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Der Große Tümmler im Mittelmeer


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Meeresakrobaten/17. Dezember 2008

Der Große Tümmler (lateinisch: Tursiops truncatus) ist der bekannteste und am besten erforschte Delfin, den es gibt. Er kommt in allen Ozeanen vor.

Fungie aus Irland (Foto: Michael Kretschmer)

Nicht zuletzt durch die amerikanische Fernsehserie „Flipper“ errang dieser Meeressäuger große Popularität. Aber auch Einzelgänger – wie z.B. den menschenfreundlichen Delfin-Bullen „Fungie“ aus Irland (siehe auch MA-Bericht „Fungie“) – kennt man auf der ganzen Welt. Doch wie sieht es mit den Flippers und Fungies im Mittelmeer aus?

Gibt es Flipper und Fungie auch im Mittelmeer?

Schon sehr häufig war ich im Mittelmeer unterwegs, um Delfine (und Wale) zu beobachten. Doch Große Tümmler sah ich bisher nur ganz selten. Sie scheinen sich ihr Revier nicht mit Streifendelfinen zu teilen, die sehr häufig im Ligurischen Meer (italienische Riviera) anzutreffen sind (siehe auch MA-Bericht „Streifendelfine“). Auch wenn manchmal unsichtbar, Große Tümmler bevölkern das gesamte Mittelmeer. Delfinschutz- bzw. Delfinforschungs-Organisationen wie Tethys oder „The Bottlenose Dolphin Research Institute“ haben es sich bereits seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, die Großen Tümmler im Mittelmeer zu erforschen.

Fungie (Foto: Michael Kretschmer)

Große Tümmler von A bis Z

Man kann sagen, der Große Tümmler breitet sich im Mittelmeer von A bis Z aus – nämlich von Albanien, Algerien, Frankreich, Israel, Italien, Gibraltar, Griechenland, Kroatien, Libyen, Maroko, Montenegro, Slovenien, Spanien, Tunesien, Türkei bis Zypern. Die Häufigkeit der Sichtungen variiert jedoch je nach Land. So werden Sichtungen von Großen Tümmlern beispielsweise im Ligurischen Meer (Italien) und im Golf von Vera (Spanien) nur relativ selten gemeldet. Es liegen keine Schätzungen vor, wie viele Große Tümmler es im gesamten Mittelmeerraum gibt. Unter ständiger Beobachtung stehen allerdings die Großen Tümmler vor den Küsten Sardiniens sowie diejenigen im Küstengebiet von Kroatien. Etwa 220 der „kroatischen Delfine“ leben das ganze Jahr über nahe der Küste und Inseln, meist weniger als 5 Kilometer vom Land entfernt. Sie stehen unter Schutz und werden von der Organisation „Blue World Institute“ erforscht. Laut Blue World ist die Population in den letzten 15 Jahren um 40 Prozent eingebrochen.

Große und kleine Exemplare

Der Große Tümmler kann zwischen 1,9 und 4 Meter lang werden. Sein Gewicht liegt in der Regel zwischen 150 und 300 kg, kann aber auch bis zu 650 kg erreichen. Ein neugeborenes Kalb ist 65 bis 105 cm groß und 15 bis 30 kg schwer. Der kleinste im Mittelmeer gefundene geschlechtsreife Große Tümmler maß gerade mal 1,50 Meter (Quelle: „Wale und Delfine“ von Ralf Kiefner).

Großer Tümmler/Ägypten (Foto: SimSim-Reisen)

Charakteristisch für diesen Meeressäuger ist die Schnauzenform, die dieser Delfinart ihren englischen Namen „Bottlenose Dolphin“ (Bottlenose = Flaschennase) verliehen hat. Die Schnauze – auch Schnabel genannt – ist mit bis zu 80 homogenen Zähnen besetzt. Was die Lebenserwartung angeht, schwanken die Angaben in verschiedenen Büchern zwischen 25 bis 30 Jahren. Im Delfinarium können Große Tümmler sogar 50 Jahre alt werden (siehe Moby aus dem Nürnberger Tiergarten).

Die Großen Tümmler des Mittelmeeres unterscheiden sich genetisch (Erbgut) von denen des östlichen Nordatlantiks und denen in schottischen Gewässern (dort gibt es die größten Exemplare!). Aber auch innerhalb des Mittelmeer-Beckens gibt es Unterschiede in Größe und Gewicht, die sich je nach Futtervorkommen, Wasserströmungen und Temperaturen herausgebildet haben.

Tauchgewohnheiten und Speisezettel

In den Küstengewässern des Mittelmeers tauchen Große Tümmler 3 bis 5 Minuten (gelegentlich auch 8 Minuten) nach Beutetieren. Zu den Beutefischen gehören: Seehecht, Meeraal, Meerbarbe, Tintenfisch, Krake sowie viele andere Knochenfische und Weichtiere. Dort, wo es noch reichlich Beutetiere gibt, halten sich auch viele Große Tümmler auf, z.B. im Amvrakikas Golf/Griechenland.

