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Sind Delfine klüger als Hunde?


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MEERESAKROBATEN/6. Februar 2015
Übersetzung eines Teils des bbc-Artikels Are dolphins cleverer than dogs?

Der Delfin-Experte Justin Gregg sucht in einem Artikel in bbc.com nach einer Antwort auf eine interessante Frage: „Sind Delfine klüger als Hunde?“

Aufmerksamer Chicco (Foto: Rüdiger Hengl)

Aufmerksamer Chicco
(Foto: Rüdiger Hengl)

Viele behaupten, dass Delfine – was die Intelligenz angeht – gleich nach dem Menschen kommen. Als Argumente dienen dann Sätze wie
* „Delfine sind sehr sozial.“
* „Delfine sind verspielt.“
* „Delfine können sich unterhalten.“
* „Delfine verstehen die Anweisungen eines Trainers.“

Schlaue Hunde

Doch was ist mit den Hunden? Jüngere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass Hunde viel intelligenter sind, als bisher angenommen wurde. In manchen Intelligenz-Tests schneiden sie sogar besser ab als Delfine und Menschenaffen.

Laurie R. Santos ist Psychologin an der Yale University in New Haven, Connecticut/US. Die Wissenschaftlerin befasst sich mit dem Verhalten von Affen und Hunden. Sie stellte fest, dass Hunde versuchen, menschliche Botschaften zu verstehen.

Wenn Herrchen oder Frauchen mit dem Finger in eine Richtung zeigt, weiß der Hund, dass in dieser Richtung etwas Bestimmtes sein muss. Sie folgen mit ihren Augen dem Finger.

Affen tun dies nicht, selbst wenn der Finger des Menschen auf Futter zeigt. Delfine dagegen reagieren auf den ausgestreckten Finger und ihre Augen folgen dem „Zeigestock“.

Wörter und Sätze

Justin Gregg stellt in seinem Artikel Chaser vor. Chaser ist ein Border-Collie-Weibchen aus den USA. Sie versteht 1.000 verschiedene Wörter.

Jedes Wort definiert ein Spielzeug. Chaser bringt immer treffsicher das Spielzeug, dessen Name ausgesprochen wurde. Sowohl Affen als auch Delfine stehen bei dieser Gedächtnisleistung zurück.

Die neugierigen Duisburger  (Foto: Rüdiger Hengl)

Die neugierigen Duisburger
(Foto: Rüdiger Hengl)

Allerdings haben trainierte Delfine, laut Gregg, die Fähigkeit entwickelt, einfache Satzbauten zu begreifen. Sie sind dadurch in der Lage, nicht nur eine gewisse Anzahl an unterschiedlichen Gegenständen zu holen, sondern auch auf Anweisung etwas zu imitieren oder Gegenstände durch ein Hindernis zu befördern.

Problemlöser

Delfine sind außerdem Meister des Problemlösens.

Justin Gregg gibt auch hierzu ein Beispiel: Bei einem Experiment in einem Delfinarium zeigten die Tiere ein ganz besonders cleveres Verhalten. Sie sollten Gewichte einsammeln und auf eine Box legen. Wenn alle Gewichte aufgelegt waren, bekamen sie aus der Box eine Belohnung.

Die Delfine schwammen nun nicht hin und her, um ein Gewicht nach dem anderen auf die Box zu legen, sondern sie sammelten zunächst alle Gegenstände ein und legten sie auf einmal auf die Box. So sparten sie Energie und kamen trotzdem an den Leckerbissen. Dieses Verhalten zeigt, dass Delfine planen und abstrakt denken können.

Auch beim Spiegeltest schnitten Delfine besser ab als Hunde. Delfine erkennen sich im Spiegel, Hunde meist nicht.

Delfin-Lagune (Foto: Rüdiger Hengl)

Delfin-Lagune in Nürnberg
(Foto: Rüdiger Hengl)

Wer ist intelligenter?

Doch es ist nicht leicht, zu definieren, was intelligentes Verhalten ist, gibt der Delfin-Experte zu bedenken. Ist jemand, der in Algebra gut ist, intelligenter als jemand, der es versteht, andere Leute zu motivieren?

Kann man überhaupt menschliche Maßstäbe in Bezug auf Intelligenz an nicht-menschliche Wesen anlegen?

