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Neue Spiegeltests mit Delfinen


Nur wenige Tierarten bestehen einen Spiegel-Selbsterkennungstest. Rabenvögel, Elefanten und Menschenaffen gehören dazu.

Delfin mit markiertem Auge
(Foto: Alina Loth)

Wenn der Proband versucht, eine markierte Stelle auf seinem Körper vor dem Spiegel zu berühren oder sie genau zu inspizieren, lässt das die Schlussfolgerung zu, dass er den Farbfleck als zu ihm zugehörig erkennt.

Verschiedene spiegelnde Flächen

Auch Delfinen wird diese Fähigkeit schon länger nachgesagt.

Die Wissenschaftlerin Dr. Alina Loth ging in ihrer vor Kurzem veröffentlichten Studie noch weiter. Sie untersuchte nicht nur das Verhalten von markierten Großen Tümmlern vor einem Spiegel, sondern auch vor anderen spiegelnden Flächen.

Studie in Delfinarien

Ihre Forschung führte sie in der Delfin-Lagune in Nürnberg und im Zoo Duisburg durch.

Die Daten wurden zwischen August und Dezember 2014 (Nürnberg) und zwischen September und Dezember 2015 (Duisburg) erhoben. Mithilfe einer täglichen Trainingsroutine wurden die in die Studie einbezogenen Großen Tümmler vollständig an die kurzfristige Trennung von ihrer Gruppe und das Markierungsverfahren gewöhnt.

Um eventuell studienverfälschende Einflüsse durch die Berührung der Haut auszuschließen, haben die Biologen die Bereiche um beide Augen der Delfine gleichzeitig markiert – einen mit sichtbarem und den anderen mit transparentem Farbstoff.

Nur eigene Markierung stand im Fokus

Die Forschenden stellten fest, dass sich die Delfine aktiv dafür entschieden, ihre sichtbar markierte Seite zu inspizieren. Sie zeigten jedoch kein gesteigertes Interesse an einem markierten Artgenossen im Becken.

Drei von vier Delfinen verbrachten mehr Zeit vor dem Spiegel

Alle Delfine hatten meist kurze Interaktionen mit dem Spiegel. Trotz dieser kurzen Inspektionszeiten verbrachten drei der vier Delfine deutlich mehr Zeit vor dem Spiegel, wenn sie einseitig mit gelbem Farbstoff markiert waren, als wenn sie beidseitig mit transparentem Farbstoff markiert waren.

Wasseroberfläche dient als Spiegel

Da die Wasseroberfläche ein guter Reflektor ist und die Delfine wahrscheinlich vor den Tests umfangreiche Erfahrungen mit Reflexionen gemacht haben, wurden auch alle Fälle gemessen, in denen ein Tier während des Experiments das eine oder andere Auge zur Wasseroberfläche gedreht hat.

Der Delfinbulle Darwin zeigte zwar kein Interesse am Spiegel, positionierte sich aber wiederholt innerhalb von 1 m Tiefe und drehte sich während der Markierungsversuche von einer Seite zur anderen.

Diese Interaktionen mit der Oberfläche traten häufiger auf und dauerten signifikant länger, wenn Darwin eine gelbe Markierung hatte, im Vergleich zu nur transparenten Markierungen.

Wenn Darwin um das linke Auge herum markiert war, verbrachte er mehr Zeit damit, auf sein linkes Auge zu schauen und drehte sich seltener nach rechts, und wenn er rechts markiert war, drehte er sich häufiger nach rechts als nach links.

Transparente Markierungen hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Seitenorientierung.

Die Ergebnisse bestätigen, dass Delfine auf Körpermarkierungen reagieren, wenn sie sich selbst in einer spiegelnden Fläche sehen.

Artgenossen ignorierten die Markierungen

Nicht in die Untersuchung mit einbezogene Delfine zeigten sowohl an mit gelbem Farbstoff markierten Artgenossen als auch an denjenigen, die mit transparentem Farbstoff versehen waren, das gleiche Interesse.

Markierungen attraktiver als Artgenossen

Bei den in die Studie einbezogenen Delfinen sah es anders aus. Die Delfine schauten auf einer reflektierenden Oberfläche bevorzugt auf gelbe Markierungen an ihrem Auge statt auf andere Tiere.

Wie sehen sich Delfine an der Luft-Wasser-Grenzfläche?

Zum ersten Mal fanden Dr. Alina Loth und ihre Kollegen Beweise dafür, dass Spiegel von Delfinen in ihrer natürlichen Umgebung verwendet werden können.

Delfine werden allerdings nicht in der Lage sein, ihren Kopf zu sehen, wenn sie sich einer flachen Luft-Wasser-Grenzfläche nähern. Sie könnten aber zweifellos Reflexionen ihres hinteren Körpers sowie anderer Delfine wahrnehmen, die mitschwimmen. Außerdem können kleine oder größere Wellen das Bild lokal verzerren und vorübergehende Ansichten des Bereichs um ihre Augen ermöglichen.

Aufblickverhalten

Dass dieses „Aufblickverhalten“ nur in Markierungssitzungen auftrat und nur mit dem markierten Auge auf die Oberfläche gerichtet war, ist faszinierend, erfordert jedoch weitere Untersuchungen, um zu klären, was das Tier sehen konnte.

Es ist ungewiss, ob Delfine in freier Wildbahn die Wasseroberfläche nutzen, um sich selbst zu inspizieren (z. B. wenn Schiffshalter sich an einem Delfin festsetzen). Zukünftige Studien sollten auf diese Weise die mögliche Nutzung der Wasseroberfläche untersuchen.

Wenn dies ein übliches Verhalten ist, haben Delfine möglicherweise eine einzigartige Veranlagung, Spiegel zu verwenden, die ihre Wahrnehmung von sich selbst beeinflussen könnten.
(Quelle: Through the looking glass: how do marked dolphins use mirrors and what does it mean?)

Lesetipps

* Delfin-Gehirn und tierische Intelligenz
* Überraschungen mit Spiegeltest

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