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Fragen an einen Delfin-Experten (4)


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Gastbeitrag von Oliver Schmid und Benjamin Schulz, 21. Mai 2020

Nach längerer Pause gibt es heute mal wieder ein Interview mit neuen Delfin-Fragen, die Oliver Schmid dem Delfin-Experten Benjamin Schulz gestellt hat.

Beim Schlafen ist immer ein Auge geschlossen.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Schlafverhalten der Delfine

Oliver: Hallo Benjamin, danke, dass Du Dir wieder Zeit nimmst, meine Neugierde zu befriedigen.

Meine erste Frage betrifft das Schlafverhalten. Delfine schlafen ja immer „halbseitig“. Schließen sie dann auch jeweils ein Auge oder lassen sie beide Augen offen?

Benjamin: Das ist einfach, ein Auge wird geschlossen wenn Delfine halbseitig schlafen.

Schweinswal-Haltung

Oliver: Gut, das hatte ich mir fast gedacht.

Dann hab ich mich schon öfters gefragt, warum es eigentlich in Deutschland keine Haltung von Schweinswalen gibt. Immerhin sind die hier ja auch heimisch und ich denke, sie verdienen mehr Aufmerksamkeit. Dass die Haltung dieser Tiere möglich ist, zeigt ja z.B. die Forschungsstation Fjord & Baelt in Dänemark.

Benjamin: Das ist nicht so einfach, da müsste man mal die Zoodirektoren in Deutschland befragen, warum sie keine Schweinswale halten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass diese Tiere, wenn, dann nur als Strandungsfund aufgenommen werden dürfen. Viele gibt es davon nicht und die Orte in Dänemark und Holland haben ja schon genug Platz. Es lohnt sich schlichtweg nicht, eine Aufnahmestation zu betreiben, weil die Tiere chronisch krank sind (nur dann dürfen sie ja in Menschenhand bleiben). Der Bedarf ist auch nicht da. So viele Lebendstrandungen gibt es einfach nicht.

Schweinswal im Ecomare
(Foto: Rüdiger Hengl)

Gruppendynamik

Oliver: Als Nächstes hab ich zwei Fragen zur Gruppendynamik:

Im Zoo gibt es ja in der Regel Gruppen, die sich über die Jahre kaum verändern; außer wenn mal ein Tier „umzieht“, ein Jungtier geboren wird oder ein Tier stirbt. Im Freiland beobachtet man dagegen oft flexible Fission-Fusion-Gesellschaften. Ist das dann nicht etwas unnatürlich, wenn sich die Gruppen in Delfinarien kaum verändern? Oder kommt das auf die Population an? Beobachtet man auch in freier Wildbahn Gruppen, die über Jahre konstant bleiben?

Benjamin: Nun, eine korrekte Abbildung einer wilden Delfinpopulation kann ein Delfinarium allein natürlich nicht leisten. Dafür gibt es ja die Austauschprogramme. Dann gibt es auch innerhalb der Fission-Fusion-Gesellschaft stabile Gruppenkerne, vor allem Weibchengruppen, und eben auch die männlichen Paare, die umherziehen (manchmal auch Trios).

Was mir persönlich nicht zusagt, ist die langwierige Haltung reiner Männergruppen in Delfinarien, was gezwungenermaßen passieren muss, weil es zu viele Männchen gibt. Das Problem ist aber allen bekannt und es wird daran gearbeitet, das ist die Hauptsache. Da können Tierrechtler noch so viel meckern, dadurch oder durch die von ihnen vorgetragenen betreuten Meeresbuchten ändert sich an der Situation nichts, das Problem besteht weiterhin. Wichtig ist, dass objektive Wissenschaftler daran arbeiten, denn Vermenschlichung schadet da nur.

Oliver: Ich denke, wichtig ist auch, dass die Mitglieder der Gruppen miteinander harmonieren.

Neugierige Delfine
(Foto: Oliver Schmid)

Was macht man denn in einem Delfinarium, wenn sich einzelne Mitglieder (z.B. zwei rivalisierende Männchen) nicht vertragen? Ich meine jetzt nicht kurze Streitereien, die es immer mal gibt und die in fünf Minuten wieder vergessen sind, sondern wenn es dauerhaft Stress gibt. Delfine können sich im Delfinarium ja nicht aus dem Weg schwimmen. Man kann ja dann nicht jedesmal einen Delfin umziehen in der Hoffnung, dass es in der neuen Gruppe keinen Stress gibt. Oder gibt es „psychologische Tricks“, mit denen die Delfintrainer und Pfleger Verträglichkeit in die Gruppe bringen können, vielleicht durch Stärkung des Gruppengefühls?

Benjamin: Ja es gibt sehr wohl Training, das darauf abzielt, durch positive Bestärkung die gegenseitige Akzeptanz in der Gruppe zu erhöhen. Das funktioniert auch sehr gut z.B. im Dolfinarium Harderwijk, wo eine sehr stabile Männergruppe zusammenlebt. Ist gar nicht so schwer, Delfine haben schließlich eine höhere soziale Kompetenz als Menschen (sieht man jetzt in der Corona-Krise sehr gut).

Auf der nächsten Seite geht es u.a. um Juckreiz und das Jagdverhalten der Delfine.

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