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Tisch-Manieren der Großen Tümmler


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Vor allem Weibchen jagen „speziell“

Die Beschreibung einer neuen, so komplexen Jagd-Technik, die so viele einzelne Handlungsschritte aneinander reiht, ist spannend.

Delfin benützt Werkzeug. (Foto: Rüdiger Hengl)

Delfin benützt Werkzeug. (Foto: Rüdiger Hengl)

Fast noch interessanter ist die Frage, wie dieses Verhalten entsteht und weitergegeben wird.

Fast immer sind es erwachsene Weibchen, die solche Spezialstrategien durchführen, manchmal auch jüngere Tiere, seltener Männchen.

Beim „Sponging“ (Jagd mit einem Schwamm auf dem Schnabel) hatten die Delfin-Forscher überlegt, ob Weibchen, die Nachwuchs haben, weniger weit schwimmen und tief tauchen können und somit die für sie erreichbare Nahrung besser ausnutzen müssen. Das wäre sicherlich ein guter Grund für so viele neue Ideen. (Über das „Sponging“ (Smolker et al, 1997) hatte ich bereits geschrieben.)

Delfine schütteln Schneckenschalen

Manche Fische flüchten vor den Echolauten der Delfine in leere Schneckenschalen. Beim „Shelling“ (Allen et al, 2011) heben die Delfine Schneckenschalen aus dem Wasser und schütteln die Fische heraus.

Anmerkung MEERESAKROBATEN: Dieses Jagdverhalten wird auch „Conching“ (conch = Meeresschnecke) genannt. Siehe dazu den Beitrag Delfine verwenden Schneckengehäuse als Fangnetz.

Delfine stranden bei der Jagd

Beim „Beach hunting“ (Sargeant et al 2005) stranden Delfine an seichten, sandigen Küstenstreifen beim Jagen absichtlich und kehren dann mit einigen kräftigen Schwanzschlägen ohne Probleme wieder ins Meer zurück.

Fisch wird im seichten Wasser Stück für Stück verspeist

Das „Golden trevally hunting“ (Petterson und Mann, 2015) beschreibt die Jagd nach der Schwarzgoldenen Pilotmakrele oder Goldmakrele (Gnathanodon speciosus), einer schnellen, großen Art der Stachelmakrelen.

Ein Weibchen namens Wedges fing große, über einen Meter lange Goldmakrelen im tiefen Wasser und brachte sie dann ins flache Wasser, um sie Stück für Stück zu verspeisen.

Dafür brauchte sie manchmal bis zu einer Stunde. Sie ließ sich dabei weder von Haien noch anderen Fischen stören.

Großer Tümmler/Ägypten (Foto: SimSim-Reisen)

Großer Tümmler/Ägypten (Foto: SimSim-Reisen)

Jagd im Seegras

Die Delfine der Shark Bay sind nicht nur für innovative Fressmethoden, sondern auch für Wortneuschöpfungen gut: Richard Connor und sein Team hatten 2000 den Begriff „Kerplunking“ in einem Artikel für die Marine Mammal Science für eine Jagdmethode der Tümmler in der Shark Bay eingeführt (Connor, Heithaus et al 2000).

Das Wasser ist hier 1,5 bis 2,5 Meter flach und die Delfine graben in den sandigen, mit Seegras bewachsenen Boden nach Fisch. Beim sogenannten „Bottom grubbing“ stecken sie das Gesicht ins Sediment, um die Fische zu erwischen.

Leider verstecken sich dort viele Fische im Seegras-Dickicht, sodass sie weder zu sehen noch zu orten sind. Darum haben einige Delfine eine zusätzliche Technik entwickelt, um die im dichten Pflanzengewirr versteckten Fische aufzuscheuchen: Sie schlagen mit der Fluke so kräftig auf die Meeresoberfläche, dass das Wasser bis zu 1,35 Meter hoch aufspritzt. Das dabei entstehende Geräusch nennen die Biologen lautmalerisch „Kerplunk“.

Mit dem Lärm und den dabei entstehenden Luftblasen scheuchen die Delfine die Fische aus ihrer Deckung auf.

Anmerkung MEERESAKROBATEN: Der Ausdruck „Kerplunk“ bezeichnet unter anderem das polternde Geräusch eines herabfallenden Gegenstandes, ist aber auch der Name eines Kinderspiels ähnlich Mikado, bei dem Holzstäbchen aus einem Plastikzylinder herausgezogen werden müssen, ohne die daraufliegenden Murmeln zu Fall zu bringen. (Quelle: Wikipedia)

Literatur

Mehr über die erfinderischen Delfine der Shark Bay gibt es hier:

* http://www.apa.org/science/about/psa/2012/09/bottlenose-dolphins.aspx

* C. Smith A B C and K. R. Sprogis A: “Seasonal feeding on giant cuttlefish (Sepia apama) by Indo-Pacific bottlenose dolphins (Tursiops aduncus) in south-western Australia”; Australian Journal of Zoology – http://dx.doi.org/10.1071/ZO15075; Submitted: 11 November 2015 Accepted: 24 February 2016. Published online: 18 March 2016

* Patterson, E.M. & Mann, J. 2015. Cetacean innovation. In Animal Creativity and Innovation (Eds: A. Kaufman and J. Kaufman). Elsevier. Chapter 4, pp. 73-120. doi:10.1016/B978-0-12-800648-1.00004-8.

* http://www.monkeymiadolphins.org/

4 Kommentare

  1. Eine weitere Jagdmetode fehlt in dem Bericht: Große Tümmler im Flachwasser der Karibik jagen Fische, indem sie auf dem Grund den Schwarm einkreisen und durch gezielte Flossenschläge so viel Schlamm aufwirbeln, dass den Fischen die Kiemen verstopfen. Die Fische springen dann in der Mitte der Brühe aus dem Wasser, wo schon hungrige Delfinschnäbel auf die Mahlzeit warten.

    Diese Jagdmethode hinterlässt am Meeresgrund gut sichtbare Spiralen von 20 – 30 m Durchmesser, deren Herkunft man sich lange nicht erklären konnte – bis eine Delfinschule direkt beobachtet wurde.

    geschrieben von Norbert
  2. Ich meine, mich an einen Bericht erinnern zu können, in dem gesagt wurde, dass es auch Delfine geben soll, welche die Sepias erst schlucken und dann die unverdaulichen Reste wieder hervorwürgen – aber ich hab da meine Zweifel, weil ich nicht sicher bin, ob sich Delfine auf diese Weise überhaupt erbrechen können

    geschrieben von Oliver
    1. Können sie. Orcas in einzelnen Delfinarien machen sogar Jagd auf Seemöven, indem sie den Futterfisch wieder auswürgen um Möven anzulocken, die sie dann fressen.
      Wird von den Tierpflegern aber nicht gerne gesehen …

      geschrieben von Norbert
  3. Toller und interessanter Bericht. Schon klasse, was sich da verschiedene Delfine an
    außergewöhnlichen Jagdstrategien haben einfallen lassen.

    geschrieben von Frank Blache

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