Meeresakrobaten, 19. Januar 2026
Bereits seit über sechs Jahren befinden sie zwei aus Shanghai stammende Belugas (Little White und Little Grey) in einem Innenbecken an der Südküste von Island.
Immer wieder wurde ihre Umsetzung in ein Außengehege verschoben. (Siehe dazu auch Meeresakrobaten-Beiträge unter Lesetipps.)
Schlechte Bewertungen für die Einrichtung
Die Community-Seite Dolphinaria Truth schreibt auf Facebook:
Auf Portalen wie TripAdvisor, Google Reviews und anderen finden sich Bewertungen von Besuchern, die das Beluga Whale Sanctuary in Island als „Scam“ bezeichnen. Der Eintrittspreis wird oft als zu hoch empfunden, da die Anlage sehr klein ist.
Es werden Bootstouren zur Klettsvík-Bucht angeboten, die sich im Rinnstein der am meisten frequentierten Wasserstraße der Region befindet. Kritiker berichten, dass diese Touren oft verkauft werden, ohne klar darauf hinzuweisen, dass sich die Wale zum Zeitpunkt der Tour nicht in der Bucht, sondern im Pool im Hafen aufhalten.
Die Diskrepanz zwischen Werbung (Wale im Meer) und Realität (Wale in einem Betonbecken unterhalb seriöser Standards) führt bei vielen Gästen zu Frustration. Zudem wird von aggressivem Verhalten der Tiere berichtet.
So scheint das Projekt nicht nur für die Belugas, sondern auch für die Besucher ein Desaster zu sein.
Winziges Guckfenster
Ich habe mir selbst ein paar aktuelle Kritiken bei Trip Advisor angesehen. Es sind tatsächlich viele Besucher unzufrieden. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung:
Man kann lesen, dass man für viel Geld (eine vierköpfige Familie zahlte 100 US-Dollar) innerhalb von zehn bis 15 Minuten an kleinen Becken und Aquarien durchgelotst wurde. Little White und Little Grey seien nur durch ein winziges Guckfenster (man nennt es dort hochtrabend „Tierschutz-Beobachtungsfenster“) zu sehen, das sie in einem kleinen, beengten Becken zeigt. Wegen der Reflektionen des Lichts im Gang könne man die Tiere fast nicht sehen, sondern nur das eigene Spiegelbild.
Sea Life Trust reagiert mit Rechtfertigungen auf die schlechten Bewertungen.
Hier ein Beispiel:
„Vielen Dank für Ihren Besuch und Ihr Feedback. Wir wissen Ihre Unterstützung sehr zu schätzen – jede Eintrittskarte hilft uns, die Belugas und Papageientaucher zu versorgen und unsere wichtige Rettungs- und Rehabilitationsarbeit fortzusetzen. Wir verstehen, dass unser Gelände für Besucher, die eine typische Touristenattraktion erwarten, vielleicht etwas klein wirkt. Wir sind jedoch keine Attraktion im eigentlichen Sinne, sondern ein aktives Schutzgebiet und eine Papageientaucher-Rettungsstation, die sich dem Tierschutz verschrieben hat. Viele unserer Besucher, insbesondere Tierliebhaber, verbringen Stunden damit, unsere Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten – bei uns ist also für jeden Gast etwas dabei.“
Eine einzige Enttäuschung
Ein Kritiker beschwert sich, dass das Eintrittsgeld als „Spende“ bezeichnet wird, und merkt an, dass man die Höhe einer Spende eigentlich selbst bestimmen sollte.
Er schreibt außerdem: „Die Atmosphäre erinnerte an einen leeren Saal in einem verlassenen Gebäude. Als wir endlich um die Ecke bogen, sahen wir ein kleines Sichtfenster in das Becken, in dem zwei Belugas in winzigen Bereichen schwammen. Das war aber schwer zu erkennen, da der Sichtbereich so klein war. Weiter ging es zu einem Tisch mit Papier und Stiften zum Malen für Kinder (was man ja überall machen kann). … Insgesamt ist die Insel toll für einen Tagesausflug, der Besuch des Naturschutzgebietes war die einzige Enttäuschung.“
Abzocke
Ein erboster Besucher schreibt: „Ja, das Geld kommt dem ‚Schutzgebiet‘ zugute, aber es wirkt eher wie eine Abzocke, um einen hübschen Souvenirladen zu finanzieren, anstatt das Leben der Wale in ihrer Obhut wirklich zu verbessern.“
Umsetzung wird von Jahr zu Jahr verschoben
Sea Life Trust kündigt bei den Erwiderungen an, dass die beiden Belugas „voraussichtlich“ noch 2026 in die Bucht umgesetzt werden sollen. Bis jetzt wurde dieses Vorhaben eins ums andere Jahr verschoben … Die letzten News auf der Website von Sea Life Trust stammen vom 31. Juli 2025.
(Quellen: Dolphinaria Truth und Trip Advisor)
Lesetipps
* Meeresgehege scheitern an der Praxis
* Wie geht es Little Grey und Little White?
* Belugas erneut in Inneneinrichtung
* Umzug ins Freigehege verschoben
* Neues zu den Belugas in Island
* Die Belugas und das Meeresgehege
* Zur Wiederansiedlung von Delfinen




