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Delfinschulen werden vernichtet


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Meeresakrobaten, 26. September 2021

Mit ihrer Schlachtung von über 1.400 Weißseitendelfinen haben die Bewohner der Färöer Inseln (Nordatlantik) weltweit für Empörung gesorgt.

Kurz nachdem die grausamen Bilder von den Medien veröffentlicht worden waren, gab es die nächste Hiobsbotschaft: Nur zehn Tage später – am 22. September 2021 – wurde auf den Färöer Inseln eine weitere Treibjagd durchgeführt. Dieses Mal wurden 52 Grindwale in eine Bucht getrieben und brutal getötet.

Petition soll Walfang beenden

Bei der Schweizer Meeresschutzorganisation OceanCare könnt ihr eine Petition unterschreiben. Sie wendet sich an die EU-Kommission und die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten.

Diese sollen in Gespräche mit der autonomen Region Färöer und mit dem EU-Mitglied Dänemark eintreten und darauf drängen, dass die Treibjagden, auch bekannt als „grindadrap“, beendet werden.

Informativer Film

Ich habe mir vor Kurzem den Film „Dänemark – der umstrittene Walfang“ auf ORFWeltjournal angesehen (siehe oben). Die blutigen Szenen am Anfang des Films waren nur schwer zu ertragen. Doch der Beitrag führte über das kurzweilige Entsetzen hinaus. Er zeigte die Hintergründe und das Motiv der Färinger, Wale zu töten.

Schafe sind sehr wichtig auf den Färöer Inseln.
(Symbolfoto: Rüdiger Hengl)

Kaum Landwirtschaft

Auf den kargen Inseln gibt es so gut wie keine Landwirtschaft. Die knapp 50.000 Insulaner ernähren sich von Schafen, Fischen und Walen – und das schon seit dem 9. Jahrhundert. Ihnen wird nachgesagt, dass sie das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Europa sowie keine Kriminalität hätten. Nach Aussagen der Färinger werden Konflikte friedlich und durch Gespräche geregelt.

Die Autonome Nation unterliegt nicht dem Walfangverbot der EU. Gejagt wird ausschließlich zum Eigenbedarf. Das Fleisch wird unter den Inselbewohnern verteilt. Es macht allerdings nur noch fünf bis zehn Prozent der Ernährung aus. Alle anderen Nahrungsmittel werden importiert.

Die Färinger finden nichts dabei, wenn sie ihre Nahrung aus dem Meer beziehen. Ob Walfang betrieben wird, entscheidet die Fischereibehörde. Dabei spielen vor allem die Wetterverhältnisse eine Rolle. Wenn es zu stürmisch ist, bekommen die Walfänger keine Erlaubnis, Wale zu fangen.

Färöer Inseln
(Foto: Project Blue Sea)

Einheimischer Gegner des Grinds

Rúni Nielsen ist ein Gegner des Grinds. Doch er greift die Walfänger nicht an, sondern tauscht mit ihnen Argumente aus.

Vor allem wegen der hohen Belastung durch Chlorverbindungen und Quecksilber lehnt der Walschützer den Walfang ab. Der zweite Grund ist die Grausamkeit gegen die Tiere. Er macht den Jägern deutlich, dass Verbesserungen beim Tötungsakt notwendig sind. Doch er prangert auch die ganze Welt an: „Wir bringen uns selbst um mit all den Giften, die die Nationen in die Meere leiten.“

Wenn Rúni Nielsen mit Walfängern spricht, bekommt er zu hören, dass Grindwale keine bedrohte Art seien und dass die Tötungsweise kurz und schmerzlos sei. Außerdem würde das Fleisch ausschließlich dem Eigenverzehr dienen. Keiner verdiene an der Jagd.

Grindwalfang auf den Färöer Inseln, LWL Münster
(Foto: Rüdiger Hengl)

Ein Walfänger, der gerne taucht

Aber auch der Walfägnger Jens Mortan Rasmussen kommt in der Dokumentation zu Wort. Rasmussen taucht in seiner Freizeit gerne – auch mit Walen. Er findet die Meeressäuger wunderschön. Doch wenn er jagt, „ist es fürs Essen“. Und die Jagd bewirke einen Adrenalin-Ausstoß, der ihm offenbar angenehm ist. Doch wenn ein Tier gefangen ist, gehe es nur noch darum, es so schnell wie möglich zu töten, damit es nicht leiden müsse, versichert der Walfänger. Nach der Jagd kehre wieder Frieden ein.

