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Bei den Delfinen in Singapur


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Gastbeitrag von Oliver Schmid (Diplom-Biologe), 28. Februar 2017

Fliegende Delfine in Singapur
(Foto: Oliver Schmid)

Vor zwei Jahren habe ich euch zusammen mit den MEERESAKROBATEN die „Rosa Delfine“ (Sousa chinensis) vorgestellt, die ich in Singapur, genauer gesagt auf der Insel Sentosa, gesehen habe.

Die „Underwater World“, wo die Tiere beheimatet waren, hat Mitte 2016 ihre Pforten geschlossen, die Delfine haben mittlerweile in China eine neue Heimat gefunden.

Wir hoffen natürlich, dass die seltenen Tiere dort gut behandelt werden, denn wie wir wissen, genügen nicht alle Delfinarien in China den Haltungsstandards, die in Europa gelten.

Doch immerhin ist das „Chimelong Ocean Kingdom“, wo die Delfine jetzt sind, eines der modernsten Aquarien der Welt.

Das S.E.A. Aquarium ist Mitglied beim Weltzooverband

Heute möchte ich euch eine weitere Institution in Singapur vorstellen, in der man Delfine (und viele andere Tiere) beobachten kann – nur wenige Hundert Meter von der ehemaligen „Underwater World“ entfernt: das S.E.A. Aquarium im Norden der Insel Sentosa.

Das S.E.A. Aquarium ist sowohl Mitglied beim Weltzooverband (WAZA) als auch bei der „European Association of Aquatic Mammals“ (EAAM) und beteiligt sich als Mitglied in der „Association of Zoos & Aquariums“ (AZA) auch am Projekt SAFE (Saving Animals from Extinction).

Als Hauptziele hat sich das Aquarium die Wissensvermittlung, den Schutz der Tiere und ihrer Lebensräume sowie die Forschung auf die Fahnen geschrieben.

Panoramascheibe im Aquarium
(Foto: Oliver Schmid)

2013 das größte Aquarium der Welt

Das S.E.A. Aquarium war bei seiner Eröffnung im April 2013 das größte Aquarium der Welt. In Becken mit insgesamt 42.800.000 Litern Wasser (damit könnte man 17 Olympia-Schwimmbecken füllen) kann man mehr als 100.000 Meerestiere bzw. mehr als 800 verschiedene Arten bewundern.

Im Aquarium sind die Bereiche nach Lebensräumen und thematisch unterteilt. So gibt es u.a. ein Haifischbecken, ein Korallenriff und einen „African Lake“.

Sehr stolz ist man auf eine riesige Panoramascheibe, die 8,30 Meter hoch und 36 Meter breit ist. Wenn man durch die 700 mm dicke, 250 Tonnen schwere Scheibe schaut, fühlt man sich in der Tat auf den Meeresboden versetzt und ein Foto kann nur einen schwachen Eindruck dieses Erlebnisses wiedergeben.

Besonders beeindruckt haben mich die majestätisch „schwebenden“ Mantarochen – ich finde, sie sehen aus wie Raumschiffe aus einem Science-Fiction-Film.

Indopazifische Große Tümmler

Indopazifischer Großer Tümmler
(Foto: Oliver Schmid)

Doch zu den Delfinen: Im S.E.A. Aquarium leben rund zwei Dutzend Indopazifische Große Tümmler. Diese stammen ursprünglich aus Wildfängen von den Philippinen.

Natürlich könnte man jetzt die Wildfänge kritisieren, doch man muss bedenken, dass die Delfinhaltung in Singapur noch recht neu ist und auch anderswo hat man schließlich mit wild gefangenen Delfinen angefangen.

Vier Jungdelfine

Obwohl die Institution noch sehr jung ist, kann man auf Sentosa auf reichhaltige Erfahrungen und viel Know-how zurückgreifen. Insgesamt kümmert sich ein internationales Team aus 35 erfahrenen Spezialisten (Veterinäre, Tierpfleger und Delfintrainer) aus mehr als zehn Ländern rund um die Uhr um das Wohlbefinden der Tiere.

