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Eigene Population in Delfinarien


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Sunny und Nami aus Nürnberg
(Foto: Rüdiger Hengl)

Fehlende Konzepte

Der Zuchtstopp ist einzig und allein ein Ausdruck der Hilflosigkeit im Angesicht fehlender Konzepte.

Da die Tierrechtler ihren eigenen Traum von der Aufnahme der Tiere in deren eigene betreute Meeresbuchten nicht realisieren können (aus vielerlei Gründen), wollen sie die Tiere lieber sterben sehen, als eine Haltung und kommerzielle Nutzung weiter hinzunehmen.

Was die Tiere dabei eigentlich empfinden, wird nicht beachtet. Da bedienen sich die meisten Tierrechtler am liebsten irgendeiner „universellen Wahrheit“, mit der sie schlicht und einfach ihre Meinung als die einzig wahre hinstellen und Kritiker kaltstellen wollen.

Jeder vernünftige Mensch aber versteht, dass er nie wissen wird, was Tiere empfinden. Die Natur allein bestimmt, was Tiere brauchen, um sich wohlzufühlen. Eine Wahrheit also, die im Endeffekt die Haltung von Delfinen in Becken sicher schlecht aussehen lassen wird. Doch ein Verbot der Zucht kommt dabei noch viel schlimmer weg.

Ausrottung wäre ein schlimmer Fehler

Offensichtlich denken viele Tierrechtler, dass man mit der Gefangennahme der ersten Delfine einen Fehler gemacht und diesen unbedingt korrigieren muss. Doch wer die Entstehung der neuen Population dabei ignoriert und denkt, man könnte sie nun einfach ausrotten, so wie man sie auch überhaupt erst geschaffen hat, der behebt einen jahrzehntealten Makel durch einen neuen, noch viel schlimmeren Fehler.

Großer Tümmler
(Foto: Rüdiger Hengl)

Fakt ist: Die Tierrechtler haben mit dem Zuchtstopp in Frankreich und den weiterlaufenden Kampagnen den Delfinen in Europa das Messer an die Kehle gesetzt. Es wird sich in der näheren Zukunft zeigen, ob sie nun genauso gnadenlos sind wie die Schlächter von Taiji und die Tiere qualvoll ausbluten lassen.

Ich muss das an dieser Stelle so deutlich sagen: Die gleichen Leute, die in Japan Tränen vergießen und über das Trennen von Familien und Auslöschen von Leben klagen (und das durchaus zu Recht), wenden hier in Europa zwar eine andere Methode an, diese führt aber letztendlich zum selben Ergebnis: Leid, Qual, Auslöschung.

Vorschau

Im nächsten Teil werde ich ergründen, welche Interessensgruppen die Fäden ziehen und warum für einige die Ausrottung der Population tatsächlich gewollt ist. Dabei werde ich auch interessante Einblicke in zwei Prozesse in Finnland und Spanien geben, die heute und vor Kurzem erst die Öffentlichkeit bewegt haben:

Trinkendes Delfin-Baby
(Foto: Rüdiger Hengl)

  • Wie lief die Schließung des Delfinariums in Finnland für die Tiere tatsächlich ab?
  • Wie wahrscheinlich war ein Transfer der Tiere in eine Meeresbucht von Aktivisten?
  • Wie ist der aktuelle Status der Tiere in Barcelona, die eine neue Heimat suchen?
  • Welche Rolle spielen die Grabenkämpfe, Neid und Missgunst zwischen verschiedenen Organisationen?

Interessante Zeugen standen Rede und Antwort über die wahren Absichten von Tierrechtsgruppen und was hinter den Projekten steckt.

Bis bald!
Euer Benjamin
Weitere Beiträge von mir findet ihr im Biologen-Blog.

