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Mobben Buckelwale Orcas?


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Gebiss eines Orcas (Foto: Rüdiger Hengl/LWL-Museum, Münster)

Die Kavallerie kommt!

Bei 115 Beobachtungen haben in 57 % (n=72) der Fälle die Buckelwale die Orcas attackiert.

Schwertwale kommen weltweit in unterschiedlichen Ökotypen vor, die sehr unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten und Verhaltensweisen haben. Fast alle attackierten Schwertwale waren MEKWs – „mammal eating killer whales“ (95 %), nur 5 % waren Fischfresser.

In 41 Fällen näherten sich die Buckelwale Orcas, die in mehr als 87 % gerade mit Jagen bzw. schon mit dem Fressen beschäftigt waren.

In 27 Fällen hatten MEKWs Buckelwale attackiert, ihre Attacken galten zu 85 % Kälbern und in den anderen Fällen größeren Jungtieren.

Wenn Buckelwale jagende Orcas angriffen, waren die Beutetiere in 11 % andere Buckelwale und in 89 % andere Arten.

Die Buckelwale schwammen oft aus großer Entfernung heran. Viele Augenzeugen beschreiben, dass die Bartenwale völlig überraschend auftauchten, manchmal nach und nach. Sie eilten offenbar extra wegen der Orca-Attacke heran. Ein Beobachter notierte, dass die Buckelwale aus dem Nichts kamen: „We had traveled quite a distance to observe a group of killer whales attacking a gray whale mother and calf pair and out of NOWHERE, a humpback whale came trumpeting in followed by another and then another until we had about 5 or more humpbacks in the immediate area. It was strange because during the entire journey with several observers on effort, not a single humpback whale had been observed.“ (S. 31, Pitman et al: “Humpback whales interfering when mammal-eating killer whales attack other species: Mobbing behavior and interspecific altruism”, s. u.).

Dieses Video zeigt eine solche Konstellation von Orcas, Grauwalen und Buckelwalen, hat meines Wissens aber keinen direkten Zusammenhang mit dem Augenzeugenbericht:

Da die Bartenwale außer Sichtweite waren, müssen sie gehört haben, dass ein Tier in Bedrängnis ist. Dabei haben sie sicher erkannt, dass es sich um einen Angriff von MEKWs handelte. Das ist nicht überraschend, denn längst ist bekannt, dass verschiedene Orca-Ökotypen unterschiedliche Lautäußerungen haben.

Dazu gibt es etwa von den Schwertwal-Clans vor Alaska und British Columbia umfangreiche Untersuchungen. Von dort ist ebenfalls bekannt, dass Delfine gern in der Bugwelle von Fisch fressenden Orcas – sogenannten Residents (= Bigg´s killer whales) – reiten, sich aber niemals in der Nähe von Meeressäuger fressenden Schwertwalen – den Transients – blicken lassen.

Buckelwale haben selbst ein umfangreiches Laut-Repertoire, vor allem die Gesänge der Männchen zum Umgarnen der Weibchen sind bekannt. Übrigens unterliegen ihre Gesänge Moden, verändern sich über die Jahre hinweg und sie gucken sich gegenseitig Strophen ab.

Ein Kommentar

  1. Na ja – Wenn (manche) Orcas schon Buckelwalkälber fressen, warum sollten sich die Buckelwale dann nicht revanchieren? ;-)

    Es ist sicher hoch interessant, wie man ein solches Verhalten erklären kann. Auf jeden Fall höchst faszinierend.
    Vielleicht ist es sogar eine Strategie, die Orcas aus ihrem Gebiet zu vergrämen um vorsorglich die eigenen Kälber zu schützen – was allerdings schon auf eine erstaunliche Intelligenz hinweisen würde.

    geschrieben von Norbert

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