Bereits viermal konnte sich das Team über Nachwuchs freuen:

  • Isabelle (* 17.12.2014)
  • Chaska (*07.10.2015)
  • Ella (*18.10.2015)
  • Kundali (*31.01.2016)

Auch hier wird es also das Ziel sein, langfristig eine eigene Zucht aufzubauen und unabhängig von Wildfängen zu werden.

Wer weiß, vielleicht gibt es ja auch später mal einen Austausch und Kooperationen mit hiesigen Delfinarien?

Interaktion mit Pflegern und Gästen

Ähnlich wie bei uns wird in Singapur ebenfalls großer Wert darauf gelegt, den Tieren Abwechslung zu verschaffen und durch Interaktionen mit den Pflegern und den Gästen, interessanten Objekten, Spielen und anderen kognitiven Stimulationen die natürliche Neugier und das Spielverhalten der Tümmler zu unterstützen.

Interaktion zwischen Trainerin und Delfin
(Foto: Oliver Schmid)

Auch das „Medical training“ ist fester Bestandteil des Betreuungs- und Trainingskonzepts. Es gibt sogar ein eigenes veterinärmedizinisches Labor.

Nach Auskunft des Aquariums verputzen die Tümmler täglich zusammen rund 160 kg Nahrung (vornehmlich Heringe, Lodden und Tintenfische), die aus Kanada, den USA und aus Island stammen.

Elf Lagunen sind miteinander verbunden

Man kann die Delfine sowohl bei einem Besuch im Aquarium zu sehen bekommen als auch beim Besuch der „Dolphin Island“, die Teil des „Adventure Cove Waterparks“ ist.

Im S.E.A Aquarium bzw. der „Dolphin Island“ gibt es insgesamt elf Bereiche („Lagunen“), die miteinander verbunden sind. Man muss es sich so ähnlich wie in Nürnberg vorstellen, wo man die Delfine auch entweder in der Lagune oder im „Blauen Salon“ unter Wasser angucken kann – nur mit dem Unterschied, dass man auf Sentosa zweimal Eintritt bezahlen muss.

Im Aquarium hatte ich das Glück, dass gerade, als ich bei den Delfinen war, eine Präsentation angekündigt wurde, die ich mir natürlich nicht entgehen ließ. Das Ungewöhnliche an dieser Präsentation war, dass die Besucher vor einer Panoramascheibe standen, während eine Taucherin den Delfin unter Wasser gezeigt hat.

Umweltschutz in Singapur
(Foto: Oliver Schmid)

Nachdem die Zuschauer darum gebeten wurden, aufgrund der empfindlichen Augen der Tiere auf die Verwendung von Blitzlichtern zu verzichten, erklärte ein Mitarbeiter des Aquariums den Besuchern die Anatomie und die Lebensweise der Tümmler, während die Taucherin jeweils das Gesagte am Tier vorgeführt hat.

Die Männchen haben ein „Ausrufezeichen“

So wurden neben den Flossen auch das Gebiss und das Blasloch gezeigt inklusive Demonstration, wie der Delfin damit ausatmet.

Es wurde erklärt, dass Delfine als Säuger immer wieder zum Luftholen auftauchen müssen.

Es wurde auch gezeigt, wie man bei Tümmlern Männchen und Weibchen unterscheiden kann. („Die Männchen haben ein Ausrufezeichen, die Weibchen zwei parallele Streifen.“)

Es wurde bei der Vorstellung auch auf die Gefährdung der Delfine hingewiesen inklusive der Bitte an die Zuschauer, nach Möglichkeit den Verbrauch an Plastiktüten zu reduzieren.

