Berichte

Geht es den Tieren gut?


Themen: , ,

Gastbeitrag von Philipp J. Kroiß/17. März 2015

Eine Frage, die ganz häufig gestellt wird im Zusammenhang mit Tierhaltung generell. Und so oft, wie sie gestellt wird, so umstritten ist sie auch, weil sie nämlich unpräzise ist. Warum?

Überflieger in Nürnberg (Foto: LINDA)

Springender Delfin in der Nürnberger Lagune
(Foto: LINDA)

Nun, von „gut gehen“ spricht man in der Alltagssprache sowohl in Bezug auf Wohlergehen als auch in Bezug auf Wohlbefinden. Wie ist die Frage also gemeint? Geht es hier um Wohlbefinden oder um Wohlergehen?

Wohlbefinden oder Wohlergehen – und was ist überhaupt der Unterschied?

Wohlbefinden ist, wie im Wort auch schon enthalten, eine Empfindung des Wohlseins. Dabei befindet man sich, ganz wörtlich genommen, selbst wohl.

Das bedeutet, dass Wohlbefinden letztendlich eine Emotion ist oder besser: eine Selbsteinschätzung. So eine Selbstreflexion ist „von außen“ – also von anderen Lebewesen aus – nie zu hundert Prozent einschätzbar. Selbst wenn man auf menschlicher Ebene bleibt, ist der Grad an Wohlbefinden für einen Außenstehenden kaum einzuschätzen.

Klar kann man Anzeichen finden, wie es dem Gegenüber geht, aber weiß man es je mit hundertprozentiger Sicherheit, ob sich der Partner, Freund oder Gefährte wohl befindet? Nein. Man schaut jedem nur bis an die Stirn, wie man so schön sagt. Die innersten Gedanken und Gefühle werden für den anderen immer unsichtbar bleiben.

Auch die Körpersprache verrät nicht alles

Der eine kann sie gut und der andere weniger gut verbergen. Gerne behaupten Leute, die mit ihren Körpersprache-Büchern durch Talkshows tingeln oder sich selbst für besonders empathisch halten, dass ihnen nichts verborgen bliebe. Letztendlich lesen aber auch sie nur die Hinweise aus und flüchten sich dann meist in unpräzise Formulierungen.

Aber solche Menschen sind noch mal ein Thema für sich. Der Grund des kurzen Abschweifens war folgender: Niemand weiß je mit hundertprozentiger Sicherheit, was ein anderes Lebewesen fühlt und denkt – und schon gar nicht wie es sich selbst sieht und befindet.

Auch Lamas werden für tiergestützte Therapien eingesetzt. (Foto: Rüdiger Hengl)

Geht es diesen Lamas gut?
(Foto: Rüdiger Hengl)

Wohlergehen

Bei „Wohlergehen“ sieht die Beurteilungsmöglichkeit von anderen ganz anders aus. Es handelt sich hierbei nicht um eine Empfindung oder ein Befinden, sondern darum, wie sich äußere Einflüsse auf eine Person auswirken.

Einfaches Beispiel: Ein Mensch bekommt alles, was er zum Leben braucht. Ihm ergeht es dann wohl. Das kann man sagen, weil er ja alles hat, was er zum Leben braucht. Ob er sich dabei aber wohl befindet, weil er alles hat, ist fraglich. Fühlt er sich wohl, weil er sich um nichts mehr zu kümmern braucht? Oder fühlt er sich doch eher unwohl, weil er weiß, dass es viele andere Menschen gibt, die nicht in diesem Luxus leben?

Man weiß es nicht und selbst, wenn man ihn fragen würde und er eine Antwort gäbe, könnte man nicht sicher sein, ob sie auch der tatsächlichen Gefühlswahrheit entspricht. Würde man ihn hingegen fragen, ob es ihm wohl ergeht, würde man die dann gegebene Antwort hingegen völlig objektiv beurteilen können.

Merke: Wohlergehen ist objektiv feststellbar, Wohlbefinden ist es nicht.
Hier geht es zur nächsten Seite.

8 Kommentare

  1. Ich gebe Herrn Kroiß völlig Recht, wenn er behauptet das wir das Wohlbefinden der Tiere nicht beurteilen können. Die Frage, die sich aber dabei stellt, ist, warum wir es nicht können? Vielleicht, weil wir Ihre Sparche nicht verstehen? Vielleicht, weil wir die Zeichen für Wohlbefinden nicht richtig deuten können? Vielleicht ja auch nur, weil wir zu dumm sind es zu verstehen.
    Ich finde den Beitrag insgesamt schlecht. Da saugt sich meine 12-jährige Nichte mehr philosophische Gedanken aus Ihrem noch jungen Hirn, als Herr Kroiß.

