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Walfang und Walbeobachtung auf den Färöer Inseln


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Meeresakrobaten, 6. August 2013

Die beiden Delfin-Schützer Sasha Abdolmajid und Hans Peter Roth haben im Sommer 2012 und im Juni 2013 die Färöer Inseln besucht. Beide Male waren sie erstaunt über die große Gastfreundschaft der Insel-Einwohner.

Susanne Gugeler

Grindwale sind in Teneriffa die Attraktion (Foto: Susanne Gugeler)

Obwohl bekannt ist, dass beide Männer strikt gegen den Delfin- und Walfang sind, wurden sie ausgerechnet im Haus eines Walfängers herzlich willkommen geheißen.

Unterschiedliche Fangquoten

Sasha und Hans Peter lernten sowohl Befürworter als auch Gegner des alljährlich stattfindenden „Grinds“ auf den Färöer Inseln kennen.

„Grind“ nennt man die Jagd auf Grindwale; diese wird schon seit vielen Jahrzehnten praktiziert (siehe dazu auch den MEERESAKROBATEN-Beitrag Globi lebt gefährlich).

Sieht man sich die Fangzahlen zwischen 1991 und 2011 an, so fällt die Fangquote jedes Jahr anders aus. Wurden 1992 beispielsweise 1.572 Grindwale getötet, so fiel 2008 kein einziges Tier den Jägern zum Opfer (Quelle: ASCOBANS).

Vom Befürworter zum Gegner

Hanna, eine 28-jährige Einwohnerin der Färöer Inseln, erzählte Sasha und Hans Peter, warum sie gegen den Walfang sei. Am 19. Juli 2010 wurde sie Zeugin einer sehr grausamen Jagd auf der Insel Borðoy. In der Stadt Klaksvík wurden damals 228 Grindwale angelandet, obwohl der Platz nur für 100 Tiere ausreichte. Was dann geschah, lief äußerst chaotisch ab.

Getötete Grindwale auf den Färöer Inseln (Foto: Project Blue Sea)

Getötete Grindwale auf den Färöer Inseln (Foto: Project Blue Sea)

Die Tiere mussten sehr lange leiden, bevor der Tod eintrat, die Jäger waren offenbar total überfordert mit der großen Anzahl an Grindwalen. Selbst die Färinger Gemeinde kritisierte das unprofessionelle Vorgehen der Schlächter.

Außer Hanna waren vor drei Jahren auch andere Beobachter schockiert von der Art und Weise, wie mit den Tieren umgegangen wurde. Walfang-Befürworter wurden schnell zu Walfang-Gegnern.

Es gab jedoch auch andere unerwünschte Vorfälle in den 22 für den Walfang freigegebenen Buchten. So wurden gesetzlich geschützte Delfinarten – wie Orcas oder Rundkopfdelfine – getötet. Allerdings hat sich die einzige Jagd auf Orcas von 1978 nie wiederholt.

In mindestens einem Fall wurden 62 Grindwale draußen auf dem Meer entsorgt. Ihr Fleisch war verdorben, weil die Innereien nicht entnommen worden waren. Dies geschah am 10. November 2010 in Víðvík.

Orcas werden respektiert

Wie Sasha und Hans Peter während ihres Aufenthalts auf den Färöer Inseln erfahren haben, bedeuten die ortsansässigen Orcas (Schwertwale) – im Gegensatz zu den Grindwalen – den Einwohnern der Inseln sehr viel. Besonders gefällt den Insulanern die Jagdtechnik der Orcas. So wurde im Süden der Inseln wiederholt beobachtet, dass die Schwertwale vor Felsen regelrecht in Lauerstellung gehen und sich im geeigneten Moment eine Eiderente schnappen. Aus diesem Grund werden die Orcas dort auch Eider-Wale genannt. Bis jetzt kannte man diese Fangtechnik der Orcas nur von ihrer Jagd auf Robben.

Die Orcas schwimmen in Küstennähe/Vancouer Island (Foto: Susanne Gugeler)

In Küstennähe schwimmende Orcas/Vancouer Island (Foto: Susanne Gugeler)

Auf den Färöer Inseln gibt es nicht nur den Grindwalfang, sondern auch eine Vereinigung, die Wale und Delfine beobachtet. Sie nennt sich Faroe Islands Whale Watch. Der Sitz dieser Walbeobachter ist in der Hauptstadt Tórshavn. Die Hauptaufgabe der Mitglieder dieser Organisation besteht darin, Orcas anhand der Foto-Identifikation wiederzuerkennen und zu erforschen.