Natürliche Feinde

Natürliche Feinde hat der Große Tümmler im Mittelmeer kaum, denn die Zahl der im Mittelmeer vorkommenden Haie ist im letzten Jahrhundert stark gesunken. Andere Raubtiere wie der Schwertwal (Orca) oder der falsche Schwertwal kommen ebenfalls nur selten vor.

Fischer und Große Tümmler

Konfliktreich ist mitunter die Beziehung zwischen Fischern und Großen Tümmlern. So beklagen sich viele Fischer, dass sie durch das Raubverhalten der Delfine große Einbußen in ihrem Ertrag hätten. Für Sardinien liegen hierfür sogar Zahlen vor. Eine Studie belegt, dass zwischen 1999 und 2001 der Große Tümmler für einen Verlust von etwa 1.170 Euro/Fischerboot/Saison „sorgte“. Andere Studien gehen von 9 bis 19 Prozent des Ertrags aus, die die Fischer an die Großen Tümmler verlieren.

Hüpfender Großer Tümmler (Foto: Frank Blache)

Auch wenn die Fischer „jammern“, dass sie und die Delfine um die gleiche Beute konkurrieren, gibt es keinen Beweis dafür, dass durch eine Dezimierung des Delfinbestandes sowie anderer Raubtiere höherer Ordnung der Ertrag der Fischer verbessert würde. Trotzdem gibt es eine große Unruhe bei den Fischern vor allem in ökologisch geschädigten Gebieten, die aufgrund von Überfischung und Beschränkungen des Lebensraums Delfin und Fischer immer häufiger zu Nahrungskonkurrenten werden lassen.

Eine Studie im Ionischen Meer (Griechenland) besagt, dass Große Tümmler und Gemeine Delfine für nur etwa 0,03 Prozent Abnahme der gesamten Biomasse „verantwortlich“ sind. Der Hauptteil geht auf das Konto der Fischereiindustrie. Laut Welternährungsgesellschaft (United Nations Food and Agriculture Organization) sind schätzungsweise etwa 40 Prozent des mediterranen Fischbestands überfischt. Im Ionischen Meer und in der Adria sorgt die Überfischung dafür, dass kaum noch Große Tümmler gesichtet werden.

Große Tümmler passen sich an

Solange jedoch noch Fisch da ist, kann der „nahrungsflexible“ Große Tümmler überleben. So gibt es im Amvrakikos Golf/Griechenland noch relativ viele Große Tümmler. Hier wird nachhaltige Fischerei betrieben und es ist verboten, mit „Beutelnetzen“ zu fischen. Außerdem dürfen keine Fischtrawler in dieses Gebiet. Dagegen gibt es im benachbarten überfischten Kalamos kaum noch Delfine …

In vielen Gegenden der Erde haben Große Tümmler gelernt, Fischdampfern zu folgen und Fische aus den Netzen zu stibitzen. In der nördlichen Adria verbringen Große Tümmler offenbar 5 Prozent ihrer Lebenszeit damit, um Trawler zu verfolgen.

Fischfarmen

Große Tümmler suchen gerne Fischfarmen auf, die sich immer mehr im Mittelmeer ausbreiten. Wie bereits oben erwähnt, können sich Große Tümmler hervorragend an neue Beutetiere gewöhnen, falls eines ihrer bevorzugten Beutetiere (zum Beispiel durch Überfischung) weggefallen ist. Sie fangen dann Fische, die gerade verfügbar sind, und verschmähen dabei nicht einmal tote Tiere.

Große Tümmler in Sansibar (Foto: Rüdiger Hengl)

Große Tümmler richten nur wenige Schäden in sogenannten Fischfarmen an. In einer Studie wurden im Nordwesten von Sardinien/Italien insgesamt über fünf Stunden lang Große Tümmler beobachtet, die sich vor einer Fischfarm aufhielten. In drei Fällen beschädigten die Tiere die Netze leicht. Sie verursachten durch ihre Bisse kleine Löcher.

Akustische „Fernhalter“

Um Meeressäugetiere von Netzen fern zu halten, werden vor allem akustische Vorrichtungen eingesetzt – wie z.B. sogenannte „Pinger“ -, welche die Tiere vertreiben sollen. Man ist sich allerdings nicht sicher, ob diese akustischen Signale, die von den Pingern ausgehen, bei den recht intelligenten Großen Tümmlern mit der Zeit nicht zu Gewöhnungsanpassungen führen. Sie werden dann eventuell als eine Art „Einladungssignal an den gedeckten Tisch“ verstanden.

2 Kommentare

  1. ich halte demnechst ein referat über den tühmler und die infos haben mir weiter geholfen vielen dank

    geschrieben von Simge Göksular
    1. Das freut mich sehr Simge! Toi, toi, toi für dein Referat!

      geschrieben von Susanne

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