Berichte

Delfinariengegner und Meeresgehege


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Ausgebeutete Fischgründe

Futterfisch (Foto: Susanne Gugeler)

Die Fischgründe der Insel werden ausgebeutet und überfischt. Wie will man dies also rein praktisch bewerkstelligen, ohne das angegriffene Ökosystem weiter zu belasten? Es geht schlicht nicht.

Auch die angebliche Kooperation mit einem Aquakultur-Farmer von der Nachbarinsel kann den Bedarf wohl kaum decken bei dem täglichen Fischbedarf eines „ordentlichen“ Delfinbestandes.

Zudem ist es bei der Lieferung von lebendem Fisch unwahrscheinlich, dass diese günstig und tierschutzgerecht durchgeführt werden kann.

Eine dauerhafte Versorgung mit Lebendfisch ist rechtlich zudem nur für Auswilderungskandidaten möglich – und das sind die Delfine aus den Delfinarien ja gerade nicht.

Hungrige Delfine kann man nicht trainieren

Zudem: In modernen Zoos betteln die Tiere nicht oder müssen die „Tricks“ für Futter vollführen. Das bekommen sie auch ohne irgendwelche Tricks zu machen, was die Tiere auch wissen.

Hungrig sind Delfine ohnehin nicht zu trainieren. Jeder Delfin bekommt jeden Tag so viel Fisch, wie er in Abhängigkeit von seiner körperlichen Verfassung und dem Nährstoffgehalt des Fisches benötigt – egal, ob er beim Training mitmacht oder nicht.

„Be an educational facility that allows research without human interaction. At the edge of a bay on Lipsi Island in the eastern Aegean our research base sits, prepared to house the offices, simple living accommodations, and veterinary clinic.“

Delfine in der Nürnberger Lagune
(Foto: Rüdiger Hengl)

Forschung ohne menschliche Interaktion kann man im Freiland bestens machen. In Menschenobhut, egal ob in einem Refugium oder einem Delfinarium, kann man nur Forschung in der Erkenntnis betreiben, dass diese Tiere in einer Gehegehaltung leben, und somit von der Interaktion mit dem Menschen abhängig sind. Die Forschung in einer betreuten Meeresbucht ist somit auch nicht wertvoller als die in einem Delfinarium.

Die Idee einer Haltung ohne menschliche Interaktion ist, wie bereits oben erwähnt, schlicht nicht möglich, wenn man die Tiere medizinisch ordentlich versorgen will.

Die Fischbestände und Jagdfähigkeiten der Tiere reichen zudem nicht aus, um sich in dieser Bucht selbst zu ernähren und entsprechend werden die Tiere durch das Füttern weiterhin an den Menschen gewöhnt bleiben.

Partner ist ein „alter Bekannter“

Ric O’Barry ist Archipelagos-Partner. Das ist derselbe Ric O’Barry, der für die „Auswilderung“ der Sugarloaf Dolphins aufgrund von unverantwortlichem, nicht tiergerechtem und nicht artgemäßem Vorgehen rechtskräftig verurteilt wurde.

Es ist juristisch einwandfrei geklärt, dass er so ein Projekt zum Schaden der Delfine in den Sand setzte.

Wer musste sich dann wieder um die geschädigten Tiere kümmern? Delfinarien wie das Dolphin Research Center. Man kann es leider nicht schöner und dann noch wahrheitsgetreuer ausdrücken.

Delfin in Nürnberg (Foto: Susanne Gugeler)

Kenntnisse aus den 1960er-Jahren

Man kann O’Barry ja fast nicht mal vorwerfen, dass er eine zeitgemäße Haltung nicht managen kann, denn er war zu einer Zeit Delfintrainer, die mit der heutigen, modernen und wissenschaftlich geführten Delfinhaltung nichts zu tun hat.

Seine „Kenntnisse“ stammen aus den 1960er-Jahren und er konnte sie nie praktisch auffrischen, weil er eben aufgrund dieser Verurteilung auch nie einen Job in einem wissenschaftlich geführten Zoo bekommen würde.

Man muss sich nur selber fragen: Würde man sein eigenes Tier einem Veterinärmediziner oder Halter, der seit den 1960er-Jahren kein berufliches Update bekam und bereits wegen nicht tiergerechtem Umgang mit den Tieren rechtskräftig verurteilt wurde, sein geliebtes Tier anvertrauen?

Ein Zoo, der seine Tiere an einen solchen Halter gibt, sollte sicherlich aus der Gemeinschaft der wissenschaftlich geführten und modernen Zoos ausgeschlossen werden, da er mit einem solchen Transfer jede Grundfeste dieser Zootierhaltung über Bord geworfen hat.

