrag von Linda/19. April 2015

Anmerkung MEERESAKROBATEN: Nachdem es bei den Kommentatoren unter Lindas Beitrag Happy End für vier Grindwale eine kleine Diskussion gab über Seaworld, hat Linda einen zweiten Bericht (mit sehr viel Fotomaterial) über Seaworld Orlando verfasst, in dem sie die Delfinhaltung in den USA beschreibt. Vielen Dank Linda!

Shamu-Stadium (Foto: Linda Dommes)

Shamu-Stadium
(Foto: Linda)

Delfinshow ist eine Kombination aus Unterhaltung und Bildung

Die Delfinshow („Blue Horizons“) im Seaworld Orlando ist eine Show und konzeptionell nicht mit den Delfinvorstellungen in Duisburg oder Nürnberg zu vergleichen.

Seaworld verfolgt das Konzept des „Edutainment“, also eine Kombination aus Unterhaltung und Bildung. In den Shows soll beim Publikum Begeisterung für die Tiere und ihre Umwelt geweckt werden.

Blue Horizons ist wie ein Theaterstück aufgebaut, bei dem inhaltlich die Zusammenhänge zwischen Luft (Vögel, Luftakrobaten und die Rolle der „Aurora“), Wasser (Delfine und die Rolle des „Delphis“) und Erde (Trainer und Hauptperson „Marina“) symbolisiert werden. Bevor die Show beginnt, gibt es übrigens über Lautsprecher Einspieler über die Biologie der Tiere.

Ähnlich verhält es sich mit der Orcashow „One Ocean“. Zum einen geht es darum, dass sich insbesondere junge Menschen inspirieren lassen sollen, sich für Natur- und Tierschutz einzusetzen. Das wird im Intro zur Show auch sehr deutlich. Schau dir mal auf youtube eine vollständige One Ocean Show an, du wirst sicherlich sehen, was ich meine.

One Ocean selbst ruft dann ebenfalls zum gemeinsamen Schutz unserer Ozeane auf und zeigt wiederum, wie alles in der Natur zusammenhängt (deshalb der Titel „One Ocean“) und jede unserer Entscheidungen Einfluss auf die Umwelt hat. Viele Botschaften stecken übrigens in den Musiktexten, die Seaworld extra für alle Shows hat komponieren lassen.

Whale-Dolphin-Stadium (Foto: Linda)

Whale-Dolphin-Stadium
(Foto: Linda)

Zu den Haltungen

Das „Whale and Dolphin Stadium“ war früher das Orcabecken. Es gibt neben dem Vorführbecken mit den Unterwasserscheiben, rechts und links davon zwei Rundbecken, die wiederum mit einem dritten Rundbecken verbunden sind.

Durch einen kleinen Kanal gelangen die Tiere in das vierte, größte Rundbecken. Die genauen Maße kenne ich leider nicht und ich möchte ungern mit konkreten Zahlen schätzen, sonst wird man auf die Zahlen festgenagelt ;-) Insgesamt würde ich schätzen, dass der Gesamtbereich doppelt so groß ist, wie der in Duisburg einsehbare Vorführbereich.

Im Stadium lebten im September 2014 zehn Große Tümmler und vier Grindwale. Für Besucher ist dieser Bereich nur während der Shows zu betreten.

Dolphin Cove

In der „Dolphin Cove“ lebt ebenfalls eine große Gruppe Tümmler. Das Becken besteht aus Tief- und Flachwasserzonen, hat Felsformationen, eine Wellen- und eine Gegenstromanlage.

Bei meinem Besuch lebten dort 23 Tiere. Die Dolphin Cove ist der Bereich, in dem die Besucher die Tiere streicheln können. Allerdings ist die Chance dafür gleich Null, denn die Tiere wissen sehr genau, wie weit ein Arm ins Becken reicht und halten entsprechenden Abstand, wenn sie nicht angefasst werden möchten.

Bis zu Beginn des Jahres 2015 konnten Besucher auch zu bestimmten Zeiten (drei- bis fünfmal am Tag) die Tiere mit zuvor gekauften Fischen füttern. Das gibt es jetzt nicht mehr. Stattdessen finden mehrmals täglich rund zehnminütige Interaktionsprogramme unter Anleitung der Pfleger statt.

