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Nachzucht von Delfinen in Japan


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Mutter und Kind
(Foto: Susanne Gugeler)

Gutes Vorbild statt Vorschriften

Was bedeutet all dies in Bezug auf die Entscheidung der WAZA?

Vielleicht müsste man hier den japanischen Mitgliedern nicht nur Vorschriften machen, sondern durch gute Beispiele vorangehen und vermitteln, welchen Prioritäten ein Zuchtprogramm folgen sollte und wie Tierwohl und nachhaltige Zucht sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.

Das ist die Aufgabe eines solchen, großen Verbandes, nicht jedoch die von einzelnen Wissenschaftlern, die selbst keinen Durchblick in den Frontverlauf dort stattfindender Rivalitäten und gegensätzlicher Ansichten haben können.

Kampf ums Überleben

Allein im Fall meiner eigenen Recherche hat sich seit Bekanntgabe der WAZA die Situation im japanischen Zuchtprogramm wohl eher verschlechtert, denn anstatt den Fokus auf dringend notwendige Renovierungen und Ausbauprojekte zu legen, wurde durch die Panikmache in Bezug auf die fehlenden Zuchterfolge und fehlende Anleitung dazu eine Atmosphäre geschaffen, in der jeder nur für sich ums Überleben kämpft.

Die Manager fürchten, dass man bald keine Tiere mehr haben wird, und verbeißen sich geradezu in der Vorstellung, man könnte nun mit aggressiver Zucht dem zuvorkommen.

Gefangene Delfine in Taiji (Foto: Boyd Harnell)

Die zahlreichen Versuche mit künstlicher Besamung allerdings schlugen größtenteils fehl, was wenig überrascht, denn die japanischen Parks experimentieren eher planlos daher, anstatt auf die Erfahrung anderer Länder zu setzen.

Delfinarien kehren dem Zooverband den Rücken

Wenn man dieses Problem insgesamt nicht in den Griff bekommt, passiert halt einfach das, was sowieso schon immer öfter vorkommt: Delfinarien verlassen einfach freiwillig den Zooverband, um weiter unproblematisch in Taiji einkaufen zu können.

In diesem Fall wäre auch die Haltung der WAZA nichts mehr als ein weiteres wirkungsloses Statement der Weltgemeinschaft gegen die brutalen Treibjagden auf Delfine und andere kleinere Wale. Gut gemeint, aber am Ende wieder zurück auf Null.

Und was die Treibjagden selbst angeht: die finden selbstverständlich weiterhin statt. Auch weil man in China viele Abnehmer für Showdelfine gefunden hat, aber eben vor allem, weil die Schlachtung selbst als Tradition bei den Fischern verwurzelt ist.

Schlachtungen gehen unverändert weiter

Aktivisten sehen den Zusammenhang mit Delfinarien dagegen nur aus kampagnen-technischen Gründen, aber in Wahrheit ist es unerheblich, ob die Fischer in Taiji mit diesen Verkäufen Geld verdienen oder nicht. Die Schlachtungen würden auch ohne dieses Geschäft unverändert weitergehen.

Eine traurige Realität, die mit einfachen Schuldzuweisungen und Boykottaufrufen nicht zu ändern ist. Auch nicht in der heutigen aufgeklärten Zeit, leider.

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Ein Kommentar

  1. Hallo Benjamin, ich danke Dir für den interessanten Artikel und Deinen Einsatz für unsere Meeressäuger :-)

    geschrieben von Oliver

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