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Vaquita: Wie geht es weiter?


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Meeresakrobaten, 12. November 2017

Zwei Vaquitas
(Foto: Wikipedia/NOAA)

Das Schicksal des kleinen Vaquitas (Kalifornischen Schweinswals) scheint besiegelt …

Misserfolge

Nachdem das Einfangen zweier Tiere letztendlich gescheitert ist (ein Schweinswal musste aufgrund seines jungen Alters wieder freigelassen werden, ein anderer starb, als er wieder freigelassen werden sollte), bleibt nur noch zu hoffen, dass die mexikanische Regierung der illegalen Fischerei im Golf von Kalifornien ein für alle Mal den Riegel vorschiebt und die Wilderer rigoros bestraft.

Denn in den Netzen verheddern sich neben dem beliebten Speisefisch Totoaba auch die Kalifornischen Schweinswale, von denen es mittlerweile vermutlich nur etwas mehr als zwei Dutzend Tiere gibt.

Aber nicht alleine die illegale Fischerei bringt den kleinen Meeressäuger zum Aussterben, sondern auch sogenannte Geisternetze, die als herrenlose Todesfallen im Meer treiben.

Der ursprüngliche Plan

Nachdem ein am 4. November 2017 eingefangenes Vaquita-Weibchen die Fang- und Freilassungsprozedur nicht überlebt hat, haben die in das Projekt „Rettet die letzten Vaquitas“ eingebundenen Wissenschaftler beschlossen, kein Tier mehr zu fangen bzw. die Fangaktionen vorerst auszusetzen.

Der Plan war ursprünglich der, dass etwa zwölf Schweinswale eingefangen und in einem betreuten Meeresgehege untergebracht werden sollten, wo auch ihre Fortpflanzung möglich gewesen wäre. Sobald sich die Lebensbedingungen für den Schweinswal gebessert haben, wären sie wieder in ihren Lebensraum entlassen worden.

Weiteres Vorgehen

Die Tiere werden weiterhin beobachtet und fotografiert, damit die Wissenschaftler sich ein Bild über ihren Bestand machen können. Als weitere Rettungsmaßname gilt das Entfernen von sogenannten Geisternetzen.

Alle arbeiten zusammen

Dem WWF ist es gelungen, gemeinsam mit Fischern aus San Felipe und anderen NGOs im Verbreitungsgebiet der bedrohten Vaquitas mehr als zehn Tonnen Netze zu bergen. (Im Video oben ist übrigens noch von 60 Vaquitas die Rede, diese Zahl wurde inzwischen erheblich nach unten korrigiert.)

Die Tierschutzorganisation teilt dazu mit: „Die oft illegal aufgestellten Stellnetze sind für die Tiere eine tödliche Gefahr. Die Wale verfangen sich in den Netzen und ersticken jämmerlich. Ein sinnloser Tod.

Eigentlich haben es die Piratenfischer auf den Totoaba-Fisch abgesehen. Dessen getrocknete Schwimmblase bringt auf dem asiatischen Markt Rekordsummen.

Viele Netze wurden eingeholt

Die Expedition der Walretter entdeckte in nur drei Wochen 136 Fangvorrichtungen, die oft achtlos zurückgelassen worden waren, für die Tiere aber weiter eine große Gefahr darstellen.

Mehr als 100 dieser Netze, Reusen, Angeln und Langleinen zum Totoaba-Fang konnte man abräumen. Darunter waren auch 36 Stellnetze für Totoaba, die für die Vaquitas eine besondere Bedrohung darstellten. 28 dieser Netze waren noch in Gebrauch. Weiterhin 36 illegale Stellnetze zum Fang von Shrimps.“

Fischernetz (Foto: Rüdiger Hengl)

Zahlreiche verendete Meeresbewohner

Der WWF weiter: „Insgesamt zogen die Helfer Netze mit einem Gesamtgewicht von mehr als zehn Tonnen aus dem Meer und befreiten mehrere Meeresschildkröten, Krustentiere und Fische. Leider fanden sie auch zahlreiche verendete Meeresbewohner, darunter drei Schildkröten, Rochen und tausende andere Fische.

Die Aktion war nur durch die großzügige Hilfe aus Deutschland und das ehrenamtliche Engagement der Menschen vor Ort möglich.“

„Die Aktion war super erfolgreich, sie zeigt aber zugleich, dass wir nicht nachlassen dürfen. Im Golf von Mexico lauern noch zahlreiche Netze, die das Überleben der kleinen Vaquitas infrage stellen“, betont WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter.

Bleibt zu hoffen, dass weitere Todesfallen abgeräumt werden können. Die Walretter stießen bei ihrer Ausfahrt übrigens nicht nur auf Netze, sondern bekamen tatsächlich auch Vaquitas zu Gesicht – ein mehr als seltener Anblick!

Auch die mexikanische Regierung bemüht sich weiter

Die mexikanische Regierung hat bereits angekündigt, dass sie sich weiterhin für die Bemühungen einsetzt, den Vaquita vor dem Aussterben zu bewahren.

