Berichte

Forschung im Nürnberger Tiergarten


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Auf dem Oberschnabel befinden sich kleine Gruben. (Foto: Tim Hüttner)

Auf dem Oberschnabel befinden sich kleine Gruben.
(Foto: Tim Hüttner)

An welcher Uni machst du deine Masterarbeit?

Ich habe meine Masterarbeit zwar an der Universität Bayreuth geschrieben, allerdings hat mich letztendlich Prof. Dr. Guido Dehnhardt von der Universität Rostock betreut und als offizieller Zweitgutachter meine Arbeit auch bewertet.

Seit wann forschst du zu diesem Thema?

Speziell an der Elektrorezeption „forsche“ ich nun seit über zwei Jahren. Im Frühjahr 2014 habe ich begonnen, mich in das Thema Elektrorezeption einzuarbeiten.

Für den Sotalia-Delfin (Sotalia guianensis) konnte bereits gezeigt werden, dass dieser elektrische Felder bis zu einer elektrischen Feldstärke von gerade einmal 4,6 Mikrovolt pro Zentimeter wahrnehmen kann.

(Anmerkung Meeresakrobaten: Diese o.g. Impulse sind etwa 2.000.000 Mal schwächer als diejenigen, die von einer 9-Volt-Batterie als Reiz ausgehen.)

Im März 2014 war ich dann auch zu einem Praktikum in Rostock im Marine Science Center und habe dort meine ersten Erfahrungen mit dem wissenschaftlichen Arbeiten mit Meeressäugern gemacht. Im September 2014 habe ich dann vor Ort gemeinsam mit den Trainern in der Nürnberger Lagune mit dem Training der Delfine angefangen.

Tim mit dem Versuchsgerät (Foto: Tim Hüttner)

Tim mit der Versuchsvorrichtung
(Foto: Tim Hüttner)

Visueller Reiz über Lampe (Foto: Tim Hüttner)

Visueller Reiz über Lampe
(Foto: Tim Hüttner)

An welchem Ort und mit welchen Großen Tümmlern forschst du?

Meine Versuche führe ich im Tiergarten Nürnberg mit den beiden Delfinen Kai (6 Jahre) und Anke (33 Jahre) durch. Im Moment trainiere ich zusätzlich noch mit den beiden Delfinweibchen Donna und Dolly (beide 9 Jahre, geb. 2007) daran, auch mit diesen beiden Tieren bald Versuche durchführen zu können.

Wie lange dauert eine Forschungseinheit mit den Delfinen?

Je nach Anzahl der Durchgänge pro Versuchssitzung dauert eine Einheit ca. 10-20 Minuten.

Wie sieht die Apparatur aus, die für die Studien gebaut wurde?

Meine Versuchsapparatur ist quasi ein Kubus aus PVC-Rohren, den ich vom Beckenrand ins Wasser herablasse. Die Delfine haben gelernt, ein Stück in diesen Kubus hineinzuschwimmen und mit dem Schnabel an dem dafür vorgesehenen Target zu stationieren.

An der Apparatur sind z. B. zwei LED-Lampen, ein Wasserschlauch oder die Reizelektrode angebracht und so kann ich dem Delfin verschiedene Signale präsentieren (Töne, Lichtsignale, taktile Signal (Wasserstrahl) oder eben einen elektrischen Reiz).

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4 Kommentare

  1. Pingback: Meeresakrobaten | Guten-Abend-Ticker im Juni

  2. Anmerkung von einem Elektoringenieur:

    Für den Menschen spürbar sind Ströme von 0,0005 A, was bei einem Körperwiderstand von durchschnittlich 2000 Ohm (laut VDE Richtlinie 0100) Spannungen von ca. 1 V erfordert – oder im Wasser irgendwas um die 0,75 – 1 V/m.

    (Lebens-) gefährlich wird’s ab dem 50-fachen (0,02 A Körperstrom bzw. 50 V/m im Wasser -> willentlich nicht mehr beeinflussbare Muskelkontraktion, sowie pathogene Elektrolysevorgänge, die bei längerer Einwirkung zur Gewebezerstörung führen).

    Die von Rüdiger genannten Feldstärken in (trockener) Luft sind nochmal eine komplett andere Sache – zudem macht es einen gewaltigen Unterschied, ob es sich um statische Felder (Gewitterwolke), langsam veränderliche (Bahnstrom/Hochspannungsleitungen) oder Hochfrequenz-Felder (Funkwellen UKW / HF / UHF / „Handystrahlung“) handelt.
    An der Luft sind (statische) Feldstärken bis über 10.000 V/m zumindest kurrzeitig völlig harmlos, solange es nicht zu Überschlägen kommt. Die Durchschlaggrenze liegt (je nach Luftfeuchtigkeit) zwischen 100.000 V/m (sicher kein Überschlag) und 1.000.000 V/m (garantierter Überschlag)
    Insofern führen diese Vergleiche komplett in die Irre.

    Was Delfine offenbar spüren können, sind Feldstärken, die durch das Nervensystem und die Muskeln von Menschen und Tieren verursacht werden, und diese liegen fast 1000-fach niedriger, als das, was ein Mensch gerade noch wahrnehmen kann. Sie liegen in einem Bereich, für den man schon ziemlich aufwändige Meßinstrumente auffahren muss, um sie überhaupt messen zu können.

    Von daher ist es eine wirklich sensationelle Entdeckung, dass Delfine offenbar einen weiteren, beim Menschen nicht vorhandenen Sinn besitzen!

    geschrieben von Norbert
  3. Vielen Dank für die interessante Ergänzung, Rüdiger!

    geschrieben von Susanne
  4. Hochinteressanter Beitrag, dennoch nehme ich an, dass sich die meisten Menschen generell unter dem Begriff „elektrisches Feld“ und speziell unter „elektrischem Feld mit einer Feldstärke von 1 mV/cm“ (das ist die elektrische Feldstärke in Hüttners Versuchen) nichts vorstellen können.

    Dazu muss gesagt werden, dass auch in der Natur treten elektrische Felder auftreten, je nach Jahreszeit und Wetter mit Feldstärken zwischen 130 bis 270 V/m (http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/6507/). Umgerechnet in die von Hüttner verwendete Einheit mV/cm sind das 1300 bis 2700 mV/cm. Man hat als bereits bei „normalem Wetter“ (an Luft!) 1000 bis 3000 Mal höhere Feldstärken, als die, die Hüttner in seinen Versuchen verwendet.

    Bei Gewittern steigt die Feldstärke dann schon mal auf 3 kV/m bis 20 KV/m (respektive 30.000 mV/cm bis 200.000 mV/cm) an. Bei Blitzen ist die Feldstärke dann nochmal 10 bis 15 mal höher.

    Manche Menschen reagieren auf „Elektrosmog“. Dazu muss die Feldstärke aber 1 kV/m oder 10.000 mV/cm übersteigen. Diese oft „Elektrosmog“ genannten Felder sind dann aber bereits 10.000 Mal stärker als die, auf die Delfine reagieren können. Insofern ist die Sinnesleistung der Delfine für mich phänomenal.

    geschrieben von Rüdiger

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