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Venedig: Achtsam mit Delfin Mimmo umgehen!


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Meeresakrobaten, 27. Februar 2026

Mimmo in Venedig
(Foto:Silvia Bonizzoni, Dolphin Biology and Conservation)

Seit acht Monaten hält sich ein solitär lebender Großer Tümmler (er wurde Mimmo getauft) in der Lagune von Venedig auf – unmittelbar vor einer der meistbesuchten Kulissen Europas.

Mimmo wird regelmäßig nahe des Markusplatzes gesichtet. Allerdings ist er dort nicht täglich anzutreffen.

Sichtung von Delfinen in Lagunen

In vergangenen Jahrhunderten war die Sichtung von Delfinen in den Binnengewässern und Lagunen der nördlichen Adria keine Seltenheit.

Heutzutage ist der „Delfin von Venedig“ jedoch zu einem Phänomen und Anlass zur Sorge geworden. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, das Verhalten von Menschen zu steuern, die – mangels ausreichender Kenntnisse über die Biologie von Walen und Delfinen, Tierschutz und geltende Verhaltensregeln – versuchen, die Anwesenheit der Tiere zu ihrem eigenen Vergnügen oder Profit auszunutzen.

Wissenschaftliche Studie zu Mimmo

Eine in Frontiers in Ethology veröffentlichte wissenschaftliche Studie fordert gezielte Schutzmaßnahmen für den Delfin.

Mimmo frisst Meeräsche
(Foto: Daniele Barbaro)

Die Autoren analysieren sein Verhalten, dokumentieren die Risiken seines Aufenthalts in einem stark frequentierten urbanen Küstengewässer und plädieren für die konsequente Einhaltung bestehender italienischer und internationaler Schutzbestimmungen. Zudem empfehlen sie die Ausarbeitung eines spezifischen Maßnahmenplans, um die Sicherheit des Tieres zu gewährleisten.

Ungewöhnlicher Langzeitaufenthalt

Große Tümmler sind zwar im Adriatischen Meer heimisch, doch das Vordringen in die Lagune von Venedig ist ungewöhnlich – ein monatelanger Verbleib noch mehr.

Mimmo wurde erstmals im Juni 2025 gesichtet und hält sich seither kontinuierlich in der Lagune auf. Forschende der Universität Padua sowie des Naturhistorischen Museums Venedig überwachen das Tier regelmäßig. Nach aktuellen Einschätzungen befindet sich der Delfin in gutem Ernährungs- und Gesundheitszustand und profitiert von einem reichhaltigen Nahrungsangebot, insbesondere Meeräschen, in den Lagunengewässern.

Verhaltenskodex

Gleichzeitig ist das Risiko hoch. Zur Minimierung von Störungen entwickelte das Forschungsteam einen Verhaltenskodex: Boote sollen einen Mindestabstand von 50 Metern einhalten, keine abrupten Kurs- oder Geschwindigkeitsänderungen vornehmen, nicht rückwärtsfahren und geltende Tempolimits strikt befolgen.

Verletzungen an Finne
(Foto: Luca Ceolotto/Department of Comperative Biomedicine and Food Science/University of Padoa)

Die Öffentlichkeit wird ausdrücklich aufgefordert, sich dem Tier nicht zu nähern, es weder zu berühren noch zu füttern und keine Gegenstände ins Wasser zu werfen.

Erste Verletzungen dokumentiert

Trotz dieser Empfehlungen kam es zu wiederholten Annäherungen durch Boote und Einzelpersonen. Im November wurde der Delfin mit Verletzungen gesichtet, die womöglich von einer Kollision mit einer Schiffsschraube herrühren. Behörden versuchten daraufhin, das Tier aus dem Bereich nahe des Markusplatzes zu vertreiben.

Obwohl diese Intervention zunächst Wirkung zeigte, kehrte der Delfin kurze Zeit später zurück und belegt, die Inneffizienz einer solchen Maßnahme.

Besondere Gefährdung solitär lebender Delfine

Laetitia Nunny, Senior Science Officer bei OceanCare und Expertin für solitär lebende Delfine, begrüßt die Veröffentlichung und Schlussfolgerungen der Studie und betont die besondere Gefährdung sogenannter solitär lebender Individuen: „Solitär lebende Delfine tragen ein erhöhtes Risiko für Schiffskollisionen, da sie über längere Zeiträume die Nähe zu Menschen und Booten suchen oder tolerieren. Zeitgleich mit den ersten Sichtungen in Venedig verstarb in Spanien der langjährig bekannte solitär lebende Delfin ‚Confi‘ infolge einer mutmaßlichen Propellerverletzung. Es ist entscheidend, dass sich ein solcher Verlauf hier nicht wiederholt.“

Mimmo zieht Besucher an.
(Foto: Venice Natural History Museum/Giancarlo Ligabue)

Schutz durch Koexistenz statt Verdrängung

Die Autoren diskutierten zudem mögliche Vertreibungsmaßnahmen, darunter akustische Abschreckungssysteme sowie das Einfangen und Umsiedeln.

Aus ökologischen und ethischen Gründen wurden diese Optionen jedoch verworfen.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die angemessenste Strategie darin besteht, die Präsenz des Delfins zu akzeptieren und konsequent auf Schutz, Aufklärung und verantwortungsvolles Verhalten zu setzen.

Lagune ist nahrungsreich

Der Hauptautor der Studie – Giovanni Bearzi – ordnet die Situation in einen größeren ökologischen Zusammenhang ein: „Der Delfin in der Lagune von Venedig versucht unter anspruchsvollen Bedingungen zu überleben. Die nördliche Adria ist stark überfischt, viele Lebensräume sind erheblich beeinträchtigt. Es überrascht daher nicht, dass ein nahrungsreiches Gebiet wie die Lagune von Venedig einen Delfin anzieht. Entscheidend ist nun, dass wir lernen, mit diesem Wildtier zu koexistieren – mit Umsicht, Respekt und wissenschaftlich fundierten Maßnahmen.“
(Quellen: OceanCare und Frontiers in Ethology )

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