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Delfinen begegnen – im offenen Meer oder in geschlossenen Becken?


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Kommentar von Susanne / Meeresakrobaten – gewürzt mit etwas Ironie ;o), September 2004

Delfine kommen in allen Weltmeeren vor. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, die sympathischen Zahnwale in ihrem natürlichen Lebensraum zu besuchen. Daher gehört das „Objekt der Begierde“ – der immer lächelnde Meeressäuger – in vielen Tiergärten und Vergnügungsparks zum Publikumsmagneten. Dort wird er in großen Betonbecken oder mittlerweile auch in künstlich angelegten Lagunen zur Schau gestellt.

Großer Tümmler im Marineland

Delfine an Land – „im natürlichen Lebensraum des Menschen“

Angekurbelt durch die Medien ist das Bedürfnis, seinem Lieblingstier einmal ganz nah zu sein, nur allzu verständlich. Daher wird das Angebot der Delfinarien dankbar in Anspruch genommen. Bei einem lockeren Sonntagsspaziergang durch einen Zoo oder durch einen Vergnügungspark kann sich die ganze Familie zu erschwinglichen Preisen an den „Turnübungen“ der Großen Tümmler erfreuen und bekommt zusätzlich noch einiges an Informationen über die Anatomie und das Verhalten der Tiere mit. Die freundliche Stimme, die den Besucher während der Delfin-Vorführung über den Lautsprecher begleitet, klärt außerdem über die Gefährdung der Waltiere im Meer auf und behauptet, dass ihre Schützlinge in der Gefangenschaft wesentlich älter werden als deren Artgenossen im Ozean.

Ob ein Älterwerden als „Pflegefall“ wirklich so erstrebenswert ist, sei dahingestellt. Die Delfine, die in Gefangenschaft gehalten werden, sind ganz und gar von der Pflege des Menschen abhängig. Sie müssen gefüttert, mit Vitaminen aufgeputscht, beschäftigt und medizinisch versorgt werden.

Kinder sind die Hauptzielgruppe von Delfinarien

Natürlich ist es herrlich, einem großen, Luft atmenden Wassertier bei seinen Sprüngen und Saltos zuzuschauen. Vor allem die Kinder lieben die Delfin-Shows. Sie sind von Natur aus sehr neugierig und lebhaft und werden in einer 20-minütigen Vorstellung mit den grauen Clowns sehr viel Spaß haben sowie einiges an Informationen mitnehmen.

Delfin mit Luftring

Nach der „Zirkusdarbietung“ wartet dann auch schon die nächste Attraktion in Form eines großen Braunbären oder einer Achterbahn. Auch die Eltern befassen sich während ihres Tiergartenbesuchs (zumindest für einen kurzen Moment) mit dem Leben der Meeressäuger. Wahrscheinlich ist dadurch den „Delfin-Kollegen“ im offenen Meer sehr gedient. Denn, um mal wieder einen zwar abgedroschenen, aber dennoch wahren Satz zu bemühen: „Das, was ich kenne, bin ich eher bereit zu schützen.“

Außerdem ist in Delfinarien – im Gegensatz zum offenen Meer – eine 100%ige Sichtungswahrscheinlichkeit gegeben. Und manche Einrichtungen bieten dem Besucher mittlerweile auch die Möglichkeit, den Delfinen bei ihrem Treiben nicht nur zuzuschauen, sondern auch Körperkontakt zu ihnen aufzunehmen und (für ca. 160 Euro pro Stunde) mit ihnen zu schwimmen.

Trainer mit Delfin in Antibes

Lagunen als Alternative zu Betongefängnissen

Damit aber die Botschafter der Meere die ihnen aufgezwungene Mission – den Menschen zu erfreuen und zu informieren – einigermaßen artgerecht Folge leisten können, muss ihr „Lebensraum an Land“ in vielen Fällen unbedingt optimiert werden. Lobend zu erwähnen seien hier die großen Lagunen in Harderwijk (Niederlande) und Lipperswil (Schweiz) und der für 2006 geplante Bau einer Lagune in Nürnberg.

In einer Lagune können die Tiere den natürlichen Tagesrhythmus erleben und das Wetter spüren. Schon allein die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen bringen eine gewisse Abwechslung in das sonst eher triste Leben der Großen Tümmler.

