Berichte, Biologen-Blog

Viren aus biologischer Sicht


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Delfine in Ägypten
(Foto: Dominik)

Auch Delfine leiden unter Viren

Das wohl bekannteste und gefährlichste unter ihnen ist das Morbillivirus.

Diesem Virus fallen regelmäßig ganze Delfinpopulationen zum Opfer. Die Verwandten des Morbillivirus sind übrigens zudem die Erreger der Hundestaupe, der Seehundstaupe, der Rinderpest und bei uns der Masern.

Auf den Menschen sprang das Virus vermutlich schon um 528 v. Chr. über, durch den Kontakt mit Hausrindern. Es gilt also ebenso als Zoonose, wie das jetzige Coronavirus SARS-CoV-2. Das heißt es ist von einem Tier auf den Menschen übertragen worden.

Vom Tier auf den Menschen und umgekehrt

Viren überspringen die Artenbarriere aber nicht nur von Tieren auf Menschen, sondern auch umgekehrt und auch zwischen verschiedenen Tierstämmen in der Wildbahn.

Eine gesteigerte Übertragungsgefahr ist also nicht automatisch durch die moderne Tierhaltung gegeben. Im Gegenteil sind eher exotische Wildtiere auf Märkten ein Problem, mit denen Menschen eher selten Kontakt haben. Dann kann es auch zu solch dramatischen Pandemien kommen wie jetzt gerade.

Rinder in der Serengeti
(Foto: Rüdiger Hengl)

Übrigens sind auch nicht alle Viren dabei gleich gefährlich. Während die Coronaviren hochvariabel sind und gerne zwischen Arten springen, dabei meist akute Atemwegserkrankungen auslösen, sind z.B. Herpesviren höchst artspezifisch unterwegs. Sie infizieren nur innerhalb einer Art und verbleiben oft symptomlos in den Wirten, meist ein Leben lang.

Delfine tragen oft Herpesviren in sich. Schlimme Folgen hat das meistens nicht.

Papillomaviren dagegen können auch bei ihnen Krebs auslösen. Eine Übertragung auf den Menschen ist aber ausgeschlossen. Wir wiederum haben selbst spezialisierte Papillomaviren.

„Friedfertige“ Gesellen

Man sieht allein an diesen Beispielen, dass die Welt der Viren höchst variabel ist.

Es gibt einige ziemlich „friedfertige“ Gesellen, deren Anwesenheit man meist gar nicht bemerkt. Manche bilden erst nach vielen Jahrzehnten tödliche Tumore, regulieren also auch das Lebensalter vieler Organismen, während manche aggressiv ausbrechen und ganze Populationen dezimieren.

All das macht Sinn, auch wenn es uns nicht gefallen mag. Die Erhaltung der natürlichen Ordnung auf der Welt und das Gleichgewicht der Arten jedoch hängt bedeutend ab von der Arbeit unserer kleinen „dem Leben nahestehenden“ Mitbewohner.

Delfine in Ägypten
(Foto: Dominik)

Mensch benimmt sich wie selbstzerstörerische Art

Die Tatsache, dass der jetzige Coronavirus-Ausbruch zusätzlich solche extremen gesellschaftlichen Folgen hat, in der sich plötzlich jeder als Experte aufspielt und darüber gestritten wird, ob man nun einen Mundschutz tragen „darf“, „soll“ oder „muss“, sagt dagegen nur wenig über das Virus aus, aber sehr viel über die Entwicklung des Menschen im vergangenen Jahrhundert.

Insgesamt benimmt sich die Menschheit wie eine selbstzerstörerische, zum Aussterben selektierte Art, aber auf keinen Fall wie eine Spezies, die sich noch bedeutend weiterentwickeln will.

Was wir zurzeit an Hass, Verschwörungsglauben und Wut erleben, ist eine logische Folge der Überbevölkerung und zeigt sich in allen Arten, wenn zu viele Individuen in einem begrenzten Lebensraum aufeinandertreffen.

Das Coronavirus ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass wir unsere von der Natur bestimmte Grenze schon längst überschritten haben.

Ist die Menschheit in der Lage, zu überleben?

Die Reaktion auf die Krise weltweit lässt mich zweifeln, dass die Menschheit in der Lage ist, zu überleben. Was meint ihr dazu?

Stellersche Seelöwen (Foto: Frank Blache)

Im nächsten Blog geht es darum, was das Coronavirus für Zoos, Artenschutz und Tierrechtsprojekte bedeutet.

Eine Bitte in eigener Sache

Und ich habe noch eine Bitte in eigener Sache: Viele Zoos und Tierparks leiden zurzeit Not. Jeder von euch hat bestimmt einen davon in der Nähe.

Helft, fragt nach, was sie brauchen, spendet oder bringt Tierfutter vorbei (aber bitte nur nach Absprache mit dem betroffenen Park und was Sinn macht).

Wir Tierfreunde wollen doch ein gutes Beispiel für den Zusammenhalt der Gesellschaft abgeben. Ich möchte euch an dieser Stelle das Alaska SeaLife Center ans Herz legen.