Dolphin Cove (Foto: Linda)

Dolphin Cove
(Foto: Linda)

Dolphin Cove (Foto: Linda)

Dolphin Cove
(Foto: Linda)

Unterwasserlandschaft (Foto: Linda Dommes)

Unterwasserlandschaft
(Foto: Linda)

Neugierige Truppe (Foto: Linda Dommes)

Neugierige Truppe
(Foto: Linda)

Zusätzlich zu diesen Einheiten mit Besuchern gibt es selbstverständlich die normalen Fütterungen durch die Pfleger, während denen es auch Medical Training und weitere Beschäftigungen für die Tiere gibt.

Während der gesamten Öffnungszeit des Parks stehen Mitarbeiter des Seaworld-Education-Teams am Becken und geben Informationen über die allgemeine Biologie der Tiere und Umweltschutzmaßnahmen. Sie erklären auch, wie sich die Besucher zu verhalten haben, wenn sie die Tiere anfassen möchten, und schreiten ein, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält. Zudem sind sie auch jederzeit ansprechbar für weitere Fragen. Rund um die Becken herum und am Unterwasserfenster gibt es zudem Informationstafeln.

Dolphin Nursery

Für Große Tümmler gibt es noch die Anlage „Dolphin Nursery“. Wie der Name schon verrät, leben hier in einem ovalen Becken trächtige Delfindamen und Mütter mit ihren Kälbern.

Im September 2014 waren das vier Mütter mit ihren Jungtieren sowie ein „Companien Dolphin“, also ein erfahrenes, älteres Delfinweibchen, welches die Mütter unterstützt.

Delfin-Mütter (Foto: Linda Dommes)

Delfin-Mütter
(Foto: Linda)

Die Jungtiere leben gut eineinhalb bis zwei Jahre dort mit ihren Müttern, bevor sie entweder in die Dolphin Cove oder in den Schwesterpark „Discovery Cove“ gebracht werden.

Auch hier stehen ständig Mitarbeiter des Education Departments und informieren über die Tiere, schwerpunktmäßig über Geburtsbiologie und Aufzucht.

Von den 40 Großen Tümmlern, die im September 2014 in Seaworld Orlando lebten, und den 45 Tieren in der Discovery Cove, sind insgesamt nur noch sieben Wildfänge, die zwischen 1970 und 1983 im Golf von Mexiko gefangen wurden. Alle anderen Tiere wurden in den Parks geboren. Alle Großen Tümmler bekommen zwischen sieben und acht Kilogramm Fisch pro Tag, abhängig von ihrem Alter, Geschlecht, Jahreszeit und Größe. Diese Futtermenge ist grundsätzlich unabhängig von der Mitarbeit im Training oder in den Shows.

Orca-Gruppe (Foto: Linda Dommes)

Orca-Gruppe
(Foto: Linda)

Shamu Stadium

Hier lebt eine siebenköpfige Schwertwalfamilie, bestehend aus dem dominanten Weibchen Katina, die bereits siebenmal Mutter und mehrfache Großmutter wurde, ihrem Sohn Makaio, ihrer Tochter Nalani, Kayla, Malia, Tilikum und Trua.

Nachtrag vom 8. Januar 2017: Tilikum ist leider am 6. Januar 2017 nach längerer Krankheit gestorben.

Den Tieren steht das Vorführbecken mit ca. 55 Metern Länge, 25 Metern Breite, zehn Metern Tiefe zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es angrenzend an das Vorführbecken zwei Rechteckbecken und ein weiteres, längeres Rechteckbecken. Dazu gibt es zwei Medicalpools, die über eine Hebebühne verfügen.

Der „Shamu Close Up“-Bereich mit mehreren Unterwasserscheiben, an denen die Tiere jederzeit beobachtet werden können, ist ca. 50 Meter lang, 22 Meter breit und zehn Meter tief.

An den Unterwasserscheiben und rund um das Shamu Stadium gibt es Informationstafeln zur Biologie der Tiere. Darüber hinaus stehen an den Unterwasserscheiben Mitarbeiter des Education Departments für Fragen zur Verfügung.

Wie auch die Großen Tümmler werden auch die Orcas zwischen den Shows mit verschiedenen Spielzeugen beschäftigt, spielen mit ihren Pflegern oder beschäftigen sich untereinander. Insbesondere die Jugendlichen Nalani, Makaio und Malia spielen viel miteinander. Tillikum verbringt viel Zeit mit seinem Enkel Trua. Die beiden beschäftigen sich auch viel mit Spielzeug.