Da er nominell Besitzer der Tiere bleibt, weil ein Verkauf ja nicht möglich ist, muss er zudem fürchten, jede seriöse Akkreditierung zu verlieren – und das zu Recht.

Orca (Foto: Rüdiger Hengl)

Bekannt und oft gescheitert

Dieses Projekt-Konzept ist gut bekannt. Immer wieder erscheinen solche Projekte auf der Bildfläche und verschwinden dann wieder. (Anmerkung Meeresakrobaten: siehe das geplante Sanctuary von Marokko, das nach x Jahren Planungszeit letztendlich gescheitert ist.)

Wenn man schon etwas länger „dabei“ ist, hat man auch schon einige von denen erlebt. Diese Projekte gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Sie sind eben von fanatischen Delfinarienhassern gemacht, die dann entweder an der Finanzierung oder den Gesetzen oder an beidem scheitern.

Delfinhaltung ist zwar ein „Millionengeschäft“, aber eben nur im Umsatz und keineswegs im Gewinn.

Erstmal braucht es ein enormes working capital und dann ist sie im Unterhalt so teuer, wie es offenbar nur wenige realistisch ermessen können.

Einen Orca, Keiko, nur über ein paar Jahre erst mal in eine ähnliche Haltung zu bringen und dann diese Haltung zu managen, hat einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet und dies zudem bekanntlich mit einem für das Tier sehr traurigen Ausgang.

Wir sprechen hier aber nicht von der Haltung nur eines Orcas, sondern gleich einer ganzen Gruppe von Delfinen und zudem noch von den Aufgaben eines Rettungszentrums – und das bedeutet viel mehr Workload und Personalbedarf.

Foto: Rüdiger Hengl

Millionengrab

Woher sollen die Investitionen für ein solches Millionengrab kommen? Welche Investoren (und man braucht einige davon) pumpen jährlich mehrere Millionen in ein Projekt, das sich niemals rechnen wird und in seiner jetzigen Form schlicht weder durchführbar, noch legal ist? Wer macht das über mehr als 20 bis 30 Jahre (also ein Delfinleben in europäischen Delfinarien) mit? Wer finanziert die nächste Generation?

Es ist ja nicht so, als habe man eine nicht-kommerzielle Haltung der Tiere nicht schon probiert – etwa durch Universitäten zur Edukation und Forschung. Alle sind am Geld gescheitert, wenn sie nicht vorher wegen teils unzumutbarer Haltung geschlossen wurden, weil sie eine artgemäße Haltung auf Dauer nicht leisten konnten.

Fazit

Durchführbar wäre das Projekt nur mit einer unverantwortlichen Schädigung von Ökosystemen, dem Über-Bord-Werfen von Tierschutz-Standards und letztlich dem Verstoß gegen Natur- und Artenschutzrichtlinien – oder aber ein solches Projekt wird wie ein europäisches Dolphin Research Center, das mit Delfinarien kooperiert, am Zuchtprogramm teilnimmt und somit funktioniert wie jedes andere Delfinarium des EAZA auch.

Dann ist es aber eben nicht mehr das, was es vorgibt zu sein, sondern genau das, was Delfinariengegner ja ablehnen. Allerdings wäre es dann wenigstens legal und mit dem Natur-, Arten- und Tierschutz konform.

Lesestoff zum Thema

* Sanctuaries – eine große Tierschutzlüge
* Projekt „Delfin-Auffangstation“ ist endgültig gescheitert

2 Kommentare

  1. Man hätte es kaum präziser und treffender ausformulieren können, mit welch falschen (bzw. inkompetenten) und teilweise auch verlogenen Argumenten die sogenannten „Tierschutz-Organisationen“ auf Spendenfang gehen.

    Auch kann ich mir kaum vorstellen, dass ein solches Projekt finanziell überlebensfähig wäre. Die immer wieder beschworenen „Millionen-Umsätze“ eines ordentlich geführten Delfinariums landen nämlich zu mindestens 95% im Unterhalt der Anlagen und den Gehältern des Personals.Und das setzt bereits eine optimale Vermarktung voraus!

    Wer ordentlich Kohle machen will, darf sich sowas nicht ans Bein binden und sollte besser beim Spendensammeln für „Zukunftsprojekte“ bleiben, die nie verwirklicht werden. – Aber das haben diese Organisationen ja offensichtlich bereits bestens verstanden.

    geschrieben von Norbert
  2. Ein herausragender Bericht von Philipp Kroiß, der aufzeigt, dass diejenigen, die solche „Sanctuaries“ vorhaben zu bauen, ahnungslos sind und Tierschutz-Gesetze wohl nie gelesen haben.Sie leben in einem realitätsfernen Esotherik-Raum. Wie Sie dorthin gelangten mag ich hier nicht weiter ausführen.

    geschrieben von Rüdiger

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