Berichte

Die Arbeit der Citizen Scientists


Themen:

Meeresakrobaten, 25. März 2019

Immer mehr Citizen Scientists beteiligen sich an wissenschaftlich fundierten Beobachtungen.

Immer auf Wal- und Delfin-Suche (Foto: Frank Blache)

Hilfe für die Wissenschaft

Citizen Science ist eine Form der offenen Wissenschaft, bei der Projekte unter Mithilfe oder komplett von interessierten Laien durchgeführt werden.

Die Citizen Scientists (Bürgerwissenschaftler) melden Beobachtungen, führen Messungen durch oder werten Daten aus.

Laut Wikipedia wird der Citizen Scientist definiert als „Wissenschaftler, dessen Arbeit durch ein Verantwortungsgefühl, dem Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit zu dienen, charakterisiert ist“ oder als „ein Mitglied der Gesellschaft, das an wissenschaftlicher Arbeit teilnimmt, oft in Zusammenarbeit oder unter der Führung von professionellen Wissenschaftlern oder wissenschaftlichen Institutionen“.

Herkömmliche Methoden wären zu teuer

Citizen Science kann von freiwilligen Einzelpersonen, Gruppen oder Netzwerken durchgeführt werden. Diese arbeiten meist mit professionellen Wissenschaftern zusammen. Große Freiwilligennetzwerke ermöglichen es Wissenschaftlern, Aufgaben zu erledigen, die mit herkömmlichen Methoden zu teuer oder zu zeitaufwendig wären.

Schweinswal
(Foto: Michael Hillmann)

Tatkräftige Unterstützung

Naturschutzverbände und Tierschutzorganisationen sind sehr dankbar, wenn sie – neben der finanziellen – auch tatkräftige Unterstützung erhalten.

So ermuntern der LBV und der NABU jedes Jahr alle Tierfreunde, sich an den Projekten „Stunde der Wintervögel“ bzw. „Stunde der Gartenvögel“ zu beteiligen. Das sind Deutschlands größte Vogelzählaktionen.

Beispiel Vogelzählung

Die Vogelzählung funktioniert folgendermaßen: Man nimmt sich an den vorgegebenen Terminen eine Stunde Zeit und schreibt alle Vögel auf, die man im näheren Umfeld beobachtet. Dazu gibt es im Internet Anleitungen, damit keine Tiere doppelt gezählt werden.

Auch ich habe mich schon mehrmals an diesen Aktionen beteiligt. Zuletzt am 4. Januar im Schnee …

Die Meeresakrobaten bei der Vögelzählung
(Foto: Rüdiger Hengl)

Man tut Gutes für sich selbst

Das Mitmachen nützt nicht nur Tierschutzprojekten, sondern man tut auch etwas Gutes für sich selbst:

  • Man lernt Tierarten kennen und erkennen.
  • Man kann sich auch mit anderen Zählern zusammentun und hat in der Gruppe viel Spaß beim Beobachten.
  • Man ist an der frischen Luft.
  • Man versteht beispielsweise die Zusammenhänge zwischen schwindenden Vogelarten und den Eingriffen des Menschen in die Natur.

Wal- und Delfinbeobachtungen

Von Land, aber auch vom Schiff aus lassen sich wunderbar Wal- und Delfinbeobachtungen durchführen.

Die Betreiber von seriösen Whale-Watching-Unternehmen betätigen sie ebenfalls als Bürgerwissenschaftler. Sie führen genau Buch über die gesehenen Arten, die Individuenanzahl in einer Schule, das Wetter, die Windgeschwindigkeit und vieles mehr.

Diese Daten geben sie dann an Organisationen weiter, welche sich u.a. dafür einsetzen, dass Meeresschutzgebiete eingerichtet werden.

Nicht-invasive Forschungsmethode
(Foto: Susanne Gugeler)

Vor ca. 20 Jahren erste Erfahrungen mit Citizen Science

In den 1990er-Jahren betätigte ich mich als Bürgerwissenschaftlerin auf Sylt. Zusammen mit vielen anderen Praktikanten sammelte ich für die „Seevogelrettungs- und Naturforschungsstation“ Daten über die Schweinswale in der Nordsee. Alle Aktionen fanden an Land statt.

Dieses Verfahren nennt man auch „nicht-invasive Forschungsmethode“, weil sie in keinster Weise das Verhalten der Tiere beeinträchtigt oder sie gesundheitlich gefährdet.

Die JadeWale sind sehr aktiv

Auch die JadeWale aus Wilhelmshaven gehören zu den Bürgerwissenschaftlern. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Arbeitsgruppe machen Fotos von Schweinswalen von Land aus und melden Totfunde beispielsweise an das Meeresmuseum in Stralsund, wo derartige Daten zusammengetragen werden.

Auf diese Weise erhält man viele Informationen über den Bestand der Meeressäugetiere, den Grund ihres Strandens usw.

Blauwal FLUKE

Frank Blaches FLUKE hat es ebenfalls in eine Datenbank geschafft. (Von Frank stammen übrigens viele Beiträge und Fotos bei den Meeresakrobaten.)

FLUKE ist ein Blauwalbulle, der durch eine sehr markante Schwanzflossen-Zeichnung auffällt. (Siehe dazu auch die Beiträge „Unterwegs mit der Spirit of Adventure“, Blauwal „Fluke“ wurde erneut gesichtet oder Ein Blauwal namens Kürbis.)

Blauwal-Fluke (Foto: Frank Blache)

1996 hatte Frank bei einer Tour in Baja California FLUKE zum ersten Mal gesehen und tolle Aufnahmen von diesem Blauwal gemacht. Später tauchten weitere Fotos im Internet auf, u.a. von Andrea Steffen.

Die Seite Happywhale sammelt diese Fotos und zeichnet außerdem die Routen von den beobachteten Walen auf. Dort findet ihr auch Franks Bild.

Bei Great Whale Conservancy entdeckt ihr FLUKE ebenfalls – und zwar gleich auf der Eingangsseite der Website in einem kurzen Video.

Der große Blauwal hat im Lauf der Zeit verschiedene Namen bekommen: „White Eyes“ („weiße Augen“), Bunny („Häschen“) oder Calabaza („Kürbis“). Alle Bezeichnungen haben etwas mit seiner auffallenden Schwanzflosse zu tun.

Dokumentationen sind wichtig

Die veröffentlichten Dokumentationen von Bürgerwissenschaftlern sorgen dafür, dass sich immer mehr Menschen für ihre tierische Umwelt interessieren und sich für sie einsetzen. Außerdem geben sie eine Grundlage dafür, dass sich Entscheidungsträger um das Wohlergehen der Tiere bemühen.

Jeder kann mitmachen!

* Bürger schaffen Wissen
* Wie aus Bürgern Wissenschaftler werden
* Insektensommer (Mitmachaktion, auch für Kinder geeignet)
* Citizen Scientists in Ligurien/Italien

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