Wasserfall (Foto: Linda)

Wasserfall
(Foto: Linda)

Die Tierpfleger

Bei Seaworld unterscheidet man zwischen den Trainern, die in den Shows auftreten und die Tiere dafür trainieren, und den „Animal Care Specialists“, die in den Nicht-Show-Bereichen mit den Tieren arbeiten, also der Dolphin Cove und der Dolphin Nursery.

Die Trainer und Care Specialists wechseln regelmäßig, meist alle drei Jahre, zwischen den Bereichen. So kann es durchaus sein, dass ein Orca-Trainer für eine Zeit lang mit Seelöwen oder Delfinen arbeitet. Seaworld möchte keine Spezialisten nur für eine Tierart ausbilden. Dem Park ist es wichtig, dass die zoologischen Mitarbeiter ein breites Spektrum an Wissen über verschiedene Tierarten und Tierbedürfnisse entwickeln.

Es geht nicht nur um Kommerz

Eine Anmerkung zu dem oft negativ konnotierten Bild, dass Seaworld ein Freizeitpark ist und es „nur um Kommerz geht“: Der Park muss Geld verdienen, damit er seine Mitarbeiter bezahlen, Renovierungen und Erweiterungen vornehmen, den Tieren erstklassiges Futter, Wasseraufbereitung und medizinische Versorgung zukommen lassen kann und last but not least Forschungsarbeiten, Bildungsprogramme für Schüler und Studenten sowie Tierrettungsaktionen durchführen kann.

Ein Großteil dieses Geldes stammt übrigens nicht nur aus den Eintrittsgeldern, sondern insbesondere aus dem Verkauf von Merchandiseartikeln im Park.

Training mit Jungtier (Foto: Linda Dommes)

Training mit Jungtier
(Foto: Linda)

Seaworld kann mit seinem Geld eigenständig Schwerpunkte setzen und hat durch seine privatwirtschaftliche Tätigkeit mehr Freiheiten als beispielsweise unsere deutschen Zoos, die zumeist in kommunaler Hand sind.

Wie wir alle wissen, sind unsere Kommunen klamm, Geld für die Zoos ist rar. Da ändert auch der Status der Zoos als Bildungs-, Kultur- und Erholungsstätte leider wenig dran.

Seaworld war und ist in seiner 50-jährigen Geschichte oft Vorbild nicht nur bzgl. der Haltung und Pflege von Meeressäugern, sondern auch im Bereich der Edukation und Forschung. Das ist auch richtig so, denn das Unternehmen hat mehr Geld zur Verfügung als die meisten Zoos in städtischer Hand und damit eine besondere Verantwortung im Umgang mit diesem Geld zum Wohle der Tiere und Mitarbeiter sowie auch zum Schutz der natürlichen Lebensräume.

Präsentation der Tiere

Natürlich kann man unterschiedlicher Auffassung über die Art und Weise der Präsentation der Tiere sein (Show vs. Edukative Vorführung). Einen reinen Fokus auf Entertainment würde ich auch nicht gut heißen. Bei Seaworld findet beides statt: Entertainment mit edukativen Elementen in den Shows und klassische, zoologische Edukation mit einem Schwerpunkt auf Umweltschutz (z.B. mit der Kampagne „don’t trash where they splash“) in den Parkbereichen wie der Dolphin Cove, dem Pacific Point Preserve (Seelöwen), dem Shark Encounter oder „Turtle Trek“ (Manatis, die übrigens alle von Seaworld gerettet wurden, und Schildkröten).

Es ist wichtig, sich selbst ein Bild zu machen

Wer die Gelegenheit hat, dem kann ich nur empfehlen, sich bei einem Besuch bei Seaworld Orlando (in San Diego und San Antonio war ich noch nicht) selbst ein Bild zu machen.

Vertrauensverhältnis (Foto: Linda)

Vertrauensverhältnis
(Foto: Linda)

Es gibt diverse Möglichkeiten, mit Pflegern und Edukation-Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und sich umfassend über die Haltungsbedingungen zu informieren. Die Grundsätze der Arbeit mit den Tieren, ihrer Pflege und Versorgung und das hohe Engagement aller Mitarbeiter unterscheiden sich nach meiner Erfahrung nicht von dem in deutschen Zoos.

