Berichte

Lesetipp: Geniale Giganten


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Flussdelfine aus dem Rio Apure
(Foto: Roland Edler)

2. Kapitel: Das Gehirn der Wale

Im zweiten Kapitel erfährt der Leser etwas über die Evolution der Wale – wie sie sich an den Lebensraum Wasser angepasst haben.

Ausführlich wird auf das Gehirn bzw. seine Leistungen eingegangen.

Wale und Delfine sind zu vielen Aktionen fähig:
* Sie gebrauchen Werkzeuge (Schwämme, Muscheln), um Fische zu fangen.
* Sie erkennen sich selbst im Spiegel.
* Sie verstehen abstrakte Regeln, die ihnen in Forschungsstationen beigebracht wurden.
* Sie erinnern sich auch noch nach Jahren an den „Namen“ (Signaturpfiff) eines Artgenossen.

Vergleich der Gehirne

Bartenwale haben – relativ zur Körpergröße betrachtet – viel kleinere Gehirne als Zahnwale. Durch die überproportionale Zunahme der Körpermasse entwickelte sich bei ihnen das Gehirn nicht in dem Ausmaß wie zum Beispiel bei Delfinen.

Walhirne sind stark gefaltet und weisen viele Furchen und Windungen auf. Bei Delfinen kann man Ähnlichkeiten zu anderen Säugetieren mit großem Hirn (wie Menschen und Menschenaffen) feststellen: Sie werden sehr alt, leben in stabilen Gemeinschaften und sind lange von ihren Eltern abhängig.

Orca
(Foto: Roland Edler)

Man erfährt außerdem, dass die Gehirnmasse beim La-Plata-Delfin 220 Gramm beträgt, beim Pottwal acht Kilogramm.

Das zeigt, dass Gehirne – obwohl sie eine unterschiedliche Struktur oder Größe haben – ein ähnlich komplexes Verhalten hervorbringen können. Sie sind eben nur unterschiedlich organisiert.

3. Kapitel: Kognition

Im dritten Kapitel wird beschrieben, wie das Denkvermögen der Delfine untersucht wird.

Derartige Studien können nur mit Tieren durchgeführt werden, die für die Forscher immer verfügbar sind und die es gewohnt sind, in menschlicher Obhut zu leben.

Außerdem muss mit den Delfinen oft und über lange Zeiträume interagiert werden, was mit Delfinen im Meer nur schwierig möglich ist.

In diesem Kapitel werden etliche Forscher und deren Arbeiten vorgestellt. U.a. der Mediziner und Neurowissenschaftler John Lilly, der Generationen von Wissenschaftlern zur weiteren Beschäftigung mit Delfinen veranlasst hatte.

* Diana Reiss brachte Delfinen den Gebrauch von Unterwasser-Keyboards bei.

* Denise Herzig studiert das Verhalten von Atlantischen Fleckendelfinen in deren Lebensraum.

* Lou Herman beschäftigte sich mit der Körperhaltung, den Pfeiftönen und den Klicks der Delfine.

Rundkopfdelfine mit Narben
(Foto: Roland Edler)

Bei allen Untersuchungen ging und geht es um die Kommunikation zwischen Delfinen und Menschen.

Echo-Mithören

Besonders gut gefällt mir in diesem Kapitel die Fallstudie „Echo-Mithören“.

Nah beieinander schwimmende Delfine hören die Echos mit, die von den Klicks eines Artgenossen zurückgeworfen werden. Dazu gab es Tests mit den beiden Großen Tümmlern Bob und Toby.

Toby nahm die Echos wahr, die Bob durch sein Sonar ausgelöst hatte.

Tobys Kopf befand sich bei den Versuchen teilweise über der Wasseroberfläche, sodass er selbst nicht durch Echoortung oder visuell erkunden konnte, welcher Gegenstand sich hinter einer undurchsichtigen Wand befand. Sein Rostrum, mit dem die Schallwellen empfangen werden, befand sich jedoch unter Wasser.

Toby fand das Objekt, das er selbst nicht aktiv wahrgenommen hatte, gezielt unter drei präsentierten Gegenständen heraus. Er hatte das von Bob ausgelöste Echo „mitgehört“.

Fazit: Ein Delfin kann die Echos eines anderen echoortenden Delfins interpretieren. Wenn also ein Delfin durch Sonar einen Fisch aufstöbert, hören seine Artgenossen mit. Wahrscheinlich jagen Delfine deshalb so gut in Gemeinschaft.

Es wurde auch herausgefunden, dass Delfine ihr Echolot nur einsetzen, wenn sie nicht zu dicht nebeneinander schwimmen. Wahrscheinlich würde es sonst zu einer Überlappung der Echos kommen.

Delfin-Schule
(Foto: Roland Edler)

Statt Geruchssinn Sonarsinn

Wir verbinden mit dem Duft einer Blume deren Aussehen. Das kann man testen, wenn man mit geschlossenen Augen an einer bekannten Blüte riecht.

Bei Delfinen ging der Geruchssinn allerdings im Lauf der Evolution verloren. Sie haben stattdessen die Fähigkeit entwickelt, mit geschlossenen Augen – also bei trüben Sichtverhältnissen – ihr Sonar einzusetzen, um damit zu „sehen“.

Vor etwa 100 Jahren hatte bereits der Deutsche Jakob Johann von Uexküll festgestellt, dass die unterschiedlichsten Arten zwar auf dem gleichen Planeten leben, aber in ganz verschiedenen Welten.

Auf der folgenden Seite erfahrt ihr, was im vierten Kapitel steht.

2 Kommentare

  1. Hört sich wirklich spannend an, danke für die ausführliche Darstellung. Ähnliche umfangreiche Bücher hab ich auch schon, aber die sind natürlich eher auf dem Stand von vor 20 Jahren. ;-)

    Das einzige, was mir hier negativ auffällt, ist die Titel, sowohl original, als auch die „Übersetzung“ (wirklich übersetzt ist der Titel ja nicht). Da scheint der Übersetzer eine gewisse Affinität zu Aliterationen ausgelebt zu haben, was auf mich immer etwas effektheischerisch wirkt. Wenn dann auch noch mit Begriffen wie „Weißheit“ und „genial“ operiert wird, scheint das doch eher in die esoterisch überladenen Ecke zu deuten, als zu dem umfassenden und fundierten Sachbuch, dass es offensichtlich tatsächlich ist. Beim Originaltitel ähnlich. Es klingt fast, als könnte der Verfasser die Gedanken von Delphinen lesen. Das kennen wir ja eher von einer anderen, nicht so sehr mit objektiver Faktendarstellung arbeitenden Strömung.
    Aber vielleicht ist das auch bewusste Strategie, um an das doch recht verfälschte populäre Bild anzuknüpfen, damit Leser zu interessieren, und ihnen dann umfassendes, wissenschaftlich fundiertes Wissen zu vermitteln.

    geschrieben von Dani
    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, Dani! Ich sehe das ähnlich wie du. Doch oft haben die Autoren keinen Einfluss auf die Auswahl des Titels oder die Formulierung des Werbetextes. Ich habe erst vor Kurzem von einer Autorin gehört, dass Verlage gerne mit Schlagworten rumwerfen (in ihrem Fall „Meisterwerk“), von denen sich der Autor distanziert. Der Titel muss sich halt verkaufen …

      geschrieben von Susanne

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