Plastiktüten

Hierzu muss man wissen, dass Singapur in Sachen Sauberkeit eigentlich sehr vorbildlich ist; Deutschland gilt ja auch als sehr sauber, aber das ist noch kein Vergleich mit Singapur. Dort könnte man von der Straße essen.

Mir ist jedoch aufgefallen, dass man in den Geschäften Singapurs sehr großzügig mit dem Verteilen von Plastiktüten ist. Selbst wenn ich nur einen einzigen Artikel gekauft habe, wurde mir eine Plastiktüte angeboten. Bei einem größeren Einkauf werden zusätzlich oft mehrere kleinere Tüten nochmals in größere Plastiktaschen verpackt, sodass eine Familie in Singapur an einem Wochenende mehr Plastiktüten mit nach Hause nimmt, als ein Durchschnittshaushalt hierzulande in einem halben Jahr verbraucht.

Insofern fand ich es sehr wichtig, dass das Aquarium dazu beiträgt, dass die Leute ein wenig umweltbewusster denken.

Delfin-Insel auf Chinesisch
(Foto: Oliver Schmid)

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Ein wenig Sprachunterricht in Chinesisch:

  • 海豚 heißt „Delfin“ (das sind zwei Zeichen). Das dritte Zeichen (mit dem Pi im Kästchen) bedeutet: „Stück Land, auf dem man Pflanzen anbaut; auch Garten oder Park“.

Die zwei Zeichen für „Delfin“ könnt ihr wiederum unterteilen:

  • 海 bedeutet „Meer“, wobei die drei Striche links sehr oft bei Zeichen am Anfang stehen, die etwas mit Wasser zu tun haben. So findet ihr die drei Striche links auch bei dem Wort für „Schwimmen“ wieder: 漂
  • 豚 bedeutet „Säugetier“.


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Begegnung mit Delfinen

In der „Dolphin Island“ werden unterschiedliche Begegnungen mit Delfinen angeboten; je nach Preisklasse und Interesse kommt man den Delfinen dort mehr oder weniger nahe.

Die Programme reichen vom „Dolphin Encounter“, in dem man die Tiere vom Beckenrand aus erklärt bekommt, über „Schwimmen mit Delfinen“ bis hin zum „Trainer for a Day“, bei dem man unter anderem auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und Trainern, Tierpflegern und Veterinären über die Schulter schauen und aktiv mithelfen kann, um die Delfine und die tägliche Arbeit dort kennenzulernen.

Ich selbst habe mich mit dem „Dolphin Encounter“ begnügt. Wir haben erwähntes Delfinkalb „Kundali“ und ihre Mutter „Rani“ gesehen. Die kleine Kundali ist ähnlich temperamentvoll wie „Nami“ in Nürnberg und kann schon tolle Sprünge, die sie auch ohne Aufforderung ausübt.

„Rani“ durften wir auch streicheln, der Trainer verriet uns, dass Rani kitzlig ist!

Souvenirs
(Foto: Oliver Schmid)

Ich hätte euch gerne ein Foto von den beiden gezeigt, aber in der „Dolphin Island“ darf man selbst leider keine Fotos machen; es gibt nur die Möglichkeit, Fotos, die von den Mitarbeitern während des Besuchs gemacht werden, zu erwerben (allerdings zu einem recht stolzen Preis von umgerechnet ca. 34 €).

Bei YouTube gibt es einen Film, in dem gezeigt wird, worauf man bei der Begegnung mit den Dolphin-Island-Delfinen achten und was man vermeiden soll.

Postkartenfreie Zone

Selbstverständlich gibt’s sowohl im Aquarium als auch am Ausgang der Dolphin Island Souvenierstände, an denen sich kleine und große Delfinfreunde ein Andenken an ihre Lieblinge mitnehmen können.

Hier ist mir eine kleine Kuriosität am Rande aufgefallen: Ich habe in keinem der beiden Verkaufsstellen eine Postkarte des Aquariums oder der Dolphin Island finden können.

