Berichte

Delfinarium in Finnland schließt


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Meeresakrobaten, 8. November 2015

Schon vor knapp einem Jahr konnte man bei den MEERESAKROBATEN lesen, dass die Beendigung der Delfinhaltung im Freizeitpark Särkänniemi in Tampere/Finnland absehbar sei. Ich bezog mich damals auf Daniela Breuers Beitrag Delfinhaltung in Europa – 2014.

Finnland (Foto: S. Gugeler)

Finnland
(Foto: S. Gugeler)

Nicht in den Weltzooverband aufgenommen

Auch wenn ich das Delfinarium nicht persönlich kenne, denke ich, dass es die richtige Entscheidung des Park-Managements ist, in Zukunft keine Delfin-Shows mehr anzubieten.

Das Becken, in dem die vier Großen Tümmler Veera, Delfi, Leevi and Eevertti untergebracht sind, befindet sich in einem großen Vergnügungspark. Dieser hat mit einer verantwortlich und wissenschaftlich geführten zoologischen Einrichtung (wie sie zum Beispiel in Nürnberg oder Duisburg gegeben ist) absolut nichts zu tun.

Selbstverständlich wurde das Delfinarium von Tampere auch nicht in den Weltzooverband WAZA aufgenommen. Denn der Särkänniemi-Park verfolgt ein ganz anderes Ziel als zoologische Einrichtungen. Er ist gewinnorientiert und wenn eine Besucher-Attraktion nicht mehr profitabel ist, dann wird sie eben abgeschafft.

Hohe Akzeptanz bei den Besuchern

Laut Freizeitpark war die Akzeptanz des Delfinariums bei den Kunden zwar sehr hoch, doch das Management hat sich letztendlich gegen die Fortführung der Delfinhaltung und für den Ausbau anderer Park-Attraktionen entschieden.

Hier sind Delfine deplatziert. (Foto: Rüdiger Hengl)

Hier sind Delfine deplatziert.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Die vier Delfine sollen laut Management im Rahmen des European Endangered Species Programme (EEP) in einem anderen Delfinarium unterkommen.

Andere Motivation als zoologische Einrichtungen

„Drehen, schaukeln, amüsieren …“ Nach diesem Motto funktioniert der Vergnügungspark in Tampere. Jede Menge Fahrgeschäfte werden angeboten. Da haben Bildungs- oder Forschungsprogramme, wie sie in verantwortlich geführten Zoos oder Tiergärten durchgeführt werden, natürlich keinen Platz.

Auch die Delfine sind offenbar ausschließlich unter dem oben angeführten Motto angeschafft worden. 30 Jahre lang haben sie die Menschen bespaßt.

Zwischen Riesenrad und Achterbahn deplatziert

Doch die Tierhaltung hat sich im Lauf der Zeit gewaltig geändert und auch die Einstellung zur Tierhaltung. Zwischen Riesenrad und Achterbahn ist ein Delfinbecken heutzutage deplatziert. Deshalb begrüße auch ich die Entscheidung der Park-Verantwortlichen.

In Großbritannien und Deutschland hatten wir einen ähnlichen Einstellungswandel beobachten können. Beide Länder kommen inzwischen ohne „mit Delfinen bestückte Rummelplätze“ aus.


Im Anschluss noch einmal Danielas tolle Recherche über den Bestand an Großen Tümmlern in westeuropäischen Einrichtungen sowie ihr Kommentar zur Delfinhaltung in Tampere.

Übersichtskarte von Daniela Breuer

Übersichtskarte von Daniela Breuer

Aktueller Bestand und Einrichtungen

Zum Ende des Jahres 2014 existieren in Westeuropa 26 Einrichtungen, in denen die karibische Küstenform des Atlantischen Großen Tümmlers (Tursiops t. truncatus) gehalten wird.

Die interaktive Karte zeigt die Standorte, die dort jeweils gehaltene Zahl der Tiere sowie Informationen zu deren Geschlecht und das Verhältnis von Wildfängen zu Nachzuchten.

Insgesamt werden in Westeuropa am 31. Dezember 2014 259 Individuen der Art Tursiops t. truncatus gehalten.

79 dieser Tiere sind Wildfänge,
180 sind Nachzuchten.

Erfolglose Zuchtversuche in Tampere

In Tampere setzt sich die Serie erfolgloser Zuchtversuche fort, die im Grunde seit Eröffnung der Einrichtung 1985 besteht. Von 16 Geburten seit 1990 verliefen nur 2 erfolgreich, die beiden Männchen Leevi (1993) und Eevertti (1996). Ein Auslaufen der Haltung in Tampere ist absehbar (s.u.).

Mit knapp 36 Jahren hatte Näsi die natürliche Lebenserwartung Großer Tümmler in der Wildbahn, 25-30 Jahre, bereits überschritten. Über die genaue Todesursache liegen keine Informationen vor.

Nach Näsis Tod leben in Tampere nur noch das Weibchen Veera (37), der Altbulle Delfi (35) und die beiden Nachzucht-Männchen Eevertti und Leevi. Da der Import von Großen Tümmlern nach Finnland verboten ist, ist davon auszugehen, dass keine jungen Nachzuchtweibchen nach Tampere kommen werden.

Da eine Investition, die 30 Jahre alte Anlage auf den aktuellen Stand der Haltung zu bringen, unter diesen Umständen wenig sinnvoll ist, wird die Haltung in Tampere voraussichtlich mit dem Tod der beiden verbleibenden Alttiere und einer Abgabe der Jungbullen auslaufen.
(Quellen: Delfinhaltung in Europa – 2014, parkerlebnis.de, Freizeitpark Särkänniemi)

Lesetipp

Nürnberg schneidet gut ab

2 Kommentare

  1. Als ich die Information auf Ceta-Base gesehen haben, war ich überrascht, dass meine Prognose, die eigentlich nur eine logische Schlussfolgerung aus den Daten war, so schnell eingetroffen ist. Ich muss sagen, dass ich die Anlage in Tampere auch nicht kenne. Angesicht der Haltungsgeschichte, der Unternehmensform der Einrichtung (was grundsätzlich nichts heißen muss, auch der durchaus erfolgreiche Halter Parc Astérix ist ja ein Vergnügungspark) in Verbindung mit den politischen Rahmenbedingungen schien es mir logisch, dass hier nicht weiter investiert wird. Dass die Anlage aber anscheinend schon so in die Jahre gekommen ist, dass man sie liebe gleich schließt, wusste ich auch nicht. Schließlich werden auch in Duisburg und Nürnberg die Häuser aus den späten 60, bzw. frühen 70er Jahren mitgenutzt. Rückblickend hätte ich wohl in den letzten Satz meiner Analyse noch ein „spätestens“ einfügen sollen.
    Allerdings will mir der Gedanke, ein über 30 Jahre altes Paar umzusiedeln, nicht so ganz behagen. Wir werden sehen, was der EEP-Koordinator daraus macht.

    geschrieben von Daniela
    1. Hallo Daniela! Ganz so alt war die Anlage offenbar doch nicht. Sie wurde nämlich 2007 erweitert und erneuert.
      Was die vier Delfine angeht, ist mir auch etwas mulmig. Hoffentlich werden sie gut untergebracht.

      geschrieben von Susanne

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