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Überraschungen mit Spiegeltest


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Meeresakrobaten, 20. Januar 2018

Rabenvogel (Foto: U.B.)

Wie man aus diversen Studien weiß, bestehen neben Elefanten, Affen und Rabenvögeln auch Delfine den sogenannten Spiegeltest (MSR = Mirror-self recognition).

Mit diesem Standardexperiment wird festgestellt, ob und ab wann Tiere (und Menschen) sich selbst wahrnehmen können – also ein ausgeprägtes Ich-Gefühl entwickeln. Dafür wird unbemerkt eine Körperstelle markiert und dann beobachtet, ob das Testsubjekt das Mal im Spiegel erkennt.

Auch Ameisen erkennen sich im Spiegel

Selbst bestimmte Ameisenarten können sich im Spiegel erkennen.

Um ihre Reaktion zu testen, wurden den Probanden zunächst hinter einer durchsichtigen Scheibe Artgenossen präsentiert. Die Studien-Subjekte änderten ihr Verhalten nicht. Als man aber die Scheibe durch einen Spiegel ersetzte und sich die Ameisen selbst sahen, veränderten sie ihr Verhalten sofort. Sie bewegten ihren Kopf langsam vor und zurück und schüttelten ihre Fühler. Manche putzten sich vor dem Spiegel.

Ameise
(Foto: Susanne Gugeler)

Wurde in der Nähe des Mundes blaue Farbe aufgetragen, versuchten die Ameisen diese wegzuwischen. Andere Ameisen reagierten auf die markierten Artgenossen mit Aggression. Auch das beweist, dass sich die markierten Tiere selbst im Spiegel erkannten, sonst hätten sie ebenfalls auf den vermeintlichen Fremden mit Aggression reagiert.

Geruchsspiegeltest

Doch wenn ein Tier den Test nicht besteht, ist das kein Beweis dafür, dass es kein Ich-Gefühl hat. Das trifft vor allem auf Tiere zu, die sich vorrangig nicht visuell, sondern über die Nase orientieren.

Denken wir dabei nur an den Hund. Den visuellen Spiegeltest bestehen Rex und Waldi zwar nicht, dafür sind sie aber unschlagbar, von Menschen vorgenommene Manipulationen an ihrem eigenen Urin zu erschnuppern. Sie beschäftigen sich dann mit dem veränderten Geruch länger als mit dem unveränderten oder dem eines anderen Hundes.

Selbstgesteuertes Verhalten

Wie ich bereits erwähnt habe, ist ein selbstgesteuertes Verhalten Voraussetzung, um den Spiegeltest überhaupt bestehen zu können. Das Kind oder das Tier versucht, die aufgemalte Markierung abzuwischen. Der Delfin, der ja nicht über Hände verfügt, richtet sich vor dem Spiegel so aus, dass er die Markierung ansehen kann.

Befindet sich ein Spiegel in der Nähe eines Tieres, verläuft die Reaktion immer ähnlich ab. Dabei wurden von den Forschern drei unterschiedliche Komponenten beobachtet.

  • Kontaktaufnahme mit vermeintlichem Artgenossen
  • Durchführung ungewöhnlicher Bewegungen
  • Ansehen von markierten Körperteilen

Delfin mit Luftring
(Foto: Oliver Schmid)

Langzeitstudie mit Jungdelfinen

Den Spiegeltest bestehen Kinder zwischen 18 und 24 Monaten, Schimpansen mit etwa drei Jahren, manche auch früher. Das kommt auf den Reifegrad des selbstgesteuerten Verhaltens an.

Zum Spiegeltest mit Großen Tümmlern gibt es eine Langzeitstudie, die sich über drei Jahre erstreckte.

Bei früheren durchgeführten Tests wurde ausschließlich mit erwachsenen Delfinen gearbeitet. Die aktuelle Studie wurde mit zwei Jungdelfinen durchgeführt, die beide in menschlicher Obhut geboren waren. Es handelte sich dabei um die 3,5 Monate alte Bayley und den 14 Monate alten Foster.

Studienleiterin war Diana Reiss vom Hunter College in New York. Sie war es auch, die bereits 2001 eine Studie über die Selbstwahrnehmung von Delfinen veröffentlicht hatte. Unterstützt wurde sie bei ihrer aktuellen Forschung von Rachel Morrison von der University of North Carolina at Pembroke.

