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Zoo-Forschung dient Meeressäugern


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Meeresakrobaten, 1. August 2016

Die neugierigen Duisburger  (Foto: Rüdiger Hengl)

Die neugierigen Duisburger
(Foto: Rüdiger Hengl)

Bei der diesjährigen ISFAS-Tagung im Nürnberger Tiergarten (die MEERESAKROBATEN berichteten darüber) war u.a. auch der Delfin-Experte Prof. Dr. Vincent M. Janik von der University of St. Andrews anwesend. Von einem seiner Vorträge möchte ich heute eine kurze Zusammenfassung veröffentlichen.

Zwei Hauptaspekte

Naturschutzforschung – in Bezug auf Delfine – hat laut Prof. Dr. Vincent M. Janik zwei Hauptaspekte im Blick:

  • Einmal wird die Anzahl der Delfine in einer bestimmten Region sowie der Zustand einer Population untersucht,
  • zum anderen wird eingeschätzt, inwieweit die Tiere von Umweltfaktoren und von mensch-gemachten Stressauslösern beeinträchtigt werden.

Studien in zoologischen Anlagen sind wichtig

Nicht nur Freilandbeobachtungen, sondern auch Studien in Zoos spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, das Leben von Meeressäugetieren besser zu verstehen sowie etwas zu deren Schutz zu tun. Dabei sind experimentelle Annäherungen in zoologischen Anlagen für Erkenntnisse oft dienlicher als Beobachtungen in der natürlichen Umgebung.

Beispiel: Die Untersuchung einer zeitweiligen Hörschwellenverschiebung ist nur möglich, wenn das Hörvermögen eines Tieres wiederholbar vor und nach einem Geräuscheinfluss gemessen werden kann.

Messwerte des Hörvermögens benötigt man außerdem als Ausgangswerte für weitere Untersuchungen, die den Lärmeinfluss auf Meeressäuger zum Thema haben. Fast alle Skalen zum Hörvermögen von Meeressäugern werden in Zoos erstellt. Im Freiland wären derartige Messungen nicht möglich.

Prof. Dr. Vincent M. Janik erklärt die Arbeit mit Hydrophonen. (Foto: Rüdiger Hengl)

Prof. Dr. Vincent M. Janik erklärt die Arbeit mit Hydrophonen.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Sender werden in Zoos fürs Freiland getestet

In Zoos werden neue Methoden ausgearbeitet und getestet, wie man Wildtiere erforschen kann. So weiß man durch Studien im Duisburger Delfinarium, wie man die Laute der wildlebenden Artgenossen aufnehmen kann. Die Tests werden mit bestimmten Sendern durchgeführt, nämlich den sogenannten DTAGs (Digital Acoustic Recording Tag), welche die Laute der Großen Tümmler aufnehmen können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt spricht für Studien im Zoo: In einem Delfinarium muss für die Forschung kein einziges Tier gefangen werden.

Forschungen zu den Signaturpfiffen

Genauso erfolgreich wie das Testen der DTAGs erfolgten Untersuchungen zu den Signaturpfiffen, die ebenfalls im Duisburger Zoo vorgenommen wurden.

Die im Delfinarium erprobte Methode, wie man Delfine an ihren individuellen Signaturpfiffen erkennen kann, kann nun in freier Wildbahn angewendet werden – vor allem dort, wo die Sicht für eine visuelle Identifizierung eingeschränkt ist oder zu viel kosten würde.

Untersuchungen zur Schreckschwelle

Auch der Schreckeffekt bei Meeestieren wurde in zoologischen Einrichtungen untersucht. Studien an Delfinen sowie Robben zeigten, wie die Tiere auf Geräuschimpulse reagieren. Die Ergebnisse können Aufschluss darüber geben, welche Störungen Rammgeräusche (Stichwort Windkraftanlagen) im Meer oder von Schiffen verwendete Sonarimpulse für die Meeressäuger bedeuten.

Diese Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt der Studien in Zoos, die in Bezug auf Erhaltungsmaßnahmen im Freiland einen hohen Stellenwert einnehmen.
(Quelle: Referat von Prof. Dr. Vincent M. Janik, „How can Zoo Research on Marine Mammal Acoustics support Conservation Efforts in the Wild?“; das Referat wurde anlässlich der zwiten ISFAS im Nürnberger Tiergarten gehalten.)

Aktuelle Studie im Nürnberger Tiergarten

Erst vor kurzem hatte ich über eine Studie im Nürnberger Tiergarten berichtet. Dabei ging es um kleine Gruben auf der Schnauze der Delfine, mit denen die Tiere minimale elektrische Ströme wahrnehmen können. Siehe dazu auch Forschung im Nürnberger Tiergarten.

Lesetipps zum Thema

* Forschung im Nürnberger Tiergarten
* Zum Wohlbefinden von Zootieren
* Wissenschaft im Zoo
* Ein kleiner Eindruck von der Freilandforschung
* Live-Demonstration an der Lagune
* Biologen-Blog
* Delfin-Expertin im Duisburger Zoo

3 Kommentare

  1. Ich wünschte nur, es würde auch hier in Duisburg mehr gegenüber dem Laienpublikum publik gemacht, dass und was geforscht wird, und welche Nutzen es bringt.

    geschrieben von Dani
    1. Deinem Wunsch wird meiner Meinung nach bereits länger entsprochen, Dani. Der Duisburger Zoo hat eine eigene Delfinarien-Website online gestellt, die über die Forschungen informiert: http://www.delfinarium-zoo-duisburg.de/forschung_publikationen.html

      Wenn man sich die einzelnen Publikationen ansieht, kann man sich bei einigen Themen sehr gut eine Übertragung der Forschungsergebnisse auf Freiland-Delfine vorstellen.

      2013 hatte ich das große Glück, eine sehr bekannte Delfin-Forscherin in Duisburg kennenzulernen und mit ihr über ihre Studien zu sprechen.

      http://www.meeresakrobaten.de/2013/08/in-der-delfin-schule/3/

      geschrieben von Susanne
      1. Susanne, das weiß ich doch, und ich denke, du weißt auch, dass ich das weiß. Aber mir geht es nicht um die ohnehin Interessierten wie uns, die muss man darüber nicht informieren, die informieren sich selber. Mir geht es um das Laufpublikum, ca. 1000 Personen pro Vorführung an einem gut besuchten Tag, plus die, die zwischendurch noch reinkommen, von denen sich die meisten aber darüber hinaus nicht mehr weiter mit dem Thema beschäftigen. Da würde ich mich nicht drauf verlassen, dass die sich hinterher zuhause hinsetzen und die Hompeage studieren. Erreicht die Information die nicht vor Ort direkt, über was für einen Kanal auch immer, dann erreicht sie sie nie. Dafür erreichen sie aber die Halbwahrheiten von altbekannter Seite, wenn sie mal wieder durch die Medien getrieben werden.

        geschrieben von Dani

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