Berichte

Die Großen Tümmler im Loro Parque


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Gastbeitrag von Philipp J. Kroiß, 22. November 2015

Um einen Bericht für die MEERESAKROBATEN zu erstellen, bekam ich die Gelegenheit, mir das Delfinarium im Loro Parque (Puerto de la Cruz, Teneriffa, Kanaren, Spanien) anzuschauen, wo ich mir einen Eindruck über die Haltung verschaffen konnte.

Delfinarium im Loro Parque (Foto: Philipp Kroiß)

Delfinarium im Loro Parque
(Foto: Philipp J. Kroiß)

Den Loro Parque habe ich bei den Recherchen zu jedem Zeitpunkt sehr offen erlebt und so konnte ich viele interessante Dinge erfragen, die ich euch nun natürlich nicht vorenthalten möchte.

Beginn der Delfinhaltung

Alles im Loro Parque begann mit sechs Großen Tümmlern aus den USA, die der Park 1983 erwarb und wovon heute noch vier in der Präsentation zu sehen sind (Paco, Ruffles, Pacina und Sanibel).

Zwei Tiere sind leider gestorben: Baron verstarb an einer Lungenentzündung (eine Krankheit, die auch in der Wildbahn nicht selten ist und viele Delfinleben fordert) und Crystal an einem ins Becken geworfenen Ball, den sie zerkaute und herunterschluckte.

Letzteres kann man heute ausschließen, weil die Tiere zuverlässig jeden Fremdkörper im Becken zu den Trainern bringen, um ihn gegen Fisch zu tauschen, und alles, was willentlich ins Becken gelangt (Spielzeug etwa), wird ohnehin vorher bestens kontrolliert.

Zucht läuft hervorragend

Mit den oben erwähnten Tieren lief die Zucht ganz hervorragend. Es gab sechs Lebendgeburten bisher im Loro Parque. Fünf dieser Tiere kann man heute noch im Loro Parque bewundern: Luna, Clara, César, Joan und Ilse.

Trainer mit Delfin (Foto: Philipp J. Kroiß)

Trainer mit Delfin
(Foto: Philipp J. Kroiß)

Einzig Taina verstarb im Alter von 22 Jahren an einer Eierstockentzündung (auch eine Krankheit, die Delfine in der Wildbahn trifft). Mit ihren 22 Jahren übertraf sie das Alter der meisten ihrer Artgenossen in der Wildbahn.

Die mediane Lebenserwartung von Großen Tümmlern in der Wildbahn (Sarasota Bay) liegt bei ca. 17 Jahren, bzw. an der Küste Texas nur bei 10,9 Jahren und am Mississipi Sound gar nur bei 8,6 Jahren (Willis, 2011).

Kontrolliert wird die Zucht durch kurzzeitige Aufteilung von Gruppen. Ganz wunderbar kann man mit einer Haltung von drei Männchen und sechs Weibchen die Fission-Fusion-Societys von Delfinen nachbilden und so auch bei Aufteilung für eine der Natur entsprechende Gruppenzusammensetzung sorgen.

Bei der Zucht ist natürlich darauf zu achten, dass der Genpool facettenreich bleibt und Tiere nicht überrepräsentiert werden.

Für einen Zuchtbuchkoordinator liefert hier der Loro Parque hervorragende Voraussetzungen: An der Zucht ist hier nicht nur ein Männchen beteiligt, sondern es gab von Anfang an immer zwei Männchen, auf die sich je ein Zuchtstamm im Park gründete: Baron und Paco. Dadurch, dass die immer mit jeweils anderen Weibchen zusammenkamen, entstanden im Loro Parque zwei genetisch voneinander unabhängige Zuchtlinien, die sich erst 2005 mit Joan kreuzten – die bisher einzige Überschneidung: seine Mutter Clara war die Tochter von Paco und sie traf auf Baron.

Drei, die sich verstehen. (Foto: Philipp Kroiß)

Drei, die sich verstehen.
(Foto: Philipp J. Kroiß)

Reicher Genpool

Der Loro Parque ist hier ein Musterbeispiel dafür, wie man über Jahre einen reichen Genpool behält, ohne dass Transporte notwendig wären.

Durch die Anzahl an Weibchen ist zudem für die Zukunft ein idealer Ort für weitere nachhaltige Zucht geschaffen. Das verbessert sich natürlich nochmal, wenn ein fremdes Männchen nach Puerto de la Cruz käme.

Shows dienen dem Naturschutz

Es gibt im Loro Parque keine Tierpräsentation, in welcher nicht auf die Bedrohung der Tiere unseres Planeten aufmerksam gemacht wird.

Zum Schutz eben dieser wurde die Loro Parque Fundación gegründet, deren Schwerpunkt Papageien und Meeressäuger sind. Die Stiftung ist weltweit aktiv – sogar in Deutschland, wo sie das Schweinswalprojekt maßgeblich unterstützt.

Während der Show ist es dann das Ziel, die Besucher emotional zu erreichen. Es geht dabei darum, die Tiere positiv zu verankern, denn der Mensch schützt nur, was er kennt und wozu er eine emotionale Bindung hat. Wir sehen es bei Haien, die in der öffentlichen Meinung nicht positiv verknüpft sind (was der Loro Parque ebenfalls zu verändern versucht), und kaum jemand interessiert sich für den Schutz der Tiere.

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2 Kommentare

  1. Was die Freiwilligkeit bei der Teilnahme an den „Shows“ angeht:

    Die Anlage in LoroParque ist so gebaut, dass die Delfine aus ihren (für Besucher normalerweise nicht zugänglichen*) Ruhebecken aktiv durch einen Tunnel (mit Luft über dem Wasserspiegel) unter der Tribüne in das Showbecken schwimmen müssen, um an der Präsentation teilzunehmen. Tun sie das nicht, werden sie auch nicht weiter behelligt.

    Das führt dazu dass die Zahl der teilnehmenden Tiere sichtbar schwankt (3 – 7) je nach Wetter, Lust und Laune. Ebenso ist es nicht ungewöhnlich, dass während der Vorstellung noch ein Delfin dazu kommt, oder die Präsentation vorzeitig verlässt.

    Hier noch von irgendeinem Zwang zu sprechen, ist schon reichlich weit hergeholt. – Obwohl: Die Delfintrainer stehen da schon ganz schön unter Druck, ihre Stars jedes mal aufs neue zu motivieren. ;-)

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    * wird nur bei den geführten „Behind the scenes“-Touren gezeigt

    geschrieben von Norbert
  2. Danke für diesen interessanten Artikel! Besonders pfiffig finde ich die Idee, den Delfinen beizubringen, Fremdkörper im Delfinarium zu suchen und bei den Tierpflegern gege Fische einzutauschen. Das reduziert die Gefahr, dass versehentlich was verschluckt wird und gleichzeitig räumen die Tümmler damit selbst ihre „Wohnung“ auf.
    Spannend auch die Sache mit den Glückshormonen, die bei den Tieren nachgewiesen wurden, wenn sie mit den Trainern spielen. Für mich ein Beweis dafür, dass die Tiere – wenn man es richtig macht – die Trainingseinheiten nicht als „Zwang“ oder „Stress“ empfinden, sondern richtig Spaß dran haben.

    geschrieben von Oliver

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