12 Kommentare

  1. Gibt es eigentlich noch eine realistische Chance, dass das Zuchtverbot in Frankreich in abesehbarer Zeit gelockert oder aufgehoben wird?

    geschrieben von Norbert
    1. Eine gute Frage, da die Ministerin, die das zustande gebracht hat, kurz danach mit dem Regierungswechsel weg vom Fenster war. Fast könnte man meinen, die wollte kurz vor dem politischen Abtritt sich noch mal ein ökologisch-korrektes Denkmal setzen. Und hat sich was medienwirksam-simples gesucht – anstatt z.B. den Atomaustieg einzuläuten.

      geschrieben von Dani
  2. Eine Statistische Befragung hat gezeigt, dass (begeistere) Definarienbesucher und Unterstützer von Tierrechtsgruppen bis zu 80% identisch sind. Würde auf einem EAAM-Symposium präsentiert und hat erstmal ganz schön für Verwirrung gesorgt. Das erprobte Schwarz-Weiß-Muster war total im Eimer.

    geschrieben von Norbert
    1. Das ist eine interessante Erhebung, Norbert. Aber irgendwie ist das Ergebnis auch nachvollziehbar. Es geht um Menschen, die sich (in Zoos/Delfinarien) mit Tieren befassen, sie beobachten, Freude an ihnen haben und sie demzufolge auch schützen wollen.

      geschrieben von Susanne
      1. Diese Erkenntnis hat inzwischen zu einem deutlich anderen Umgang mit dem Publikum und dem Umfeld der Kampagnen-Organisationen (sog. „Tierschützer“) geführt. Die Ansprache ist heute (3 Jahre nach der Umfrage) eine spürbar andere.

        geschrieben von Norbert
    2. Ich finde, gerade gut geführte Zoos tragen heute wesentlich zum Schutz der Tierwelt bei, man denke nur an die nicht unerhebliche Zahl an Arten, die es heute kaum noch im Freiland gibt und die nur in Tierparks und anderen Einrichtungen noch nachhaltig gezüchtet werden können. Moderne Zoos in Mitteleuropa haben glücklicherweise nichts mehr mit der Käfighaltung der 50er Jahre gemein; aber einige radikale Organisationen haben wohl immer noch dieses veraltete Bild des Zwingers im Kopf. Echte Tierschützer versuchen, im Dialog mit den Zoos die Haltungsbedingungen weiter zu verbessern und wissen, dass das Aussetzen der Tiere in der „Freiheit“, die in 3. oder 4. Generation in Zoos leben und an das Leben mit den vertrauten Pflegern gewohnt sind, lediglich deren sicheren Tod bedeuten würde.

      geschrieben von Oliver
      1. Ob eine Auswilderung möglich ist, hängt wohl sehr stark von der Tierart ab. Bei Steinböcken, Pferden und diversen Vogelarten hat das jedenfalls sehr gut funktioniert – in einem freien Gebiet ohne angestammte Population (also Neubesiedlung eines verwaisten Habitats, wie in den ICUNN – Richtlinien vorgesehen). Ob das bei Delfinen auch möglich wäre, ist sehr schwer zu sagen. Die Viecher sind extrem anhänglich, wenn sie mal in menschlicher Obhut waren.

        Bei einer zumindest latenten Bedrohung einer Tierart deren Zucht zu verbieten (wie in Frankreich) halte ich aber in jedem Fall für ein völliges Unding. Nicht nur aus der Sicht des Tierwohls, sondern auch, weil man damit für eine weitere Tierart die Garantie des Überlebens aufgibt. Der drohende Kollaps der Ozeane 2048 (und damit das weitgehende Aussterben der Meeressäuger) ist noch lange nicht abgewendet.

        geschrieben von Norbert
    3. Der Unterschied von Schimpanse zum Menschen liegt bei etwa 1,2%. Also finde ich 80% Gemeinsamkeiten nicht sehr aussagekräftig. Denn die 20% die hier angeblich nur unterschiedlich sein sollen, ziehen die Grenze zwischen fürsorglichem Tierschutz und wahnhaftem Missionierungszwang für Tierrechtsideologien.

      geschrieben von Benjamin
  3. Eine interessante Betrachtungsweise – so hab ich das noch gar nicht gesehen. Was die Tiere fühlen, darüber können wir nur spekulieren. Ich kann die Argumentation jedoch nachvollziehen, wenn ich es auch ziemlich übertrieben finde, einen Zuchtstopp mit den Massenschlachtungen von Taiji zu vergleichen.

