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Auswilderungsversuch gescheitert


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Meeresakrobaten, 15. Februar 2013

Der kleine Marcos ist Anfang Februar gestorben. Leider hat der junge Streifendelfin, der im August vergangenen Jahres in Südspanien strandete, den Auswilderungsversuch der spanischen Tierschutzorganisation PROMAR nicht überlebt (siehe dazu auch Kleiner Delfin in großer Not).

Marcos (Foto: PROMAR)

Marcos (Foto: PROMAR)

Marcos war menschenfreundlich

Zunächst sah alles so gut aus. Laut PROMAR näherte sich Marcos aus eigenen Stücken seinen Rettern und ließ geduldig alle medizinischen Prozeduren über sich ergehen. Der kleine Delfin schien sich in seiner neuen „Menschen-Familie“ wohlzufühlen.

Dieses Verhalten ist für einen Streifendelfin äußerst ungewöhnlich. Die küstenfern lebende Delfinart, die auch Blau-Weißer-Delfin genannt wird, ist nämlich sehr scheu und nervös. Streifendelfine kann man deshalb normalerweise nicht in menschlicher Obhut halten.

Doch bei Marcos war alles anders. Er schwamm bereitwillig in die Arme seiner Betreuer und ließ sich auch ohne Komplikationen von seinem Meeresgehege in einen kleinen Pool umsetzen, wenn dies das stürmische Wetter erforderte. Er fraß außerdem mit großem Appetit den ihm dargereichten toten Fisch. Alles bestens, könnte man meinen.

Aber die Beobachtungen und Erfahrungen, die die PROMAR-Mitarbeiter mit Marcos machten, sprachen meiner Meinung nach alle dafür, dass eine Auswilderung nicht möglich sein würde. Der kleine Delfin hatte sich zu sehr an seine Betreuer gewöhnt. Man kann schon sagen, er war bereits gezähmt.

Marcos (Foto: PROMAR)

Marcos (Foto: PROMAR)

Gesundheitliche Probleme

Bei Marcos kam dann noch dazu, dass er gesundheitliche Probleme hatte, die ein Mithalten mit seinen Artgenossen im offenen Meer unmöglich gemacht hätten. Auch schien das Meeresgehege, in dem der Streifendelfin gehalten wurde, nicht optimal zu sein, da er darin bei stürmischem Wetter sehr gefährdet war.

Ein stürmischer Tag wurde Marcos dann auch zum Verhängnis.Er konnte dem Wind nicht trotzen, da er zu schwach war. Auch wollte er sich an diesem Tag nicht einfangen lassen. Plötzlich bemerkten die Mitarbeiter von PROMAR, dass Marcos gestrandet war. Das sofortige Umsetzen in den Pool und eine intensive medizinische Betreuung konnten ihn leider nicht mehr retten. Er starb inmitten seiner Menschen-Familie.

Ein einzeln gestrandeter Delfin ist meist krank

Ein einzeln gestrandeter Delfin kann in den meisten Fällen nicht wieder zurück ins Meer gesetzt werden. Anders als Schweinswale, bei denen eine Rückführung immer wieder gelingt (siehe Beispiele des SOS-Delfinariums in Harderwijk), ist ein Delfin auf seine Familie angewiesen, die ihn aus irgendeinem Grund verlassen hat.

Harderwijk: Hier erholen sich gestrandete Schweinswale (Foto: Frank Blache)

Harderwijk: Hier erholen sich gestrandete Schweinswale (Foto: Frank Blache)

Ein Delfin strandet nicht einfach so. Verletzungen durch Haie oder Artgenossen bzw. durch Fischereizubehör oder Krankheiten, wie zum Beispiel der Morbillivirus schwächen das Tier dermaßen, dass es – wenn überhaupt möglich – erst einmal in einer Reha-Station aufgepäppelt werden muss. Erst wenn alle medizinische Parameter auf Grün stehen, kann an eine Auswilderung gedacht werden.

Doch wie bereits oben erwähnt, eignet sich nicht jeder gestrandete Delfin für eine Auswilderung. Er lässt sich nicht einfach ins Meer setzen, wo er den ganzen Gefahren des ehemals natürlichen Lebensraums ausgesetzt ist. Ohne seine Familie hat er wenig Chancen im Meer zu überleben. Zu diesen Kanditaten, die sich eher nicht für eine Auswilderung eignen, gehörte Marcos und gehört Morgan.

Morgan hat Hörprobleme

Morgan ist ein Orca-Weibchen, das am 23. Juni 2010 in der Nähe von Ameland im niederländischen Wattenmeer gestrandet ist. Das Tier war ausgehungert, als es von seinen Rettern in die SOS-Station von Harderwijk gebracht wurde. Heute lebt Morgan im Orcaneum auf Teneriffa. Die Gewöhnung an die neue Umgebung und an die Artgenossen dauern noch an. Zudem wurde festgestellt, dass Morgan offenbar schlecht hört. Eine Auswilderung kommt also nicht infrage.

Orca (Foto: Rüdiger Hengl)

Orca (Foto: Rüdiger Hengl)

Leider werden Auffangstationen wie die in Harderwijk von Delfinarienhassern angegriffen. Doch wie schwierig sich eine Auswilderung gestalten kann, zeigt einmal mehr der Fall Marcos. Ob man ihm in einer Reha-Station eines Delfinariums hätte besser helfen können, weiß ich nicht. Sicher hätte man ihn auch von dort aus nicht mehr an ein Leben im Meer gewöhnen können.