Filme zu Seaworld Orlando

Folgende Videos geben weitere Informationen (die sind von Seaworld, aber ich finde nicht, dass jeder Blick hinter die Kulissen nur reine Werbung ist, sondern auch zur Transparenz beiträgt):

* Seaworld: Making of One Ocean – Inspiration
* Seaworld: Making of One Ocean – Education
* Seaworld: Making of One Ocean – Whale Behaviors
* Seaworld: Making of One Ocean – Whales & Trainers
* Seaworlds Blue Horizons: Behind the Scenes
* Turtle Trek (360 Grad, 3D-Animationsfilm über den Lebenslauf einer Schildkröte, erklärt meiner Meinung nach sehr gut das Konzept des „Edutainment“; privat gefilmt von InsidetheMagic)

7 Kommentare

  1. Hallo Dani,
    erst einmal vielen Dank für deinen Diskussionsbeitrag!

    Klar muss ein Zoo auch den Bildungsauftrag erfüllen. Aber ein Zoo ist keine Schule mit den dort vorherrschenden Bedingungen (z.B. homogene Klasse, an die Jahrgangsstufe angepasster Lehrplan etc.). Die Zuschauer einer Delfin-Präsentation sind – grob gesagt – zwischen 0 und 100 Jahre alt. Die Präsentation muss also sowohl dem quirligen Kleinkind, als auch den kritischen Teenagern, den („nur“) Entspannung suchenden Eltern und den wissbegierigen Senioren gerecht werden.
    Tiefer gehende Informationen bekommt man zuhauf im Internet, in Büchern und anderen Medien. Wer sich für Delfine begeistert, wird sein Wissen in Eigenregie aufstocken können. Die Möglichkeiten dazu sind heutzutage schier unendlich.
    Wenn man deine didaktischen Forderungen umsetzen wollte, so müsste man konsequenterweise an alle Tier-Gehege einen Zoo-Pädagogen hinstellen, der dann den ganzen Tag über umfassendes Wissen über die entsprechende Tierart vermittelt.

    Sehr schön didaktisch aufbereitet sind übrigens die Klassenführungen, die von den Lehrern aller Schularten gerne in Anspruch genommen werden. Kein Schüler wird den Unterricht im „blauen Klassenzimmer“ bei den Delfinen jemals vergessen …

    Nürnberg ist dazu übergegangen, in jeweils einer Präsentation am Tag das Publikum zu Wort kommen zu lassen. Ein Tierpfleger sammelt Fragen der Besucher ein, die dann von einem anderen Tierpfleger zusammen mit den Delfinen (an denen jeweils das Gefragte demonstriert wird) beantwortet. Diese Präsentation nennt sich „Was Sie schon immer über Delfine wissen wollten“. Ich habe sie selbst miterlebt und finde die Idee sehr gut.

    Selbstverständlich auch vielen Dank an die anderen Kommentarschreiber für eure sehr interessanten Beiträge!

    geschrieben von Susanne
    1. Ich will es mal so sagen. In Duisburg wird immer wieder postuliert, in der Vorführung würden wichtige biologische Fakten vermittelt. Tut mit leid, aber wenn das der eigene Anspruch ist, dann wird er in meinen Augen nicht erfüllt. Da würde ich mir wirklich wünschen, sie würden sich etwas in Nürnberg abschauen, wenn ich deine Beschreibungen lese. Das würde ich mir dann auch wieder mit Begeisterung anschauen, selbst wenn ich da auch mal nichts neues erfahren sollte.

      geschrieben von Dani
  2. Ein großes Dankeschön, Linda, für diesen informativen und gut strukturierten Bericht ;)

    Um ehrlich zu sein, bin ich positiv überrascht. Ich hatte SeaWorld irgendwie unterschätzt. Ich wusste echt nicht, dass die so viele Bildungsangebote haben. Nicht nur Schilder und interaktive Tafeln, sondern auch Mitarbeiter, die ständig für Fragen und Infos da sind. So etwas gibt es in deutschen Zoos, auch bei anderen Tieren, in dem Sinne meines Wissens nach nicht (natürlich ist das bei Fütterungen und Führungen was anderes, aber außerhalb dieser gibt es nur manchmal ehrenamtliche Mitarbeiter). Würde ich mir zwar wünschen, wird aber vermutlichg nciht funktionieren, zum einen aus Finazierungsgründen, zum anderen, weil die Städte und Kommunen ja das entscheidende Wörtchen mit zu reden haben. Insofern ist ein privates Unternehmen wirklich auch ein Vorteil. Aber nichtsdetotrotz sind die ganzen Scoutpositionen ja auch schon ein guter Schritt. Aber das führt jetzt zu weit weg.