Es steht nicht in Verbindung mit der Aquarienkette Sea Life, sondern ist das führende öffentliche Aquarium in Alaska und dessen einzige permanente Rehabilitationsanlage für Meeressäuger.

Die dortige Forschungsarbeit ist u.a. unverzichtbar für die Erhaltungsmaßnahmen der wunderschönen, aber stark bedrohten Stellerschen Seelöwen.

Leider fehlen dem Aquarium nun etwa 2 Millionen US-$, um eine Pleite und somit Schließung abzuwenden. Spenden werden deshalb gerne angenommen.

Wem das Center zu weit weg ist von den Geschehnissen hier, dem danke ich trotzdem für das Interesse an meinem Blog und wünsche euch allen vor allem gesund zu bleiben.
Euer Benjamin

5 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für eure Kommentare!

    Dem Aufruf von Wolfgang Rades und Benjamin, Zoos zu unterstützen und diese zu besuchen, schließe ich mich gerne an. Diese Aufforderung beherzige ich schon lange und werde ihr auch in der nächsten Woche wieder nachkommen. ;o)

    geschrieben von Susanne
  2. Vielen Dank für diesen tollen und ebenso aufrüttelnden (hoffentlich!) wie aussagekräftigen Bericht, lieber Benjamin! Dank auch an Oliver für die aus meiner Sicht als der eines Tiergartenbiologen und Ökologen ebenfalls den Nagel auf den Kopf treffenden Kommentare.
    In der Tat steht die Menschheit just in unserer Generation an einer Weichenstellung:
    Einerseits im positiven Sinn hin zu einem Lernen aus diesen Krisen. – Neben, und eigentlich noch vor der Coronavirus-Pandemie, sind dies der Klimawandel, für den das nunmehr bereits dritte viel zu trockene Sommerhalbjahr hierzulande in Folge ein deutliches Symptom ist. Hinzu kommt, eher schleichend, aber rasant, die Biodiversitätskrise, erleben wir doch derzeit die sechste globale Aussterbewelle auf der Erde, die überdies erstmals menschengemacht ist! Voraussetzung für eine Weichenstellung in die richtige Richtung – hin zu einer wirklich nachhaltigen Lebensweise – wäre die Bereitschaft nicht nur zum Lernen, sondern darüberhinaus auch dazu, ERNSTHAFTE Konsequenzen aus unserem bisherigen Fehlverhalten zu ziehen.
    Tun wir dies nicht, dürfte die Art Homo sapiens (was leider offensichtlich nicht der „vernüftige“ Mensch ist, sondern in der Realität leider nur der „vernunftbegabte“ Mensch, der von dieser Begabung mit verheerenden Konsequenzen für Mensch und Natur viel zu wenig Gebrauch macht…) in der Tat – neben den meisten anderen Arten – schon in relativ kurzer Zeit zum Aussterben verurteilt sein!
    Denn, wie von Benjamin aufgezeigt, sind wir als (biologisch gesehen)eine Art des Tierreichs ebenfalls nur ein Bestandteil der Natur. – Leider geht die aktuelle Entwicklung immer noch in die falsche Richtung! Was ich dabei besonders dramatisch finde, ist, dass der Mensch auch in der gegenwärtigen Krise kaum Anstalten macht, dem in Benjamins Beitrag aufgeführten (und übrigens schon von Frankfurts damaligem Zoodirektor Bernhard GRZIMEK in seinem Epos „Kein PLatz für wilde Tiere“ in den fünfziger Jahren aufgezeigten) viel zu großen Bevölkerungswachstum durch eine konsequente Geburtenkontrolle als Hauptursache entgegen zu wirken! Allen ökologischen – und übrigens natürlich auch sozialen – Schäden zum Trotz! – Glücklicherweise gibt es auch Institutionen, von den pragmatischen Natur- und Umweltschutzverbänden über die „Fridays for Future“-Bewegung bis hin zu den MODERNEN Zoologischen Gärten und Aquarien sowie Delfinarien, die sich in dieser tragischerweise zudem immer stärker naturentfremdeten (und von kurzsichtigen Egoismen dominierten) Gesellschaft dieser verheerenden Entwicklung entgegen stellen. – Allerdings ist diese Bewegung noch viel zu schwach! Sie lähmt sich paradoxerweise zudem selber! Denn die Akteure ziehen leider nicht immer an einem Strang, weil eine laustarke Minderheit ideologisch verblendeter radikaler Tierrechtler bei weitem über das Ziel hinausschießt. Denn diese bekämpfen die modernen Zoos, obwohl diese DIE Botschaften der Wildtiere, die zudem mit mehr als 250 Millionen Dollar jährlich mit steigender Tendenz schon jetzt der drittstärkste Förderer des Natur- und Artenschutzes auch in den verbliebenen natürlichen Lebensräumen sind, unter dem Vorwand angeblichen Tierschutzes und mit nachweislich unwahren Behauptungen! Besonders stark attackiert werden bekanntlich mit Duisburg, Nürnberg und dem Loro Parque auf Teneriffa, für den ich mich als Artenschutzbeauftragter engagiere, die VdZ-Zoos, die Cetaceen als besonders charismatische Botschafter für den Schutz der Meere halten. Dabei fördert der Loro Parque mit 10% der Eintrittseinnahmen das Engagement seiner Naturschutzstiftung, der Loro Parque Fundacion, die dadurch mit jährlich einer Millionen Dollar bedeutende Natur- und Artenschutzprojekte in aller Welt unterstützen kann. Zumindest 10 Papageienarten konnten somit vor der unmittelbar drohenden Ausrottung bewahrt werden, und natürlich kommen diese Fördergelder des Loro Parque insgesamt auch dem Biotopschutz, und somit auch vielen anderen bedrohten Arten zugute. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz engagieren sich immer mehr moderne Zoos, u.a. durch die Einführung eines Artenschutz-Euro (bzw. Fränkli),für den Natur- und Artenschutz! Ideologisch verblendete Zoogegner hingegen torpedieren dieses so wertvolle Engagement, anstatt dieses angesichts der im Beitrag von Benjamin anschaulich reflektierten Umstände (für die die Corona-Pandemie lediglich ein Indikator ist…) zu unterstützen. Übrigens leiden ekanntlich auch die modernen Zoos, wie auch der Naturschutz insgesamt, weltweit unter dem Corona-Lockdown! Deswegen ist der Aufruf von Benjamin, diese durch Spenden, und auch durch direkte Besuche, zu unterstützen, besonders zu begrüßen!
    – Denn: Gäbe es noch keine Zoos, es wäre höchste Zeit, sie zu erfinden!

