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Schiffslärm hindert am Jagen


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Pressemitteilung der Tierärztlichen Hochschule Hannover vom 16. Februar 2018

Schweinswal mit akustischem Datenlogger
(Foto: Universität Aarhus)

Beeinflusst Schiffsverkehr das Verhalten von Schweinswalen?

Unter anderem diese Frage stand am Anfang des Projektes „Auswirkungen des Unterwasserschalls der Offshore-Windenergieanlagen auf marine Säugetiere“, das ein internationales Forscherteam, gefördert unter anderem vom Bundesamt für Naturschutz, in dänischen Küstengewässern durchführt.

Ergebnisse dieses Forschungsprojektes veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Sieben Schweinswale als Akteure

Für das Projekt statteten die Forscher sieben Schweinswale mit akustischen Datenloggern aus, indem sie sie mit Saugnäpfen auf den Tieren befestigten.

Etwa zwischen zwölf und 24 Stunden zeichneten die Geräte auf, wo sich die Tiere befanden, wie tief sie tauchten, welche Signale sie sendeten und empfingen, welchem Lärm sie ausgesetzt waren, wann sie sich ausruhten und wann sie jagten.

Der Lärm, den Schiffe verursachen, liegt im für Schweinswale hörbaren Bereich. Anhand der Daten, die die Forscher mit den Datenloggern zusammentrugen, konnten sie ablesen, dass Schweinswale etwa 17 bis 89 Prozent der gemessenen Zeit dem Lärm von Schiffen ausgesetzt waren.

Anzahl der Jagdversuche ging durch den Schiffsverkehr zurück

Schweinswale orientieren sich im Wasser über ihr Echolotsystem. Sie senden Klickgeräusche aus und ziehen aus dem reflektierenden Echo Rückschlüsse auf ihre Umgebung. Mithilfe dieses Systems kommunizieren sie miteinander, orientieren sich und suchen nach Nahrung.

Mit akustischem Datenlogger versehener Schweinswal
(Foto: Universität Aarhus)

Auf der Jagd nach Beutetieren steigern Schweinswale deutlich die Klickrate auf bis zu 500 Signale pro Sekunde. Mit diesem Wissen konnten die Forscher an den gesammelten Daten genau ablesen, wann der Schiffsverkehr die Tiere bei der Jagd störte. Das Ergebnis: Die Anzahl der Jagdversuche ging durch den Schiffsverkehr zurück.

Zeitweise besonders hoher Lärmpegel

Zeitweise maßen die Wissenschaftler besonders hohe Lärmpegel.

Anhand der Navigationsdaten, die Berufsschiffe an das „Automatische Identifikationssystem AIS“ übermitteln müssen, konnten die Wissenschaftler zurückverfolgen, dass diese besonders hohe Lärmbelastung durch Schnellfähren verursacht wird.

Die Fähren fahren schneller, als Schweinswale schwimmen können. Um ihnen auszuweichen, tauchten die Tiere ab und unterbrachen dafür ihre Nahrungssuche. Zum Teil stoppten sie ihre Echoortung.

Die Begegnung von Schweinswal und Fähre lässt sich an einer visualisierten akustischen Aufnahme sehr gut nachvollziehen.

Durch akustische Störungen leiden Tiere an Energiemangel

Ursula Siebert, Leiterin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) erklärt, was diese Störungen für Schweinswale bedeuten: „Als Säugetiere müssen Schweinswale im Wasser ihre Körpertemperatur aufrechterhalten. Darum haben sie einen vergleichsweise aktiven, also energieintensiven, Stoffwechsel. Sie benötigen regelmäßig Futter, um diese Energie zuzuführen. Werden sie während der Jagd immer wieder gestört, kann auf lange Sicht die körperliche Fitness der Tiere leiden.“


In einem Film von Holger Vogt wird über das Projekt berichtet.

Zusammenarbeit mit Fischern

Die Wissenschaftler arbeiteten für das Projekt mit dänischen Fischern zusammen. Sie benachrichtigten die Forscher, wenn ein Schweinswal in eines ihrer sogenannten Ringwadennetze geschwommen war.

Die Netze sind sehr feinmaschig, sodass die Schweinswale sich nicht darin verheddern und ertrinken können. Zudem haben sie einen Boden, der es den Wissenschaftlern ermöglicht, die Netze langsam zusammenzuziehen, um an die Schweinswale zu gelangen.

Sie hoben die Tiere dann kurz an Bord ihres Bootes, vermaßen und begutachteten sie und statteten sie mit den Datenloggern aus. Dafür benötigten sie nie mehr als 15 Minuten.

Großes Forschungsprojekt mit vielen Beteiligten

In dem Projekt arbeiten Wissenschaftler der Aarhus Universität in Dänemark, der St. Andrews Universität in Schottland und dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der TiHo zusammen.

Finanziert wurde das Projekt vom Bundesamt für Naturschutz, der Carlsberg Foundation, dem Danish Council for Research, Natural Sciences (FNU), der Marine Alliance for Science and Technology Scotland und einem Marie Skłodowska-Curie Career Integration Grant.

Die Originalpublikation

High rates of vessel noise disrupt foraging in wild harbour porpoises (Phocoena phocoena)
Danuta Maria Wisniewska, Mark Johnson, Jonas Teilmann, Ursula Siebert, Anders Galatius, Rune Dietz und Peter Teglberg Madsen, Proceedings of the Royal Society B, DOI
(Quelle: Pressemitteilung der TiHo)

Lesetipps

* Shipping noise can disturb porpoises and disrupt their mealtime
* Ganz aktuell: Das Wattentaxi
Hier muss man kritisch hinterfragen, ob das Wattentaxi nicht eine zusätzliche Lärmbelästigung für Schweinswale darstellt.

4 Kommentare

  1. Hier noch eine Präsentation zum Thema „Untersuchung der Auswirkungen des Lärms auf die Tierwelt“. Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen arbeiten zusammen.
    http://www.bsh.de/de/Das_BSH/Veranstaltungen/MUS/2013/Vortraege_23._Meeresumwelt-Symposium_2013/Seibel.pdf

    geschrieben von Oliver
    1. Vielen Dank für die Ergänzung, Oliver!

      geschrieben von Susanne
  2. Toll, dass ihr das auch teilt! Dieses Thema und viele andere waren auch Bestandteil auf der 51st Annual Conference on Physiology and Pathology of Reproduction, vom 21.-23.02. an der TiHo. Auch um die Verteilung von Müll auf der Oberfläche der Nord- und Ostsee ging es heute. Diese Themen müssen an die Öffentlichkeit gehen und ich denke, die TiHo macht da mittlerweile einen ganz guten Job. Das müssen echte Wissenschaftler auch, solange es Steuerberater gibt, die sich einbilden über Tiere alles besser zu wissen und die deutsche Medienlandschaft mit Schundmeldungen zumüllen, während Tiere draußen elendig zugrundegehen.

    geschrieben von Benjamin
    1. Vielen Dank für deinen Beitrag, Benjamin. Dem, was du geschrieben hast, stimme ich gerne zu.

      geschrieben von Susanne

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