Berichte

Whale-Watching auf einem Motorsegler


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Bericht von Daniela Bitzmann, 6. September 2002

Für Delfin- und Walfreunde gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, ihren Lieblingen auf offener See zu begegnen (siehe auch unter Whale-Watching-Möglichkeiten). Daniela Bitzmann fuhr im Sommer 2002 auf einem Motorsegler der italienischen Tierschutzorganisation Tethys mit und hat den MEERESAKROBATEN über ihre Erfahrungen, die sie auf der einwöchigen Exkursion gemacht hat, berichtet.

Die Gemini Lab (Foto: Daniela Bitzmann)

Ankunft in San Remo

Die Gemini Lab – ein 19 m langer Stahl-Motorsegler – liegt im Yachthafen von San Remo vor Anker. Daniela trifft sich dort – nach einer langen Zugreise – am 1. Juli nachmittags um 16 Uhr mit sieben anderen Delfin- und Walfreunden, vier Forschern und der dreiköpfigen Schiffsbesatzung. Die „Mannschaft“ des Schiffes besteht fast nur aus italienischen Frauen und Männern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Neben Daniela, die aus Augsburg angereist ist, befinden sich mit Chris aus Bochum sowie einer jungen Frau aus Großbritannien nur noch zwei weitere „stranieri“ (Ausländer) an Bord. Für die „Nicht-Italiener“ werden alle wichtigen Informationen auf Englisch gegeben.

Nach einem für Italien typischen Abendessen – nämlich einer leckeren Pizza – schauen sich die Whale-Watcher noch ein Feuerwerk an San Remos Himmel an, bevor sie sich – müde von der Anreise – in ihre Zwei- bzw. Dreibett-Kojen zurückziehen.

Hinaus aufs Meer

Um acht Uhr ist Frühstück angesagt. Zwei der Whale-Watcher sind jeweils für einen Tag für das leibliche Wohl aller und für den „Haushalt“ an Bord verantwortlich. Gegen neun Uhr geht es dann los hinaus aufs offene Meer. 1.000 m vor der Küste San Remos liegt eine Unterwasser-Schlucht, bei der sich gerne Pottwale aufhalten. Diese haben sich jedoch am heutigen Dienstag zurückgezogen. Dafür sehen Daniela & Co. kurz einen Finnwal auftauchen und auf der Rückfahrt nach San Remo etwa zehn Streifendelfine, die sich um das Boot tummeln.

Streifendelfine (Foto: Daniela Bitzmann)

Gegen 20 Uhr wird gekocht, nachdem es mittags ein eher spärliches Mahl gegeben hat (Kekse, Obstsalat). Der täglich wechselnde Kochdienst sorgt dabei für genügend Abwechslung. So gibt es in den kommenden Tagen neben Spaghetti- und Pesto-Gerichten auch mal Kartoffelauflauf…

Trübes Wetter, aber gute Stimmung

Am dritten Tag (Mittwoch) des „Wale-Urlaubs“ macht die Besatzung der Gemini Lab keine Sichtungen. Die Beobachter wechseln sich übrigens immer in einem stündlichen Rhythmus ab. Am vierten Tag (Donnerstag) gibt’s zu allem Überfluss noch eine Sturmwarnung. Doch die Gruppe lässt sich trotz schlechter Wetteraussichten nicht verdrießen. Sie fährt mit dem Zug ins Fürstentum Monaco. Dort gibt es zwar keine schwimmenden Wale und Delfine zu sehen, aber im Oceanographischen Museum viele Skelette und Darstellungen der Meeressäuger zu besichtigen.

Am Freitag schippert die Crew der Gemini Lab an der Küste entlang von San Remo aus nach Nizza. Das Wetter ist weiterhin zu schlecht, um aufs Meer hinauszufahren. Dafür gibt’s in Nizza mal so richtig was zum Abtanzen in der Salsa-Disco.

Jede Menge Delfine!

Am vorletzten Urlaubstag ist das Wetter trüb, aber es gibt jede Menge Delfine an der Hafeneinfahrt von Nizza zu beobachten. Sie scheinen die Gemini-Lab-Besatzung für die schlechten Aussichten der vergangenen Tage entschädigen zu wollen. Das Meer ist glatt und die Meeresakrobaten vollführen herrliche Sprünge. Sie bleiben lange in der Nähe des Bootes und begleiten die Delfinfreunde sogar hinaus aufs offene Meer.

Streifendelfin (Foto: Daniela Bitzmann)

Plötzlich wird es spannend!

Die Forscher haben über ein Hydrophon (eine Art Unterwassermikrofon) einen Pottwal ausgemacht und steuern in die Richtung, aus der die Laute kommen. Anhand der Klicklaute, die ein Pottwal ausstößt und die von einem Computer an Bord des Schiffes aufgezeichnet werden, finden die Meeresbiologen schnell heraus, wo sich Moby Dick gerade befindet. Da ist er endlich! Alle zücken die Filmkameras und Fotoapparate, um den Koloss abzulichten. Zwischen dem Ab- und Auftauchen lässt sich Moby Dick immer jeweils 1/2 bis eine 3/4 Stunde Zeit. Man muss also Geduld aufbringen, um eine perfekte Aufnahme zu bekommen. Nach viemaligem Auftauchen verschwindet der Wal wieder.

Am letzten Tag, dem Tag der Abreise, sind alle gerne bereit, noch früher als sonst aufzustehen, um Moby Dick einen letzten Besuch abzustatten. Und tatsächlich: Er zeigt sich seinen Besuchern ein zweites Mal in voller Größe!

Viele Erlebnisse und Informationen im Rückreisegepäck

Auch wenn das Wetter nicht immer gute Sichtungen erlaubt hat, haben Daniela und die anderen sieben Whale-Watcher in dieser Woche viel erlebt und erfahren. Die Forscher an Bord haben ihre Gäste u.a. ausführlich anhand von Filmmaterial und Dias über das Aussehen und die Gewohnheiten der im Ligurischen Meer vorkommenden Meeressäuger informiert.

Pottwal (Foto: Daniela Bitzmann)

Die Tethys-Mitarbeiter erklärten auch, wie sie mithilfe von Fotos einzelne Individuen wiedererkennen können und wie sie auf diese Weise herausgefunden haben, dass die sich in der Riviera aufhaltenden Pottwale wohl eine heimische Population darstellen, die entgegen der sonstigen Gewohnheiten dieser Spezies nicht in andere Regionen abwandert, sondern standorttreu ist.

Um auch bei den Streifendelfinen und Rundkopfdelfinen herauszufinden, ob es sich um auf das Ligurische Meer spezialisierte Arten handelt oder nicht, werden einzelnen Exemplaren mithilfe einer Art Harpune Hautteile entnommen und diese auf die genetische Herkunft untersucht. Einige Grind- und Schnabelwale werden mit kleinen Sendern ausgestattet, die sich nach kurzer Zeit vom Walkörper lösen und wie eine Art Boje auf dem Wasser dümpeln. Die Sender haben Informationen über die Tauchtiefe und die Strecke, die die Wale zurücklegen, gespeichert.

Der Abend stand der Gruppe immer zur freien Verfügung, so dass neben dem wissenschaftlichen Arbeiten das Vergnügen nicht zu kurz kam…

Weitere Informationen zu von Biologen begleiteten Whale-Watch-Exkursionen im Ligurischen Meer bekommst du über die Organisation Tethys.

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