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Forscher tagen in Nürnberg


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Dr. Eduardo Secchi
(Foto: Susanne Gugeler)

Forschung ist teuer

10.000 US-Dollar pro Tag kostet der Einsatz eines Forschungsschiffes, haben wir von Dr. Eduardo Secchi erfahren.

Wesentlich billiger ist die Foto-Identifikation, die in der Forschung eine wesentliche Rolle spielt. Mit einer großen Datensammlung kann man das Habitat von Delfinarten ausmachen und Entwicklungen im Bestand feststellen.

Lokale Population

Secchi erforscht u.a. eine lokale Population von Großen Tümmlern in den Gewässern rund um Rio Grande do Sul (im Süden Brasiliens).

Obwohl diese Delfinart an sich im Großen und Ganzen nicht bedroht ist, sind es kleine Populationen, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommen, sehr wohl. Vor allem die Fischerei und die Industrie gefährden die Tiere in Brasilien.

Etwas über 80 Delfine leben in der Lagune Mangoeira. Hier geht die größte Bedrohung für die Tiere von der Fischerei aus. Einige Areale, in denen die Fischer ihre Netze auswerfen, sind das bevorzugte Habitat der Meeressäuger.

Es geht dabei um einen höchstens einen Kilometer breiten Streifen entlang der Küste. Wenn die Fischer einen Kilometer weiter Richtung Meer fischen, ist den Großen Tümmlern schon sehr geholfen.

In Secchis Vortrag kam deutlich zum Ausdruck, wie schwierig es ist, die Balance zu finden zwischen den Bedürfnissen der Menschen (Fischer) und den Interessen der Naturschützer.

Der La-Plata-Delfin ist ebenfalls gefährdet

Küstennah lebt auch der La-Plata-Delfin, der in seiner Heimat Franciscana genannt wird.

Der La-Plata-Delfin ist sowohl in Flüssen als auch im Meer zu Hause. Da über diesen Delfin nur wenig bekannt war, haben die Forscher Jahrzehnte lang wichtige biologische Basisinformationen z.B. über das Sozialverhalten und über relevante Reproduktionsdaten dieser Art gesammelt.

Der Lebensraum des Franciscanas erstreckt sich entlang der Küste von Brasilien bis nach Patagonien.

Laut Secchi wurden im Lauf von 35 Jahren 30.000 tote La-Plata-Delfine gefunden. Wie auch bei anderen Delfinarten stellt der Beifang das größte Problem für den kleinen Meeressäuger dar.

La-Plata-Delfin
(Foto: Dr. Lorenzo von Fersen)

Außergewöhnliches Experiment

Bei einem außergewöhnlichen Experiment, bei dem 148 tote Delfine markiert und von Fischern zurück ins Meer geworfen wurden, kam heraus, dass nur etwa 21 Prozent der Tiere an Land ankamen. Das bedeutet, dass eine hohe Zahl an Beifang-Opfern gar nicht entdeckt wird, sondern im offenen Meer versinkt.

Erfolge

2012 wurde das Fischereigesetz in Chile sowie in Brasilien novelliert. Außerdem hat die IWC (Internationale Walfang-Kommission) den Conservation Management Plan (CMP) für den La-Plata-Delfin angenommen. Es ist der erste CMP für kleine Zahnwale. Ziel des Plans ist es, das Habitat des La-Plata-Delfins zu schützen und menschliche Bedrohungen – hier vor allem Beifang – zu reduzieren.

Lesetipps

* Aktuelles über Delfinschutz und Delfinhaltung (ISFAS 2014)
* Forschung im Nürnberger Tiergarten (ISFAS 2016)

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