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Delfinarien: Jahresrückblick 2017


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Gastbeitrag von Daniela Breuer, 4. März 2018

Über Generationen sind in Delfinarien Familienbande entstanden.
(Foto: Benjamin Schulz)

Die Meeresakrobaten bedanken sich ganz herzlich bei Daniela für diese sehr informative Aufstellung über Delfingeburten, -transfers und verstorbene Delfine im Jahr 2017. Das Copyright dieses Beitrags liegt bei Daniela Breuer.

Es geht um die in Europa gehaltenen Großen Tümmler

Ein wenig später als sonst schaut dieser Jahresrückblick zurück auf die Ereignisse rund um die Delfinhaltung in Westeuropa.

Wie bisher konzentriert sich die Untersuchung auf die in Europa gehaltenen Altantischen Großen Tümmler (Tursiops truncatus truncatus), von denen in Zoos, Meerestierparks, Delfinarien und Vergnügungsparks eine zusammenhängende Population existiert.

Daneben werden in Europa vereinzelt Schwarzmeer-Tümmler (T. t. ponticus), ein Truncatus-ponticus-Hybrid, Schwertwale (Orcinus orca), Schweinswale (Phocaena phocaena), Belugas (Delphinapterus leucas) und ein Amazonas-Delphin (Inia geoffrensis humboldtiana) gehalten. Hier handelt es sich allerdings um Kleinstgruppen oder Einzeltiere, die keinen geschlossenen Bestand bilden.

Die Grundlage für diese Darstellung ist die Datenbank Ceta Base. In den Jahresrückblick fließen alle Daten ein, die bis Ende Januar 2018 zur Verfügung standen und bis zum Stichtag 31.12.2017 reichen.

Trainer mit Delfin in Antibes (Foto: Rüdiger Hengl)

Mögliche Abweichungen zu den Zahlen im Jahresrückblick 2016

Die in diesem Jahresrückblick genannten Vergleichszahlen zu 2016 können von den Zahlen im Jahresrückblick 2016 abweichen. Im Zuge der Vervollständigung und Aktualisierung der Bestandslisten auf Ceta Base wurden einige bis dahin nicht registrierte Geburten, Todesfälle und Transfers hinzugefügt.

Zudem wurden die Tiere des Delfinariums Varna in Bulgarien in die Liste aufgenommen, die ebenfalls der Unterart T. t. truncatus angehören. Dadurch ergeben sich rückwirkend für 2016 und auch frühere Jahre andere Zahlen. Das Gesamtbild ändert sich dadurch allerdings nicht.

Aktueller Bestand und Einrichtungen

Am 31.12.2017 lebten in den Einrichtungen in Westeuropa 263 Große Tümmler (2016: 262). Davon waren 69 Wildfänge (2016: 72) und 194 Nachzuchten (2016: 190).

Die 263 Großen Tümmler leben verteilt auf 28 Einrichtungen in Belgien (1), Bulgarien (1), Deutschland (2), Frankreich (3), Griechenland (1), Italien (3), Malta (1), Niederlande (1), Portugal (2), Schweden (1) und Spanien (12). Die Zahl ist, Varna in Bulgarien eingerechnet, gegenüber 2016 gleich geblieben.

Der Bestand setzt sich zu 26,3 % aus Wildfängen (2016: 27,5) und 73,8 % aus Nachzuchten (2016: 72,5%) zusammen. Der Anteil an Nachzuchten im Gesamtbestand nähert sich damit auch in 2017 weiter der Drei-Viertel-Marke an.

Unter den Nachzuchten machen mit 54,4 % (143 Tiere) die Nachzuchten der ersten Generation den größten Teil aus und bilden allein mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes. Der Anteil an Nachzuchten der zweiten Generation nähert sich 2017 weiter den 20 % an (49 Tiere). Die Zahl der Nachzuchten der dritten Generation bleibt konstant bei 0,8 % (2 Tiere).

Großer Tümmler im Meerwasserbecken in Harderwijk/Niederlande
(Foto: Rüdiger Hengl)

Altersstruktur des Bestandes

Die Verteilung der Individuen auf Altersgruppen zeigt eine junge Population. Den größten Teil macht die Altersspanne von elf bis 30 Jahren aus, in denen die Tiere im besten Fortpflanzungsalter sind.

Auch die 30- bis 40-Jährigen sind noch an der Fortpflanzung beteiligt. Zusammen bilden sie 2017 60 % des Gesamtbestandes und damit eine sicherer Basis.

Ein weiteres Drittel der Tiere ist im Alter von zehn Jahren und jünger und wird in den kommenden Jahren zur Zuchtbasis hinzustoßen. Ein kleiner Teil von 6 % schließlich ist 40 Jahre und älter und liegt damit weit über der Lebenserwartung in der Wildbahn.

Der Blick auf die Verteilung der Individuen in den einzelnen Jahrgängen zeigt schließlich, dass die im Fortpflanzungsalter elf bis 30 Jahre befindliche Basis der Population größtenteils aus Nachzuchten besteht.

Die jüngsten Wildfänge sind 22 Jahre alt, die meisten Individuen sind jedoch in den Altersgruppen ab 30 zu finden. Bedingt durch die noch nicht so erfolgreiche Zucht in den vergangenen Jahrzehnten sind hier aktuell erst wenige Nachzuchten vertreten.

Im Bereich der Ein- bis Zehnjährigen hingegen zeigen sich mehrere geburtenstarke Jahrgänge mit zehn und mehr Individuen, die in den kommenden Jahren ins fortpflanzungsfähige Alter nachrücken werden.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit den Geburten.

6 Kommentare

  1. Hmmm … der atlantische Große Tümmler? Davon gibt es auch wieder zwei, die sich nicht nur durch ihr Blut unterscheiden (Karibischer Großer Tümmler, ca. 200 – 300 kg, eine Hämoglobinart) und der Atlantische Große (Hochsee-)Tümmler, der mit geschmeidigen 600 kg glatt doppelt so groß wird wie sein karibischer Namensvetter und dank zweier Hämoglobinarten auch deutlich besser tauchen kann. Letzterer wird meines Wissens nirgends gehalten, da als wandernde Art wohl auch nicht Delphinarien-tauglich.

    Manchmal nervt die schon sehr unsaubere Taxonomie bei den Delfinen ziemlich.

    geschrieben von Norbert
  2. Danke für die ausführlich Statistik. Meiner Meinung nach kann der Anteil der Wildfänge in Nürnberg rechnerisch gerne noch eine Weile bei „deutlich über 30%“ liegen, denn dies bedeutet bei unverändertem Tierbestand ja auch, dass Moby, Anke und Jenny sich des (hoffentlich noch langen und gesunden) Lebens erfreuen!

    geschrieben von Oliver
    1. Deine Ansicht über Moby, Jenny und Anke teile ich voll und ganz, Oliver! ;o))

      geschrieben von Susanne
    2. Naja, wenn der Wildfängeanteil in Nürnberg sinkt, dann kann das aber auch daran liegen, dass weitere Nachzuchten dazugekommen sind. ;-) Unsere beiden Duisburger Töchter sind jetzt so allmälich im richigen Alter, und für die würde ich mir wünschen, auch bald Mütter zu werden.

      geschrieben von Dani
      1. Dani, ich glaube, das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht so wünschenswert, da die Lagune ja erst einmal saniert werden muss.

        geschrieben von Susanne
      2. Deshalb hab ich ja auch geschrieben „bei unverändertem Tierbestand“. Kennt ihr übrigens die Geschichte vom „Eierlegenden Hund“…?

        geschrieben von Oliver

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