Berichte

Der Orca-Sprache auf der Spur


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Meeresakrobaten, 21. November 2020

In 3sat kam am 29. Oktober 2020 eine Dokumentation zur Erforschung der Orca-Sprache.

Orcas vor Vancouver Island (Foto: Frank Blache)

Der Beitrag steht auch heute noch (Stand 21. November 2020) in der Mediathek zur Verfügung.

Ich habe mir den Film angeschaut und eine kurze Inhaltsangabe verfasst. Diese bezieht sich nicht auf die gesamte Dokumentation, sondern es werden hier nur Teile auszugsweise wiedergegeben.

Zwei verschiedene Orca-Populationen

Die Studien wurden an 300 Residents und 500 Transients durchgeführt, die sich in den Sommermonaten zwischen Vancouver Island und Alaska aufhalten.

Bei den Gruppen handelt es sich um ganz verschiedene Orca-Populationen. Die Residents (Sesshaften) ernähren sich ausschließlich von Lachs, die Transients (Wanderer) von Säugetieren.

Unterschiedliches Jagdverhalten

Während die Transients bei der Jagd fast lautlos vorgehen und erst nach dem Beuteerwerb Töne von sich geben, jagen die Residents recht lautstark.

Orcas, ganz aus der Nähe/Kanada (Foto: Frank Blache)

Der Grund liegt darin, dass Delfine und Seehunde – die Beute der Transients – ihre Jäger hören können und durch deren Laute gewarnt würden.

Die Residents dagegen tauschen im Familienverband offenbar jagdstrategische Informationen aus, wenn es darum geht möglichst viel Lachs zu fangen.

Kanadisch-deutsches Wissenschaftsteam

Ein kanadisch-deutsches Wissenschaftsteam sammelte während der insgesamt 20 Wochen dauernden Feldforschung mithilfe von Unterwassermikrofonen (Hydrofonen) jede Menge Daten zu den Lauten der Orcas.

Der Schall der Orcas reicht unter ruhigen Bedingungen bis zu zehn Kilometer weit.

Die in der Freilandforschung gesammelten Daten wurden anschließend im Institut für Mustererkennung in Erlangen analysiert.

Mithilfe von maschinellem Lernen – dem sogenannten Deep Learning – wollten die Forscher mehr über die Kommunikation der Orcas erfahren.

Die große Hoffnung des Forscherteams dabei ist, dass wir irgendwann verstehen werden, was Wale sprechen.

Orca
(Foto: Roland Edler)

32 Familien

Die sesshaften Wale vor Vancouver Island bestehen aus 32 Familien. Bereits in den 1970er-Jahren wurden sowohl alle Tiere als auch die Gruppenstrukturen erfasst.

Vor allem die Finne und der Sattelfleck unterscheiden sich bei jedem Orca. Anhand dieser Erkennungsmerkmale können die Tiere gut katalogisiert werden.

Unterschiedliche Dialekte

Man fand bereits vor vielen Jahren heraus, dass die Tiere sich in unterschiedlichen Dialekten unterhalten, je nachdem welcher Familie sie angehören.

(Anmerkung Meeresakrobaten: Das wurde auch mir im Jahr 2003 bei meinem Aufenthalt in Vancouver Island von der Besatzung des Bootes Gikumi vorgeführt.)

Jede Familie bildet einen lebenslangen Bund. Dieser wird immer von einem Weibchen angeführt.

Orca in Vancouver Island (Foto: S. Gugeler)

50 unterschiedliche Rufe

Die Wale benutzen ca. 50 unterschiedliche Rufe. Es sind stereotypische Signale, die bei den Familien – wie bereits oben erwähnt – Dialekte genannt werden. Diese werden innerhalb der Familie weitergegeben.

Treffen zwei Gruppen aufeinander, kündigen sie sich wie in einer Begrüßungszeremonie an. Am Anfang ihrer Begegnung nutzten sie nur einen Ton. Nachdem sie zusammen schwimmen, setzen sie viele verschiedene Töne ein. Bei den Treffen sind die Laute länger, melodischer und komplexer als sonst.

Deep-Learning-Programme

Bislang war nur eine grobe Zuordnung der Laute möglich. Mithilfe der Deep-Learning-Programme kann nun herausgefunden werden, wie sich zwei aufeinandertreffende Gruppen akustisch verhalten. Welche Gruppe ruft, welche antwortet?

Die Wissenschaftler des Instituts für Mustererkennung wollen Millionen von Walrufen automatisch analysieren, um wiederkehrende Lautmuster mit wiederkehrenden Verhaltensmustern (zum Beispiel Jagd, Begrüßung usw.) zu vergleichen.

Die Orcas schwimmen in Küstennähe/Vancouer Island (Foto: Susanne Gugeler)

Zum ersten Mal wird in der Walforschung eine Maschine trainiert, Orca-Rufe zwischen allen störenden (meist von Schiffen stammenden) Geräuschen zu detektieren. Dafür soll ein neu programmierter Lärmfilter die Präzision erhöhen.

Der Fall Springer

Schon vor 20 Jahren konnten die Forscher die Dialekte einzelner Familien erkennen. In der Doku wird der Fall Springer erwähnt. Das Weibchen verwaiste im Alter von zwei Jahren und wurde in der Nähe von Seattle gefunden. Die Analyse ihrer Laute ergab, dass sie zum A-Clan gehörte. So war es möglich, sie wieder mit ihrer Familie zu vereinen.

Stille Transients

Von den 500 Transients hört man – wie bereits weiter oben erwähnt – bei der Jagd keine Rufe. Ihre Beute (Seehunde, Delfine) können sie nämlich exzellent hören. Erst nachdem die Beute gefangen wurde, tauschen sie Rufe aus.

Orca
(Foto: Roland Edler)

Delfine kennen den Unterschied der Laute von Transients und Residents. Vor den einen fliehen sie, zu den anderen schwimmen sie hin, um mit ihnen zu jagen und zu spielen.

Walrufe können systematischer miteinander verglichen werden

Das kanadisch-deutsche Forscherteam kann zwar noch kein Wörterbuch zur Walsprache erstellen, doch man kann Walrufe systematischer miteinander vergleichen als früher.

Künstliche Intelligenz bringt uns damit einen Schritt weiter, einen Einblick in tierische Verständigung zu bekommen.
(Quelle: 3sat – Die Sprache der Wale)

Lesetipps

* Erlebnisbericht von 2003: Kanada – Wale, so weit das Auge reicht
* Mit Frank auf Grizzly- und Orca-Suche

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