Färinger lehnen konventionelle Massentierhaltung ab

Die konventionelle Massentierhaltung auf dem Festland lehnen die Färinger ab. Die Jagd auf Grindwale vor ihrer Haustüre schätzen sie dagegen als nachhaltig ein. Außerdem sind sie der Meinung: „Wenn du Fleisch willst, musst du töten. Wenn du nicht töten kannst, solltest du nicht das Recht haben, Fleisch zu essen.“

Fleisch wird unter sozialen Gesichtspunkten verteilt

Der Walfang auf den Färöer Inseln ist nicht kommerziell. Niemand verdient daran. Er ist – laut den Inselbewohnern – demokratisch organisiert. Kinder sind von Anfang an dabei, damit sie wissen, woher ihr Essen kommt.

Getötete Grindwale auf den Färöer Inseln (Foto: Project Blue Sea)

Die ersten Teile erhalten die Bootsführer, danach kommen die Schlachter dran. In die Supermärkte gelangt das Walfleisch nicht. Fünf Namen auf der Liste teilen sich ein Tier. Gutes und weniger gutes Fleisch werden gerecht verteilt. Der Grind ist ein soziales Ereignis. Behinderten und älteren Menschen wird das Fleisch nach Hause geliefert.

Kulturimperialismus hat gegenteiligen Effekt

2014 gab es militante Aktionen durch die Walschutzorganisation Sea Shepherd. Die Aktivisten sind der Meinung, dass es keinen Grund gäbe, Walfleisch zu essen in einem der reichsten Länder der Welt.

Doch Rúni Nielsen, der selbst gegen den Grindwalfang ist, findet die Einmischung durch Aktivisten aus dem Ausland falsch. Er nennt das Kulturimperialismus. Und dieser hätte den gegenteiligen Effekt.

Nachdem sich ausländische Aktivisten gegen den Walfang eingesetzt haben, hätten sich viele junge Leute für das Töten von Grindwalen beworben.

Walfänger hat viel Quecksilber im Blut

Der Walfänger Rasmussen hatte 2012 einen erschreckend hohen Quecksilberwert im Blut. Er war fünf Mal so hoch als der zulässigen Wert.

Grindwal-Mutter mit Kalb
(Foto: Rüdiger Hengl)

Der Inselarzt Dr. Pál Weihe rät schon lange vom Verzehr von Walfleisch ab. Es verursache Parkinson, Krebs und Immunkrankheiten im Menschen.

Arzt empfiehlt, auf Walfleisch zu verzichten

Bereits 2008 hat Weihe die Empfehlung an die Bevölkerung ausgesprochen, kein Walfleisch mehr zu essen. Man könne es nicht mehr als menschliches Nahrungsmittel betrachten.

Doch Rasmussen kümmert das wenig. Jeden zweiten Monat wird Walfleisch gegessen. Die Frau von Jens macht sich keine Gedanken darüber.

Furchtbares Gemetzel

In der Doku wird auch ein Feriengast der Rasmussens interviewt. Diana stammt aus der Ukraine. Sie schaut sich einen Film über die Jagd an.

Für Diana sieht das Gemetzel furchtbar aus. „Schrecklich. All das Blut im Wasser“, hört man sie sagen. „Die Kinder lachen, das kann man sehen. Das schlimmste ist, sie so in Panik zu sehen.“

Grindwaljagd auf den Färöer Inseln
(Foto: Eileen Sanda/Wikimedia)

Der Sohn des Walfängers räumt ein, dass er es vollkommen verstehe, wenn die Menschen wütend auf die Jäger seien. Aber er gibt zu bedenken, dass man beim Schlachten niemanden bevorzugen könne.

Dem Vergleich, dass in anderen Ländern ebenfalls Tiere zum Verzehr geschlachtet würden, entgegnet Diana, dass diese Tiere ausschließlich für den Verzehr gezüchtet würden. Bei den Grindwalen und Weißseitendelfinen auf den Färöer Inseln handelt es sich dagegen um Wildtiere.

Gezüchtete Tiere versus Wildtiere

Doch der Sohn des Hauses entgegnet, dass Rinder und Schweine in engen Ställen bis zur Tötung ein elendes Leben führen müssten. Wale hätten dagegen bis zu ihrer Schlachtung ein gutes Leben.

Der junge Färinger sagt außerdem, dass er sofort auf Delfinfleisch verzichten könnte. Doch die Entscheidung läge bei den Färöern alleine.

Großteil der Nahrung wird importiert

Ich hoffe, dass die Proteste aus der ganzen Welt dieses Mal dazu führen werden, dass immer mehr Inselbewohner den traditionellen Walfang ablehnen, zumal heute schon ein Großteil ihrer Nahrung importiert wird.

Mehr über den Walfang auf den Färöer Inseln hier auf der Website unter SOS – Färöer Inseln.

Lesetipps

* Presseportal OceanCare
* Grindwal-Fang auf den Färöern soll besser kontrolliert werden

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