Mexikos Umweltminister Rafael Pacchiano twitterte: „Wir haben mehrere Gruppen von Vaquitas gesichtet, Mütter mit ihren Kindern, was ein gutes Zeichen ist. Die Erhaltung der Vaquita wird eine Priorität bleiben und wir werden weiter daran arbeiten, sie zu schützen.“

Tierschützer geben nicht auf

Trotz der oben genannten Rückschläge sind die Tierschützer entschlossen, nicht aufzugeben. Die Rettungsmission hat ein erneutes Interesse an der Notlage der Vaquitas geschaffen und die schwer fassbaren Tiere wieder ins Blickfeld der Medien gerückt. Sie wollen die neue Dynamik nutzen, um mit ihrer Mission voranzukommen und das Aussterben der Vaquitas zu verhindern.

Hinweisschild im Nürnberger Tiergarten
(Foto: Susanne Gugeler)

Großes Engagement des Nürnberger Tiergartens

Hier ist auch der Nürnberger Tiergarten zu nennen, der mit einer großen Aktion um die Aufmerksamkeit für die Vaquitas wirbt.

Neben vielen Plakaten und Hinweistafeln, die rund um die Delfin-Lagune aufgestellt sind, wird auch während der Vorführungen mit den Großen Tümmlern über die Bedrohung des Kalifornischen Schweinswals informiert.

Dies zeigt einmal mehr, wie sinnvoll Delfine als Botschafter für ihre Verwandten eingesetzt werden können.

Wie geht der Kampf weiter?

Insbesondere die Beseitigung von verlassenen und aufgegebenen Fanggeräten und die Durchsetzung des nun endgültigen Kiemennetzverbots sowie die Bekämpfung von Wilderern werden Priorität haben müssen.

Die gesamte Region am Golf von Kalifornien ist auch von sozioökonomischen Problemen betroffen, mit denen sich die mexikanische Regierung befassen muss. Die Situation des Vaquitas hinterlässt nicht mehr den kleinsten Spielraum für Fehler.

Bei den vielen Aktionen rund um den Panda des Meeres (wie der Vaquita wegen seiner schwarzen Gesichtszeichnung auch genannt wird) darf jedoch Folgendes nicht vergessen werden: Jedes Jahr sterben weltweit 300.000 Schweinswale und Delfine in Fichernetzen …
(Quellen: wwf, Vaquita porpoise capture operations end on Sea of Cortez, porpoise.org)

Info-Tafel im Nürnberger Tiergarten
(Foto: Susanne Gugeler)

Anschuldigungen statt Hilfe

Wenig hilfreich im Bemühen um die Rettung der Vaquitas zeigt sich aus meiner Sicht Jürgen Ortmüller von der Ein-Mann-Organisation WDSF (Wal- und Delfinschutz-Forum/Hagen).

Er bezichtigt in einer Pressemitteilung den Nürnberger Tiergarten des „Greenwashings“. Die finanzielle Unterstützung des Vaqutia-Rettungsprogramms wäre nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver von einigen neugeborenen Delfinen, die vor etlichen Jahren verstorben seien.

„Geht’s noch …“

… war mein erster Gedanke, als ich die Pressemitteilung von Ortmüller gelesen habe. Statt sich selbst effektiv um bedrohte Wal- und Delfinarten zu kümmern, schießt er bei jeder Gelegenheit und jedem fadenscheinigen Anlass mit verbalen Giftpfeilen in Richtung Nürnberg oder Duisburg.

Dort leben insgesamt 15 Delfine, die eine Rundumbetreuung genießen, denen es weder an Nahrung noch an sauberem Wasser noch an medizinischer Versorgung mangelt.

Statt Delfine zu schützen, will Ortmüller den Großen Tümmlern in Nürnberg und Duisburg offenbar an den Kragen, denn er fordert, dass die beiden Einrichtungen geschlossen werden sollen. Wünschenswert wäre, wenn er doch endlich seinen Enthusiasmus für die Tiere aktivieren würde, die Schutzmaßnahmen tatsächlich bitter nötig haben …

Lesetipps zum Thema

* Ein Requiem für den Schweinswal
* Ein junger Vaquita wurde wieder freigelassen
* Zum Vaquita-Tag am 8. Juli 2017
* Letzte Chance für den Vaquita?

2 Kommentare

  1. Ich hatte nicht erwartet, dass es SO viele Geisternetze sind.

    Ich denke, da helfen nur drakonische Strafen, wenn man jemanden erwischt, der Stellnetze aufbaut oder diese unsachgemäß entsorgt. Beispielsweise die Beschlagnahmung des Schiffs und ein lebenslanges Verbot, in der Gegend in See zu stechen.

    Meine Befürchtung ist aber, dass die Fischer das einfach aussitzen, bis die Vaquitas ausgestorben sind und sie dann ungestört weitermachen können.

    Das Tragische ist ja, dass letztlich reiner Aberglaube (an die vermeintliche Wunderwirkung der Schwimmblase der Totoabas) die Vaquitas an den Rand des Aussterbens bringt.
    Das ist wirklich beschämend für unsere Spezies…

    Die Kritik an Nürnberg finde ich unberechtigt. Sie sammeln fleißig Geld, das den Rettungsaktionen in Mexiko zu Gute kommt.

    geschrieben von Oliver
  2. Meiner Ansicht nach geht es den Tierrechtlern – sei es WDSF oder ProWal – gar nicht um Tierschutz, sondern wohl eher um Spendengelder und Selbstdarstellung.

    geschrieben von Rüdiger Hengl

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