Es scheint wohl so zu sein, dass in Singapur das Schreiben von Postkarten nicht so verbreitet ist wie bei uns, denn hier kenne ich eigentlich keinen Zoo und kein Aquarium, das nicht zumindest eine kleine Auswahl an Postkarten mit Bildern der beliebtesten Tiere anbieten würde.

Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch, wenn Gäste öfters danach fragen…

Jedenfalls hat mir der Besuch sehr gefallen und ich kann jedem Freund von Meerestieren empfehlen, im S.E.A. Aquarium vorbeizuschauen, wenn ihr mal nach Singapur kommen solltet.

Ich möchte mich abschließend noch recht herzlich bei Frau Jane KOH Puay Tien vom S.E.A. Aquarium für die überlassenen Informationen über das Aquarium bedanken.

6 Kommentare

  1. Wer mehr über die Delfinhaltung in Singapur wissen möchte, kann sich auf der FAQ-Seite des Aquariums informieren
    http://seaa.rwsentosablog.com/faq/
    (ziemlich unten unter „F. Caring for Dolphins“)
    Dort wird auch offen auf Kritikpunkte eingegangen und auch zu den Wildfängen Stellung genommen.

    Je mehr ich mich über das S.E.A. Aquarium informiere, desto mehr merke ich, wie viele Parallelen und Gemeinsamkeiten es zwischen der Delfinhaltung in Singapur und in Deutschland gibt.
    Die Philosophie in Singapur ist – was den Umgang mit den Delfinen betrifft – sehr ähnlich wie in den Delfinarien hier: das Training erfolgt durch positive Verstärkung, die Delfine entscheiden selbst, ob sie an den Übungen teilnehmen wollen oder nicht und es wird darauf geachtet, dass die Tümmler genügend Zeit für soziale Interaktionen untereinander und zum freien Spielen haben. Auch dort gibt es wie bei uns ein sehr enges Vertrauensverhältnis zwischen Tierpflegern und Delfinen.

    Und auch die Kritikpunkte und Forderungen, die von vermeintlichen oder echten Tirschützern vorgebracht werden, entsprechen fast 1:1 denen in Deutschland…

    geschrieben von Oliver
  2. Vielen Dank für eure Kommentare!

    Ich denke, dass Menschen, die in Inselstaaten leben, einen ganz anderen Bezug zu Meerestieren haben als diejenigen, deren Zuhause Binnenländer sind. An der Küste wird das Meer als Ressource genutzt. Dafür dürfen wir niemanden verurteilen.

    Auch beruhigt es mich, dass das S.E.A. Aquarium dem Weltzooverband angeschlossen ist und somit auch dessen Richtlinien akzeptiert.

    Da der Weltzooverband Länder auf der ganzen Welt vertritt und somit ganz verschiedene Mentalitäten der Mitglieder, bleibt es nicht aus, dass nicht nur auf Nachzuchten in Zoos gesetzt wird. Bei der einen oder anderen Tierart wird es immer wieder Wildfänge geben.

    Wir können uns in Deutschland glücklich schätzen, dass unsere zoologischen Einrichtungen mittlerweile ohne Wildfänge auskommen. Auch in Singapur gibt es bereits Delfine, die im Delfinarium geboren sind.

    Ich rechne es der WAZA auch hoch an, dass sie dafür gesorgt hat, dass keine Mitglieder mehr aufgenommen werden, welche die Delfin-Treibjagd in Taiji befürworten und von dort Delfine beziehen. Es liegt auch im Interesse der WAZA, dass das Töten und Fangen vor der japanischen Küste ein Ende nimmt, auch wenn das sogenannte Dolphin Drive zu den Traditionen der Japaner gehört. Die WAZA hat für die veränderte Einstellung des japanischen Zooverbands JAZA zehn Jahre lang gekämpft.