Beherzte Menschen retten Delfine

Ich habe großen Respekt vor allen Menschen, die aktiv versuchen, gestrandeten Delfinen zu helfen. Da beziehe ich auch die Touristen mit ein, die vor etwa einem Jahr in Brasilien eine ganze Gruppe gestrandeter Gemeiner Delfine wieder ins Meer zurückgebracht haben, oder den Retter, der erst vor kurzem in Australien ein Jungtier dazu benutzte, 150 Schlankdelfine aus seichtem Gewässer zurück ins offene Meer zu locken. In diesen beiden Fällen handelte es sich jeweils um eine ganze Gruppe von Delfinen. Ein einzelner Delfin hat dagegen schlechte Karten, sich ohne Artgenossen im Meer zurechtzufinden.

5 Kommentare

  1. Ich finde, dass wir der Natur manchmal mehr ihren Lauf zugestehen sollten. Es geht ja nicht darum, in Not geratenen Tieren nicht helfen zu wollen. Im Gegenteil. Wenn beispielsweise Wale stranden, dann muss man ihnen natürlich wieder ins Meer helfen. Auch verletzten Tieren kann man zumindest versorgen. Von Maßnahmen wie einen Streifendelfin zu päppeln und ihn danach ein Leben in Einzelhaft zu ermöglichen, ist für mich das Gegenteil von Menschlichkeit. Das Schicksal von Morgan empfinde ich als noch grausamer. Einen schwachen, gestrandeten Orca im Delphinarium zu päppeln und ihn dann nach Teneriffa zu fliegen, damit er sich reproduziert und sein Lebenlang Kunststücke vormachen muss… Für Seaworld ein guter Deal, für Morgan mit Sicherheit nicht!! Die Wahl, den Tod als Erlösung in Betracht zu ziehen gestehen wir uns Menschen ja leider nicht einmal untereinander zu, geschweige denn unseren Mitgeschöpfen. Ich hoffe, dass die Delphinarien bald geschlossen werden und die Tiere in abgetrennte Meeresbereiche kommen. Das wäre dann immer noch nicht frei, aber vielleicht besser als der Tod…

    geschrieben von Anna
    1. Anna, ein gestrandeter Zahnwal kann nicht einfach wieder ins Meer zurückgesetzt werden. Das würde in vielen Fällen sein Todesurteil bedeuten. Gestrandete Wale sind meist verletzt oder krank. Daher müssen sie in einer SOS-Station erst einmal versorgt werden.
      Was Marcos angeht, so war natürlich angedacht, dass er wieder ins Meer entlassen werden sollte, sobald er fit genug gewesen wäre. Es zeigt aber auch, dass ein abgetrennter Meeresbereich – den Sie ja fordern und in dem Marcos auch gehalten wurde – äußerst gefährlich für ein Tier sein kann. Die Wetterbedingungen sind schwer einkalkulierbar – vor allem in der heutigen Zeit …
      Was Morgan angeht, so finde ich ihr Schicksal nicht grausam. In Harderwijk hätte der Orca nicht bleiben können, in Teneriffa hat das Weibchen Anschluss zu Artgenossen gefunden.
      Dass Sie Morgan offenbar den Tod wünschen, finde ich nicht o.k. Haben Sie das Tier gefragt, ob es sich in seiner neuen Umgebung wohlfühlt oder ob es lieber tot sein würde? Ich finde es einem Tier gegenüber unfair, bei ihm eine Projektion der eigenen vermenschlichenden Einstellungen vorzunehmen.

      geschrieben von Susanne
  2. Das sind dann Nachrichten, die nicht mit stolzgeschwellter Brust auf Demonstrationsflyern verteilt und skandiert werden, ist ja auch weniger massentauglich, als einfache und esoterische Grundgleichungen, die einfach und schnell nachgeplappert werden können.

    Viel mehr sollte einem an der Stelle bewusst werden, welch Verantwortung der Mensch hat, es wäre in dem Fall überaus verantwortlich gewesen, Marcos in seiner Familie zu halten, damit er sein Leben leben darf.

    Unglücklicherweise passt das politisch in kaum ein Weltbild einer PeTA oder sonstigen Organisationen.

    geschrieben von Stephan Koch
    1. Danke, Stephan für Ihren Kommentar. Marcos ist leider ohne Familie gestrandet. Seine Familie zu finden, hätte sich als äußerst schwierig, ich finde sogar als unmöglich gestaltet. Die Mitarbeiter von Promar haben sich rührend um Marcos gekümmert und hatten einen 24-Stunden-Schichtdienst eingerichtet. Doch leider wurde der Sturm Marcos zum Verhängnis … Deshalb ist es meiner Meinung nach auch nicht unbedingt wünschenswert, Delfine in vom Meer abgetrennte Gehege zu stecken, in denen sie extremen Wetterkapriolen ausgesetzt sind und wo sie – falls es notwendig ist – kaum medizinisch versorgt werden können.

      geschrieben von Susanne
  3. Interessant auch, dass sich Promar darüber beklagt, dass keine der angeblichen "Delfinschutzorganisationen" kompetente Hilfe angeboten hat, bzw. anbieten konnte.
    Fachwissen ist da offenbar Mangelware, weswegen Promar jetzt erst einmal mit wissenschaftlich geführten Delfinarien zusammenarbeiten möchte, um für künftige Strandungsfälle das erforderliche Fachwissen zu erwerben.

    Ganz offenbar haben ordentlich geführte Delfinarien doch einen Sinn, wenn es um kompetenten und erfolgreichen Tierschutz geht. Guter Wille und esoterisches Sendungsbewusstsein reicht einfach nicht, um den Tieren wirksam zu helfen.

    geschrieben von Norbert

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