    geschrieben von Wolfgang Rades
    1. Lieber Herr Rades,

      vielen Dank für Ihren lesenwerten Kommentar und das Lob für meinen Beitrag.
      Ich habe mich darüber sehr gefreut und kann Ihnen in allem anderen nur beipflichten.
      Machen Sie weiter mit der guten Arbeit beim Loro Parque und bleiben Sie gesund!

      geschrieben von Benjamin
  3. Dein Fazit ist ja ziemlich deprimierend.
    Auch ich zweifle manchmal am Verstand vieler Leute, wenn ich so den täglichen Hass im Internet miterlebe, Leute, die meinen, besser Bescheid zu wissen als jeder Experte, nur weil sie mal einige Youtube-Filmchen gesehen haben und übser so manche Staatslenker kann man nur noch verwundert den Kopf schütteln.
    Dennoch denke ich, dass das eine insgesamt doch eher kleine, doch lautstarke Minderheit ist.
    Oder ich hoffe es zumindest…

    geschrieben von Oliver
    1. Ja Oliver, ich hoffe auch noch, aber irgendwie manifestiert sich der Eindruck, dass eine stetig wachsende Zahl von Menschen „verblödet“. Dazu kommt ja auch noch, dass es nicht allein um die Coronakrise geht, wo es vielleicht wirklich nur ein paar Deppen sind, sondern es geht auch immer noch um den Klimawandel, den die Mehrheit der Menschheit mitverursacht und langfristig ignoriert hat. Und nur allein deshalb wehrt sich die Natur ja überhaupt. Weil wir alle seit Jahrzehnten einem Wirtschaftssystem huldigen, das grenzenloses Wachstum in einem endlichen Ökosystem fordert. Und wer da die Probleme nicht kommen sieht oder sie evtl. verdrängt, weil „sie erst auftreten, wenn wir tot sind“, ist einfach nur dumm und egoistisch.
      Und wenn man also wie ich davon ausgeht, dass das Virus momentan die Menschheit dezimieren soll, dann gehören die Verblödung, der Hass und die Hetze auch zum Regulationsmechanismus der Natur gegen Überbevölkerung, denn all das hilft dem Virus bei der Arbeit. Es ist eine Beobachtung, die bei allen sozial lebenden Tieren (bis auf Insektenstaaten als Ausnahme) beobachtet werden kann: bis zu einer gewissen Zahl an Individuen floriert die Gesellschaft, die sozialen Kontakte steigen und die Intelligenz sowie auch die Empathie nehmen zu. Übersteigt die Zahl der Individuen aber die Tragfähigkeit des Ökosystems, erzeugt das Stress. Durch zu hohe Populationsdichte sinkt also der soziale Zusammenhalt wieder drastisch, es kommt zu Aggressionen, Rivalitäten, Revierkämpfen etc. Auch so sorgt die Natur wieder für ein Gleichgewicht. Ich glaube, Menschen sind bei weitem nicht so intelligent wie sie selbst glauben, denn sie können vor allem mit diesen niederen Trieben immer noch nicht umgehen. Werden sie auch nie. Die Natur ist stärker und der Mensch zu arrogant, um das einzusehen.

      geschrieben von Benjamin

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