    Hier ein kleiner Auszug aus der WAZA (World Association of Zoos and Aquariums = Weltzooverband):

    Our commitment is to:
    • strive to achieve high welfare standards for
    the animals in our care;
    • be animal welfare leaders, advocates and
    authoritative advisers; and
    • provide environments that focus on the
    animals’ physical and behavioural needs.
    In doing this, we commit to:
    • treat all animals in our zoos and aquariums
    with respect;
    • make high animal welfare standards a
    major focus of our husbandry activities;
    • ensure that all husbandry decisions are
    underpinned by up-to-date animal welfare
    science and veterinary science;
    • build and share with colleagues animal
    care and welfare knowledge, skills and best
    practice advice;
    • comply with specific animal welfare
    standards set out by regional zoo and
    aquarium associations and WAZA; and
    • comply with jurisdictional and national
    codes of practice, regulations and
    legislation as well as international treaties
    relating to animal care and welfare.

    geschrieben von Susanne
  3. So einfach ist das Ganze leider auch nicht.
    So problematisch Wildfänge sind, so wichtig ist es gerade im asiatischen Raum, überhaupt erste einmal ein öffentliches Bewusstsein für das Leben unter Wasser zu schaffen. Zudem gibt es im asiatischen Raum weder ein ordentlich koordiniertes Zuchtprogramm, noch haben dort Delfine auch nur annähernd den Stellenwert, wie in Europa/USA/Australien.
    Für die meisten Asiaten sind Delfine einfach irgend ein Tier, das im Ozean herumpaddelt und dort in Massen vorkommt. Vielleicht ähnlich, wie hierzulande Seelöwen wahrgenommen werden – um die schert sich auch praktisch niemand, obwohl die nachweislich wohl genauso intelligent sind, wie Delfine.

    Von daher ist es etwas billig, die dortige Delfinhaltung pauschal zu verurteilen – immerhin ist sie ein wichtiges Element, um überhaupt erst einmal ein Umweltbewusstsein für die Meerestiere zu schaffen.

    Ob man dafür auf Nachzuchten hätte zurückgreifen können, ist auch eine schwierige Frage: Karibische Große Tümmler (wie in den westlichen Nachzuchtprogrammen ausschließlich vorhanden) gehören dort schlicht nicht hin (und würden wohl auch nicht dorthin geliefert), und ein ordenltliches koordiniertes Zuchtprogramm für pazifische Große Tümmler gibt es wohl (noch) nicht.

    Zuletzt bleibt noch die Frage, ob es für die Wildfänge nun wirklich so ein schlimmes Los ist, in diesem Delfinarium gelandet zu sein – Hungrige Orcas, Haie, Parasiten und gelegentliche Taifune sind jetzt auch nicht so übermäßig toll – im Vergleich zu Vollpension mit medizinischer Versorgung und täglichem Animationsprogramm.
    Aber darüber kann man bekanntlich trefflich streiten …

    geschrieben von Norbert
  4. Vielen Dank, Oliver, für den interessanten Bericht. Dass allerdings alle Ursprungs-Delfine aus Wildfängen stammen, stößt mir sehr, sehr bitter auf und dafür gibt es, meiner Meinung nach, keine Rechtfertigung, damit eine neue Delfinzucht aufzubauen. Da diese Wildfänge anscheinend ja noch nicht so lange her sind, sind sie einfach inakzeptabel! Ich bin kein Freund des Slogans „Don´t buy a ticket“ (weil man es so pauschal nicht sagen kann), aber hier – wenn ich weiß, dass rund zwei Dutzend Wildfänge gehalten werden, kann ich dem nur zustimmen!