    Ich bin und war auch schon immer ein großer Fan von Edutainment, um ehrlich zu sein, aber eher in die Richtung spielerisches Lernen auf Infobildschirmen und so, aber SeaWorld geht da vielleicht auch als Freizeitparkunternehmen nochmal einen Schritt weiter. Finde ich zwar super und auch durchaus sinnvoll und erfolgsverprechend, aber ich persönlich finde dann doch öffentliches Training mit ein paar Sprungeinlagen besser. Solange es aber den Tieren egal ist und solange sie keinen Nachteil haben, kann man da sicherlich mit verschiedenen Ansätzen experimentieren. Es geht da ja nicht um meine persönliche Meinung.

    Ich stimme allerdings Dani zu, wenn sie sagt, dass – wie auch in den Videos teilweise zu sehen war – dieses Art Kuschelimage bei den Shows ein falscher Ansatz ist.

    Natürlich werde ich nicht so viel in den Bericht hineininterpretieren, da natürlich – wie du sagst – ein eigener Besuch immer besser ist, was für mich aber (momentan) nicht möglich ist.
    Ich hoffe aber, dass ich in näherer Zeit mal einen Besuch in Duisburg und/oder Nürnberg auf die Reihe kriegen kann, um mir dort mal ein Bild zu machen ;)

    geschrieben von JonLynx
    1. Übrigens habe ich gelesen, dass SeaWorld die Orcahaltung weiter verbessern will und ihnen auch ein buchtartiges Gehege bauen möchte. Fände ich gut, da es ein Schritt weg von der reinen Arenahaltung ist, die irgendwie die Orcahaltung als nur zu Showzwecken darstellt.
      Das gleiche gilt auch für die Tümmle rund anderen Cetaceen, aber die Tümmler ahben ja auch schon eine natürliche Bucht.

      geschrieben von JonLynx
  3. Dani, gerade lese ich von einem Besucher des Duisburger Delfinariums (das heute offenbar bis auf den letzten Platz und sogar darüber hinaus gefüllt war), dass Ivo vorführte, wie das Sonar der Delfine funktioniert. Ihm wurden die Augen abgedeckt und er fand „blind“ einen Plastikfisch. Solche Demonstrationen finde ich sehr sinnvoll, da man sich als Laie nicht vorstellen kann, wie das Echolot der Delfine eigentlich funktioniert.
    In Nürnberg gibt es zusätzlich noch Tafeln mit anschaulichen Bildern, die viel Wissen über die Delfinie (u.a. eben auch das Sonar) vermitteln.
    Meiner Meinung nach wird in den Zoos schon sehr viel getan, um die Besucher zu unterhalten und zu informieren.
    Auch die „lapidare“ Information, dass Delfine Säugetiere und Lungenatmer sind, braucht es heute (leider) immer noch. Es ist nicht selten, dass ich in Gesprächen höre, dass der eine oder andere immer noch der Meinung ist, Delfine seien Fische.

    geschrieben von Susanne
    1. Letztes Jahr oder so hat mich im Delphinarium ein Junge angesprochen, vielleicht 10. Warum mich, weiß ich nicht. Er wollte wissen, wo die Delphine denn hingingen, wenn sie schliefen. Ich sagte ihm, dass sie im Becken blieben. Er meint, dass das aber lange dauern würde, das Wasser abzulassen. Ich erklärte ihm, wie Delphine im Wasser schlafen.

      Aus Lehrerinnensicht muss ich sagen, ich war begeistert. Dieses Kind stellt sich selbst eine sehr intelligente und nicht einmal sehr weit hergeholte Frage, bildet selbst eine Hypothese im Rahmen seines Wissensstandes und seiner bisherigen Lebenserfahrung und wünscht diese von jemanden, den es wohl für kompetent hielt (ich froh, dass ich es in dieser Sache auch auseichend war), überprüft. Wenn das mal im Unterricht immer so währe.

      Als ich mir die Begegnung später durch den Kopf gehen ließ, kam mir zuerst in den Sinn, dass im Delphinarium weder in der Vorführung noch in den – im Moment recht spärlichen – Infotafeln über diesen extrem interessanten Aspekt der Anpasung informiert wird – eine Frage, auf die 10jähriger von alleine kam und die er beantworte haben wollte. Warum musste ich als externer Laie ihm die Antwort geben, warum bekam er sie nicht von den Profis?

