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Fragen an einen Delfin-Experten (4)


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Haut-Auffälligkeiten
(Foto aus Film von Stephan Thomsen)

Krankheiten bei Delfinen

Oliver: Jetzt noch aktuelle Fragen im Zusammenhang mit Corona: Welche typischen Infektionskrankheiten gibt es bei Tümmlern und können diesen gefährlich werden? Ich nehme mal an, dass die Delfine im Delfinarium dank der medizinischen Versorgung weniger Probleme haben. Oder gibt es Krankheiten, die speziell auch in Delfinarien gefürchtet sind?

Benjamin: Ein Beispiel für eine typische und sehr gefährliche Viruserkrankung ist der Morbillivirus bei Delfinen. Andere Infektionen sind z.B. Papillomaviren oder Herpes, die bei Delfinen meist harmlos verlaufen, aber bei denen auch angenommen wird, dass sie Krebs auslösen können. Zumindest gab es schon einige Fälle tödlicher Tumore, die als Hautveränderung angefangen haben und wahrscheinlich durch Viren verursacht wurden.

Erysipelas

Eine Krankheit, die in Delfinarien gefürchtet ist, wird jedoch durch ein Bakterium verursacht: Erysipelas. Die Bakterien finden sich im Fisch und können Delfine infizieren. Manchmal kommt es zu einem akuten Verlauf, der innerhalb weniger Tage tödlich ist, wenn man nicht zügig mit Antibiotika behandelt. Was schwierig ist, weil man erst mal eine Zeit braucht, um die Erkrankung korrekt zu diagnostizieren. Erysipelas lässt einem Arzt kaum Zeit dafür.

Todfund in Waterville/Westirland
(Foto: H.W.)

Oliver: Das wusste ich nicht. Da braucht man dann erfahrene Leute. Gibt es auch Zoonosen, also Krankheiten, die von Delfinen zu Menschen oder umgekehrt übertragbar sind?

Benjamin: Die meisten Zoonosen, die von Delfin auf Mensch oder umgekehrt übertragbar sind, sind Bakterien und Pilzinfektionen. Viren sind dagegen eher in den Arten zu unterschiedlich angepasst, als dass es zu einer Infektion kommen könnte.

Das oben genannte Erysipelas kann durch Bisswunden auf Menschen übertragen werden. Tierpflegepersonal infiziert sich auch mit dem Erreger bei der Futterzubereitung über kleine Hautwunden, was unbehandelt ebenfalls zu einer Blutvergiftung führen kann.

Zoos ohne Besucher

Delfine in der Nürnberger Lagune
(Foto: Rüdiger Hengl)

Oliver: Die Zoos waren jetzt ja einige Wochen geschlossen und öffnen in diesen Tagen erst allmählich ihre Pforten wieder. Das führt mich zur Frage: Wie sieht der Alltag in den Zoos aus, wenn keine Besucher mehr kommen dürfen? Wie reagieren die Delfine? Ich schätze mal, dass man weiterhin mit denen die Übungen macht, nur eben ohne Publikum. Merken die Tiere, dass was fehlt und keine Gäste da sind, die sie bewundern und sich über ihre Leistungen freuen?

Benjamin: Naja, der Alltag geht halt weiter bis auf die Bereiche mit Besuchern. Das ist ja immer nur ein kleiner Teil der täglichen Arbeit. Viele Zootiere haben doch befremdet reagiert, als plötzlich keine Besucher mehr kamen. Das wird für die Delfine sicher ganz ähnlich sein.

Forschungsprojekte

Oliver: Jedenfalls freue ich mich, wenn ich bald wieder mal nach Nürnberg kann.

Zuletzt noch eine Frage zu Deinen aktuellen Projekten: Was gibt es Neues in der Delfinforschung?

Benjamin: Och es gibt immer Neues und trotz Corona habe ich gut von zu Hause aus zu tun.

Was die Delfinforschung angeht, bereite ich gerade ein neues Projekt vor, darüber kann ich aber im Moment noch nicht viel berichten, denn es handelt sich nur um Vorbereitungen und die Viruskrise hat alles etwas aus dem Zeitplan gebracht.

Seelöwe
(Foto: Rüdiger Hengl)

Schon konkreter ist im Moment ein Projekt zum Fortpflanzungsverhalten und zur Physiologie von Seelöwen und Seebären, die ich in der Wildbahn beobachten möchte. Dazu bin ich zurzeit mit Dutzenden Wissenschaftlern weltweit in Kontakt, die an diesen Tieren forschen, und versuche Material zu bekommen. Ich suche dafür übrigens noch Sponsoren, also wenn hier irgendjemand mitliest, der trotz Corona-Krise noch der Wissenschaft helfen möchte, nur zu!

An dieser Stelle würde ich gerne einen kleinen Spendenaufruf für eine Organisation teilen, die eine tolle und wichtige Arbeit leistet und zurzeit besonders Hilfe benötigt: The Namibian Dolphin Project. Schaut doch mal rein und wenn ihr in der schwierigen Zeit etwas übrig habt und spenden möchtet, ist das sicherlich eine gute Wahl.

Oliver: O.K., dann gehe ich mal mit gutem Beispiel voran und werde dem Projekt eine kleine Spende zukommen lassen.

Vielen Dank, dass Du meine Fragen beantwortet hast, und ich bin sicher, dass die Besucherinnen und Besucher der Meeresakrobaten ebenso wie ich auch wieder was Neues gelernt haben!

Lesetipps

* Virus-Erkrankungen bei Delfinen
* Fragen an einen Delfin-Experten (Teil 3)
* Fragen an einen Delfin-Experten (Teil 2)
* Fragen an einen Delfin-Experten (Teil 1)
* Biologen-Blog von Benjamin Schulz

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