    geschrieben von Frank Blache
    1. Prinzipiell sehe ich es genauso wie du, Frank. Ich hätte auch meine Probleme, eine Einrichtung zu besuchen, deren Bestand fast komplett aus Neu-Wildfängen besteht. („Hätte“ weil die Chancce für mich, nach Singapur zu kommen äußerst gering ist.)
      Was allerdings das „Don‘ t by a ticket“ betrifft – sofern es das nicht unterstützen von Wildfängen geht – ist das hier auch nicht unbedingt die richtige Adresse. Die Tiere sind jetzt da, das sind vollendete Tatsachen, auch wenn sie mir nicht behagen. Aber die Haltung scheint zu stimmen und – in dieser Frage das entscheidende – man ist offenbar entschlossen, auf weitere Wildfänge zu verzichten. Da sehe ich den großen Unterschied zu den zahlreichen halbseidenen Touristenattraktionen, die es in dieser Gegend gibt und die ihre Bestände munter durch Wildfänge wieder auffüllen.

      geschrieben von Dani
    2. Hallo Frank,
      ich hatte ja geschrieben, dass man das mit den Wildfängen durchaus kritisch sehen kann und auch ich bin nicht unbedingt ein Verfechter von Wildfängen, aber das muss man denke ich differenzierter sehen.

      Denn wir in Europa (und den USA) „argumentieren“ aus einer recht bequemen Position heraus: klar, sind heute soweit, dass wir (fast?) ohne neue Wildfänge auskommen, doch das hat ein halbes Jahrhundert gedauert, bis wir eine sich selbst erhaltende Population erreicht haben. Wie gesagt: auch wir haben mit Wildfängen angefangen und ich finde, es wäre nicht ganz ehrlich, wenn wir jetzt sagen: „Wir haben in den 1960er und 1970er Jahren Delfine aus der Natur entnommen und mit unserer Zucht begonnen. Aber ihr dürft das heute nicht – kauft uns gefälligst einige von unseren Nachzuchten ab, wenn ihr Delfine haben wollt“.

      Ich bin deshalb sehr vorsichtig darin, das Aquarium in Singapur für die Wildfänge zu verurteilen.
      Ohne Zweifel werden diese Wildfänge in SIngapur durch den reichen Erfahrungsschatz heute viel besser behandelt und leben unter viel besseren Bedingungen als unsere Delfine in den 1960er/70er Jahren. Und wie berichtet, ist ja auch dort das Ziel, von Wildfängen unabhängig zu werden. Ich bin mir auch sicher, dass man in Singapur sehr viel schneller den Status erreichen wird, den wir heute haben.

      Es gibt aber wohl noch andere Gründe, warum die Wildfänge IN DIESEM FALL Fall für mich akzeptabel sind: wenn die Delfine, wie ich vermute, tatsächlich aus einem Gebiet stammen, dann ist es wahrscheinlich, dass man einen Teil einer Schule gefangen hat, also Tiere, die bereits eine Gruppe bilden, sich kennen und deshalb ein funktionierendes Sozialgefüge haben. Der Stress, dem die Tiere zweifellos ausgesetzt sind, ist somit denke ich vertretbar – wenn man im Vergleich dazu sich das Szenario vorstellt, dass die Delfine aus mehreren Delfinarien aus aller Welt zusammengekauft worden wären. Man hätte dann diese Tiere aus ihrem Sozialgefüge herausgerissen und zu einer neuen Gruppe zusammengewürfelt, was die Gruppenbildung sicher sehr erschwert hätte. Auch ist zu bedenken, dass die Transportwege von Europa oder den USA nach Singapur wesentlich länger sind als von den Philippinen.

      Schließlich – auch wenn dies nicht das Hauptargument sein sollte – bietet diese Population auch die Chance, mit modernen Methoden die Veränderungen zu dokumentieren, welche die Tiere innerhalb der ersten Jahre in menschlicher Obhut durchmachen, um beurteilen zu können, inwieweit sich z.B. deren Verhalten ändert. Kennt man diese Parameter, kann man die in den Delfinarien gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse sehr viel besser auf wildlebende Delfine übertragen.

      geschrieben von Oliver

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