Berichte

Der Große Tümmler im Mittelmeer


Themen: , ,

Große Tümmler wurden viele Jahrzehnte lang gejagt

Bis ins 20. Jahrhundert wurden Delfine im Mittelmeer gezielt getötet. In der östlichen Adria führten Fischer oft Gewehre mit sich und schossen auf Delfine. Die Feindschaft gegen Delfine war bis mindestens in die frühen 1960er-Jahre sehr ausgeprägt, und es wurde jede Möglichkeit wahrgenommen, den Meeressäugern zu schaden. Die vorsätzliche Tötung von Delfinen an Kroatiens Küsten war bis 1995 legal. Danach wurden die Tiere unter Schutz gestellt.

Große Tümmler in Neuseeland (Foto: S. und C. Dürsch)

In Italien wurde in den frühen 1930er-Jahren der Prämienfang praktiziert. Noch in den 1950er- und 1960er-Jahren brachte die Belohnung für die Tötung eines Delfins die gleiche Einnahme wie der Fischfang für eine ganze Woche!

Viele Große Tümmler wurden in der nördlichen Adria zwischen 1964 und 1978 für die Delfinarienindustrie gefangen. Bis 1979 wurden Delfine außerdem gegessen oder aus „sportlichen Gründen“ getötet. Es gab keinen Skrupel, die Tiere zu töten, da man davon ausging, dass es im Mittelmeerraum Delfine im Überfluss gab.

Aktuelle Bedrohungen

Während die gezielten Tötungen bis in die 1960er-Jahre der Hauptgrund für die Dezimierung der Großen Tümmler war, werden sie heute durch Fischernetze und durch das Verschwinden ihrer Beutetiere – sprich Überfischung – bedroht. Dazu kommen Gefährdungen durch Meeresverschmutzung, Epidemien, Schiffsschrauben, Unterwasserlärm und Konsequenzen aus der Klima-Erwärmung.

Trotz Delfin-Liebe gibt es viele Opfer

Die meisten Fischer aus Libyen verehren Delfine aus Tradition und behaupten, dass sie die Tiere nie töten würden. Selbst da, wo Tradition keine Rolle spielt, werden Delfine immer mehr toleriert. Dazu führen erzieherische Maßnahmen sowie die allgemein veränderte Haltung der Natur gegenüber.

Große Tümmler in Schottland (Foto: Birgit Hussel)

Trotz dieser positiven Entwicklung sterben Delfine immer noch als Beifang in Netzen – vor allem in Marokko, Spanien, Italien, Malta und in der Türkei. Das aktuelle Ausmaß ist jedoch unbekannt.

Zwischen 1986 und 2005 fiel der Große Tümmler entlang der italienischen Küste sehr oft dem Beifang zum Opfer (71 Tiere). Noch öfter gingen die Streifendelfine ungewollt in die Netze (301 Tiere). Von 694 Großen Tümmlern, die im gleichen Zeitraum an der italienischen Küste gestrandet sind, zeigten 71 (elf Prozent) Netzspuren auf der Haut. Von 21 Großen Tümmlern, die 2003 in Frankreich angeschwemmt worden sind, waren acht Tiere Opfer des Beifangs geworden.

Beifang-Zeichen sind u.a. fehlende Flipper (Brustflossen) oder Finnen (Rückenflossen), Netzspuren auf der Haut und/oder Seile, die um die Fluke (Schwanzflosse) geschlungen waren.

Giftstoffe und Epidemien

Die Aufnahme von Giftstoffen kann das Immunsystem schädigen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Die Großen Tümmler des Mittelmeers sind um ein Vielfaches mehr mit chemischen Giftstoffen kontaminiert als anderswo. Relativ hohe Dosen von Schwermetallen wurden in gestrandeten Großen Tümmlern des Mittelmeers gefunden. Allerdings weiß man nicht, wie sich Schwermetalle auf den Populationsstatus auswirken.

Ausbrechende Epidemien scheinen Große Tümmler weniger zu beeinträchtigen als andere Delfinarten, wie z.B. den Streifendelfin. Der Morbillivirus wurde 1994 in einem Großen Tümmler gefunden, der an Israels Küste gestrandet war, sowie in einem Tier, das 1988 bei Mauretanien (Atlantische Küste von Westafrika) gefunden wurde. Getötet wurden Große Tümmler durch diesen Virus häufig im Schwarzen Meer und an der Atlanktikküste der USA, wo mehr als die Hälfte einer örtlichen Population diesem Virus zum Opfer fiel.