    geschrieben von Martin Siewert
    1. Es ist schade, dass Sie nicht ohne ausfallende Worte auskommen, Herr Siewert. Trotzdem möchte ich auf Ihren Diskussionsbeitrag antworten.
      Im Artikel von Philipp erfährt man, dass es nicht Dummheit ist, wenn man das Wohlbefinden eines Gegenübers – auch eines menschlichen Gegenübers – nicht zu hundert Prozent beurteilen kann. Selbst nahe Angehörige wissen nicht zu hundert Prozent, wie es im Innern des Nächsten aussieht.
      Mit Interpretationen – ob es einem Tier „gut geht“ oder nicht – muss man vorsichtig sein, da man damit meist sein eigenes Befinden und seine eigene Sicht der Dinge auf den anderen projiziert. Ein „traurig dreinbblickender“ Hund löst bei manchen sofort Mitleid aus, obwohl die Mimik rassebedingt gar nichts über das Befinden des Tieres aussagt. Daher wird bei Tieren ja auch zwischen nicht messbarem Wohlbefinden und messbarem Wohlergehen unterschieden.

      geschrieben von Susanne
      1. Es geht bei diesem Artikel nicht um Philosophie, sondern um messbares Wissen. Nur was man nachweisen kann, kann man in eine Argumentation einbringen, geschweige denn als Grundlage für Forderungen nutzen. Wie sich ein Tier tatsächlich fühlt, kann, wie Herr Siewert ganz richtig feststellt, niemand mit sicherheit wissen. Und deshalb ist es unseriös, diese Größe in eine Sachdiskussion einfließen zu lassen.

        geschrieben von Dani
    2. Selbst Leute, die tagtäglich mit Tieren zu tun haben, tun sich oft sehr schwer, das tatsächliche Befinden korrekt einzuschätzen, da Tiere oftmals ganz anders ticken, als wir uns das vorstellen.

      Ein schönes Beispiel im Zusammenhang mit Delfinen wurde mir in Nürnberg geschildert. Dort sollte vor einiger Zeit (vor dem Einbau der Hebebühne) ein Delfin zwecks medizinischer Untersuchung für kurze Zeit aus dem Wasser gebracht werden. Die Delfindame hatte aber offensichtlich keine Lust dazu. So wurde sie schließlich von 16(!) Tierpflegern in die Enge getrieben und am Ende mit vereinten Kräften (250 kg sind auch nicht ohne) auf den Beckenrand gelegt.
      Alle Beteiligten (einschließlich der Amtstierärztin) hatten Bedenken (und ein schlechtes Gewissen), wegen des offensichtlichen Stresses, den das Tier augenscheinlich erlitten hatte, so dass mehrere Speichel-Cortisolproben angeordnet wurden, um die Belastung des Delfins einschätzen zu können. Aus Jux gab auch ein Tierpfleger eine Cortisolprobe ab.

      Als später das Ergebnis kam, war man dann doch ziemlich überrascht:
      Der Tierpfleger war zwar (wie erwartet) mit seinem Cortisolpegel am Anschlag, der Delfin dagegen hatte einen entspannt-niedrigen Pegel. Entgegen des äußeren Anscheins hatte die graue Drama-Queen die ganze Aktion offenbar als gar nicht bedrohlich sondern als weitgehend stressfreies Spiel empfunden … „Toll – so viele Zweibeiner im Wasser, mit denen man spielen kann!“

      geschrieben von Norbert
      1. Da ergibt sich noch ein andere Gedanke. Hätte das Tier die Situation tatsächlich als bedrohlich empfunden, wäre es doch mit 250kg Kampfgewicht, hartem Schnabel und in seinem Element, wo man als Mensch selbst in hüfthohem Wasser sehr eingeschränkt ist, in der Lage, sich den Weg freiboxen zu können, oder nicht?

        geschrieben von Dani
        1. Delfine stellen sich ziemlich dämlich an, wenn man ein paar Verhaltensmuster kennt. Zum Beispiel werden sie ein von der Wasseroberfläche bis zum Grund reichendes Netz nicht ohne Kommando überspringen – und das war wohl auch die Methode, die damals zum Einsatz kam.

          Andere Tiere (z.B. Seelöwen) sind da weit kreativer, wenn es darum geht, den Tierpflegern das Leben schwer zu machen – oder einer gefühlten oder tatsächlichen Gefahrensituation zu entkommen.

          geschrieben von Norbert
  2. Danke für deinen Kommentar, Dani. In Nürnberg habe ich die gleichen Beobachtungen gemacht wie du in Duisburg.

    geschrieben von Susanne
  3. Vielleicht noch zur Präzisierung: Wenn die Delphine in Duisburg den ganzen Tag Spielverhalten zeigen, meint das nicht (primär) die Vorführungen. Am aufschlussreichsten ist es, das Delphinarium zwischen den Vorführungen zu besuchen – es ist durchgehend geöffnet und meisten kann man bis vor die Geländer an den Scheiben hinunter. Dann kann man nicht nur Spiel-, sondern auch Komfortverhalten wie Körperpflege und soziale Interaktion der Tiere beobachten. Ich vermute, in Nürnberg wird es sich nicht anders verhalten.

    geschrieben von Dani

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.