      Ich habe dann weiter nachgedacht, je mehr ich mir die Vorführung durch den Kopf gehen ließ, um so mehr fiel mir auf, wie wenig der faszinierenden Erkennisse über Delphine überhaupt angesprochen werden, egal ob es um Physiologie, Sozialverhalten, Lernfähigkeit, Artenvielfalt und Verbreitung, oder, als anderer Themenbereich, Bedrohung und Schutz geht. Dabei müsste das ja nicht einmal auf einem besonders hohen Niveau geschehen. Denn anscheinend war ja nicht einmal einem 10jährigen zu hoch, dass Delphine nur mit einer Gehirnhälfte schlafen. Und der Mensch IST ein Wissens-Tier. Ein „Interessant, das wusste ich ja noch garnicht“-Erlebnis ruft mindestens ebensoviel Faszination hervor, wie tolle Sprünge.

      Wenn jetzt die Tiere auch das Sonar vorführen, wie früher Ferdinand im Walarium, ist das großartig (und widerlegt auch noch den Mythos, in Haltung würde das Sonar verkümmern). Bitte mehr davon. Und bitte eine Revision des ganzen Rests unter allgemeindidaktischen Gesichtspunkten.

      Zu zeigen, dass die Tiere toll springen und Bälle balancieren können („Wir möchten Ihnen die Geschicklichkeit und gute Körperbeherrschung demonstrieren“) ist keine Wissenvermittlung. Dass die Tiere das können, wissen die Besucher schon, die erwarten, das zu sehen, wenn sie in die Vorführung kommen.

      Und sie sollen es auch sehen, auch wegen der Bewegung für die Tiere. Aber geht das nicht anders als mit dieser pseudo-didaktischen Moderation? Man hat das Gefühl, die ganzen Bewegungsspiele wären zwangsdidaktisiert, damit ja nicht der Eindruck entsteht, die Tiere würden irgendwelche Nummern einfach nur so ohne Wissensvermittlungshintergrund machen, und das könnte ja dann Show sein. Statt dessen stülpt man lieber Pseudo-Wissen über.

      Dabei gibt es bestimmt Möglichkeiten, den einen oder anderen Sprung mit Fakten, die auch einen Bezug zum Wildtier Großer Tümmler und seiner Lebensweise, Anpassung etc. haben, zu verknüpfen. Und wenn nicht, dann einfach ohne. Im Walarium war es so einfach-ehrlich, da hieß es „nach den ganze Informationen wollen wir uns jetzt wieder etwas bewegen, und dann bewegten die Tiere sich einfach, an die Hochbälle oder sonstwas.

      geschrieben von Dani
  4. Danke erstmal für den diesen informativen Überblick. Sicher kann man an vielen Stellen noch mehr ins Detail gehen, aber das müsste dann wohl jemand übernehemen, der fachlich noch tiefer in der Materie ist.

    Was man von den Shows hält, ist sicherlich Geschmackssache. An erster Stelle steht für mich: den Tieren ist es eh egal, wie sie dargestellt werden, die haben davon keine Vorstellung, für die ist nur wichtig, dass sie was zu tun und Bewegung haben.

    Mir persönlich ist wichtig, welches Bild von den Tieren vermittelt wird. Da bin ich selbst mit dem aktuellen (d.h. 30 Jahre alten) Programm in Duisburg nicht immer einverstanden. Natürlich bringt auch eine Show die Besucher dazu, die Tiere toll zu finden und motiviert, sich für ihren Schutz zu engagieren. Mir ist allerdings auch wichtig, WARUM man ein Tier schützenswert findet. Da wird mir allgemein noch viel zu sehr zwischen Sympathietieren, Egaltieren und Horror/Häßlich/Ekeltieren unterschieden – nicht in der Vermittlung durch Zoos, aber in der Rezeption durch das Publikum. Delphine sind ganz klar Sympathietiere. Aber warum? Weil Ihnen immer noch das Flipper-Freund-aller-Kinder-Image anhängt, von denen wir alle hier recht genau wissen, dass das weder bezogen auf die Intelligenz noch auf das friedfertige und soziale Wesen der Realität entspricht.
    Wenn ein Großer Tümmler in Duisburg Bötchen zieht oder Hände/Flipper schüttelt oder ein Orca in Sea World an Land mit dem Pfleger kuschelt, wird nicht das Bild eine Wildtieres vermittelt, das als fantastisches Lebewesen schützenswert ist, sondern das Bild eines (vermeintlichen) Semi-Haus- und Knuddeltieres. Für mich ist das der falsche Ansatz, erst recht, wenn der Ansatz auch noch ausformuliert ist als „Faszination für die Natur wecken“.

    geschrieben von Dani

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