Zur Studie

Getestet wurde mit drei Vorrichtungen:

  • vorhandener Spiegel (23 cm breit und 45 cm hoch)
  • nicht vorhandener Spiegel
  • Rahmen ohne Reflexion

Da Bayley und Foster nicht alleine im Becken waren, wurden auch die anderen Delfine mit dem Spiegel konfrontiert. Der Fokus wurde allerdings auf die beiden Jungdelfine gelegt.

Neugierige Delfine
(Foto: Rüdiger Hengl)

Zur Innenseite des Beobachtungsraums hin war der Spiegel transparent. Weder die Forscher noch die installierten Kameras waren für die Tiere sichtbar.

Während der Testphase wurden die Delfine immer etwa 15 Minuten lang mit dem Spiegel konfrontiert.

Unterschiedliches Verhalten

Anfangs benahmen sich die Meeressäuger so, als ob sie einen Artgenossen im Spiegel entdecken würden. Dann bildete Foster vor dem Spiegel Blasen. Ohne Spiegel zeigte er dieses Verhalten nicht.

Bayley nahm ungewöhnliche Positionen ein und beobachtete sich dabei. Dieses selbstgesteuerte Verhalten zeigte Bayley bereits mit sieben Monaten. Die Studie war ein Beweis dafür, dass Große Tümmler sich viel eher in einem Spiegel erkennen als Menschenkinder.

Markierungen erst mit zwei Jahren

Aufgrund von Bedenken aus tierhalterischer Sicht, die für die ersten Lebensmonate eines Delfins keinen direkten menschlichen Kontakt erlauben, wurden die beiden Delfine erst im Alter von ca. zwei Jahren für den Spiegeltest markiert.

Dafür wurden ungiftige Marker oder ein schwarzer Lippenstift verwendet. Als Kennzeichen gab es ein X oder ein Dreieck auf einen Körperteil.

Die Markierung wurde von den Tieren unbemerkt vorgenommen. Die Farbmale wurden am Kopf hinter dem Auge und zwischen den Brustflossen angebracht. Gemessen wurde dann die Zeit der Stationierung vor dem Spiegel.

Das Verhalten der Delfine wurde vor und nach der Markierung registriert. Als Selbstwahrnehmung im Spiegel wurde gewertet, wenn sich ein Delfin nach dem Markieren eine längere Zeit vor dem Spiegel aufhielt und der markierte Körperteil vor dem Spiegel ausgerichtet wurde.

Neugeborene Delfine sind einem komplexen Umfeld ausgesetzt

Die Wissenschaftler vermuten, dass das komplexe Umfeld eines neugeborenen Delfins dafür verantwortlich ist, dass sich sein selbstgesteuertes Verhalten – anders als z.B. beim Menschen – sehr schnell entwickelt.
(Quellen: journals.plus.org und derStandard.de sowie oben eingestreute Links)

Lesetipps

* Der Delfin im Spiegel
* Delfin-Gehirn und tierische Intelligenz

5 Kommentare

  1. Ameisen, die den Spiegeltest bestehen und offensichtlich eine Art von Selbstwahrnehmung besitzen. Da wird’s mir irgendwie anders.

    Außerdem musste ich sofort an „Mieses Karma von David Safier (Autor)“ denken.

    Keine Ahnung, warum ;-)

    (hier der Link: http://www.davidsafier.de/david-safier-mieses-karma.html)

    geschrieben von Norbert
    1. ;o))

      geschrieben von Susanne
  2. Interessant geschrieben, nur oben auf dem Foto ist keine Elster sondern eine Nebelkrähe.

    geschrieben von Britta
    1. Vielen Dank für deinen Einwand, Britta. Die Fotografin geht davon aus, dass sie eine Elster fotografiert hat. Ich war leider nicht dabei, als das Foto entstanden ist. Aber um allen Kritikern gerecht zu werden, habe ich den „Piepmatz“ nun Rabenvogel getauft. Und dazu gehören ja sowohl Nebelkrähen als auch Elstern. ;o))

      geschrieben von Susanne
      1. Guter Kompromiss. Denn die Fotografin liegt leider wirklich falsch. Wie Britta sagt, das ist eine Nebelkrähe. Es ist leider oft festzustellen, dass auch bei Tierfreunden das Wissen auch und grade um die heimischen Tierarten nicht so gut aufgestellt ist, so nach dem Motto das Reh ist die Frau vom Hirsch.

        geschrieben von Dani

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