    Die Abgrenzung zwischen „Delfinarienbefürwortern“ und „Delfinariengegnern“ ist mir persönlich zu sehr schwarz-weiß-Malerei. Ich denke, die meisten von uns sehen dies differenzierter, frei nach dem Motto: „Zeige mir, wie Du Delfine hältst und ich sage Dir, ob ich diese Art der Delfinhaltung befürworte.“ Für mich ist solch ein Beurteilungskriterium, an dem ich Delfinarien messe, die Einhaltung von Standards zur Haltung der Tiere, wie sie z.B. vom Weltzooverband und der EAAM vorgegeben werden.

    geschrieben von Oliver
  4. Was ist eigentlich „kommerzielle“ Nutzung?
    Ich stelle diese Frage, weil der Blog „kommerzielle Nutzung“ von Delfinen ablehnt, ohne hier Grenzen zu ziehen:

    Ist es bereits verwerflich, wenn die notwendigen Beschäftigungsprogramme („Präsentationen“) einem zahlenden Publikum zugänglich gemacht werden? Ist es wirklich ein Problem, wenn man (wie früher in Conny-Land) unter streng kontrollierten Bedingungen Delfinschwimmen anbietet? Ich hatte in Lipperswil (anders als in Dubai) immer das Gefühl, dass es für die Tiere immer ein positiver Höhepunkt war, mit Touristen zu spielen. Klar war das durch und durch kommerziell (250 Euro für 45 Minuten) – aber was genau ist daran zu bemängeln? Dass die Touristen zahlen mussten hat die Delfine nun wirklich nicht interessiert und letztlich sind die Einnahmen (auch) der Betreuung der Tiere zugute gekommen.

    Wenn man ehrlich ist: Ohne zahlendes Publikum ist es realistisch nicht möglich, die (laufenden) Kosten für ein Delfinarium zu stemmen. Ein oder zwei reine Forschungseinrichtungen weltweit reichen nicht aus, und für mehr ist (wie so oft) sowieso kein Geld da.

    Wo also Grenzen ziehen? Und bitte nicht auf die Argumentationen von „Tierrechtlern“ hereinfallen.

    geschrieben von Norbert
    1. Da stimme ich Dir zu, Norbert. Der Ausdruck „Kommerzielle Nutzung“ ist vielleicht etwas mißverständlich, suggeriert „kommerziell“ doch irgendwie, dass sich mit Delfinen richtig Kohle scheffeln lässt und klingt irgendwie nach Ausbeutung der Tiere („… die armen Tiere müssen das Geld für Ihre Haltung auch noch selbst verdienen und dafür Zirkustricks aufführen!“) – natürlich ist Geld das Letzte, was die Delfine selbst interessiert, sie machen aus Spieltrieb an den Vorführungen mit

      Mir fällt spontan aber auch kein anderer / besserer Begriff für „kommerzielle Nutzung“ ein. Ich verstehe Benjamins Satz so: „Um das leisten zu können, ist Geld nötig und um diese Kosten zumindest halbwegs decken zu können. Deshalb ist es legitim, wenn Delfinarien Eintritt verlangen und für interessierte Besucher zusätzliche kostenpflichtige Aktionen wie z.B. einen Blick hinter die Kulissen oder eine Begegnung mit Delfinen anbieten“.

      geschrieben von Oliver
    2. Bitte lies noch einmal aufmerksam, ich habe den Begriff der „kommerziellen Nutzung“ von Delfinen hier nur als Zitat gebraucht, habe sie keineswegs abgelehnt da mir durchaus bewusst ist, dass die Pflege der Tiere Geld kostet und das nicht auf Bäumen wächst.

      geschrieben von Benjamin

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