Orcas werden von den Färingern als intelligente Wale respektiert. Wohlgemerkt, Orcas sind die nächsten Verwandten der Grindwale, auf die Jagd gemacht wird …

Auch der Walfang-Befürworter Kristian schwärmt von den Orcas. Offenbar war ihm jedoch nicht bekannt, dass sie zu den engsten Verwandten der Grindwale gehören. Er ließ sich das aber gerne von den beiden Delfinschützern erklären.

Walfleisch wird von den Jungen immer seltener gegessen

Im Sommer wird auf den Färöer Inseln gerne gefeiert. Und da darf getrocknetes Grindwalfleisch nicht fehlen, erzählt Sasha Abdolmajid. Doch jüngere Einwohner essen immer seltener diese bei den Älteren als Delikatesse geltende Speise.

Unter den rund 48.000 Einwohnern der Inseln hat sich außerdem herumgesprochen, dass das Fleisch mit Quecksilber und anderen Umweltgiften kontaminiert ist. Vor allem Schwangere und Kinder werden vor einem allzu häufigen Verzehr gewarnt. Selbst der Gesundheitsminister hat eine Warnung vor dem Verzehr des Fleisches ausgesprochen. Seit 1977 wurde ein stetiges Ansteigen der Kontamination des Fleisches beobachtet.

Susanne Gugeler

Grindwal (Foto: Susanne Gugeler)

Dr. Pál Weihe (Chief Physician of the Faroese Department of Occupational Medicine and Public Health) sieht die Bedrohung zwar nicht als eklatant an, doch er bestätigte im Juni 2013 in einem Interview mit Hans Peter Roth, dass bei Kindern, die viel Walfleisch gegessen hatten, Veränderungen im Gehirn festgestellt worden waren. Die Reaktionszeit kann durch einen zu hohen Quecksilber-Gehalt beeinträchtigt werden, ebenfalls die Sprache und das Erinnerungsvermögen.

18 Inseln öffnen sich dem Öko-Tourismus

Doch nicht nur die Einstellung der Färinger zum Grindwalfang ändert sich, sondern die 18 Inseln, auf denen man – egal wo man sich befindet – nie mehr als drei Meilen vom Meer entfernt ist, öffnen sich auch immer mehr dem Öko-Tourismus. Die wunderschöne Landschaft und die reiche Fauna ziehen viele Touristen an.

(Anmerkung MEERESAKROBATEN: Auch Kreuzfahrtschiffe steuern die Inseln für einen Landgang an.)

Die Touristen werden von den gastfreundlichen Einwohnern herzlich willkommen geheißen. Für Hans Peter und Sasha sind die Färinger jedenfalls die gastfreundlichsten Menschen, die sie je kennengelernt haben.

Freundschaft als Schlüssel zum Erfolg

Kristian ist zwar kein Walfänger, aber er ist nicht abgeneigt, hin und wieder einen Bissen des Fleisches zu verzehren. Was er aber gar nicht mag, sind ausländische Delfinschützer, die mit dem Finger auf die Einwohner der Inseln zeigen und sie wegen ihres „Grinds“ verurteilen.

„Der Schlüssel zum Erfolg ist die Freundschaft“, mahnt Roth erneut – wie schon in seinem Beitrag von 2011. Er zitiert gerne die kanadische Buchautorin Leah Lemieux, die einmal sagte: „Wenn du möchtest, dass sich die Färinger mit den Walen anfreunden, so werde du zuerst zum Freund der Färöer Einwohner.“

Grindwal-Baby (Foto: Sanremo Navigazione)

Grindwal-Baby (Foto: Sanremo Navigazione)

„Die Offenheit der Färinger gilt es auszubauen“, meint auch Sasha. „Wer die Inselbewohner verurteilt, verlängert unter Umständen nur den Grindwalfang. Denn dann bewegen sich die Menschen in ihrem Fortschritt, den sie bisher gemacht haben, nicht weiter.“
(Quelle: Faroese are listening about the grindadráp say dolphin advocates)

Ab 2015 werden Fang-Zertifikate verlangt

Wie die MEERESAKROBATEN am 1. August bereits berichtet haben, werden ab dem 1. Mai 2015 Zertifikate für Walfänger ausgegeben. Nur wer in einer Prüfung beweist, dass er sich mit der professionellen Tötung von Grindwalen und der Gesetzgebung zu diesem Thema auskennt, darf Jagd auf die zu den Delfinen zählenden Wale machen.

Die Einführung eines ähnlichen Zertifikats in Neufundland hatte in den 1960er-Jahren dazu geführt, dass die Jagd auf Wale freiwillig beendet wurde. Die Hoffnung, dass die Färöer Inseln in absehbarer Zukunft zu einem walfangfreien, dafür bei Touristen äußerst beliebten Reiseland werden, steigt …

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