Große Tümmler/Sansibar (Foto: Rüdiger Hengl)

Offenbar können sich Epidemien besonders dort gut ausbreiten, wo Tiere ein schwaches Immunsystem haben, das durch Gifte oder/und durch Nahrungsmangel geschädigt wurde. Das Risiko, dass eine große Zahl Großer Tümmler im Mittelmeer dem Ausbruch einer Epidemie zum Opfer fällt, wird mit Zunahme der Meeresverschmutzung immer größer.

Bootsverkehr und akustische Störungen

Obwohl der Boots- und Schiffsverkehr permanent zunimmt, ist nur eine regionale (menschen-bedingte) Verhaltensänderung bei den Großen Tümmlern des Mittelmeers festzustellen. So meiden die Tiere in den Küstengewässern Kroatiens bestimmte Gebiete, wenn der Bootsverkehr saisonal anwächst. Ähnliche Effekte wurden von anderen Plätzen auf der Welt dokumentiert. Zum Boots/Schiffslärm kommen zusätzlich Geräusche aus seismischen Untersuchungen, Unterwasserexplosionen, Militärsonars usw.

Klimatische Veränderungen

Die globale Erwärmung betrifft die ganze Welt und sorgt für große Veränderungen sowohl auf dem Land als auch im Wasser. Welche Auswirkungen die Erderwärmung speziell auf die Großen Tümmler haben wird, ist bis jetzt noch nicht bekannt – weder für das Gebiet des Mittelmeers noch anderswo.

Lebendfang

Das Fangen von Großen Tümmlern zu Show-Zwecken, für die tiergestützte Therapie oder für wissenschaftliche Zwecke kommt einem Töten gleich. Die Meeressäuger stehen in dem Moment, in dem sie gefangen werden, nicht mehr für die Aufrechterhaltung einer intakten Delfinpopulation zur Verfügung. Das Fangen von Delfinen ist in den meisten Mittelmeerstaaten durch nationales oder internationales Recht verboten. Trotzdem gibt es gelegentliche Fänge. So werden Große Tümmler immer noch aus dem an die Türkei angrenzenden Mittelmeer gefangen. Dies wurde sogar 2006 vom türkischen Ministerium für Agrar- und Landwirtschaft genehmigt. Insgesamt durften 30 Große Tümmler zum Zwecke der tiergestützten Therapie und für Shows dem Meer entnommen werden.

Lagune in Antibes/Frankreich

Auch wenn die Entnahme von 30 Großen Tümmlern den Bestand der Mittelmeer-Delfine nicht gefährdet, kann sie doch einen großen Einfluss auf eine lokale Population haben – direkt sowie indirekt. Man denke nur daran, dass weibliche Delfine eine stabile Gruppe brauchen, um ihre Jungen ungestört zur Welt bringen zu können.

Schlussbemerkung

Inzwischen gibt es viele Gesetze und Abkommen sowie an die 100 Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas – MAPs) zum Schutz der Großen Tümmler im Mittelmeer, doch deren Durchsetzung sowie die Überwachung der in Meeresschutzgebieten herrschenden Regeln liegen noch sehr im Argen. Auch wenn die Großen Tümmler widerstandsfähiger zu sein scheinen als z.B. der auch im Mittelmeer vorkommende Gemeine Delfin, müssen die menschen-gemachten Einflüsse auf ihren Lebensraum unbedingt vermindert werden.

Quellen

„Ecology and conservation of common bottlenose dolphins Tursiops truncatus in the Mediterranean Sea“ von Giovanni Bearzi, Caterina Maria Fortuna und Randall R. Reevers
FIRMM/Gibraltar
The Bottlenose Dolphin Research Institute/ Sardinien
Tethys Research Institute/Ligurien
„Wale und Delphine – weltweit“ von Ralf Kiefner, Jahr Top Special Verlag, Hamburg, 2002

Lesetipps

„Anatomie der Delfine“
Systematik der Delfine

2 Kommentare

  1. ich halte demnechst ein referat über den tühmler und die infos haben mir weiter geholfen vielen dank

    geschrieben von Simge Göksular
    1. Das freut mich sehr Simge! Toi, toi, toi für dein Referat!

      geschrieben von Susanne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.