Mensch ist Architekt der Hunde-Intelligenz

Hunde wurden gezüchtet, um mit Menschen klarzukommen. Sie haben sich mit der Zeit so weit entwickelt, dass sie verstehen, was Herrchen oder Frauchen von ihnen wollen. Der Mensch ist quasi der Architekt der Hunde-Intelligenz.

Delfine haben ihr Denken und ihre Fähigkeiten in einer Welt entwickelt, in welcher der Mensch keine Rolle spielt. Trotzdem erscheinen sie uns intelligent, weil ihr komplexes Sozialverhalten uns an das eigene Sozialverhalten erinnert und weil wir Delfine lieben.

Delfin-Verhalten hat mit unserem Verhalten nichts zu tun

Auch wenn Delfine große kognitive Fähigkeiten beweisen, so sollte man sie nicht mit anderen Wesen vergleichen. Das meint zumindest die bereits oben erwähnte Wissenschaftlerin Laurie R. Santos. So benutzen Delfine ihr Echolot, um Fische im Sandboden zu finden, oder schlafen nur mit einer Gehirnhälfte, um sich vor Feinden zu schützen oder um zu atmen. Dieses Verhalten hat mit unserem nichts zu tun.

Intelligenz ist abhängig von Bedürfnissen

Die Art, wie ein Delfin denkt, ist eine direkte Folge der körperlichen, sozialen und ökologischen Anforderungen. Das Gleiche gilt für Hunde. Und da jede Art ihre eigenen Bedürfnisse hat, hat jede Spezies ihre eigene Art und Weise des Denkens. Hunde orientieren sich hauptsächlich über den Geruchssinn und nicht wie wir über den visuellen Sinn. Sind Hunde deshalb weniger intelligent als wir?

Delfineeeee!  (Foto: LaMar-Reisen)

Delfineeeee!
(Foto: LaMar-Reisen)

Mutter mit Jungtier (Foto: Rüdiger Hengl)

Mutter mit Jungtier
(Foto: Rüdiger Hengl)

Für den Menschen dagegen ist nicht die Geruchswelt des Hundes wichtig, sondern es sind Dinge wie Landwirtschaft, Technik und Wissenschaft und schließlich die Weltraumforschung und Kernspaltung.

Objekt-Abwesenheit

Noch ein Versuch soll zeigen, wie unterschiedlich Tier und Mensch ihre Intelligenz gebrauchen. Es geht um die sogenannte „Objekt-Abwesenheit“. Darunter versteht man, dass Wesen wissen, dass ein Objekt durchaus existiert, auch wenn es seiner Wahrnehmung entzogen ist.

Wird zum Beispiel hintereinander Futter an zwei verschiedenen Orten A und B versteckt, sucht der Hund es an dem Platz A, wo es zuerst versteckt wurde. Das tut er selbst dann, wenn er beobachtet hat, dass das Futter am anderen Ort B versteckt wurde. (Quelle Wikipedia)

Kleine Kinder ab etwa zwei Jahren suchen ein Spielzeug, selbst wenn es ihren Augen entzogen und versteckt wurde. Sie suchen es dann unter der Decke. Auch Affen beherrschen diese kognitive Fähigkeit. Doch Delfine und Hunde müssen hier passen. Sind sie deshalb weniger intelligent als andere Säugetiere?

Nein, natürlich nicht. Hunde und Delfine sind im Gegensatz zu uns und den Primaten nicht vorrangig Augentiere. Sie erfassen ihre Umwelt vor allem über andere Sinne (siehe oben). Aus diesem Grund schneiden sie wahrscheinlich bei diesem Test nicht so gut ab.

Der Hammer-Schraubenzieher-Vergleich

Ein Vergleich der Intelligenz verschiedener Wesen ist also schlichtweg unmöglich. Genauso sinnlos ist es zu fragen, welches Werkzeug besser sei – ein Hammer oder ein Schraubenzieher. Es kommt eben darauf an, welche Aufgabe man mit dem Werkzeug bewältigen möchte …
(Quellen: bbc.com und Wikipedia)

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* Delfin-Gehirn und tierische Intelligenz
* Wie „blinde“ Delfine Aufgaben lösen

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