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Wie schnell schwimmen Delfine?


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Gastbeitrag von Philipp J. Kroiß, 7. Juli 2018, vorab erschienen in ZoosMedia

Kurzflossen-Grindwale
(Foto: Philipp J. Kroiß)

Über Delfine und ihre Fähigkeiten gibt es viele Desinformationen. Dieser Artikel wirft ein Schlaglicht auf die wissenschaftlichen Fakten und was diese bedeuten.

Wie schnell schwimmen Delfine wirklich?

Sowohl über die Geschwindigkeit als auch die Strecke pro Tag, die wilde Delfine erreichen bzw. zurücklegen, wird massiv von der Tierrechtsindustrie absichtlich und von vielen Medien unabsichtlich desinformiert.

Angeblich über 50 Kilometer pro Stunde würden die Delfine erreichen und 150 Kilometer am Tag zurücklegen.

Das geht an der Realität vorbei, weil schon die Präsentation völlig desinformativ ist.

Die Familie der Delfine umfasst rund 40 Arten verschiedenster Größe. Die einzelnen Arten beinhalten dann noch teils völlig unterschiedliche Formen und Ökotypen, die jeweils ganz anders leben. Somit ist es völlig sinnlos, die Frage, wie schnell Delfine schwimmen, so generell klären zu wollen. Wir müssen differenziert an die Sache herangehen.

Spitzengeschwindigkeiten bei Delfinen

Das WDSF rief vor Jahren mal den Privatdozenten Dr. Christian Schulze von der Ruhr-Universität Bochum auf den Plan. Der hatte zwar nie mit Delfinen in Menschenobhut gearbeitet und keinerlei Erfahrung mit der Haltung dieser Tiere, war aber anscheinend bereit, die an der Realität vorbeigehenden Forderungen der Tierrechtsindustrie in ein pseudo-wissenschaftliches Gewand zu kleiden. Anhand der Maximalgeschwindigkeit der Tiere wurden völlig realitätsfremde Forderungen abgeleitet.

Nun hat die Ruhr-Universität Bochum aber tatsächlich einen Delfinexperten: Prof. Dr. Onur Güntürkün. Der erklärte in Bezugnahme auf die Forderung:

“Das Hauptproblem der Argumentation von Dr. Schulze ist, dass er davon ausgeht, dass Delfine für ihr Wohlergehen ab und zu eine Minute sehr schnell geradeaus schwimmen müssen. Das tun sie aber (wie alle anderen oben angeführten Arten) nur, wenn sie ein Beutetier jagen oder selbst gejagt werden. Ansonsten bewegen sich alle Tiere (incl. dem Menschen) wesentlich langsamer als ihre Maximalgeschwindigkeit.”

Großer Tümmler auf Teneriffa
(Foto: Rüdiger Hengl)

Das gibt uns schon wichtige Hinweise darauf, wann und warum die verschiedenen Delfinarten ihre jeweilige Spitzengeschwindigkeit erreichen. Das sind nämlich Fragen, die man tatsächlich artübergreifend verhaltensbiologisch klären kann.

Einen weiteren wichtigen Hinweis zur Anwendung der Maximalgeschwindigkeit gibt Prof. Dr. Vincent Janik von der Universität St. Andrews, der auch Bezug auf Schulze nimmt:

“Im Antrag werden einige Parameter aufgelistet, die ein Herr Schulze aufgestellt hat. Es wird hier gefordert, dass ein Tier für eine willkürlich gesetzte Zeit von 30 Sekunden mit der möglichen Höchstgeschwindigkeit schwimmen können sollte. Solche kurzen Sprints finden wir in freier Wildbahn eigentlich nur, wenn Delfine gejagt werden, ein Kontext den man in einer ethisch vertretbaren Haltung nicht simulieren sollte, oder auf sehr kurzen Strecken bei der Beutejagd. Ich selbst habe auch in freier Wildbahn noch nie einen Delfin beobachtet, der eine solche Geschwindigkeit für 30 Sekunden oder mehr aufrecht erhielt. Die normale, andauernde Schwimmgeschwindigkeit liegt in freier Wildbahn zwischen 1,4 und 3 Metern pro Sekunde (Costa & Williams 1999).”

Warum Delfine beim Schnellschwimmen Schmerzen erleiden, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

3 Kommentare

  1. Oliver,
    ich kann mich irren, aber ich schätze, dass sie in der Ruhephase auch zwischen 3 und 5 km/h pro Stunde schwimmen. Das wären dann 72 bis 120 km am Tag.

    geschrieben von Rüdiger Hengl
    1. Zumindest in den Delfinarien schwimmen die Delfine in der Ruhephase fast gar nicht – Moby (in Nürnberg) beispielsweise legt sich gerne im flachsten Becken (unter 1 m Wassertiefe) auf Grund und taucht nur zum Atmen kurz auf; was die anderen machen weiß ich nicht. Da der weltweit älterste bekannte Delfinbulle das mitunter auch tagsüber macht, hing (oder hängt noch?) ein Schild am Becken, das dieses Verhalten erklärt – offenbar hatten immer wieder Besucher die Pfleger alamiert.
      In tieferem Wasser müssen Delfine immer etwas in Bewegung bleiben, damit sie nicht auf Grund sinken. Sie haben (als Säugetiere) keine Schwimmblase und sinken wohl langsam ab, wenn sie bewegungslos bleiben.

      geschrieben von Norbert
  2. Interessant wäre mal zu messen, welche Strecken die Tümmler in einem Delfinarium so am Tag zurücklegen, wenn sie den ganzen Tag ihre Bahnen ziehen. Da kommen sicher auch einige Kilometer zusammen.

    geschrieben von Oliver

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