Wenn schon die Tendenz zu besser eingerichteten Delfinarien gerade zunimmt (zumindest in Europa), warum nimmt parallel dazu auch die Anzahl der Whale-Watching-Unternehmen zu? Genügt es also doch nicht, den Tieren in einer kulissenhaften Anlage zu begegnen, sondern möchte der „wahre Tierfreund“ „seinen“ Flipper, Fungi oder Moby auch in dessen eigentlichem Zuhause aufsuchen?

Delfine im Meer – zu Besuch im natürlichen Lebensraum der Wale

Bitte schön: Gäste sind willkommen – Voraussetzung ist allerdings, dass sie sich auch wie Gäste benehmen. Und das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt bei Delfin-Beobachtungen in freier Natur. Selbstverständlich sind da zuerst einmal die Anbieter von Whale-Watching-Touren gefordert. Solange sie sich an ein paar „Besuchsregeln“ (die es ja auch unter menschlichen Artgenossen einzuhalten gilt ;o) halten, werden sich Delfine & Co. nicht in ihrem Element gestört fühlen und die Besucher mit (freiwilligen!) akrobatischen Sprüngen erfreuen.

Doch leider wird die Whale-Watching-Industrie immer aggressiver. So habe ich 2003 in Kanada (Vancouver Island) erlebt, wie rasante Zodiaks den Orcas hinterher gejagt sind oder Boote eine Delfinschule umzingelt haben.

Wildes Spiel im Meer (Foto: Dürsch)

Und was ist mit dem Gast an Bord des Schiffes? Da erlebe ich bei meinen Ausfahrten im Ligurischen Meer (Italien) Jahr für Jahr immer wieder unverständliche Reaktionen der Mitfahrenden. Offenbar „action-verwöhnte“ Whale-Watcher sind schnell gelangweilt oder unzufrieden, wenn nicht gleich nach der ersten Stunde im Wasser ein Meeressäuger auftaucht oder wenn sie während der fünfstündigen Tour „nur“ Streifendelfine gesehen haben, dafür aber keinen großen Wal. Oder wenn zwar zwei riesige Finnwale die Gäste eine halbe Stunde lang mit ihren geschmeidigen Bewegungen und dem imposanten Atemgeräusch erfreut haben, aber die Zuschauer nach einer kurzen Zeit schon wieder nach dem nächsten „Naturereignis“ lechzen. Ganz zu schweigen von den Ausflügen, bei denen weder Delfin noch Wal zu sehen waren … Da kann es dann auch mal passieren, dass sich das Temperament einer „Delfin-Freundin“ in wilden Schimpfkanonaden gegen das Personal des Whale-Watching-Unternehmens entlädt. Dabei verteilen viele Touren-Anbieter im Fall einer „Nicht-Sichtung“ kostenlose Tickets für eine zweite Fahrt auf ihrem Schiff. Zum Glück sind solche „Gäste“ an Bord (noch!) in der Minderheit …

Zukunftsvision: Wale und Delfine, so weit das Auge sehen kann ;o)

Also, liebe Delfinarien- und Whale-Watching-Industrie, lasst euch etwas Neues einfallen für den zahlungsbereiten, aber unersättlichen Kunden. Warum also nicht den Spieß umdrehen und statt lebendige Delfine in einen künstlichen Lebensraum zu verfrachten, künstliche Wale und Delfine in den reellen Lebensraum dieser Tiere bringen …

Baumdelfin

So wären dem Whale-Watcher Sichtungen aller Art garantiert. Dabei könnten auch Attrappen von Walen verwendet werden, die zum Beispiel im Mittelmeer gar nicht oder nur in Ausnahmefällen vorkommen, schließlich wird (schon jetzt) auf dem Flugblatt eines ligurischen Reisebüros mit Buckelwalen geworben … (Diese Art hat ihre Heimat normalerweise in ganz anderen Gewässern!)

Die Meeresakrobaten haben noch mehr zu bieten zum Thema „Delfinen begegnen – im offenen Meer oder in geschlossenen Becken“. Schau dich doch einfach noch etwas um auf dieser Homepage. Eine Inhaltsangabe findest du hier.

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